Freitag, 19. Juni 2026



Lisa Peters: pferd.24-hs.de

Was Pferde uns über Führung und uns selbst zeigen

Was Pferde uns über Führung und uns selbst zeigen

Viele Menschen verbinden Führung mit Stärke.

Mit Entscheidungen treffen.
Mit Durchsetzungsvermögen.
Mit Verantwortung.

Doch wenn wir einem Pferd begegnen, lernen wir schnell, dass Führung etwas anderes bedeutet.

Ein Pferd interessiert sich nicht für unsere Position.

Es weiß nicht, ob wir Unternehmer sind, Führungskraft oder Anfänger.

Es reagiert nicht auf einen Titel.

Es reagiert auf den Menschen, der vor ihm steht.

Führung beginnt nicht beim anderen

Oft glauben wir, Führung bedeutet, andere dazu zu bringen, etwas zu tun.

Doch ein Pferd zeigt uns sehr schnell:

Folgen entsteht nicht durch Druck.

Ein Pferd folgt nicht, weil es gezwungen wird.

Es folgt, wenn es Vertrauen hat.

Wenn es Klarheit erlebt.

Wenn es spürt:

Dieser Mensch übernimmt Verantwortung.

Dieser Mensch ist verlässlich.

Dieser Mensch gibt mir Sicherheit.

Ein Pferd erkennt Widersprüche

Menschen können sich viele Dinge antrainieren.

Wir können ruhig sprechen, obwohl wir innerlich angespannt sind.

Wir können selbstsicher auftreten, obwohl wir zweifeln.

Im Alltag funktioniert das manchmal.

Ein Pferd jedoch nimmt viel mehr wahr.

Es reagiert auf unsere Körpersprache.

Auf unsere innere Haltung.

Auf die Übereinstimmung zwischen dem, was wir zeigen, und dem, was tatsächlich in uns passiert.

Pferde reagieren auf Authentizität.

Selbstführung ist die Grundlage jeder Führung

Bevor wir ein Pferd führen können, müssen wir lernen, uns selbst zu führen.

Das bedeutet nicht, niemals unsicher zu sein.

Es bedeutet, sich selbst wahrzunehmen.

Die eigenen Gefühle zu erkennen.

Die eigenen Grenzen zu kennen.

Klarheit in sich selbst zu finden.

Denn ein Mensch, der mit sich selbst im Konflikt steht, sendet oft widersprüchliche Signale.

Und ein Pferd reagiert genau darauf.

Das Pferd als Spiegel

Vielleicht ist das eine der größten Geschenke, die Pferde uns machen:

Sie zeigen uns nicht nur etwas über sie.

Sie zeigen uns etwas über uns.

Ein Pferd kann sichtbar machen:

Wo wir unklar sind.

Wo wir versuchen, etwas darzustellen.

Wo wir mehr Kontrolle suchen, als Vertrauen aufbauen.

Und manchmal zeigt es uns auch Fähigkeiten, die wir selbst noch nicht erkannt haben.

Ruhe.

Geduld.

Präsenz.

Klarheit.

Ein Erlebnis aus dem Coaching

In meiner Arbeit mit Menschen habe ich immer wieder erlebt, wie Pferde Türen öffnen können.

Eine Klientin kam zu mir und konnte sich in der Begegnung mit Pferden plötzlich ganz anders wahrnehmen.

Sie erkannte Zusammenhänge in ihrem Leben, die ihr vorher nicht bewusst waren.

Nach dieser Erfahrung sagte sie:

„Bei mir ordnet sich gerade alles neu.“

Vielleicht ist genau das die besondere Kraft von Pferden.

Sie geben uns keine fertigen Antworten.

Aber sie schaffen einen Raum, in dem wir uns selbst ehrlicher begegnen können.

Wahre Führung entsteht durch Vertrauen

Vielleicht ist die wichtigste Lektion:

Ein Pferd sucht keinen perfekten Menschen.

Es sucht keinen Menschen ohne Fehler.

Es sucht einen Menschen, der klar, ehrlich und verlässlich ist.

Denn echte Führung bedeutet nicht, jemanden klein zu machen.

Echte Führung bedeutet, jemandem Sicherheit zu geben.

Und vielleicht gilt das nicht nur für Pferde.

Vielleicht gilt es für jede Beziehung in unserem Leben.

„Ich versuche nicht, Pferde zum Folgen zu bringen. Ich versuche, jemand zu werden, dem sie folgen können.“


Lisa Peters: pferd.24-hs.de

Die sensibelsten Pferde sind oft die besten Lehrer


Es gibt Pferde, die uns besonders herausfordern.

Pferde, die plötzlich nicht mehr mitmachen.
Pferde, die sich entziehen.
Pferde, die scheinbar ohne Grund reagieren.

Viele Menschen suchen dann nach der Ursache im Pferd:

„Mein Pferd ist schwierig.“
„Mein Pferd ist dominant.“
„Mein Pferd macht Probleme.“

Doch manchmal lohnt es sich, eine andere Frage zu stellen:

Was, wenn das Pferd nicht schwierig ist – sondern besonders sensibel?

Sensibilität ist keine Schwäche

Sensible Pferde nehmen unglaublich viel wahr.

Sie spüren kleine Veränderungen.
Sie reagieren auf Körpersprache.
Sie bemerken Unsicherheit und Spannung oft schneller, als wir Menschen denken.

Genau diese Fähigkeit kann jedoch zum Problem werden, wenn die Kommunikation zwischen Mensch und Pferd nicht klar ist.

Ein sensibles Pferd reagiert nicht unbedingt stärker, weil es „schlimmer“ ist.

Es reagiert stärker, weil es mehr wahrnimmt.

Wenn Verständigung fehlt, entsteht Widerstand

Viele Verhaltensprobleme beginnen nicht mit einem „ungehorsamen“ Pferd.

Sie beginnen mit Missverständnissen.

Ein Pferd versucht immer, mit uns zu kommunizieren.

Durch seine Haltung.
Durch seinen Ausdruck.
Durch seine Reaktionen.

Doch wenn seine Signale nicht verstanden werden, bleibt ihm irgendwann nur noch eine deutlichere Sprache.

Was für den Menschen wie ein Problem aussieht, ist oft die Antwort des Pferdes auf eine Situation, die es nicht versteht.

Ein Erlebnis, das ich nie vergessen werde

Eine Kundin kam zu mir mit einer Stute Namens Peaches, die sie aus dem Ausland mitgebracht hatte.

Sie erzählte mir, dass bereits mehrere Trainer versucht hatten, mit dem Pferd zu arbeiten.

Doch die Situation wurde nicht besser.

Die Stute ließ sich nicht mehr satteln.
Niemand außer ihrer Besitzerin durfte sie anfassen.

Viele hätten vielleicht gesagt:

Dieses Pferd ist schwierig.

Ich sah ein hochsensibles Pferd.

Ein Pferd, das offenbar gelernt hatte, sich zu schützen.

Also begann ich nicht damit, das Verhalten zu bekämpfen.

Ich begann mit Kommunikation.

Ich wollte nicht, dass die Stute einfach etwas tut.

Ich wollte, dass sie versteht, was von ihr erwartet wird – und dass sie einen Menschen erlebt, dem sie vertrauen kann.

Nach wenigen Begegnungen veränderte sich etwas Grundlegendes.

Die Besitzerin konnte wieder ausreiten.

Andere Menschen durften die Stute anfassen.

Zwischen den beiden entstand eine neue Verbindung.

Nicht, weil die Stute gebrochen wurde.

Sondern weil sie nicht mehr kämpfen musste.

Die größten Veränderungen entstehen oft durch Verständnis

Von außen betrachtet wirken solche Veränderungen manchmal wie ein Wunder.

Doch eigentlich geschieht etwas ganz Natürliches:

Ein Lebewesen fühlt sich verstanden.

Und wenn Vertrauen entsteht, kann Entspannung entstehen.

Wenn Entspannung entsteht, wird Lernen möglich.

Sensible Pferde spiegeln uns

Vielleicht sind gerade die sensibelsten Pferde unsere größten Lehrer.

Sie zeigen uns, wo wir unklar sind.

Sie zeigen uns, wo wir nicht wirklich präsent sind.

Sie zeigen uns, wie wichtig echte Verbindung ist.

Denn ein Pferd braucht keinen perfekten Menschen.

Es braucht keinen Menschen, der niemals Fehler macht.

Es braucht einen Menschen, der bereit ist, ehrlich hinzusehen.

Bei sich selbst.

