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Sonntag, 13. Februar 2022

Chester, der Herdenchef und mein Aufstieg in der Führungsebene



Als Chester zu uns kam, war er ein bemitleidenswertes, kleines Häufchen Elend. Er hatte einen Kieferbruch, solllte erlöst werden wegen der hohen OP Kosten, sein Leben stand dabei auf der Kippe, aber wir holten ihn kurzerhand zu uns, ließen ihn operieren und hofften einfach nur, dass er es gut übersteht.

Nach einem halben Jahr Genesung war klar, er wird gesund und immer munterer. Er zeigte dann auch, wer er wirklich war. Vom dem kleinen, jämmerlichen Häufchen Elend entpuppte er sich als der geborene Alpha, stark und ungestüm.

Er hatte als 3 jähriger so einige Sachen drauf, die ich noch nie so in dem Ausmaß erlebt hatte. Ein typisches Jungpferd: anrempeln, ansteigen, davon preschen, einfach allegemein hibbelig und sehr unberechenbar in seinen Aktionen. Andauerndes Gezappel auch beim Hufe machen und Pflegen und dauernd angeknabbert werden, einfach alles ziemlich nervig. Ganz ehrlich habe ich mich damals gefragt, ob ich das jemals mit ihm schaffe? Ich war ziemlich am Ende meiner Überlegungen. Aber ich hab mir dann selber gedacht: wenn ich es nicht schaffe, wer dann? Und wenn das jemand anders schafft, dann schaffe ich das auch.

10 Jahre weiter: Wir haben es geschafft! Und das mit Bravour.
Er ist heute mein bestes Pferd im Stall. Sehr souverän führt er die kleine Herde an, seine Entscheidungen werden nicht mal im Ansatz hinterfragt. Er ist der unangefochtene Chef der Gruppe. Wenn dann mal ein Neuer hinzu kommt, wird der sehr sicher, ruhig, souverän und überlegen dazu bewegt, seinen Anweisungen zu folgen. Trotz allem teilt er alle Resourcen brüderlich, auch wenn mal ein Rüpel dabei ist.

Ob das allein sein toller Charakter ist, oder auch ein Teil meiner Erziehung, (was ich natürlich gern für mich einstreichen würde) bleibt dahin gestellt.

Sehr gern erzähle ich aber auch mal, wie wir nun dahin gekommen sind.
Durch "Zufall" kam mir ein Buch in die Hände, von Gertrud Pysall: Das Geheimnis der Pferdesprache kennen lernen.

Das verhalf mir ehrlich gesagt zum Durchbruch.
Ich konnte Chester nun zeigen, wer wirklich etwas zu sagen hatte und zwar auch so, dass er es sofort verstanden hat, trotzdem gewaltfrei. Es war ein etwas längerer Prozess, denn er war ja absolut unerzogen und roh, erstmal auf der Alm groß geworden und hatte noch nie so richtig eine menschliche Führung genossen. Er wunderte sich nur, dass ich plötzlich ranghöher war, so viel schneller war als er, dass ich ihn in jedem Moment stoppen konnte, seine Laufrichtung wechseln konnte, seine Gangart bestimmen konnte und auch noch markieren konnte, dass alle Bereiche MEIN Territorium waren über das ich allein verfügen konnte wie ich wollte, oder ihn nach meinem Wunsch mit einbeziehen konnte und alle Resourcen von nun an allein verwaltete.  Und vor allem anderen: dass mich seine Eskapaden von nun an unbeeindruckt ließen, weil ich für mich den Stein der Weisen gefunden hatte.

Das ging nicht alles an einem Tag, aber mit jeder Minute des veränderten Umgangs mit ihm, wurde ihm mehr und mehr klar, dass egal was er machte, ich die Oberhand behielt. Ich konnte ihm zeigen, dass ich ihn liebte, ruhig bleiben konnte und trotzdem immer das letzte Ass im Ärmel hatte. Schritt für Schritt hat er gelernt, was es heißt ein gutes Pferd zu sein. Alles haben wir mit Ruhe und Zeit erreicht. 

Ich habe sehr darauf geachtet, ihn nicht zu überfordern, auch als wir begonnen haben ihn zu Reiten. Wir übten alles ohne Reiter und er kannte ja dann schon alles vom Boden her. Dass ich dann auf einer erhöhten Position saß, machte für ihn dann keinen Unterschied mehr. Wir haben auch schon aufgrund seines Kiefers nie ein Gebiss eingelegt. Nur mit Knotenhalfter und langem Strick gearbeitet. Ich habe ihm natürlich zuerst auch alle Hilfen vom Boden erklärt.

Als er 3 oder 4 Jahre alt war, hab ich einfach mal den Sattel drauf gelegt und damit Bodenarbeit gemacht. Oder ihm einen Sack Futter aufgelegt. Er hat einfach die Routine bekommen mit dem täglichen Arbeiten, dass es alles normal ist, was wir machen. Da kam nie eine Gegenwehr, er hat sich einfach auf mich verlassen.

Er ist nun zu dem geworden, was ich ihm vorgelebt habe. Morgens werde ich grummelnd begrüßt und immer willkommen geheißen. Ein rundum tolles Pferd. Ruhig, immer souverän und händelbar. Für alles offen und selbst vom Spielen auf der Weide abrufbar, wenn ich ihn holen möchte. Selbst nach 2 Jahren Reitpause lässt er sich reiten, als wäre nichts dazwischen gewesen. Beim Toben auf der Weide kann ich immer sicher sein, dass er auf mich aufpasst. Er schlägt sogar Haken, damit er einen nicht überrennt. 

