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Montag, 22. Juni 2026

Pferde leiden nicht laut – Eine Lektion der Pferde


Bevor ich begann, mich intensiver mit Pferdeverhalten zu beschäftigen, habe ich etwas anderes gelernt: Pferde leiden nicht immer laut.

Meine Pferde waren nicht aggressiv. Sie waren nicht gefährlich. Sie galten auch nicht als Problempferde.

Und trotzdem hatte ich immer häufiger das Gefühl, dass etwas nicht stimmte.

Nach mehreren Stallwechseln sah ich dieselben Probleme immer wieder. Pferde, die nicht ausreichend zur Ruhe kamen. Meine Stute zum Beispiel legte sich oft sofort hin und schlief, sobald ich sie aus einer Gruppe holte, in der sie nie wirklich zur Ruhe kam.

Pferde, die ständig auf der Suche nach Futter waren und sich kaum auf etwas anderes konzentrieren konnten, weil nie genug davon vorhanden war.

Pferde, die sich verletzten, weil im Auslauf ein ständiger Kampf um Ressourcen herrschte.

Pferde, deren Bedürfnisse im Alltag zu wenig Beachtung fanden, weil Liegeflächen nicht eingestreut waren oder Rückzugsmöglichkeiten fehlten.

Damals versuchte ich nicht, die Pferde zu verändern. Ich begann zu fragen, was sie eigentlich brauchten.

Rückblickend war das vielleicht die wichtigste Lektion, die meine Pferde mir beigebracht haben.

Viele Menschen beginnen erst dann nach Ursachen zu suchen, wenn ein Pferd auffällig wird. Wenn es sich nicht verladen lässt, beim Reiten Probleme macht oder im Umgang schwierig erscheint.

Doch Pferde müssen nicht erst auffällig werden, um zu zeigen, dass etwas nicht stimmt.

Manchmal zeigen sie es durch Müdigkeit.

Manchmal durch ständigen Hunger.

Manchmal durch innere Unruhe.

Und manchmal zeigen sie es gar nicht deutlich genug, damit wir es sofort erkennen.

Je mehr ich beobachtete, desto klarer wurde mir, dass viele Schwierigkeiten ihre Ursache nicht im Pferd hatten.

Nicht das Pferd war das Problem.

Die Umstände waren es.

Ein Pferd, das nie ausreichend schlafen kann, wird nicht deshalb müde, weil es ein schwieriges Pferd ist.

Ein Pferd, das ständig nach Futter sucht, tut das nicht, um seinen Menschen zu ärgern.

Ein Pferd, das unter Stress steht, reagiert nicht aus Bosheit.

Es versucht lediglich, mit seiner Situation zurechtzukommen.

Diese Erkenntnis hat meinen Blick auf Pferde grundlegend verändert.

Ich begann, weniger auf das Verhalten zu schauen und mehr auf die Ursachen.

Was erlebt dieses Pferd jeden Tag?

Hat es genügend Ruhe?

Genügend Futter?

Genügend Sicherheit?

Kann es seinen natürlichen Bedürfnissen nachkommen?

Heute glaube ich, dass viele Probleme gar nicht erst entstehen würden, wenn wir diese Fragen häufiger stellen würden.

Pferde lehren uns etwas, das in unserer schnelllebigen Welt leicht verloren geht:

Bevor wir etwas verändern wollen, sollten wir versuchen, es zu verstehen.

Denn Verhalten hat Ursachen.

Und wenn wir beginnen, nach diesen Ursachen zu suchen, profitieren am Ende vor allem die Pferde davon.

Pferde brauchen keine perfekten Menschen, sondern Menschen, die bereit sind hinzuschauen und zu verstehen. Wenn du dir auf diesem Weg Unterstützung wünschst, begleite ich dich gerne – 
vor Ort oder auch online, schicke mir eine Nachricht. 
Die Erfahrungen anderer Pferdehalter mit meiner Arbeit findest du in meinen Bewertungen.

