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Montag, 14. September 2026

Pferde verstehen – Bücher, Menschen und weiterführende Informationen


Chester frei neben mir – und doch liegen zwischen diesen beiden Bildern Welten.
Auf dem ersten Bild ist seine Unruhe deutlich zu erkennen. Auf dem zweiten ist er nach einer klaren, für ihn verständlichen Kommunikation sichtbar entspannt. Für mich zeigt sich darin sehr schön, was sich durch das Verständnis für das Pferd verändern kann.

Auf meinem Weg mit Pferden habe ich sehr viele Menschen, Bücher, Filme und unterschiedliche Ansätze kennengelernt.

Manches hat mich nur für eine gewisse Zeit begleitet. Manches hat meine Sicht auf Pferde nachhaltig verändert. Und manches habe ich zunächst auf eine bestimmte Weise verstanden und sehe es heute, mit meinen Erfahrungen, etwas anders.

Ich glaube deshalb nicht, dass man irgendwann eine Methode gefunden hat und damit alles weiß.

Für mich gehört zum Verständnis von Pferden auch, neugierig zu bleiben, zu beobachten, Fragen zu stellen und immer wieder zu überprüfen, ob das, was wir tun, tatsächlich zu dem Pferd vor uns passt.

Die folgenden Empfehlungen sind deshalb keine Sammlung von „richtigen“ und „falschen“ Methoden. Es sind Menschen und Quellen, die mich auf meinem Weg begleitet, mir wichtige Impulse gegeben oder meinen Blick auf Pferde erweitert haben.

Vielleicht ist auch für dich etwas dabei, das dich weiterführt.

Gertrud Pysall – Das Geheimnis der Pferdesprache

Eine der wichtigsten Grundlagen meiner eigenen Arbeit ist für mich die Beschäftigung mit der Pferdesprache.

Besonders geprägt hat mich dabei Gertrud Pysall mit ihrem Buch „Das Geheimnis der Pferdesprache“

Für mich liegt die große Bedeutung ihrer Arbeit darin, dass sie den Blick darauf lenkt, was das Pferd eigentlich mitteilt. Nicht nur: Was soll das Pferd tun? Sondern: Was sagt mir sein Verhalten? Was versucht es mir zu zeigen?

Vieles von dem, was ich heute unter Pferdekommunikation verstehe, hat hier einen wichtigen Ausgangspunkt.

Gerade deshalb möchte ich dieses Buch jedem empfehlen, der beginnen möchte, Pferde nicht nur zu beobachten, sondern ihre Kommunikation wirklich verstehen zu lernen.

K. F. Hempfling – ein wichtiger Teil meines Weges

K. F. Hempfling hat mir auf meinem Weg mit Pferden sehr viel gegeben.

Seine Beschäftigung mit der Körpersprache des Menschen, mit der Wirkung unserer Haltung und Bewegung und mit der Beziehung zwischen Mensch und Pferd hat meinen Blick auf Pferde wesentlich geprägt.

Vieles von dem, was ich damals gelernt habe, begleitet mich bis heute.

Für mich war dabei besonders wichtig zu verstehen, dass Kommunikation nicht erst dann beginnt, wenn wir bewusst ein bestimmtes Signal geben. Wir kommunizieren mit unserem ganzen Körper – durch unsere Haltung, unsere Bewegung, unsere innere Ausrichtung und durch die Art, wie wir uns dem Pferd gegenüber verhalten.

Diese Erkenntnis hat meinen eigenen Umgang mit Pferden nachhaltig beeinflusst.

K. F. Hempfling gehört deshalb eindeutig zu den Menschen, die meinen Weg geprägt haben.

H.-J. Neuhauser – Körpersprache wirklich lesen lernen

Auch H.-J. Neuhauser hat mir sehr viel gegeben.

Von ihm habe ich vor allem besonders viel über die eigene Körpersprache gelernt und wie das Pferd darauf reagiert. Dabei ging es für mich nicht nur darum, einzelne Zeichen zu erkennen, sondern darum, genauer hinzusehen.

Gerade diese genaue Beobachtung ist für meine heutige Arbeit sehr wichtig.

Denn ein Pferd und auch der Mensch kommuniziert nicht nur mit einem einzelnen Zeichen. Sein Körper erzählt ständig etwas – und oft liegt die eigentliche Information gerade in den kleinen Veränderungen.