Und beim Pferd.

Denn manchmal ist das Pferd, das uns am meisten fordert, genau das Pferd, das uns am meisten lehren kann.


Lisa Peters: pferd.24-hs.de

Warum dein Pferd dir folgt – und warum Vertrauen bei dir selbst beginnt


Viele Pferdemenschen wünschen sich ein Pferd, das ihnen vertraut.

Ein Pferd, das freiwillig mitkommt.
Ein Pferd, das sich entspannt.
Ein Pferd, das nicht gegen seinen Menschen arbeitet.

Doch oft beginnt die Suche nach Vertrauen an der falschen Stelle.

Wir fragen:

„Wie bringe ich mein Pferd dazu, mir zu vertrauen?“

Vielleicht liegt die wichtigere Frage aber woanders:

„Bin ich jemand, dem mein Pferd vertrauen kann?“

Denn Vertrauen entsteht nicht durch einzelne Übungen.

Es entsteht durch viele kleine Momente, in denen ein Pferd erlebt:

Dieser Mensch ist verständlich.
Dieser Mensch ist fair.
Dieser Mensch gibt mir Sicherheit.

Pferde reagieren nicht auf unsere Rolle

Ein Pferd weiß nicht, ob wir Erfahrung haben.
Es kennt keine Titel.
Es interessiert sich nicht dafür, wie lange wir schon Pferde halten.

Es nimmt wahr, was tatsächlich da ist.

Unsere Körpersprache.
Unsere innere Haltung.
Unsere Klarheit.

Wir können versuchen, ruhig zu wirken.

Aber ein sensibles Pferd spürt oft, ob wir wirklich ruhig sind.

Wir können versuchen, Führung auszustrahlen.

Aber ein Pferd erkennt den Unterschied zwischen echter Sicherheit und einer gespielten Rolle.

Denn Pferde reagieren auf Authentizität.

Führung bedeutet nicht Kontrolle

Viele Menschen verbinden Führung mit Durchsetzen.

Doch ein Pferd folgt nicht deshalb, weil es besiegt wurde.

Es folgt, wenn es sich sicher fühlt.

Ein Pferd möchte nicht die Verantwortung für jede Situation übernehmen müssen.

Es sucht Orientierung.

Es sucht einen Menschen, der Entscheidungen treffen kann, ohne Druck auszuüben.

Echte Führung bedeutet:

Ich sehe dich.
Ich nehme dich wahr.
Ich übernehme Verantwortung.

Besonders sensible Pferde zeigen uns die Wahrheit

Gerade sensible Pferde werden oft als schwierig bezeichnet.

Dabei sind sie häufig nicht schwierig.

Sie reagieren nur schneller und deutlicher.

Sie zeigen, wenn etwas nicht stimmig ist.

Wenn die Kommunikation unklar ist.
Wenn Vertrauen fehlt.
Wenn der Mensch selbst unsicher ist.

Doch genau diese Pferde zeigen oft die größten Veränderungen, wenn die Verständigung endlich gelingt.

Nicht, weil sie plötzlich ein anderes Pferd werden.

Sondern weil sie nicht mehr kämpfen müssen.

Vertrauen verändert beide Seiten

Das Schönste an Vertrauen ist:

Es verändert nicht nur das Pferd.

Es verändert auch den Menschen.

Wer beginnt, ein Pferd wirklich zu beobachten, lernt Geduld.

Wer lernt, zuzuhören, entwickelt Verständnis.

Wer Verantwortung übernimmt, wächst über sich hinaus.

Vielleicht ist das die größte Erkenntnis, die Pferde uns schenken:

Wir müssen nicht versuchen, ein Pferd zu kontrollieren.

Wir dürfen lernen, jemand zu werden, dem ein Pferd freiwillig folgen möchte.

Denn am Ende geht es nicht darum, ein Pferd zu besitzen.

Es geht darum, eine Verbindung aufzubauen.


Lisa Peters: pferd.24-hs.de

Mein Leben mit Pferden – eine Reise zu Vertrauen, Führung und Verbindung


Ich möchte erzählen, was Pferde mich gelehrt haben.

Nicht über Techniken.
Nicht über das Erzwingen von Verhalten.
Sondern über Beziehung.

Im Laufe meines Lebens mit Pferden habe ich verstanden, dass viele Probleme nicht entstehen, weil ein Pferd schwierig ist. Sie entstehen, weil Mensch und Pferd einander nicht mehr verstehen.

Ein Pferd kommuniziert immer.

Es zeigt durch sein Verhalten, seine Körpersprache und seine Reaktionen, wie es eine Situation erlebt.

Die entscheidende Frage ist deshalb nicht:

„Wie bringe ich ein Pferd dazu, mir zu folgen?“

Sondern:

„Wie werde ich jemand, dem ein Pferd folgen kann?“

Denn echte Führung entsteht nicht durch Druck oder Kontrolle.

Sie entsteht durch Klarheit, Ruhe und Vertrauen.


Vertrauen beginnt mit Verständnis

Besonders sensible Pferde zeigen oft die größten Herausforderungen – aber auch die größten Veränderungen.

Nicht, weil sie schwieriger sind.

Sondern weil sie feiner wahrnehmen.

Sie reagieren auf Unsicherheit, Widersprüche und fehlende Klarheit.

Wenn Kommunikation verständlich wird, kann etwas geschehen, das für Außenstehende wie ein Wunder aussieht:

Ein Pferd entspannt.

Es öffnet sich.

Es beginnt wieder zu vertrauen.

Doch das eigentliche Wunder ist nicht die Veränderung des Pferdes.

Das eigentliche Wunder ist, was geschieht, wenn ein Lebewesen sich verstanden fühlt.


Führung bedeutet Sicherheit

Ein Pferd sucht keinen Menschen, der perfekt ist.

Es sucht einen Menschen, der glaubwürdig ist.

Ein Pferd folgt nicht einer Rolle, einem Titel oder einer äußeren Fassade.

Es reagiert auf Authentizität.

Deshalb beginnt Führung nicht beim anderen.

Sie beginnt bei uns selbst.

Wer sich selbst nicht wahrnimmt, kann auch andere schwer wahrnehmen.

Wer seine eigene Unsicherheit nicht kennt, kann schwer echte Sicherheit geben.


Pferde als Spiegel

Pferde zeigen uns nicht nur etwas über sie.

Sie zeigen uns etwas über uns.

Sie reagieren auf unsere innere Haltung.

Auf unsere Klarheit.

Auf unsere Ängste.

Auf unsere Stärke.

Auf unsere Widersprüche.

Und manchmal führt die Begegnung mit einem Pferd dazu, dass ein Mensch sich selbst wieder begegnet.

Nicht, weil das Pferd eine Lösung liefert.

Sondern weil es einen Raum schafft, in dem Ehrlichkeit möglich wird.


Die wichtigste Erkenntnis

Ich habe gelernt:

Ich kann ein Pferd nicht zwingen, mir zu vertrauen.

Aber ich kann lernen, so zu handeln, dass Vertrauen entstehen darf.

Ich kann ein Pferd nicht verändern.

Aber ich kann meine Art der Kommunikation verändern.

Ich kann kein Wesen kontrollieren.

Aber ich kann jemand werden, dem ein anderes Lebewesen freiwillig folgt.


Und vielleicht ist die größte Lektion:

Pferde lehren uns nicht nur, wie wir mit ihnen umgehen.
Sie lehren uns, wie wir in Beziehung treten.

Ein Pferd ist kein Werkzeug für Veränderung. Es ist ein Gegenüber, das uns zeigt, wo Veränderung in uns selbst beginnen kann.

Vertrauen entsteht nicht durch Druck, sondern durch Verständnis. Wenn du dabei Unterstützung möchtest, bin ich gerne für dich da.

https://pferd.24-hs.de/


Lisa Peters

Die 7 häufigsten Fehler bei der Pferdeeinstreu – und warum sie teuer werden können


Wer neu in die Pferdehaltung einsteigt, beschäftigt sich meist mit Futter, Weide und Stall. Die Einstreu wird dagegen oft als Nebensache betrachtet. Dabei verbringen Pferde viele Stunden täglich auf ihrer Liegefläche. Schlechte Einstreu kann nicht nur die Stallarbeit erschweren, sondern auch die Gesundheit der Pferde beeinträchtigen.

Im Laufe der Jahre habe ich die unterschiedlichsten Einstreuarten ausprobiert und viele Ställe gesehen. Dabei sind mir immer wieder dieselben Fehler begegnet.