Lisa Peters: pferd.24-hs.de

Samstag, 20. Juni 2026

Warum billige Einstreu oft die teuerste Lösung ist – und wie ich zu meiner Holzpellet-Matratze gekommen bin



Wer Pferde hält, versucht früher oder später, die laufenden Kosten im Blick zu behalten. Das gilt besonders für die Einstreu. Viele von uns rechnen zuerst den Preis pro Ballen oder Sack aus und suchen nach der günstigsten Lösung.

Das habe ich früher auch getan.

Heute sehe ich das etwas anders.

Denn nach vielen Jahren Pferdehaltung bin ich zu dem Schluss gekommen, dass die billigste Einstreu oft die teuerste sein kann.

Nicht wegen des Einkaufspreises, sondern wegen der Arbeit, des Mistvolumens und der Auswirkungen auf die Pferde.

Als Stroh für mich nicht mehr die beste Lösung war

Früher habe ich mit Stroh eingestreut.

Wie viele andere Pferdehalter auch.

Doch irgendwann stellte ich fest, dass ich einen riesigen Strohmisthaufen produzierte und viel Zeit damit verbrachte, beim Misten die Pferdeäpfel aus dem Stroh herauszusuchen.

Manchmal kam ich mir vor wie bei der Ostereiersuche.

Die eigentliche Arbeit bestand nicht darin, die Pferde zu versorgen, sondern darin, verwertbare Einstreu von Mist zu trennen.

Je mehr ich darüber nachdachte, desto mehr fragte ich mich:

Geht das nicht einfacher?

Mein Versuch mit Holzpellets, bzw. Sägemehl.

Vor einigen Jahren begann ich, eine Liegefläche mit Holzpellets oder Sägemehl aufzubauen.

Anfangs war ich skeptisch.

Heute würde ich nicht mehr zurückwechseln.

Aus den Pellets entstand nach dem Aufquellen eine weiche, federnde Matratze, die inzwischen seit Jahren funktioniert.

Die Liegefläche wird regelmäßig gepflegt und nachgestreut, musste aber nicht komplett ausgetauscht werden.

Besonders beeindruckt hat mich, wie gern meine Pferde diese Fläche nutzen.

Sie schlafen dort regelmäßig, auch tagsüber. Häufig sogar direkt an den Ein- und Ausgängen des Unterstandes, wo sie gleichzeitig ruhen und ihre Umgebung im Blick behalten können.

Was sich im Alltag verändert hat

Die größte Veränderung war nicht die Optik.

Es war die Zeit.

Landet ein Pferdeapfel auf der Liegefläche, hebe ich ihn mit der Bollengabel auf, schüttle die Einstreu aus und bin fertig.

Keine langwierige Sortierarbeit. 

Kein großer Verlust an Einstreu.

Kein ständig wachsender Misthaufen.

Weil die Einstreu größtenteils im Stall bleibt, ist auch das Mistvolumen deutlich kleiner geworden.

Wer schon einmal überlegt hat, wohin mit den Mistbergen eines Winters, weiß diesen Vorteil zu schätzen.

Die teuersten Kosten entstehen oft durch Arbeit

Viele vergleichen nur den Preis eines Sackes Einstreu.

Dabei wird ein wichtiger Punkt vergessen:

Die eigene Arbeitszeit.

Wenn ich jeden Tag deutlich länger misten muss, wenn ich große Mengen Einstreu entsorgen muss oder ständig neue Einstreu benötige, dann entstehen ebenfalls Kosten.

Sie stehen nur nicht auf einer Rechnung.

Für mich war die Holzpellet-Matratze deshalb nicht die billigste Lösung beim Kauf.

Aber sie wurde zur günstigsten Lösung im Alltag.

Warum meine Pferde davon profitieren

Mindestens ebenso wichtig wie die Arbeitserleichterung ist für mich das Verhalten meiner Pferde.

Die Matratze ist weich und gleichzeitig tragfähig.

Gerade ältere Pferde oder Pferde mit Arthrose profitieren davon.

Sie sinken nicht tief ein, finden aber genügend Polsterung zum Liegen.

Auch beim Aufstehen bietet die festere untere Schicht guten Halt.

Meine beiden Pferde nutzen die Liegeflächen ausgesprochen gern.

Und das ist für mich immer das wichtigste Urteil.