Die Beschäftigung mit seiner Arbeit hat mir geholfen, die Körpersprache genauer wahrzunehmen und bewusster darauf zu achten, was zwischen Mensch und Pferd tatsächlich geschieht.

Timo Ameruoso – Pferdepsychologie und ein Stück Weg weiter mit Chester

Timo Ameruoso ist Pferdepsychologe. Mit seiner Arbeit und seiner Methode habe ich mich intensiv beschäftigt – besonders das autodynamische Reflexionsprinzip® und der damit verbundene Mehrwert für das Pferd hat für mich eine ganz besondere Bedeutung bekommen. 

Seine Methode hat mir letztendlich den Zugang zu Chester viel tiefer eröffnet.

Das Interessante daran ist: Es war für mich gar nicht etwas völlig Neues. Vieles von dem, was ich bei Chester mit der Arbeit von Gertrud Pysall bereits erreicht hatte, ging in eine ähnliche Richtung. Ich hatte damals gelernt, Chester besser zu verstehen und konnte dadurch einen Zugang zu ihm finden.

Irgendwann dachte ich jedoch, wenn etwas einmal geklärt und „gerichtet“ ist, müsste es auch dauerhaft so bleiben. Ich habe deshalb manches nicht weiter verfolgt und unterschätzt, wie viel bei Chester noch verborgen war.

Durch die Arbeit mit der Methode von Timo Ameruoso konnte ich dort wieder anknüpfen. Sie gibt mir einen systematischen Weg an die Hand, mit Chester an den Dingen weiterzuarbeiten, die noch in ihm stecken – und dabei genau das aufzugreifen, was bei ihm schon immer funktioniert hat.

Für mich ist das eine wichtige Verbindung:

Gertrud Pysall hat mir geholfen, besser zu verstehen, was das Pferd sagt und wie ich mit ihm in seiner Sprache kommunizieren kann.
Timo Ameruoso hat mir einen systematischen Weg gegeben, mit diesem Verständnis weiterzuarbeiten und dem Pferd zu helfen, sich selbst von tief verborgenen, belastenden Ereignissen zu lösen. 

Deshalb ist die Arbeit von Timo Ameruoso für mich eine ganz klare Empfehlung.

Tristan Tucker – TRT Method

Die TRT Method von Tristan Tucker beschäftigt sich damit, warum Pferde in bestimmten Situationen reagieren und wie man ihnen helfen kann, damit besser umzugehen.

Ein wesentlicher Gedanke dabei ist, das Pferd nicht einfach dazu zu bringen, ein unerwünschtes Verhalten abzustellen, sondern ihm zu helfen, sich in den verschiedensten Situationen selbst zu regulieren und dadurch mit schwierigen Situationen zunehmend besser zurechtzukommen.

Dieser Gedanke gefällt mir sehr.

Denn auch hier geht es nicht nur darum, ein sichtbares Verhalten zu verändern. Es geht darum, das Pferd hinter diesem Verhalten zu sehen.

Sylvia Czarnecki – Lernen und positive Verstärkung

Mit der Arbeit von Sylvia Czarnecki habe ich vieles entdeckt, was mir gefällt.

Besonders die Beschäftigung mit dem Lernen der Pferde, mit positiver Verstärkung und damit, wie Pferde Zusammenhänge lernen, fand ich interessant.

Gleichzeitig habe ich mit ihren Ansätzen bei meinen eigenen Pferden unterschiedliche Erfahrungen gemacht.

Bei Tafi konnte ich beispielsweise mit einem Belohnungston arbeiten. Sie wusste, dass auf diesen Ton ein Stück Futter folgte, und ich konnte damit bestimmte Dinge aufbauen, ohne dass sie dabei für mich sichtbar gestresst wirkte.

Bei Chester war das ganz anders. Auf die Aussicht auf eine Belohnung reagierte er eher mit Stress. Damals konnte ich mir das nicht wirklich erklären.

Durch die Beschäftigung mit der Pferdepsychologie bei Timo Ameruoso habe ich später eine Erklärung dafür gefunden, die ich bei Chester sehr gut nachvollziehen kann: Wenn Futter vom Menschen zugeteilt wird, kann beim Pferd eine Art Gefühl von Futterverknappung entstehen. Es weiß nicht, wann und wo die nächste Ressource kommt, und kann dadurch in eine Erwartungshaltung und Anspannung geraten.

Das passt für mich auch zu dem, was wir über die natürliche Lebensweise von Pferden wissen. In einer natürlichen Herde wird Futter nicht von einem Menschen portioniert und nach einem bestimmten Verhalten zugeteilt. Pferde verbringen normalerweise einen großen Teil ihrer Zeit mit der Suche und Aufnahme von Nahrung.