Fehler 1: Die billigste Einstreu kaufen

Natürlich spielen Kosten eine Rolle. Doch eine günstige Einstreu kann teuer werden, wenn sie schlecht saugt, stark staubt oder ständig nachgestreut werden muss.

Nicht der Ballenpreis entscheidet, sondern die Kosten über das ganze Jahr.

Fehler 2: Nur auf die Saugfähigkeit achten

Viele Pferdehalter suchen nach einer Einstreu, die möglichst viel Urin bindet.

Das allein reicht aber nicht.

Eine gute Einstreu sollte auch:

  • staubarm sein,
  • angenehm zum Liegen sein,
  • das Stallklima unterstützen,
  • und leicht zu pflegen sein.

Fehler 3: Staub unterschätzen

Besonders bei älteren Pferden oder empfindlichen Atemwegen kann Staub ein großes Problem werden.

Oft bemerken wir die Belastung erst, wenn das Pferd bereits hustet oder sich Schleim bildet.

Fehler 4: Zu wenig Einstreu verwenden

Manche Pferdehalter versuchen Material zu sparen.

Die Folge:

  • harte Liegeflächen,
  • feuchte oder nasse Stellen,
  • mehr Ammoniak,
  • Hufkrankheiten und höherer Verschleiß der Hufe.

Fehler 5: Die Einstreu nicht an das einzelne Pferd anpassen

Es gibt keine perfekte Einstreu für alle Pferde.

Der starke Pinkler benötigt oft etwas anderes als das robuste Offenstallpferd.

Auch Allergiker, Senioren oder Pferde mit Atemwegsproblemen haben besondere Anforderungen.

Fehler 6: Das Stallklima ignorieren

Viele denken, schlechte Luft komme nur vom Ausmisten.

Tatsächlich hat die Einstreu großen Einfluss auf Feuchtigkeit und Ammoniakentwicklung.

Ein Stall kann optisch sauber wirken und trotzdem ein schlechtes Klima haben.

Fehler 7: Sich auf Empfehlungen verlassen

Was im Nachbarstall funktioniert, muss nicht im eigenen Stall funktionieren.

Jeder Stall hat andere Bedingungen:

  • Bodenbeschaffenheit
  • Belüftung
  • Pferdeanzahl
  • Fütterung
  • Arbeitsaufwand

Deshalb lohnt es sich, verschiedene Lösungen kritisch zu testen.



Lisa Peters: pferd.24-hs.de

Donnerstag, 18. Juni 2026

11 Jahre Offenstall – welche Lösungen wirklich geblieben sind

Wenn mir vor 11 Jahren jemand gesagt hätte, dass ich einmal einen eigenen Offenstall führen würde, hätte ich vermutlich gelächelt und den Kopf geschüttelt.

Eigentlich bin ich nicht aus Begeisterung für Stallmanagement zur Selbstversorgerin geworden. Der Weg begann aus einer Notwendigkeit heraus.

Nach vielen Stallwechseln musste ich immer wieder feststellen, dass meine Pferde zwar untergebracht waren, aber nicht wirklich gut lebten. Zu wenig Platz, zu wenig Futter, zu wenig Einstreu, zu viele Pferde auf engem Raum. Die Folgen waren oft sichtbar: Stress, Unruhe, Futterneid, gesundheitliche Probleme und eine Atmosphäre, die weder den Tieren noch den Menschen guttat.

Irgendwann stellte ich mir die Frage:

Wenn ich ständig Kompromisse eingehen muss – warum versuche ich nicht, eine Lösung zu schaffen, die wirklich zu meinen Pferden passt?

So begann vor elf Jahren das Abenteuer der eigenen Pferdehaltung.

Die ersten Jahre waren alles andere als komfortabel

Mein erster Stall verfügte weder über Strom noch über Wasser. Vieles war improvisiert. Wasser musste organisiert werden, Abläufe mussten erfunden werden und vieles funktionierte erst nach mehreren Anläufen.

Rückblickend war das jedoch eine wertvolle Zeit.

Denn ich lernte etwas, das mich bis heute begleitet:

Jede tägliche Arbeit sollte hinterfragt werden.

Nicht mit dem Ziel, weniger für die Pferde zu tun.

Sondern mit dem Ziel, mehr Zeit für die wichtigen Dinge zu haben.

Immer wenn mich eine Tätigkeit nervte, fragte ich mich:

  • Muss das wirklich so sein?
  • Kann man das einfacher lösen?
  • Was würde den Pferden gleichzeitig nutzen?

Die besten Lösungen waren oft die einfachsten

In elf Jahren habe ich erstaunlich wenig Geld investiert.

Viele Menschen erwarten komplizierte Technik oder teure Stallanlagen.

Die Wahrheit sieht bei mir anders aus:

  • ein gutes Heusystem
  • ausreichend Platz
  • sinnvolle Wege
  • eine automatische Tränke
  • ein funktionierendes Einstreusystem
  • durchdachte Futterplätze

Mehr brauchte es oft nicht.

Manche Verbesserungen kosteten weniger als ein Tierarztbesuch und sparten über Jahre hinweg täglich Zeit.

Mehr Platz bedeutet manchmal weniger Arbeit

Eine Erkenntnis hat mich besonders überrascht.

Viele Menschen glauben, dass größere Flächen automatisch mehr Arbeit bedeuten.

Meine Erfahrung ist häufig genau umgekehrt.

Wenn Pferde ausreichend Platz haben:

  • verteilen sie sich besser,
  • entstehen weniger Konflikte,
  • bleibt vieles länger sauber,
  • müssen nicht ständig kleine Probleme gelöst werden.

Nicht die Größe einer Fläche entscheidet über den Arbeitsaufwand, sondern ihre Nutzung.

Mein wichtigstes Ziel heute

Nach elf Jahren ist mein Ziel nicht mehr, einen perfekten Stall zu schaffen.

Mein Ziel ist ein Haltungssystem, das auch an schlechten Tagen funktioniert.

Es gibt Tage, an denen man krank ist.
Tage, an denen die Familie wichtiger ist.
Tage, an denen einfach die Kraft fehlt.

Ein gutes System erkennt man meiner Meinung nach daran, dass die Pferde trotzdem bestens versorgt sind.

Nicht weil man jeden Tag Höchstleistungen erbringt.

Sondern weil man die Abläufe so gestaltet hat, dass sie dauerhaft tragfähig sind.

Was geblieben ist

Viele Ideen kamen und gingen.

Einige Dinge haben sich über elf Jahre bewährt.

Immer wieder komme ich auf dieselben Grundsätze zurück:

  • ausreichend Futter
  • ausreichend Platz
  • soziale Kontakte
  • trockene Liegeflächen
  • einfache Abläufe
  • möglichst wenig unnötige Arbeit

Vielleicht klingt das unspektakulär.

Aber genau diese einfachen Dinge haben das Leben meiner Pferde und mein eigenes Leben am stärksten verbessert.

In den nächsten Artikeln möchte ich einige dieser Erfahrungen genauer vorstellen.

Vielleicht helfen sie dem einen oder anderen Pferdehalter dabei, den eigenen Stallalltag etwas einfacher zu gestalten.

Denn manchmal sind es gerade die kleinen Veränderungen, die langfristig den größten Unterschied machen.


Lisa Peters: pferd.24-hs.de

Montag, 24. Februar 2025

So gewinnst du das Vertrauen deines Pferdes




Das Vertrauen deines Pferdes lässt sich nicht einfach über Nacht aufbauen. Es gibt keinen „Knopf“, den du drücken kannst, um sofortige Ergebnisse zu erzielen. Ich wäre die Erste, die dir diesen geheimen Trick verraten würde, denn dann ginge es vielen Pferden und ihren Menschen viel besser.

Das Vertrauen deines Pferdes kann man mit vielen kleinen Elementen festigen. Viele dieser Elemente hast du wahrscheinlich bereits – bewusst oder unbewusst – angewendet. Es ist nicht notwendig, alles richtig zu machen, bevor du das Vertrauen deines Pferdes erlangst. Noch wichtiger ist, dass es ganz einfach ist, das ein oder andere Element (also die Ideen, die du hier findest) in deinen Alltag mit dem Pferd zu integrieren.