Nicht jede Einstreu passt zu jedem Stall

Ich behaupte nicht, dass Holzpellets für jeden Stall die perfekte Lösung sind.

Jeder Stall ist anders.

Jedes Pferd ist anders.

Aber ich habe gelernt, dass man Einstreu nicht allein nach dem Preis beurteilen sollte.

Man sollte beobachten:

  • Wie gern liegen die Pferde?
  • Wie entwickelt sich das Stallklima?
  • Wie viel Arbeit entsteht?
  • Wie groß wird der Misthaufen?
  • Wie hoch ist der tatsächliche Verbrauch?

Erst dann lässt sich beurteilen, ob eine Einstreu wirklich günstig ist.

Mein Fazit

Heute denke ich bei Einstreu nicht mehr in Säcken oder Ballen.

Ich denke in Lebensqualität.

Für meine Pferde.

Und auch für mich.

Denn eine Einstreu, die den Pferden eine gute Liegefläche bietet, das Stallklima verbessert, weniger Mist erzeugt und täglich Zeit spart, ist für mich letztlich die günstigere Lösung – selbst wenn sie beim Kauf zunächst etwas teurer erscheint.

Manchmal zeigt sich der wahre Preis eben erst nach einigen Jahren Erfahrung.


Lisa Peters: pferd.24-hs.de

Montag, 24. Februar 2025

So gewinnst du das Vertrauen deines Pferdes




Das Vertrauen deines Pferdes lässt sich nicht einfach über Nacht aufbauen. Es gibt keinen „Knopf“, den du drücken kannst, um sofortige Ergebnisse zu erzielen. Ich wäre die Erste, die dir diesen geheimen Trick verraten würde, denn dann ginge es vielen Pferden und ihren Menschen viel besser.

Das Vertrauen deines Pferdes kann man mit vielen kleinen Elementen festigen. Viele dieser Elemente hast du wahrscheinlich bereits – bewusst oder unbewusst – angewendet. Es ist nicht notwendig, alles richtig zu machen, bevor du das Vertrauen deines Pferdes erlangst. Noch wichtiger ist, dass es ganz einfach ist, das ein oder andere Element (also die Ideen, die du hier findest) in deinen Alltag mit dem Pferd zu integrieren.

Letztendlich ist alles eine Frage des Gefühls, was du bereit bist, deinem Pferd entgegen zu bringen! Wenn du dir regelmäßig ins Gedächtnis rufst, dass dein Pferd ein Lebewesen mit individuellen Bedürfnissen, Ängsten und einer besonderen Persönlichkeit ist, wird es dir einfacher fallen, die Bedingungen so zu schaffen, dass dein Pferd dir Vertrauen entgegenbringt. Wenn du die Zeit mit deinem Pferd schätzt und den Fokus auf euer gemeinsames Wachstum legst – anstatt nur auf das Erreichen von Zielen – und dir dabei Zeit lässt, werden die gemeinsamen Stunden umso schöner sein!

Um das Vertrauen deines Pferdes zu gewinnen, ist es wichtig, dass du versuchst, es wirklich kennenzulernen. Achte darauf, was es ausmacht, was ihm Freude bereitet. Finde heraus, was dein Pferd braucht, wo es sich wohlfühlt und wie du ihm helfen kannst. Gleichzeitig solltest du auch darauf achten, was es nicht mag, oder was es verunsichert.

So kannst du eine bereichernde Beziehung aufbauen, die auf Vertrauen und Respekt basiert. Denk daran, dass egoistisches Handeln und das Ignorieren der Bedürfnisse deines Pferdes das Vertrauen schnell gefährden können. Die gute Nachricht ist: Wenn du ein starkes Vertrauensverhältnis zu deinem Pferd aufbaust, wirst du auch seinen Respekt gewinnen – ganz nebenbei!