Bei Tafi habe ich diese Zusammenhänge damals noch nicht gesehen. Ich kann deshalb heute nicht sagen, ob sie tatsächlich völlig entspannt war oder ob ich bestimmte Stresssignale einfach noch nicht erkannt habe. Die Stressmarker, auf die ich später durch Ameruoso aufmerksam wurde, kannte ich zu dieser Zeit noch gar nicht.

Deshalb würde ich das Clickertraining heute anders einsetzen als damals.

Einige Elemente aus der Arbeit von Sylvia Czarnecki finde ich weiterhin sehr interessant und hilfreich. Mit Futter als Belohnung würde ich persönlich heute allerdings nicht mehr arbeiten.

Ihre Arbeit hat mir trotzdem wichtige Impulse gegeben und meinen Blick auf Lernprozesse beim Pferd erweitert.

Trust Technique

Die Trust Technique beschäftigt sich mit Ruhe, Vertrauen und auch dem Umgang mit Stress beim Pferd.

DIE TRUST-METHODE: Der achtsame Ansatz, der Menschen genauso hilft wie dem Tier. Angst in Vertrauen verwandeln, Distanz in Kommunikation und Training in eine wunderbare Zusammenarbeit verwandeln.

Ich finde diesen Ansatz sehr wertvoll, weil er einen Gedanken in den Mittelpunkt stellt, der für mich ebenfalls eine große Bedeutung hat:

Ein Pferd muss nicht einfach funktionieren. Es darf lernen, sich sicher zu fühlen und mit Situationen besser umzugehen.

Ruhe ist dabei nicht einfach das Fehlen von Bewegung. Sie entsteht aus einem Gefühl von Sicherheit und Vertrauen.

Die Kurse sind in englischer Sprache angeboten, die meisten davon sind aber mit deutschen Untertiteln versehen.

Chi Horsing – ein Ansatz, der mich weiterhin interessiert

Auch Chi Horsing finde ich nach wie vor interessant.

Die Beschäftigung mit feiner Kommunikation, Körperwahrnehmung und der Wirkung unserer eigenen Bewegung auf das Pferd spricht einen Bereich an, der für mich bis heute wichtig ist.

Mich interessiert dabei besonders die Frage, wie wenig wir manchmal tatsächlich tun müssen, wenn wir lernen, unsere eigene Körpersprache bewusster einzusetzen und die Reaktionen des Pferdes genau wahrzunehmen.

Für mich ist Chi Horsing deshalb weniger etwas, das man einfach als Methode übernehmen muss. Es ist vielmehr ein Ansatz, der dazu anregen kann, die eigene Wahrnehmung zu verfeinern und sich mit der Kommunikation zwischen Mensch und Pferd auseinanderzusetzen.

Gerd Heuschmann – Biomechanik des Pferdes

Wer sich intensiver mit der körperlichen Seite des Pferdes beschäftigen möchte, findet bei Dr. med. vet. Gerd Heuschmann interessante Informationen rund um Biomechanik und die Auswirkungen unseres Umgangs mit dem Pferd.

Für mich gehört auch dieses Wissen zum Verständnis eines Pferdes.

Denn Verhalten lässt sich nicht immer von seinem Körper trennen.

Wenn ein Pferd sich anders bewegt, sich einer Bewegung entzieht oder bestimmte Dinge nicht tun möchte, lohnt es sich deshalb immer auch, die körperliche Seite mitzudenken.

DIfHO und Hufbearbeitung

Mit Hufbearbeitung, Naturhuf und Huforthopädie habe ich mich ebenfalls intensiv beschäftigt.

Dabei bin ich unter anderem auf das DIfHO und auf HGM Trimming gestoßen.

Gerade HGM Trimming möchte ich hier nicht einfach unerwähnt lassen, denn ich habe selbst gute Erfahrungen für Fjölvi damit gemacht. Bei Tafi war es eher die DIIfHO Orthopädie.

Die ursprünglichen Seiten, über die ich mich damals informiert habe, sind heute allerdings nicht mehr so leicht auffindbar. Deshalb möchte ich hier lieber keinen beliebigen oder kritischen Beitrag verlinken und ihn damit als offizielle Informationsquelle darstellen.

Dai-Shodan

Auch die Arbeit von Dai-Shodan zum Thema Pferdetraining, Schrittbewegung, Muskulatur, Stoffwechsel und Haltung finde ich interessant.