Letztendlich ist alles eine Frage des Gefühls, was du bereit bist, deinem Pferd entgegen zu bringen! Wenn du dir regelmäßig ins Gedächtnis rufst, dass dein Pferd ein Lebewesen mit individuellen Bedürfnissen, Ängsten und einer besonderen Persönlichkeit ist, wird es dir einfacher fallen, die Bedingungen so zu schaffen, dass dein Pferd dir Vertrauen entgegenbringt. Wenn du die Zeit mit deinem Pferd schätzt und den Fokus auf euer gemeinsames Wachstum legst – anstatt nur auf das Erreichen von Zielen – und dir dabei Zeit lässt, werden die gemeinsamen Stunden umso schöner sein!

Um das Vertrauen deines Pferdes zu gewinnen, ist es wichtig, dass du versuchst, es wirklich kennenzulernen. Achte darauf, was es ausmacht, was ihm Freude bereitet. Finde heraus, was dein Pferd braucht, wo es sich wohlfühlt und wie du ihm helfen kannst. Gleichzeitig solltest du auch darauf achten, was es nicht mag, oder was es verunsichert.

So kannst du eine bereichernde Beziehung aufbauen, die auf Vertrauen und Respekt basiert. Denk daran, dass egoistisches Handeln und das Ignorieren der Bedürfnisse deines Pferdes das Vertrauen schnell gefährden können. Die gute Nachricht ist: Wenn du ein starkes Vertrauensverhältnis zu deinem Pferd aufbaust, wirst du auch seinen Respekt gewinnen – ganz nebenbei!

Auch in einer respektvollen und freundschaftlichen Beziehung zu deinem Pferd muss einer die Führung übernehmen, um das Wohl aller zu gewährleisten. Ein „Chef“ muss das Sagen haben, den Kurs festlegen und sicherstellen, dass alle in Sicherheit sind und gerne folgen. Er muss auch dafür sorgen, dass jeder am richtigen Platz seine Aufgaben erfüllen kann. Fairness, Motivation und ein angenehmes Umfeld sind dabei unerlässlich. Wenn ein Herden-Chef Druck und Ungerechtigkeit ausübt, wird die Herde Abstand halten und nicht gerne folgen. Das führt uns zu Herausforderungen im Umgang mit Pferden.

Es gibt einige Punkte, die darüber entscheiden, ob und wie stark Vertrauen aufgebaut wird. Bitte verstehe mich nicht falsch! Es bedeutet nicht, dass du all diese Dinge perfekt umsetzen musst, um das Vertrauen deines Pferdes zu gewinnen. Es sind lediglich Vorschläge für ein angenehmes Zusammen sein – ein Leitfaden, der dir helfen soll, ein neues Bewusstsein für die Bedürfnisse deines Pferdes zu entwickeln.

Hier sind einige Anregungen:

Um eine vertrauensvolle und respektvolle Beziehung zu deinem Pferd aufzubauen, ist es wichtig, auf seine Bedürfnisse und Gefühle einzugehen. An Tagen, an denen du schlecht gelaunt oder aggressiv bist, solltest du deinem Pferd Ruhe gönnen. Triff Entscheidungen, die im besten Interesse deines Pferdes sind, und vermeide es, es in brenzlige Situationen zu bringen. In unvorhersehbaren oder angsteinflößenden Momenten ist es entscheidend, gelassen zu bleiben und in schwierigen Situationen voranzugehen, auch wenn dein Pferd unruhig ist.

Achte darauf, dass dein Pferd beim Fressen in der Herde genug Ruhe und Futter hat. Halte andere Pferde gegebenenfalls fern, um ihm Sicherheit zu geben. Wenn dein Pferd krank ist, reite es nicht, sondern lass es entspannt an der Hand grasen oder gehe mit ihm spazieren. Erkenne seine Ängste und binde es nicht im cross-tying an. Vermeide alles, was Druck oder Schmerzen verursacht, wie unangemessene Ausbinder, schmerzende Gebisse, schlechte oder fehlende Hufbearbeitung oder nicht passende Sättel.

Sei aufmerksam gegenüber Anzeichen von Überforderung oder Krankheit. Wenn dein Pferd, das normalerweise gerne kommt, eines Tages nicht zu dir kommt, hat das einen Grund – finde ihn heraus. Schere dein Pferd nicht, nur weil es für dich bequemer ist, und reite es nicht, wenn es nass ist. Reite es trocken, wenn es durch das Reiten geschwitzt hat. Verlange nur das, was es momentan versteht und leisten kann, und lobe es in seinem Sinne.

Zwinge dein Pferd nicht in angsteinflößende Situationen und lasse nicht zu, dass andere Menschen ihm schaden. Wenn es in die Klinik muss, bleibe bei ihm, bis es sediert ist, oder besuche es, damit es in Ruhe fressen kann, sollte es dort sein Futter nicht anrühren. Bereite es auf unangenehme Dinge wie Zahnarzt oder Tierarzt vor. Zwinge es nicht „mal schnell“ in den Anhänger, sondern übe dies vorher gut indem du es auf enge Bereiche und andere Untergründe vorbereitest. Achte darauf, dass deine Stute bei einem Decksprung nicht gefesselt wird und lasse sie ihr Fohlen in Ruhe zur Welt bringen.

Respektiere die Bedürfnisse deines Pferdes und zeige ihm, dass deine Berührungen angenehm sind. Achte darauf, dass es sich nicht aus Angst oder Unsicherheit abwendet. Schule dein Auge um zu erkennen, wenn es Schmerzen hat, und stelle sicher, dass es nicht unter Juckreiz leidet, ohne behandelt zu werden, bevor du eine Decke auflegst. Verlange keine Leistungen, die es nicht erbringen kann, und lasse es nicht über unwegsamen Boden laufen, wenn seine Hufe nicht darauf vorbereitet sind.

Biete deinem Pferd so viel Auslauf und Herdenkontakt wie möglich, aber stelle sicher, dass empfindliche, alte oder kranke Tiere nicht in eine stressige Offenstallhaltung gezwungen werden, sondern Rückzugsmöglichkeiten haben. Verbringe Zeit mit deinem Pferd, ohne etwas von ihm zu verlangen und spiele mit ihm. Freue dich über seine Fortschritte und entwickle Zuneigung, auch wenn es noch problematisch ist.

Scheuche dein Pferd nicht im Roundpen, um es zu dominieren, und sei bereit, einen Stallwechsel in Kauf zu nehmen, wenn dies für euch beide entspannender ist. Denke daran, die Gesundheit deines Pferdes zu erhalten, bevor Krankheiten auftreten.

Pferde haben ein feines Gespür dafür, ob wir ehrlich und fürsorglich mit ihnen umgehen und für ihr Wohl besorgt sind. Sie sind erstaunlich geduldig und bereit zu verzeihen, solange wir bereit sind, unsere Fehler zu erkennen und unser Verhalten zu ändern, auch wenn wir aus Unwissenheit nicht von Anfang an die perfekte Leitung unserer kleinen Herde übernehmen können. Lasse dich mit Freude und Zuversicht auf einen Weg ein, der zu einer erfüllten Beziehung mit deinem Pferd führt.





Lisa Peters: pferde.24-hs.de

Freitag, 24. Januar 2025

Respektlose Pferde - Wie werde ich als Mensch geachtet um mein Pferd sicher zu führen?

Chester als wilder 3jähriger

Heute mit 14 der souveräne Chef der Herde von allen respektiert.

Lässt sich nur mit Schnurhalfter reiten und ist durch nichts aus der Ruhe zu bringen.

Er folgt mir entspannt und frei, auf eingezäuntem Gelände, wenn ich ihn darum bitte. Auch, wenn er lieber bei der Herde im Schatten stehen würde, kommt er mit. Sämtliche Situationen draußen meistert er heute genauso entspannt, egal was da kommt oder zu hören ist. Das ist nur möglich, wenn dir dein Pferd vertraut und eine Beziehung mit dir aufgebaut hat, in der gegenseitiger Respekt die Grundlage allen Handelns ist.

Er hat nie ein Gebiss getragen und eine Gerte ist für uns nur ein verlängerter Arm. Bestenfalls gibt es Belohnungshappen, aber auch das nur auf Aufforderung meinerseits. Ich bestimme, wann was gemacht wird, oder beendet wird und auch wann etwas gefressen wird, was ich in der Hand halte. Dieses Recht zu bestimmen hat der Ranghöhere und die anderen respektieren das freiwillig. Diese Führungsrolle muss man sich erarbeiten, in dem man zum Wohle der Herde entscheidet und von den Herdenmitgliedern somit anerkannt wird.