Auch in einer respektvollen und freundschaftlichen Beziehung zu deinem Pferd muss einer die Führung übernehmen, um das Wohl aller zu gewährleisten. Ein „Chef“ muss das Sagen haben, den Kurs festlegen und sicherstellen, dass alle in Sicherheit sind und gerne folgen. Er muss auch dafür sorgen, dass jeder am richtigen Platz seine Aufgaben erfüllen kann. Fairness, Motivation und ein angenehmes Umfeld sind dabei unerlässlich. Wenn ein Herden-Chef Druck und Ungerechtigkeit ausübt, wird die Herde Abstand halten und nicht gerne folgen. Das führt uns zu Herausforderungen im Umgang mit Pferden.

Es gibt einige Punkte, die darüber entscheiden, ob und wie stark Vertrauen aufgebaut wird. Bitte verstehe mich nicht falsch! Es bedeutet nicht, dass du all diese Dinge perfekt umsetzen musst, um das Vertrauen deines Pferdes zu gewinnen. Es sind lediglich Vorschläge für ein angenehmes Zusammen sein – ein Leitfaden, der dir helfen soll, ein neues Bewusstsein für die Bedürfnisse deines Pferdes zu entwickeln.

Hier sind einige Anregungen:

Um eine vertrauensvolle und respektvolle Beziehung zu deinem Pferd aufzubauen, ist es wichtig, auf seine Bedürfnisse und Gefühle einzugehen. An Tagen, an denen du schlecht gelaunt oder aggressiv bist, solltest du deinem Pferd Ruhe gönnen. Triff Entscheidungen, die im besten Interesse deines Pferdes sind, und vermeide es, es in brenzlige Situationen zu bringen. In unvorhersehbaren oder angsteinflößenden Momenten ist es entscheidend, gelassen zu bleiben und in schwierigen Situationen voranzugehen, auch wenn dein Pferd unruhig ist.

Achte darauf, dass dein Pferd beim Fressen in der Herde genug Ruhe und Futter hat. Halte andere Pferde gegebenenfalls fern, um ihm Sicherheit zu geben. Wenn dein Pferd krank ist, reite es nicht, sondern lass es entspannt an der Hand grasen oder gehe mit ihm spazieren. Erkenne seine Ängste und binde es nicht im cross-tying an. Vermeide alles, was Druck oder Schmerzen verursacht, wie unangemessene Ausbinder, schmerzende Gebisse, schlechte oder fehlende Hufbearbeitung oder nicht passende Sättel.

Sei aufmerksam gegenüber Anzeichen von Überforderung oder Krankheit. Wenn dein Pferd, das normalerweise gerne kommt, eines Tages nicht zu dir kommt, hat das einen Grund – finde ihn heraus. Schere dein Pferd nicht, nur weil es für dich bequemer ist, und reite es nicht, wenn es nass ist. Reite es trocken, wenn es durch das Reiten geschwitzt hat. Verlange nur das, was es momentan versteht und leisten kann, und lobe es in seinem Sinne.

Zwinge dein Pferd nicht in angsteinflößende Situationen und lasse nicht zu, dass andere Menschen ihm schaden. Wenn es in die Klinik muss, bleibe bei ihm, bis es sediert ist, oder besuche es, damit es in Ruhe fressen kann, sollte es dort sein Futter nicht anrühren. Bereite es auf unangenehme Dinge wie Zahnarzt oder Tierarzt vor. Zwinge es nicht „mal schnell“ in den Anhänger, sondern übe dies vorher gut indem du es auf enge Bereiche und andere Untergründe vorbereitest. Achte darauf, dass deine Stute bei einem Decksprung nicht gefesselt wird und lasse sie ihr Fohlen in Ruhe zur Welt bringen.

Respektiere die Bedürfnisse deines Pferdes und zeige ihm, dass deine Berührungen angenehm sind. Achte darauf, dass es sich nicht aus Angst oder Unsicherheit abwendet. Schule dein Auge um zu erkennen, wenn es Schmerzen hat, und stelle sicher, dass es nicht unter Juckreiz leidet, ohne behandelt zu werden, bevor du eine Decke auflegst. Verlange keine Leistungen, die es nicht erbringen kann, und lasse es nicht über unwegsamen Boden laufen, wenn seine Hufe nicht darauf vorbereitet sind.