Gerade die Verbindung zwischen Bewegung, körperlichen Voraussetzungen und Haltung ist ein Bereich, in dem es sich lohnt, genauer hinzusehen.

Für mich gehört auch das zu einem umfassenderen Verständnis des Pferdes: Nicht nur seine Kommunikation und sein Verhalten sind wichtig, sondern auch die körperlichen Voraussetzungen, unter denen dieses Verhalten entsteht.

EquiVetInfo

Für Informationen zu Erkrankungen und verschiedenen gesundheitlichen Themen rund ums Pferd habe ich mich auch mit EquiVetInfo beschäftigt.

Ich finde es wichtig, sich auch mit der gesundheitlichen Seite des Pferdes auseinanderzusetzen. Denn wenn wir das Verhalten eines Pferdes verstehen wollen, dürfen wir seinen körperlichen Zustand nicht ausklammern.

Solche Quellen ersetzen natürlich keine tierärztliche Untersuchung. Sie können aber dabei helfen, sich Wissen anzueignen, Zusammenhänge zu erkennen und bei bestimmten Fragen überhaupt erst die richtigen Fragen zu stellen.

Filme und besondere Beispiele

Neben Büchern und Trainern haben mich auch Filme und einzelne Videos begleitet.

Ein Beispiel ist der Dokumentarfilm auf youtube.de Der Weg des Pferdes. Er beschäftigt sich mit der Beziehung zwischen Mensch und Pferd und kann einen ganz anderen Blick darauf eröffnen, was zwischen Mensch und Pferd möglich sein kann.

Manchmal reicht es schon, etwas zu sehen und sich zu fragen:

Was sehe ich hier eigentlich?
Was macht dieses Pferd?
Wie wirkt der Mensch auf mich?
Und warum funktioniert diese Verbindung möglicherweise?

Genau solche Fragen können den eigenen Blick verändern.

Und dann gibt es noch meine eigenen Erfahrungen

Alles, was ich gelesen, gesehen und gelernt habe, ist natürlich nur ein Teil meines Weges.

Das andere sind die Pferde selbst.

Tafi, Chester, Fjölvi und Nero waren für mich auf ihre ganz eigene Weise Lehrmeister.

Sie haben mir immer wieder gezeigt, dass Wissen allein nicht genügt.

Man kann sehr viel über Pferde wissen und trotzdem einen Moment übersehen, in dem das eigene Pferd gerade etwas anderes erzählt.

Deshalb ist für mich das Beobachten so wichtig geworden.

Nicht nur:

„Wie bekomme ich dieses Verhalten weg?“

Sondern:

„Warum macht mein Pferd das gerade?“

Und noch wichtiger:

„Was verändert sich, wenn ich selbst etwas verändere?“

Vielleicht ist genau das der Punkt, an dem aus Wissen langsam Verstehen wird.

Wenn du weiter in dieses Thema eintauchen möchtest

Wenn du sehen möchtest, wie solche Gedanken nicht nur in Büchern und Methoden vorkommen, sondern mitten im Alltag mit Pferden, möchte ich dir noch eine Geschichte aus meinem eigenen Blog ans Herz legen.

In Wenn Pferde sich entschuldigen – eine Lektion von Fjölvi, Chester und Nero erzähle ich von Situationen, in denen ich beobachten durfte, wie Pferde miteinander umgehen, Konflikte lösen und wieder Verbindung aufnehmen.

Gerade solche Erlebnisse haben meinen Blick auf Pferde immer wieder verändert.

Denn manchmal müssen wir Menschen nicht lehren.

Manchmal sind wir diejenigen, die lernen dürfen.


Transparenzhinweis: Der Link zum Buch von

Gertrud Pysall – Das Geheimnis der Pferdesprache

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Lisa Peters: pferd.24-hs.de

Sonntag, 25. September 2022

Über Vertrauen gewinnen, Kommunikation und Führungsqualitäten dem Pferd gegenüber.


Folgende Situation:  
Die Stute und ihre Tochter, beide kleben seit Geburt aneinander, eine möchte nicht ohne die andere bleiben. Sie stehen mit einem Wallach zusammen in einem kleinen Wiesenauslauf.

Ich betrete den Bereich, einen kurzen Moment später kann ich sie ohne zu zappeln ruhig aufhalftern, sie folgt meinen Bewegungen freiwillig am lockeren Seil, von ihrer rufenden Mutter und der Herde weg, geht sie mit mir entspannt spazieren, weil sie mir vertraut.