Wie sieht es bei dir aus? Rempelt dich dein Pferd um? Oder stehst du einfach öfter im Weg, wenn es angerannt kommt? Ich würde einfach aus dem Weg gehen, wenn das Pferd angaloppiert kommt um nicht umgerannt zu werden und meine Chance bei Gelegenheit wieder wahrnehmen, wenn ich an den Grundlagen der Kommunikation gearbeitet habe.

Es geht hier für das Pferd nicht darum, die "Weltherrschaft" ;-) im Pferdeuniversum übernehmen. Wenn Missverständnisse überwiegen, müssen wir daran arbeiten, die Harmonie wieder herzustellen. Das muss auch nicht von heut auf morgen geschehen, wir können und sollten uns dabei Zeit lassen. Sicher dauert es länger, wenn man wöchentlich nur ein paar wenige Stunden Zeit dafür hat, aber man kann immer daran arbeiten.

Es geht nicht darum, die Konfrontation während einer Auseinandersetzung zu suchen, indem du dich auf das Pferd konzentrierst um es nun zu überzeugen, auf dich zu hören.
Auch Pferde machen nicht alles an einem Tag untereinander aus und wir haben größere Chancen angehört zu werden, wenn es nicht sofort um große Themen geht. Kleinigkeiten, immer wieder, das prägt sich dann auch für das Pferd besser und entspannter ein. Eine Pferdegemeinschaft muss erstmal wachsen. Auch wir gehören ja im weitesten Sinne zur Herde dazu. 

Die Geschichte vom allherrschenden Anführer ist längst überholt. Jedes Tier in der Herde hat seine Aufgaben und übernimmt je nach Begabung seine Pflichten. Die ranghöheren Tiere gehen ja jetzt auch nicht hin und demonstrieren ihre Macht um zu sagen, du musst jetzt mal tun, was ich sage, sondern das ist ein Miteinander, was für alle Tiere gut ist und Sinn macht. Der Leithengst geht auch nicht hin und zwingt seine Herde bis in alle Einzelheiten genau zu gehorchen, er schafft sich seinen Raum und fordert nur den Respekt ein, diesen einzuhalten. So wächst das Vertrauen in ihn und in Gefahrenmomenten kann er absoluten Gehorsam erwarten, der auf Freiwilligkeit basiert.

Als Mitglied einer Herde benimmt man sich respektvoll gegenüber den anderen Herdenmitgliedern. Wenn da einer aus der Reihe tanzen würde, würde er ausgeschlossen werden, denn er würde die Sicherheit der ganzen Herde gefährden. Wenn wir fähig sind, uns mit gegenseitigem Respekt und Freundlichkeit zum Wohl unserer Mensch-Pferd-Gemeinschaft auszudrücken, wird uns unser Pferd freiwillig folgen. Dafür müssen wir uns aber vom Gedanken der reinen Dressur verabschieden. 

Da ein Pferd aber von seiner Art her immer entgegenkommend ist, zeigt der "Chef" eben an, wenn der dann mal vorbei will, oder zufällig der andere im Weg steht, wo er gerade hin will.
Er beginnt das gegenseitige Fellkraulen und beendet es auch wieder. Er fängt auch das gegenseitige Spiel an oder hört wieder auf und geht als erster vom Unterstand auf die Weide, die anderen folgen ihm oder kommen mit ihm zusammen auch wieder zurück in den Schatten. Das reicht eigentlich dann auch schon aus um seine Position dauerhaft zu etablieren. Genauso können wir auch an unserer Beziehung arbeiten.
Die ganz großen Rangkämpfe gibt es innerhalb einer gewachsenen konstanten Herde so nicht mehr. Meist ist das ein Element in immer wechselnden Herden und den immer wieder neuen Situationen, denen unsere Pferde ausgesetzt sind.

Du kannst ganz nebenbei bei der Stallarbeit an Dingen wie gegenseitigem Respekt arbeiten. Zufällig musst du dann mit der Karre mal da hin, wo er steht, oder er muss sich weg drehen, weil du den Fleck beanspruchst, auf dem das Pferd steht, oder er muss rückwärts weichen, weil du eben auch wieder genau diesen Platz betreten musst um etwas weg zu harken. Oder du beginnst das Pflegen und dein Pferd darf dir dann zeigen, wo es gekrault werden möchte. So etablierst du langsam aber sicher deine Position an der Führungsspitze, damit es dann, wenn es drauf ankommt keinerlei Debatten mehr darüber geben muss, ob man jetzt flüchten sollte, oder weiter laufen kann, denn du zeigst mit vielen Kleinigkeiten deinem Pferd, dass es sich auf dich verlassen kann, denn die Führungsposition beinhaltet auch die Verantwortung über die wichtigeren Dinge zu entscheiden.

Ein paar Tipps zum Aufbau des Vertrauens findest du auch hier im Blog zum Thema: Vertrauensaufbau, oder zu Lesen in dem Buch von Gertrud Pysall , das Geheimnis der Pferdesprache.
Gern empfehle ich auch die TRT Method , hier zeigt Tristan, wie man eine sichere Führung erarbeitet.

Lisa Peters: pferd.24-hs.de

Dienstag, 7. Mai 2024

Sommerekzem, mein Erfahrungsbericht





Fjölvi mit Sommerekzem

Als Fjölvi in unsere Herde kam, hatte er Strahlfäule und starkes Sommerekzem und musste eine Decke tragen. Sein Mähnenkamm war angeschwollen und die Mähne abgescheuert und sein Schweifansatz hatte nur noch ein paar Borsten.

Wir hatten einen Stall an einem sumpfigen Gewässer und ich hatte schon Bedenken, dass wir das Ekzem nicht los werden könnten, aber Fjölvi hat sich bei uns sehr wohl gefühlt.

Ich habe fast täglich Nivea Körper - Pflegemilch geschmiert, (was Fjölvi sehr angenehm empfand) abwechselnd mit Balistolöl, (welches er nicht gern hatte). Gewaschen habe ich die Langhaare kaum, eher nur ausgebürstet, was an Dreck geklebt hat. Ich wollte die Haut nicht zusätzlich reizen.

Wenn ich an der Bauchnaht blutige oder schwarzkrümelige Krusten gesehen habe, dann habe ich diese nur mit kühlem Wasser Schwamm oder Bürste abgewaschen, mit der Zeit hat er gemerkt, dass es ihm gut tut und auch still gehalten. 

Er hat ein Mineralfutter erhalten, ohne synthetische Bestandteile und ansonsten nur Heu, Stroh und Gras in Maßen. Als Belohnungshappen gab es nur Heucobs und ab und zu ein Stück Möhre.
Ich bin davon ausgegangen, dass sein Stoffwechsel als Tarpan besser arbeitet, wenn er keine besonderen Futterzusätze oder zuckerhaltige Früchte zu sich nimmt.

Außerdem habe ich einen weiteren Tipp ausprobiert: 
Ich nehme etwas Leinöl in die Hand und dazu ein paar wenige Tropfen ätherisches Lavendelöl und betupfe damit die Langhaare und die Bauchnaht. Das hält tatsächlich Fliegen und Kriebelmücken ab. Man kann das sofort beobachten. Es geht sicher auch ein anderes Trägeröl mit einem anderen ätherischen Öl, aber Lavendel mögen meine Pferde gern und vertragen es auch gut.
Es erspart tatsächlich bis jetzt die Fliegenmasken auf der Weide. Mal sehen, wie es im Hochsommer wird.

Wie ihr auf dem Bild seht, hat Fjölvi im Sommer noch seine schöne Mähne und vollen Schweif. Ich bin so froh, dass es ihm besser geht. Meine persönliche Meinung ist, dass es ihm vielleicht auch einfach gut gefällt bei uns und er zufrieden ist mit seinem Leben hier. Das ist ja bei uns Menschen auch oft so, dass wir Probleme mit der Haut bekommen, wenn wir uns nicht wohl fühlen.






Lisa Peters: pferd.24-hs.de


Montag, 11. September 2023

Das Ding mit der Freiwilligkeit bei Pferden - Was ist die letzte Konsequenz?



Ich habe da einen schönen Artikel gefunden, über den Umgang mit der Freiwilligkeit bei der Zusammenarbeit mit Pferden von Tanja von Salzen-Märkert


Ich möchte gern den Kommentar, den sie am 29. August 2023 auf Facebook geteilt hat hier zittieren, ich kann leider keinen Link dazu setzen. Der Artikel ist toll geschrieben und regt zum Nachdenken an. 