Biete deinem Pferd so viel Auslauf und Herdenkontakt wie möglich, aber stelle sicher, dass empfindliche, alte oder kranke Tiere nicht in eine stressige Offenstallhaltung gezwungen werden, sondern Rückzugsmöglichkeiten haben. Verbringe Zeit mit deinem Pferd, ohne etwas von ihm zu verlangen und spiele mit ihm. Freue dich über seine Fortschritte und entwickle Zuneigung, auch wenn es noch problematisch ist.

Scheuche dein Pferd nicht im Roundpen, um es zu dominieren, und sei bereit, einen Stallwechsel in Kauf zu nehmen, wenn dies für euch beide entspannender ist. Denke daran, die Gesundheit deines Pferdes zu erhalten, bevor Krankheiten auftreten.

Pferde haben ein feines Gespür dafür, ob wir ehrlich und fürsorglich mit ihnen umgehen und für ihr Wohl besorgt sind. Sie sind erstaunlich geduldig und bereit zu verzeihen, solange wir bereit sind, unsere Fehler zu erkennen und unser Verhalten zu ändern, auch wenn wir aus Unwissenheit nicht von Anfang an die perfekte Leitung unserer kleinen Herde übernehmen können. Lasse dich mit Freude und Zuversicht auf einen Weg ein, der zu einer erfüllten Beziehung mit deinem Pferd führt.

Pferde brauchen keine perfekten Menschen, sondern Menschen, die bereit sind hinzuschauen und zu verstehen. Wenn du dir auf diesem Weg Unterstützung wünschst, begleite ich dich gerne – 
vor Ort oder auch online, ich freue mich über deine Nachricht. 
Die Erfahrungen anderer Pferdehalter mit meiner Arbeit findest du in meinen Bewertungen.


Lisa Peters: pferde.24-hs.de

Freitag, 24. Januar 2025

Respektlose Pferde - Wie werde ich als Mensch geachtet um mein Pferd sicher zu führen?

Chester als wilder 3jähriger

Heute mit 14 der souveräne Chef der Herde von allen respektiert.

Lässt sich nur mit Schnurhalfter reiten und ist durch nichts aus der Ruhe zu bringen.

Er folgt mir entspannt und frei, auf eingezäuntem Gelände, wenn ich ihn darum bitte. Auch, wenn er lieber bei der Herde im Schatten stehen würde, kommt er mit. Sämtliche Situationen draußen meistert er heute genauso entspannt, egal was da kommt oder zu hören ist. Das ist nur möglich, wenn dir dein Pferd vertraut und eine Beziehung mit dir aufgebaut hat, in der gegenseitiger Respekt die Grundlage allen Handelns ist.

Er hat nie ein Gebiss getragen und eine Gerte ist für uns nur ein verlängerter Arm. Bestenfalls gibt es Belohnungshappen, aber auch das nur auf Aufforderung meinerseits. Ich bestimme, wann was gemacht wird, oder beendet wird und auch wann etwas gefressen wird, was ich in der Hand halte. Dieses Recht zu bestimmen hat der Ranghöhere und die anderen respektieren das freiwillig. Diese Führungsrolle muss man sich erarbeiten, in dem man zum Wohle der Herde entscheidet und von den Herdenmitgliedern somit anerkannt wird.

Wie sieht es bei dir aus? Rempelt dich dein Pferd um? Oder stehst du einfach öfter im Weg, wenn es angerannt kommt? Ich würde einfach aus dem Weg gehen, wenn das Pferd angaloppiert kommt um nicht umgerannt zu werden und meine Chance bei Gelegenheit wieder wahrnehmen, wenn ich an den Grundlagen der Kommunikation gearbeitet habe.

Es geht hier für das Pferd nicht darum, die "Weltherrschaft" ;-) im Pferdeuniversum übernehmen. Wenn Missverständnisse überwiegen, müssen wir daran arbeiten, die Harmonie wieder herzustellen. Das muss auch nicht von heut auf morgen geschehen, wir können und sollten uns dabei Zeit lassen. Sicher dauert es länger, wenn man wöchentlich nur ein paar wenige Stunden Zeit dafür hat, aber man kann immer daran arbeiten.