 Was ist geschehen? Voran gegangen ist ein winziger Augenblick, in dem ich ihr gezeigt habe, dass sie mir wichtig ist und ich ab jetzt ihren Weg bestimmen möchte. Doch wie habe ich das geschafft?

Wahrscheinlich wie jeder Hengst eine Stute für sich gewinnt, in dem er sie absondert und weg treibt und ihre Richtung bestimmt. Es brauchte für mich nur einen winzigen Augenblick, ich habe ihr den Weg zur Mutter mit meiner Bewegung abgeschnitten und sie gestoppt. Sie hat mich sofort verstanden, weil ich in diesem Moment nicht menschlich gehandelt habe, sondern das gemacht habe, was auch ein anderes Pferd gemacht hätte um mit ihr zu kommunizieren und ihr zu zeigen, was es von ihr möchte.

Andere Situation:
Der junge Hengst will sich nicht führen lassen, zieht weg, ist schwer zu händeln.

Ich gehe zum ihm in die Halle, dort läuft er frei, ich bestimme nun seine Laufrichtung und Geschwindigkeit, stoppe ihn und lasse ihn in die andere Richtung laufen, stoppe ihn wieder, gehe auf ihn zu, nehme ihn an das Halfter und er folgt mir brav mit entspannt gesenktem Kopf am lockeren Seil im Abstand hinaus aus der Halle. Er lässt sich lieb zum Stall führen, bleibt stehen, wenn ich stehen bleibe, geht weiter wenn ich mich weiter bewege.

Sind das Zufälle? Nein. Beide Pferde waren psychisch und physisch ganz gesund, lebten in einer artgerechten Haltung, hatten noch nichts Schlimmes in ihrem kurzen Leben erlebt und haben einfach auf die Kommuniktion mit Körpersprache reagiert, weil sie die sofort verstanden haben.

Noch eine Situation:
Der junge Wallach Chester, 2-3 jährig frisch von der Fohlenaufzucht auf der Alm gekommen, gerade erst genesen von einem Kieferbruch, spürt seine Kräfte zurück kommen. Er ist sehr dominant, fühlt sich immer besser und möchte nun seine Möglichkeiten austesten, die er so lange nicht ausleben konnte.

 In seiner Bewegungsfreiheit jetzt begrenzt, in einem Offenstall mit anderen Wallachen zusammen ist er froh, dass sein Mensch ihn immer wieder heraus holt um mit ihm zu spielen.  Naturgemäß möchte er seine Kräfte messen, will die Richtung bestimmen, in dem er seinen Menschen mit zieht, steigt den Menschen an und rennt los wann er möchte.

In den geschützten Bereich der Reithalle geführt und los gelassen, kann er sich kurz austoben und seine Freiheit genießen. Er möchte den Bereich für sich markieren und sich dann gern wälzen, aber ich lasse ihn nicht, treibe ihn weg und statt dessen wälze ich mich an dem Platz, den er ausgesucht hatte. (Dazu scharre ich kurz mit dem Fuß, hocke ich mich hin und bewege mich hin und her, stehe auf, scharre wieder mit dem Fuß und pruste ziemlich zufrieden ab.) Erst dann darf er sich wälzen. Seinen Schweif trägt er nun nicht mehr ganz so hoch, sein Kopf sieht nun entspannter aus und er steht ruhig da wir können etwas pflegen und streicheln. Ich genieße den Moment der Harmonie.

Unser nächster Tag läuft ähnlich ab. Er betritt mit mir die Halle, ich wälze mich zuerst und er wälzt nicht, sondern hat einen neuen Plan ausgeheckt. Er äppelt um seinen Bereich zu markieren. Ich bin vorbereitet, ich gehe zu seinem Haufen, markiere mit einem Papiertaschentuch, dass ich dicht am Körper getragen habe und lege es über den Haufen. Er sieht mir zu dabei. Dann geht er hin schnuppert und schwupps ist das Papiertuch in seinem Maul verschwunden. 
Ich lege Nachschub drauf und lasse ihn nicht mehr hin. Da äppelt er wieder, ich hab auch noch Tücher, die ich drauf lege und das wiederholt sich gesamt 5 mal. Sein Pulver scheint verschossen, bzw er kann nicht mehr und sein Kopf senkt sich zufrieden, er kaut und schlendert herum. Ich habe ihm ein weiteres Mal gezeigt, dass ich genauso gut markieren kann wie er, aber letztendlich mehr Möglichkeiten einstecken habe.  