Zitat:

Seien wir ehrlich!
Das Ding mit der Freiwilligkeit ist für die meisten ein zweischneidiges Schwert...
- früher oder später fordert das Denken der TOTALEN FREIWILLIGKEIT ihren Tribut! Darauf sollte man/frau vorbereitet sein...
Ich komme gerade von einer sympathischen und was Pferde, ihre Versorgung und Haltung betrifft, fachkundigen jungen Frau, die ihr erstes eigenes Pferd ausbildet.
Sie hat es bereits als Fohlen gekauft und zu sich auf den heimischen Paddock geholt.
Dort lebte es in den vergangenen Jahren mit 4 Stunden Weidegang täglich in einer kleinen Gruppe mit 4 sehr gut zueinander passenden Pferden. Die Herde ist sehr harmonisch, es gibt nur ganz selten Auseinandersetzungen. Es herrscht Frieden und es fühlt sich an wie ein Ort, um aufzutanken...BEI DEN PFERDEN...
Es gibt diese 4 Stunden Weidegang pro Tag, daneben Heu/Stroh-Mix ad libitum, täglich ein paar Mineralbricks und das Rundum-Sorglos-Paket aller erdenklicher Fürsorge.
Selbstverständlich hat die junge Frau versucht, alles harmonisch und fair in die Wege zu leiten in puncto Zusammenarbeit. Schliesslich "soll das Reiten später Freude und nicht Zwang sein", so ihre sehr löbliche Denke.
Sie schulte im täglichen Umgang
- Kooperation,
- "eigenständiges" Denken (in dem Rahmen, in dem es
überhaupt etwas zu denken gibt),
- prompte Reaktionen auf Druck und körperliche Ansprache
- sie kann ihr Pferd selbstverständlich überall berühren, ab- und einsprühen, manövrieren,
- sie kann frei aufsitzen während es frisst und oben alle möglichen Bewegungen machen, ohne dass es sich erschreckt oder ängstigt.
- es allein auf einen Transporter verladen, hinein - und nach einer Pause sicher wieder heraus.
All das wurde immer und stets im Alltag gewissenhaft eingebaut, so, wie es sich ergab - und auch nur, wenn es einen Anlass dazu gab und sich die Situation förmlich anbot. Sie wollte ihren geliebten Chat niemals überfordern - das war ihr Versprechen ihm gegenüber. Alles sollte möglichst harmonisch und freiwillig ablaufen. Sie wollte, dass sie Freunde seien... Wahrhaftige Freunde, die die Freude des Lebens miteinander teilen würden...
Nun, in diesem Jahr ist Chat 5jährig und ein ausgewachsener Bursche.
Und es stellt sich heraus: gross ist er geworden!
Körperlich UND in seinem Selbstbewusstsein.
Er ist stark, klar, eindeutig, führt die Herde wie kein zweiter nur mit Mimik und seinem Ohrenspiel... Alle Pferde scheinen ihn zu mögen UND haben gleichzeitig Respekt vor ihm... Er ist muskulös und eine wahrhaftige Erscheinung. An Hormonen scheint es ihm trotz Kastration nicht zu mangeln - ein Hingucker!
Er hat in der Vergangenheit wie einst versprochen erlebt, dass er IMMER mitentscheiden durfte:
- ob er heute einen Sattel ausprobieren möchte, oder nicht.
- Ober JETZT die Hufe geben möchte - oder erst später.
- Ob er diesen Hufschmied möchte - oder einen anderen.
- Ob er sich JETZT an den Aufstieg stellt, so dass seine Halterin aufsteigen kann, oder nicht...
- und wann sie wieder dorthin transportiert wird, um abzusteigen (für gewöhnlich nach 2,5 Runden in der kleinen Halle am Paddock).
Und mit wachsender Erfahrung hat Chat sich jetzt ausgedacht, dass er - wenn er schon die Wahl hat - keine Lust mehr auf das alles hat. Freiwillig nutzt er seinen ihm eröffneten Raum und frei und willig gemäß seiner Tagesverfassung zu entscheiden...
Das hat er nicht nur über die Tierkommunikation mitgeteilt, sondern auch körpersprachlich mit reger Dynamik und deutlichem Ausdruck.
Die neue Frei-Willig-Keit wird jetzt von Chat höchstpersönlich eingefordert:
- Er mag keine Trense mehr anziehen (erst gab es darüber einige Diskussionen, weil mit 4 1/2 nochmal Zähne kamen - jetzt hat er entschieden: Es bleibt dabei - KEINE TRENSE ).
- Dann hat er entschieden, die Herde, in der er seiner Meinung nach so dringend gebraut wird, nicht mehr zu verlassen,
- dann gab er die Hinterhufe nicht mehr ohne grösseren Aufstand,
- nun gibt er gar keine Hufe mehr, ohne zu Schnappen,
- die Halle und das Stellen an den Aufstieg wird teils verweigert - auf freiwilliges an den Aufstieg stellen kann man lange warten - tt er nicht mehr,...
- und in den Anhänger geht er auch nicht mehr, da er sich gar nicht mehr vom Paddock bewegen lässt.
"WIESO das alles, obwohl es NIE eine negative Situation, einen Unfall oder etwas anderes Beeindruckendes gab???", ist die Frage, mit der mich die Halterin anrief.
Die Antwort ist eigentlich ganz einfach: man brachte ihm bei, auf seine Natur zu hören - und das tut er jetzt.
Das ist doch gut - oder nicht?
Darum ist man doch nie konsequent gewesen - um IHN nicht zu beschneiden - oder?!
Was anderes hätte er daraus lernen sollen oder gar können, wenn nicht "die eigene Wahl und Kraft zur Mitentscheidung zu haben"?!
***
Viele meiner Kundinnen stehen an diesem Punkt und befinden sich in einer Sackgasse.
Nimmt man die Scheuklappen von den Augen, zeigt sich, dass diese Sackgasse aus versehen selbst gemacht ist... an wichtigen Schlüsselmomenten nicht weit genug gedacht...
Besonders schlimm ist es für Pferde, die für JEDE eingene Entscheidung auch noch Leckeres verabreicht bekamen... Das hiess nämlich, die eigene Entscheidung hat einen XXL-Wert!
Und das merken sie sich selbstverständlich.
Ist doch gut - oder? Oder wofür sonst kam die Leckerei ???
***
Ich stand selbst dreimal mit eigenen Pferden an dieser Schwelle.
> Den einen hatte ich aus solch einer Freiheitserziehung übernommen, bevor er seiner Besitzerin wohlmöglich noch zu töten versuchte. Nachdem sein freier Wille und demzufolge sein Freiheitsdrang auch bei uns auf dem Hof mit viel Platz nicht in der Form möglich war, wie das, wohin er hineingezogen/erzogen wurde, landete in einer grossen Depression. Die einzige Heilung damals schien: ihn frei zu lassen.
... Er musste eines Tages erlöst werden. Gefangenschaft und Weisungen im Alltag hielt er nicht mehr aus.
> eine weitere Stute konnte das mit dem Reiten für sich nicht mit-(er)-tragen und ist das Bodenarbeitspferd bei einer Freundin gewordener, der es nie in den Sinn kam, sich auf ein solches Pferd zu setzen
> meiner jetzigen Stute steht es frei, geritten zu werden oder nicht. Und sie hat Glück: denn ICH bin jetzt die, die sich die Freiheit nimmt, das nicht mehr zu wollen!
Sie liebt ihre Freiheit sehr und geniesst ihr Leben.
Zu meinem Bedauern reitet sie aber gerne aus. > Wir haben also nach einer leichteren Frau als mich gesucht, um ihr diesen Genuss zu ermöglichen.
Und manchmal, wenn sie zart und betörend, fast etwas aufdringlich genug ist, schafft sie es, MICH zu überzeugen, auf ihren Rücken aufzusteigen. Sie transportiert mich dann, als wäre ich ihr Schatz und passt wunderbar auf, dass ich mir den Rücken nicht erneut wehtue...
Und dann ist es da, das Gefühl vollendeter Zusammenkunft.
Was ich damit sagen will: es gibt diese Pferde, die sich gerne reiten lassen. Oder die, die einen mitnehmen, weil man der Schlüssel für das Öffnen der Pforte in Menschengestalt ist, was wiederum einen Ausflug in die Natur und die Weite bedeutet...
Jedoch entscheiden die meisten Pferde, die ich kenne, sich für
- das Leben mit den Artgenossen,
- das Bleiben in der Herde,
- das Übernehmen einer Position innerhalb der Gruppe, die sie nicht sich selbst überlassen wollen
- die vollkommene Entscheidungsfreiheit
- jederzeitiges Umentscheiden (Was wirklich sehr gefährlich werden kann)
...vor allem, wenn bis dahin ALLES FREI UND WILLIG WAR!
Wer also ein Reitpferd haben möchte, für den ist es unumgänglich, seinem Pferd in Sachen Frustrationstoleranz zu schulen und es somit MENSCHEN-KONTEXT-ALLTAGSTAUGLICH zu erhalten.
Ansonsten hat man nämlich nicht zu einem Partner herausgebildet, sondern für einen dopamin- und erfolgsverwöhnten Junkie, dessen Wohlgefühl abhängig ist von der eigenen Wahl; dem Erfolg. Die Sucht (=Suche nach Erfolg und Depression liegen nah beieinander).
Nimmt man ihm dann die Wahl, kann er nur wütend oder traurig werden.
Einige werden Furien, andere depressiv und krank ->>> es sei denn, ihr habt die Wahl sie freizulassen!
Und ob das dann das ist, was sie sich ersehnten, stelle ich mal arg in Frage - denn : SIE KÖNNEN KEINE VORSTELLUNG DAVON HABEN, WIE SCHWIERIG ES HIER IST, 365 TAGE WILDPFERD ZU SEIN... Darauf sind die meisten von ihnen weder vorbereitet noch reif genug. Auch hatten sie keine Vorbilder...
Fazit: Ich kenne aktuell mehr Pferde, die sich nach Freiheit und Auswilderung sehnen, denn je....
...und unter Umständen hat das mehr mit uns und unserem Gefühl zu tun, gefangen zu sein (in sich selbst, innerhalb der Gesellschaft...), als mit ihrem...
Wenn das die Wahl unserer Pferde ist (und nicht unsere provozierte projektionsorientierte Erziehung von dem, was wir uns selbst für UNS wünschen), dann sollten wir darüber nachdenken, wie das umsetzbar ist: diese
NEUE PFERDEWELT!
P.S. Es gibt übrigens genügend Wildpferdeprojekte, bei denen man Patin eines betreuten, aber halb-wilden Pferdes sein kann. Ich halte das für einen schönen Anfang!!!
Bei allem, was ihr tut oder entscheidet, denkt bitte daran: es geht AUCH UM EUCH! Und es geht um einen praktikablen Weg ...
Ich kenne nur wenige, die glücklich sind, ein Wildpferd zu supporten.
Was für mich grösster Wunsch und Ziel ist, ist noch lange nicht für jede/n ein Vergnügen!!!
Ein Ausschnitt meiner täglichen Arbeit und zum Nachdenken - nicht zum Diskutieren gedacht....
Be. Das Projekt. Bist Du selbst!