Es geht nicht darum, die Konfrontation während einer Auseinandersetzung zu suchen, indem du dich auf das Pferd konzentrierst um es nun zu überzeugen, auf dich zu hören.
Auch Pferde machen nicht alles an einem Tag untereinander aus und wir haben größere Chancen angehört zu werden, wenn es nicht sofort um große Themen geht. Kleinigkeiten, immer wieder, das prägt sich dann auch für das Pferd besser und entspannter ein. Eine Pferdegemeinschaft muss erstmal wachsen. Auch wir gehören ja im weitesten Sinne zur Herde dazu. 

Die Geschichte vom allherrschenden Anführer ist längst überholt. Jedes Tier in der Herde hat seine Aufgaben und übernimmt je nach Begabung seine Pflichten. Die ranghöheren Tiere gehen ja jetzt auch nicht hin und demonstrieren ihre Macht um zu sagen, du musst jetzt mal tun, was ich sage, sondern das ist ein Miteinander, was für alle Tiere gut ist und Sinn macht. Der Leithengst geht auch nicht hin und zwingt seine Herde bis in alle Einzelheiten genau zu gehorchen, er schafft sich seinen Raum und fordert nur den Respekt ein, diesen einzuhalten. So wächst das Vertrauen in ihn und in Gefahrenmomenten kann er absoluten Gehorsam erwarten, der auf Freiwilligkeit basiert.

Als Mitglied einer Herde benimmt man sich respektvoll gegenüber den anderen Herdenmitgliedern. Wenn da einer aus der Reihe tanzen würde, würde er ausgeschlossen werden, denn er würde die Sicherheit der ganzen Herde gefährden. Wenn wir fähig sind, uns mit gegenseitigem Respekt und Freundlichkeit zum Wohl unserer Mensch-Pferd-Gemeinschaft auszudrücken, wird uns unser Pferd freiwillig folgen. Dafür müssen wir uns aber vom Gedanken der reinen Dressur verabschieden. 

Da ein Pferd aber von seiner Art her immer entgegenkommend ist, zeigt der "Chef" eben an, wenn der dann mal vorbei will, oder zufällig der andere im Weg steht, wo er gerade hin will.
Er beginnt das gegenseitige Fellkraulen und beendet es auch wieder. Er fängt auch das gegenseitige Spiel an oder hört wieder auf und geht als erster vom Unterstand auf die Weide, die anderen folgen ihm oder kommen mit ihm zusammen auch wieder zurück in den Schatten. Das reicht eigentlich dann auch schon aus um seine Position dauerhaft zu etablieren. Genauso können wir auch an unserer Beziehung arbeiten.
Die ganz großen Rangkämpfe gibt es innerhalb einer gewachsenen konstanten Herde so nicht mehr. Meist ist das ein Element in immer wechselnden Herden und den immer wieder neuen Situationen, denen unsere Pferde ausgesetzt sind.

Du kannst ganz nebenbei bei der Stallarbeit an Dingen wie gegenseitigem Respekt arbeiten. Zufällig musst du dann mit der Karre mal da hin, wo er steht, oder er muss sich weg drehen, weil du den Fleck beanspruchst, auf dem das Pferd steht, oder er muss rückwärts weichen, weil du eben auch wieder genau diesen Platz betreten musst um etwas weg zu harken. Oder du beginnst das Pflegen und dein Pferd darf dir dann zeigen, wo es gekrault werden möchte. So etablierst du langsam aber sicher deine Position an der Führungsspitze, damit es dann, wenn es drauf ankommt keinerlei Debatten mehr darüber geben muss, ob man jetzt flüchten sollte, oder weiter laufen kann, denn du zeigst mit vielen Kleinigkeiten deinem Pferd, dass es sich auf dich verlassen kann, denn die Führungsposition beinhaltet auch die Verantwortung über die wichtigeren Dinge zu entscheiden.

Ein paar Tipps zum Aufbau des Vertrauens findest du auch hier im Blog zum Thema: Vertrauensaufbau, oder zu Lesen in dem Buch von Gertrud Pysall , das Geheimnis der Pferdesprache.
Gern empfehle ich auch die TRT Method , hier zeigt Tristan, wie man eine sichere Führung erarbeitet.