Ein anderes mal will er mich einkreisen, ich schicke ihn gerade aus. Dann bestimme ich seine Gangart, oder stoppe und wende ihn. Oder lasse ihn anhalten. Wieder zeigt sich, dass auch er versteht, was ich von ihm möchte. Ich möchte nur, dass er mir folgt, weil ich unser Territorium besser markieren kann, seine Richtung bestimmen kann und ihn auch stoppen kann, das heißt auf pferdisch: ich übernehme die Herdenführung. Alle weiteren Probleme haben sich damit in Luft aufgelöst. Kein Ansteigen mehr, denn man steigt seinen Chef nicht an, kein losreißen mehr, denn man folgt brav dem Chef, kein anrempeln mehr, weil das dem Chef gegenüber respektlos wäre.

Trotzdem darf er jetzt respektvoll darum bitten, zum Gras gehen zu dürfen um zu fressen indem er einfach dorthin schaut, er darf darum bitten, eine bestimmte Richtung beim Spaziergang einschlagen zu dürfen und er darf darum bitten näher kommen zu dürfen um gekrault zu werden, alles nur mit einer Andeutung von seinen Blicken. Respektvoll und ohne Druck. Er muss trotzdem respektieren, dass ich letztendlich diejenige bin, die jede Handlung erlaubt oder verbietet, beginnt oder beendet. Nur so kann er sich auf meine Führung verlassen und mir vertrauen, dass ich auch für seine Sicherheit sorge.

Bei ihm hat es eine Weile gebraucht um jetzt ein zuverlässiges, respektvolles Pferd zu werden, das von jedem Kind geführt werden kann, solange ich daneben laufe. Denn er hört auf meine Stimme, egal wie weit ich weg bin. Von überall, auch vom Spielen mit Kumpels lässt er sich nun abrufen. Auch wenn es mit ihm ein längerer Weg war, es hat sich gelohnt. Er war mein erster schwieriger Fall, aber mit ihm durfte auch ich ganz viel lernen.

Ich benutze in ausgewählten Sequenzen außer der Körpersprache und dem Stimm-Lob manchmal Futterbelohnung, aber nur nach einem Belohnungston oder Clickersignal. Druck oder Verstärkung von Druck wird manchmal auch als Impuls von mir verwendet, zum Beispiel um von einem aufdringlichen Pferd Abstand zu mir zu fordern. Das geschiet so, dass ich den Druck nicht Richtung Pferd schicke, sondern bei mir selber einen Raum schaffe, in dem ich vielleicht vor mir mit der Peitsche fuchtele, schwer zu beschreiben. Wenn das Pferd dann näher kommt, würde es in die wedelnde Peitsche laufen, aber nicht, weil ich sie dem Pferd drauf schlage, sondern weil das Pferd zu nahe kommt und rein läuft, ich kann es nicht anders beschreiben. 

Oder ich werfe ein Seil, um den Raum zu markieren, den ich beanspruche, falls es das Pferd zufällig trifft, weil es hinein läuft ist es auch nur ein Berühren, kein Schlag, kein Schmerz. Das Pferd versteht das auch nicht als Zurechtweisung dann, sondern als das Einfordern meines Raumes. 
Eine Peitsche wird von mir nur als verlängerter Arm, Zeiger oder Signalgeber benutzt. Daher können meine Pferde entspannt bei mir sein und reagieren nicht gestresst oder ängstlich. Das genügt vollkommen, denn Pferde haben die Tendenz freiwillig mit zu machen und dem Ranghöheren zu folgen, wenn sie vertrauen oder sogar belohnt werden. Das Einfordern von Futterlob kommt bei mir nicht vor, weil nur ich bestimme, wann es Futter gibt und niemals ohne Belohnungston Futter aus der Hand gebe, sofern sich das Pferd ruhig abwartend verhält. Bei einem Pferd wie Chester konnte ich anfangs nicht mit Futterlob arbeiten, weil er da zu hektisch wurde. Das kam bei ihm dann erst 2 Jahre später.

Ich wünsche mir, dass viele Menschen ihre Pferde besser verstehen, besser mit ihnen kommunizieren können und Probleme garnicht erst entstehen, oder sich wieder auflösen. Es ist so einfach, wenn man weiß wie. Dazu möchte ich ein paar Informationen bereit stellen, damit man sich selber weiter bilden kann und eine ganz neue Art der Beziehung zu seinem Pferd aufbauen kann.