Tanja von Salzen-Märkert 

Zitat Ende"

 
Lisa Peters: pferd.24-hs.de

Dienstag, 31. Januar 2023

Vertraue deiner Intuition - Linda Tellington-Jones


Buch gleich bestellen


Lege dein Herz in deine Hände und die Hände auf dein Pferd.

Dieses Buch ist eine Geschichte von Linda und ihrer Familie. Die Erzählung, wie sie zu ihrer "Lebensphilosophie" kam. Die Einheit vom Menschen mit der gesamten Schöpfung und ihrer Verbundenheit zu den Tieren.

Auch der Erkenntnis, dass wir alle verbunden sind, nicht nur den geliebten Tieren um uns herum, sondern auch ihren Menschen, denke ich. Wir sind nicht getrennt von irgendetwas, wir sind alle verbunden und auch wenn es Jahre dauert, oder sogar viele Leben, finden wir uns irgendwann wieder.

Wir haben das auch alle im Gefühl, wenn wir uns begegnen, wenn wir genau hin spüren.
Linda gibt uns Anleitung dazu, wieder genau hin zu fühlen. Indem wir mehr von ihrer Geschichte erfahren, lernen wir auch zu verstehen, wo wir uns alle zu Hause fühlen können, nämlich überall da, wo es unser Herz hinzieht.

Lassen Sie sich auch von dem wundervollen TTouch berühren, den Linda uns vermitteln kann.

Lisa Peters: pferd.24-hs.de

Dienstag, 10. Januar 2023

Eingewöhnung eines neuen Pferdes


Oben ist ein besonders aussagefähiger Videoausschnitt von einer Eingewöhnung zu sehen, es betrifft hier Dobby`s Eingewöhnung.
Hier unten noch ein paar weitere Playlists von verschiedenen Pferden bei der Eingewöhung, sie zeigen auch jeweils nur Ausschnitte des ganzen Prozesses:

Nero (Hengst-Jährling) bei der Eingewöhnung in die Jungsgruppe Nero war schon eine Weile angrenzend bei der Gruppe, aber nur mit der Stute zusammen gestanden, weil die großen Jungs das Fohlen nicht gleich bei sich geduldet hatten. Mit rund 2 Jahren ist er dann größtenteils mit den Jungs zusammen gestanden, hat aber immer wieder mal zu seiner Ziehmama gewechselt. Er wurde mit 18 Monaten kastriert, als er anfing Interesse an der Stute zu zeigen.

So machen wir es konkret, obwohl wir natürlich alle Eigenheiten der jeweiligen Pferde in Betracht ziehen:

Ein neues Pferd ist zu uns an den Stall gekommen.
Dafür wird erstmal ein Bereich abgeteilt, damit sich die Tiere beschnuppern können und sicher abgetrennt sind.

Wenn die ersten Anzeichen da sind, dass sie nicht mehr aufgeregt sind und sich beruhigt haben, dürfen sie sich einzeln unter Aufsicht auf einer größeren freien Fläche kennen lernen. Nachdem alle zusammen bekannt sind, nach und nach dann auch mal alle zusammen auf dem Platz waren, darf der Neuling erstmal allein den Auslauf und Stall besichtigen. 

Dann machen wir es wieder so: jeden Tag mal ein anderes Pferd dazu zum gemeinsamen erkunden. Dann schauen wir, wie sie sich benehmen und lassen sie erst stundenweise unter Aufsicht alle zusammen und später dann tagsüber und nur noch nachts abgetrennt. Sollte nach ein paar Tagen alles ruhig bleiben, dürfen sie auch die Nacht zusammen verbringen. 

Es dauerte bisher von 5 Tagen bis zu 6 Monaten, bis ein Pferd ordentlich integriert war. Das sind zwar Ausnahmen, aber alles ist möglich. Das Pferd, das am Längsten brauchte, war sehr futterneidisch, er konnte sich nicht abfinden damit, der Rangniedrigste zu sein, war futterneidisch und hat immer wieder die anderen Pferde an der Heuraufe gebissen. Selbst den Chef hat er böse gebissen. Der war trotzdem aber immer wieder bereit ihn mit fressen zu lassen. 

Der Unruhestifter hat uns zum Glück irgendwann wieder verlassen.

Lisa Peters: pferd.24-hs.de

Pferd gekauft und schon gibt es Probleme?


Ein Traum ist für uns wahr geworden und wir haben uns ein eigenes Pferd gekauft. Natürlich wollen wir nur das Beste für das Pferd. Wir freuen uns ja, dass es da ist und wollen ihm nur Gutes tun, haben auch einen guten Stall für es ausgesucht. Natürlich erwarten wir auch dafür, dass es brav ist und gut mitarbeitet. Wir können es ja auch kaum erwarten, dass es los geht, wir haben schon viel zu lange darauf gewartet. Aber nun funktioniert es nicht so, wie es soll?
Als wir es uns angesehen haben, sah das Bild ganz anders aus. Es war lieb und hat auch wunderbar funktioniert beim Probereiten. Was ist da jetzt plötzlich los?

Um nun eine Lösung zu finden, sollten wir das Problem mal aus der Sicht des Pferdes betrachten. Es wurde aus seinem bisherigen Leben gerissen, egal wie schön oder schlecht das gewesen sein mag. Es war sein Leben. Seine vertrauten Stallgesellen, eventuell ein lieber Pferdekumpel, ein besonderer Freund oder eine besondere Freundin. Das hat ihm bisher Sicherheit gegeben um zu überleben. Die Grundbedürfnisse des Pferdes sind Futter, Wasser, Sozialkontakte und eine sichere Umgebung. Eventuell auch ein Mensch, den es gewohnt war und dessen Routinen ihm Sicherheit gaben.