Lisa Peters: pferd.24-hs.de

Dienstag, 10. Januar 2023

Eingewöhnung eines neuen Pferdes


Oben ist ein besonders aussagefähiger Videoausschnitt von einer Eingewöhnung zu sehen, es betrifft hier Dobby`s Eingewöhnung.
Hier unten noch ein paar weitere Playlists von verschiedenen Pferden bei der Eingewöhung, sie zeigen auch jeweils nur Ausschnitte des ganzen Prozesses:

Nero (Hengst-Jährling) bei der Eingewöhnung in die Jungsgruppe Nero war schon eine Weile angrenzend bei der Gruppe, aber nur mit der Stute zusammen gestanden, weil die großen Jungs das Fohlen nicht gleich bei sich geduldet hatten. Mit rund 2 Jahren ist er dann größtenteils mit den Jungs zusammen gestanden, hat aber immer wieder mal zu seiner Ziehmama gewechselt. Er wurde mit 18 Monaten kastriert, als er anfing Interesse an der Stute zu zeigen.

So machen wir es konkret, obwohl wir natürlich alle Eigenheiten der jeweiligen Pferde in Betracht ziehen:

Ein neues Pferd ist zu uns an den Stall gekommen.
Dafür wird erstmal ein Bereich abgeteilt, damit sich die Tiere beschnuppern können und sicher abgetrennt sind.

Wenn die ersten Anzeichen da sind, dass sie nicht mehr aufgeregt sind und sich beruhigt haben, dürfen sie sich einzeln unter Aufsicht auf einer größeren freien Fläche kennen lernen. Nachdem alle zusammen bekannt sind, nach und nach dann auch mal alle zusammen auf dem Platz waren, darf der Neuling erstmal allein den Auslauf und Stall besichtigen. 

Dann machen wir es wieder so: jeden Tag mal ein anderes Pferd dazu zum gemeinsamen erkunden. Dann schauen wir, wie sie sich benehmen und lassen sie erst stundenweise unter Aufsicht alle zusammen und später dann tagsüber und nur noch nachts abgetrennt. Sollte nach ein paar Tagen alles ruhig bleiben, dürfen sie auch die Nacht zusammen verbringen. 

Es dauerte bisher von 5 Tagen bis zu 6 Monaten, bis ein Pferd ordentlich integriert war. Das sind zwar Ausnahmen, aber alles ist möglich. Das Pferd, das am Längsten brauchte, war sehr futterneidisch, er konnte sich nicht abfinden damit, der Rangniedrigste zu sein, war futterneidisch und hat immer wieder die anderen Pferde an der Heuraufe gebissen. Selbst den Chef hat er böse gebissen. Der war trotzdem aber immer wieder bereit ihn mit fressen zu lassen. 

Der Unruhestifter hat uns zum Glück irgendwann wieder verlassen.

Lisa Peters: pferd.24-hs.de

Montag, 21. Februar 2022

Clickern mit Pferden - kostenlose Videokurse von Sylvia Czarnecki

Wer einsteigen möchte, in das Training mit positiver Verstärkung ist bei Sylvia Czarnecki gut aufgehoben. 
Gern zittiere ich mal von ihrer Website https://www.motionclick.de/

Zitat: " Lerntheorie ist etwas ganz praktisch orientiertes: die Lerntheorie beschreibt, wie sich ein Lebewesen in seiner Umwelt zurechtfindet, sie folgt Naturgesetzen. Training mit positiver Verstärkung orientiert sich also vor allen Dingen an der Natur des Pferdes und ist darauf bedacht, das Training möglichst stressfrei und ohne Zwang oder unangenehmen Druck umzusetzen. Das Training dient dabei der mentalen und physischen Gesunderhaltung des Pferdes und somit der Verbesserung seiner Lebensqualität. 

Du lernst auf dieser Seite nicht irgendein kompliziertes Konzept oder nur das „Nachkochen von Rezepten“, sondern vor allen Dingen die Zutaten zu verstehen, die gutes und pferdegerechtes Training ausmachen. So bist Du auch in neuen oder schwierigen Situationen handlungsfähig und kannst selbst entscheiden, was für Dich und Dein Pferd das beste ist. Mit dem Wissen bist Du in der Lage, Training fachlich zu beurteilen und auch die Emotionen Deines Pferdes richtig einzuschätzen. So gelangst Du mit Hilfe der positiven Verstärkung zu einer besseren Kommunikation und erreichst ein ehrliches, freudvolles Miteinander.