Ich wünsche allen anderen nun viel Mut und Zuversicht, auch wenn alles noch nicht so auf Anhieb klappt. Dazu kann ich das Buch von Pysall nur empfehlen, es vermittelt eine tolle Kommunikation mit Körpersprache.
Hier noch ein paar andere Geschichten zum Thema Vertrauensaufbau und Führung
Viel Spaß mit eueren Pferden!


Besuchen Sie auch unsere Website: www.pferd.24-hs.de

Mittwoch, 6. Mai 2015

Das Knotenhalfter unter anatomischen Gesichtspunkten



Eins darf man nicht verschweigen:
Das Knotenhalfter kann von Trainern dazu benutzt werden um Pferde mit Druck auszubilden, damit es später auf leichte "Hilfen" reagiert.
Tatsache ist, dass mit dem Knotenhalfter sehr viel Druck aufgebaut werden kann und es auch schmerzhaft eingesetzt werden kann, weil es durch seine dünnen Stricke und die dort angebrachten Knoten einwirken kann.

Aber, auch das darf gesagt werden, es ist auch möglich ohne Druck damit ein Pferd auszubilden, indem es einfach als Alternative zur gebisslosen Zäumung dient.


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Dienstag, 5. Mai 2015

Wie sitzt das Knotenhalfter richtig? Wie wird der D-Knoten richtig geschlossen? Wofür ist ein Knotenhalfter geeignet?







Warum soll das Knotenhalfter so und nicht anders sitzen?
Ein Knotenhalfter sitzt fest und lockert sich nicht, wenn es richtig angelegt wurde. Dies hat aber auch Nachteile, wenn das Pferd z. B. damit angebunden wird, denn es gibt auch bei Belastung nicht nach. Schwere Schäden am Pferd sind möglich, deshalb bitte nie mit Knotenhalfter anbinden.
Aus diesem Grund wird es auch etwa 2 Finger breit unter dem Jochbein platziert, damit es auf dem knöchernen Teil der Nase sitzt.
Unter dem Kinn sollte noch Platz frei sein für ca. 4 Finger zwischen Halfter und Pferdekopf.

Wie wird das Knotenhalfter richtig geschlossen?
Wenn das Knotenhalfter mit dem Nasenteil über die Nase gestreift wurde, legt man das längere Ende hinter den Ohren über das Genick und führt es von innen nach außen durch die Schlaufe, an der man es befestigen möchte.
Am besten hält man es dann mit der linken Hand direkt über der Schlaufe fest in der richtigen Länge. Dann führt man das Ende mit der rechten Hand wieder nach innen hinter die Schlaufe in Richtung nach vorne zum Auge hin unter der Schlaufe durch, hierbei bildet sich mit der Seilmitte das D, was dem Knoten seinen Namen gibt. Dabei hält die linke Hand immer noch das Seil über der Schlaufe fest und bewegt sich nicht. Von vorne schiebt man das Ende dann DURCH dieses D was eine Schlaufe bildet zurück Richtung Hals nach hinten und zieht das Seil dann über der Schlaufe platziert fest.
Bei Zug festigt sich dieser Knoten noch, er kann von allein nicht mehr aufgehen.

Hier gibt es ein anschauliches Video dazu:


Wofür ist das Knotenhalfter geeignet?
Für alle Arten der Bodenarbeit, sowie das zügelunabhängige Reiten ohne Anlehnung.
Am langen Bodenarbeits-Seil, das etwas schwerer sein sollte um die Hilfen besser zu übertragen und das an beide Schlaufen unter dem Kinn befestigt wird, oder auch mit den Zügeln die hier auch an der unteren Seite je an einem Schlaufenende befestigt wird.
Es lässt sich eine sehr feine Kommunikation mit dem Pferd erarbeiten.

Seien Sie bitte vorsichtig, wenn das Pferd nicht gewohnt ist, dass das Kopfstück nicht nachgibt sobald es zufällig auf das Seil tritt. Es kann sich sehr erschrecken und auch im Genick verletzen. Am besten trainiert man es vorher, den Kopf unten zu halten, wenn Zug auf das Knotenhalfter kommt. Ich lasse deswegen das Seil niemals am Boden schleifen.

Eine Beschreibung, auf welche Nerven und Blutbahnen das Knotenhalfter drückt ist hier zu finden:
http://www.hippovital.at/2015/01/18/gedanken-zum-knotenhalfter-unter-anatomischen-gesichtspunkten/

Zur Ausbildung des jungen Reitpferdes wird oft auch ein natural Hackamore verwendet.

"Die Natural Hackamore ist eine von hand geknotete, leichte und weiche gebisslose Zäumung. Sie ist das ideal für die Vorbereitung auf das Reiten mit Trense. Ziel der Natural Hackamore ist es dem Pferd beizubringen seinem Gefühl zu folgen und dem Druck zu weichen. Gerade beim einreiten ist sie das perfekte Werkzeug um das Pferd nicht im Maul zu desensibilisieren. Oftmals wird sie auch eingesetzt um Hilfen- und Entspannungsprobleme zu lösen.

Die Hackamore besteht aus einem Knotenhalfter, einem geschlossenen verstellbarem Zügel und einer ca. 3,7 m langen Leadrope. Besonders im Natural Horsemanship ist es von Vorteil gleichzeitig die Reitzäumung und eine Leadrope für die Bodenarbeit parallel im Training nutzen zu können ohne ständig die Halfter wechseln zu müssen."
Zitat: Sarah Kolbmüller

Eine Anleitung zum Selbermachen hier:
http://www.curlyhorse.info/wp-content/uploads/2014/06/Eine-Natural-Hackamore-selber-machen.pdf



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