Pferde sind sehr sensible Tiere. Sie erfassen unsere feinsten Bewegungen und manchmal auch die Empfindungen, die wir garnicht ausdrücken wollen. Manchmal werden Sie so behandelt, als ob sie nichts empfinden. Die Pferde können zwar wiehern, so wie Hunde bellen, aber ein Schmerzlaut wie das Jaulen des Hundes, ist ihnen von Natur aus nicht gegeben. 

Sie sind Fluchttiere und würden bei Verletzung gefährliches Raubwild anlocken. Und so leiden oft unsere "Besten Freunde" stumm und ertragen alles, was der "Mensch" im abverlangt, dem sie sich gehorsam unterordnen. Nur manchmal und auch nur, wenn es unerträglich für sie geworden ist, wehren sie sich, dann werden sie abgestempelt als Verbrecher.

Doch es gibt andere Wege, eine Kommunikation mit unseren geliebten Freizeitkameraden aufzubauen. Im Sattel, bei der sogenannten Bodenarbeit und auch der feinen, energetischen Kommunikation. Hier ein besonders wertvolles Buch 

über Das Geheimnis der Pferdesprache von Gertrud Pysall.

Hier ist ein toller Film darüber zu sehen, welches Verhältnis der Mensch zum Pferd aufbauen kann, wenn er Gefühle sprechen lässt:
youtube.de Der Weg des Pferdes - Dokumentarfilm - Deutsch Untertitel

Pferde besser verstehen, sehen Sie hier einige Beispiele als Filme:
Sie werden weiter geleitet zu youtube oder verschiedenen Websiten.
Ich möchte darum bitten, die vorgestellten Menschen und ihre Methoden, Artikel oder Filme selber kritisch zu betrachten. Auch Methoden, die sanft aussehen und eine tolle Verbindung von Mensch und Pferd zeigen, können in manchen Teilen noch hart und zwingend in der Ausbildung sein. Mein Anliegen bei der Vorstellung verschiedener Webseiten, Filme oder Texte hier ist, dass Menschen anfangen können, sich selber über den Umgang mit Pferden Gedanken zu machen. 

Einige besondere Trainer, die mich sehr inspiriert haben:

Fred Rai - S. Schnelle - K. F. Hempfling - Gerd Römbke - H.-J. Neuhauser - Tristan Tucker  - Sylvia Czarnecki

Seelische Verbindungen aufbauen: (englischsprachige Seite) Trust Technique

Auch Timo Ameruoso zählt zu den Trainern, die sich um eine gute Kommunikation von Mensch und Pferd bemühen und den ich sehr schätze.

chi-horsing.com Die feine Kommunikation mit dem Pferd.

Ein paar Videos über die hohe Schule des Reitens,
Grand Prix - Dressur mit Halsring: Hier zeigt sich, wer wirklich was kann
und hier nochmal Atemberaubend schön
Auch beim Springen geht es anders, obwohl ich nicht unbedingt vom Springsport begeistert bin: Alycia Burton

Passend zum Thema, Biomechanik des Pferdes: von Dr. med. vet. Gerd Heuschmann

Meine liebste Playlist bei youtube: über Pferdekommunikation

Interessante Artikel über die Möglichkeit verschiedene Kompetenzen im Umgang mit Pferden zu erlernen, darunter auch für Jugendliche oder Führungskräfte, finden Sie hier: 6 PDF Dateien Pädagogische Erfahrungen

Eine ganz besondere Akademie für Horsemanship gibt es hier: heinzwelz.de mit Videos

Hufbearbeitung, Naturhuf, Huforthopädie: HGM Trimming - difho.de 

Impfen mal kritisch betrachtet: impffreiheit.de

Schrittbewegung als Pferdetraining, Stoffwechsel, Muskulatur, Haltung usw.: dai-shodan.de

Ernährungszustand des Pferdes und viele Infos über Krankheiten, von Dr. C. A. Bingold: equivetinfo.de













Lisa Peters: pferd.24-hs.de


Montag, 21. Februar 2022

Clickern mit Pferden - kostenlose Videokurse von Sylvia Czarnecki

Wer einsteigen möchte, in das Training mit positiver Verstärkung ist bei Sylvia Czarnecki gut aufgehoben. 
Gern zittiere ich mal von ihrer Website https://www.motionclick.de/

Zitat: " Lerntheorie ist etwas ganz praktisch orientiertes: die Lerntheorie beschreibt, wie sich ein Lebewesen in seiner Umwelt zurechtfindet, sie folgt Naturgesetzen. Training mit positiver Verstärkung orientiert sich also vor allen Dingen an der Natur des Pferdes und ist darauf bedacht, das Training möglichst stressfrei und ohne Zwang oder unangenehmen Druck umzusetzen. Das Training dient dabei der mentalen und physischen Gesunderhaltung des Pferdes und somit der Verbesserung seiner Lebensqualität. 