Unser neues Pferd ist nun von all dem weg gerissen worden. Das hat es sich nicht freiwillig ausgesucht, es ist also erstmal nicht gerne von dort weg. Es spielt dabei erstmal keine Rolle, wie gut oder schlecht es vorher behandelt worden ist. Es weiß auch nicht, was auf es zukommen wird. Also ist es erstmal total verunsichert. 
Mußte es bisher einfach nur funktionieren, kann es sich keine Vorstellung davon machen, dass es ab jetzt anders sein könnte. Wurde es gut behandelt, versteht es erst recht nicht, warum es plötzlich die gewohnte sichere Umgebung verlassen musste, die für sein Überleben ja elementar  wichtig ist.

Es ist fremd in einer fremden Umgebung und muss nun sehen, wie es zurecht kommt. Vielleicht hat es Glück und bekommt eine schonende Eingewöhnung, vielleicht sogar in einer kleinen Herde und nicht in einer Box. Auch da muss es erstmal seinen Platz in der ganzen Rangordnung finden. Vielleicht hat es auch noch mehr Glück und kann die neue Herde erstmal aus einer sicheren Distanz kennen lernen und muss sich nicht sofort damit auseinander setzen.

Es ist aufgewühlt, vor der ungewissen Zukunft, hat erstmal Angst im fremden Stall und muss sich nun erstmal gegen die anderen Pferde durchsetzen oder sich mit ihnen arrangieren. Diese wollen ja erstmal nichts mit einem fremden Eindringling in der bestehenden Herde zu tun haben Es muss sich vielleicht auch um sein Futter sorgen. Dann sind auch fremde Menschen da, die es noch nicht kennt und die es verstehen lernen muss. Vielleicht hat es auch dabei Glück und wir können unserem neuen Pferd anhand einer klaren Körpersprache gut vermitteln was wir von ihm wünschen. Dann kann es sich unserer klaren Führung gut anschließen und sich entspannen. 

Aber vielleicht läuft es nicht so entspannt in der neuen Umgebung? Mit den anderen Pferden? Den anderen Stallbedingungen und neuen Menschen? Im fehlt ja zuallererst mal Sicherheit. Wenn es die nicht findet, wird es erst mal alles aus dem Ruder laufen. Vielleicht hat das Pferd auch gesundheitliche Probleme, die man auf den ersten Blick nicht sehen kann und der Vorbesitzer verschwiegen hat? 

Was kann ich jetzt als Mensch tun? 
Wenn alle gesundheitlichen Probleme abgestellt sind, gutes Futter, darf es auch ohne Stress fressen? Hat es ausreichend Mineralien, das kann im Blutbild festgestellt werden, chiropraktische Untersuchung, da schaut man mal auf die offensichtlichen Dinge. Ist das Pferd zu dünn, musste es hungern, hat es Magenprobleme, ist es zu dick und hat Gelenkprobleme, sind die Zähne in Ordnung, Hufe in Ordnung? Kann es gut sehen? Hat es Gebäudefehler, die letzendlich zusammen mit unserer Konstellation zu Problemen führen? Passt sein Sattelzeug wirklich? In welchen Situationen treten Probleme auf, schon von daher lassen sich etliche Rückschlüsse ziehen. Man muss bei extremen Problemen auch in Betracht ziehen, dass ein Pferd für die Besichtigung ruhig gestellt wurde.

Ich sollte auf jeden Fall dem Pferd gut vermitteln können, dass ich eine klare Führung bieten kann und es sich bei mir sicher fühlen kann. In den wenigsten Fällen ist dies leider so, weil wir ja immer noch Menschen sind, die zum größten Teil eben noch ein anderes Leben haben, weit weg von Pferden. Der Anteil an "Pferdezeit" ist meist ein sehr kleiner, verglichen mit der restlichen Zeit unseres Lebens. Deswegen haben wir auch meist nicht die Übung darin, die Führung einer Herde zu übernehmen, mit allen Pflichten und Privilegien, die das so mit sich bringt. Wir haben uns ja deswegen auch ein ausgebildetes Pferd gekauft, von dem wir annehmen wollten, dass es problemlos zu uns passt.

Unser Pferd sieht uns aber nun auch als Teil seiner neuen Herde. Abgesehen von seinen Stallkumpels, die ja auch dazu gehören. Es muss nun seinen neuen Platz in der Hirarchie finden. Bei den Pferden und den Menschen. Wir sollten ihm dafür genügend Zeit geben und nicht gleich von Anfang an von ihm verlangen, wie gewohnt zu funktionieren. Das kann beim einen kürzere Zeit dauern, beim anderen länger. Ich rede hier von Wochen bis Monate falls es ungünstig läuft. Es kann auch sein, ein Pferd gewöhnt sich nie an eine neue Konstellation.

Falls wir also nicht die absoluten Pferdekenner sind, ist es hilfreich, wenn wir einen kompetenten Trainer dazu holen, der uns unterstützen kann darin, eine gute und vertrauensvolle Beziehung zu unserem Pferd aufzubauen. Es gibt keine pausschalen Lösungen oder Ratschläge, die man anwenden könnte. Dazu sind Pferde und Menschen und die Ursachen der Probleme doch zu unterschiedlich. Ein Trost sollte uns sein: meist lassen sich Probleme relativ schnell lösen, wenn wir die Bedürfnisse unserer Pferde erkennen und sie zufrieden stellen.

Ein Verlaßpferd kann man sich normalerweise nicht kaufen, das muss man sich erarbeiten. Die Anlagen dazu kann ein Pferd haben. Zum Vorschein bringen müssen wir es selber mit Zuverlässigkeit, Vertrauen und fairer Behandlung. Dann bekommen wir all das zurück. Dafür sollte sich die Mühe ja auch lohnen.

Ich möchte gern ein Beispiel erzählen. Eines Tages kam ein neues Pferd an unseren Stall, in seinem ehemaligen Zuhause hatte man keine Verwendung mehr für es. Es kam zu einer relativ unerfahrenen, aber sehr liebevollen Pferdefrau. Ich durfte die beiden unterstützen im Prozess der Eingewöhnung und des gemeinsamen Lernens.
Der Wallach bekam einen eigenen Bereich im Pferdeauslauf, damit er und die anderen Pferde sich gesichert erstmal beschnuppern und kennen lernen durften. Nach und nach durfte er immer ein Pferd mehr kennen lernen, bis er dann mit der ganzen Herde vergesellschaftet war und seinen Platz in der Herde gefunden hatte.

Er war auf herkömmliche Art ausgebildet, das heißt ihm wurden Signale vermittelt, die er verstehen und ausführen sollte, was er auch brav machte. Normalerweise wird herkömmlich aber auch mit Druck gearbeitet, das heißt, wenn ein Pferd nicht ausführt, was verlangt wird, wird Druck aufgebaut oder auch gestraft. Er reagierte sehr ängstlich auf den Anblick einer Peitsche und versuchte sogar weg zu rennen.

Da ich mit Pferden ohne Strafe arbeite und auch seine neue Menschin das so machen wollte, zeigten wir ihm, dass er nicht mehr gestraft werden würde und die Peitsche nicht dazu da ist geschlagen zu werden. Er hat dann so manches mal nicht mehr gewußt, dass er trotzdem nicht alles machen darf, sondern dass es Regeln bei uns gibt. Das heißt, wir bitten ihn etwas zu machen, zeigen auch mit Hilfe einer Art Gerte oder einem verlängerten Arm, was wir möchten, wollen damit aber keine Angst machen, sondern nur verständlich machen, was wir vorschlagen.

Er durfte nun auch am langen und lockeren Strick mit uns gehen, ohne fest gehalten zu werden.  
Falls er sich entschlossen hatte mitzumachen, bekam er eine Belohnung. Das war nun etwas Neues und er musste lernen, dass man Belohnungen auch nicht einfordern darf, sondern anständig sein und man bekommt die Belohnung auch erst nach einem Belohnungston/Signal. 

So fand er nach und nach viel Gefallen am Mitmachen und Mensch und Pferd konnten eine wunderbare, vertrauensvolle Beziehung aufbauen. Dieser Prozess hat bei ihm ca. 2 Wochen gedauert. Dann wurde er ein verlässlicher Partner für seine Reiterin, die in dieser Zeit auch lernte, sich mit Körpersprache bei ihm verständlich zu machen. Er wurde ein sehr entspanntes und sicheres Pferd für Groß und Klein.

Ein paar Geschichten zu Vertrauensaufbau und dem richtigen Umgang mit dem Pferd, sowie ein gutes Buch zum Geheimnis der Pferdesprache sind auch hier zu finden: 
https://a-m-elisabeth-peters.blogspot.com/search/label/Vertrauensaufbau 


Lisa Peters: pferd.24-hs.de