Dabei ist nicht nur wichtig, dass Dein Pferd zufrieden ist, sondern auch, dass Du selbst Dich mit dem Training wohl fühlst. Denn positives Pferdetraining bedeutet nicht nur, das Pferd in seiner Persönlichkeit zu achten und seine Verhaltensweisen und Ansprüche zu respektieren, es heißt auch, an sich selbst zu arbeiten, selbstreflektiert und -kritisch zu sein und dem Pferd Zeit zu lassen, uns zu verstehen. Es ist nicht vorwiegend Technik, die man erlernt und anwendet, es ist eine Frage der Einstellung und eine Möglichkeit, sich persönlich mit dem Pferd weiterzuentwickeln und selbständig zu werden, ohne dass einer der Partner hierbei auf der Strecke bleibt.

Training mit positiver Verstärkung / Clickertraining ist ein ernstzunehmendes und ganzheitliches Ausbildungskonzept, welches auf alle Bereiche des Umganges und das Training angewandt werden kann. " Zitat Ende.


Sylvia Czarnecki bietet auf ihrer Website kostenlose Videokurse zum Thema Clickern an. Das lohnt sich auf jeden Fall mal rein zu schauen. Ihren Blog möchte ich hier auch gern weiter empfehlen. Und jetzt viel Spaß beim Clickern. Den Einstieg ins Clickern findest du über einen Survival Guide von ihr.

Lisa Peters: pferd.24-hs.de

Dienstag, 15. Februar 2022

Halten Sie sich fit für den Sattel - Bewegungstipps im Alltag



Als Erwachsene anfangen zu Reiten, oder Wiedereinsteiger? 

Seien wir mal ganz ehrlich, wenn wir als Kinder Reiten gelernt haben, waren wir noch etwas fitter als jetzt. Auch wenn wir Sportler sind, müssen wir uns beim Reiten doch auf ganz andere Bewegungsabläufe einstellen.

Ein Pferd kann groß, stark, hoch und schnell sein. Manchmal fallen ihm auch ganz besonders wilde Bewegungen ein: erschreckt zur Seite springen - wobei uns die Trägheit der Masse am selben Fleck lässt - nur eine Etage tiefer, 
plötzlich unaufhaltsam los stürmen - bei dem uns irgendwann die Kondition verlässt und wir, wenn wir Glück haben sanft auf unserem Hintern landen und nicht im Steigbügel hängen bleiben, 
einen sliding Stopp einlegen - von dem es uns vorwärts herunter katapultiert, weil wir uns am Zügel festhalten, wo auch sonst... , 
oder einen freudigen Buckler machen, wenns auch hoffentlich bei einem einzigen bleibt und nicht zum Rodeo ausartet, weil es die stechende Bremse los werden will und an uns auf dem Rücken garnicht mehr denken kann. 
Na, überzeugt? Wir müssen also fit werden und unsere Aufmerksamkeit schulen, dann können uns diese Eskapaden nicht mehr viel anhaben. Oder wer von euch traut sich das alles mal locker zu, um im Sattel zu bleiben? ;-)

Es ist nunmal so, Freizeitreiter sitzen nur einen Bruchteil des Tages im Sattel – und umso länger am Schreibtisch oder auf dem Sofa. Macht nichts! Im Alltag können wir ganz nebenbei viel bessere Reiter werden. 

Wie, zeigt uns z. B. das Programm von Susanne Bruckner mit den 13 wichtigsten Bewegungen. Sie und Ihr Pferd werden es genießen! Hier geht es zu dem Artikel von Cavallo 

Hier ein paar Videos fürs Training zu Hause: 
Fit fürs Pferd: Teil 1, Teil 2

Reitsport Sitzschulung & Bewegungstraining - Lehrgang Eckart Meyners 78 Min.


Außerdem: 

 um energievoller zu werden.



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