Du lernst auf dieser Seite nicht irgendein kompliziertes Konzept oder nur das „Nachkochen von Rezepten“, sondern vor allen Dingen die Zutaten zu verstehen, die gutes und pferdegerechtes Training ausmachen. So bist Du auch in neuen oder schwierigen Situationen handlungsfähig und kannst selbst entscheiden, was für Dich und Dein Pferd das beste ist. Mit dem Wissen bist Du in der Lage, Training fachlich zu beurteilen und auch die Emotionen Deines Pferdes richtig einzuschätzen. So gelangst Du mit Hilfe der positiven Verstärkung zu einer besseren Kommunikation und erreichst ein ehrliches, freudvolles Miteinander.

Dabei ist nicht nur wichtig, dass Dein Pferd zufrieden ist, sondern auch, dass Du selbst Dich mit dem Training wohl fühlst. Denn positives Pferdetraining bedeutet nicht nur, das Pferd in seiner Persönlichkeit zu achten und seine Verhaltensweisen und Ansprüche zu respektieren, es heißt auch, an sich selbst zu arbeiten, selbstreflektiert und -kritisch zu sein und dem Pferd Zeit zu lassen, uns zu verstehen. Es ist nicht vorwiegend Technik, die man erlernt und anwendet, es ist eine Frage der Einstellung und eine Möglichkeit, sich persönlich mit dem Pferd weiterzuentwickeln und selbständig zu werden, ohne dass einer der Partner hierbei auf der Strecke bleibt.

Training mit positiver Verstärkung / Clickertraining ist ein ernstzunehmendes und ganzheitliches Ausbildungskonzept, welches auf alle Bereiche des Umganges und das Training angewandt werden kann. " Zitat Ende.


Sylvia Czarnecki bietet auf ihrer Website kostenlose Videokurse zum Thema Clickern an. Das lohnt sich auf jeden Fall mal rein zu schauen. Ihren Blog möchte ich hier auch gern weiter empfehlen. Und jetzt viel Spaß beim Clickern. Den Einstieg ins Clickern findest du über einen Survival Guide von ihr.

Lisa Peters: pferd.24-hs.de

Samstag, 19. Februar 2022

Medical Training für Pferde


Das Pferd steht ruhig, während es eine Impfung bekommt oder lässt sich geduldig das Bein verbinden. Wollen wir nicht alle, dass unsere Pferde stressfrei reagieren beim Tierarzt? Helfen kann uns das Medical Training.

Tiergerechtes Training kann man lernen. Nina Steigerwald hat ein Tolles Buch dazu geschrieben, was ich hier gerne vorstellen möchte:

Medical Training für Pferde
Entspannt bei Tierarzt, Hufschmied & Co.

Die Aufgabe jedes Pferdehalters ist es, sein Pferd fit für seinen Alltag zu machen. Der häufige Einsatz von Nasenbremse und Sedativa belegt allerdings allzu oft, wie groß die Not bei gesundheitlich notwendigen Behandlungen ist. Pferde können so trainiert werden, dass sie unangenehme Maßnahmen an ihrem Körper deduldig und gelassen mitmachen. Gut gemachtes Medical Training verhilft dem Pferd zu vertrauensvoller Kooperation in allen Lebnslagen - nicht nur beim Tierarzt, Hufschmied und Co.! Dieses Buch schließt die Lücke zwischen einer guten Grunderziehung und den medizinischen Herausforderungen im Pferdeleben.

Eine klare Empfehlung:



Lisa Peters: pferd.24-hs.de

Dienstag, 7. Juni 2016

Uwe Weinzierl - Der Mann, der Pferde versteht

Ein Mann, der Pferde liebt, versteht und zähmt: Uwe Weinzierl. In den Ruhner Bergen bei Parchim erklärt er dem Filmteam vom NDR sein "Horsemanship", eine sanfte Trainingsmethode nach Parelli.

Ein Film von 58 Min. Länge


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