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Donnerstag, 9. Juli 2026

Wenn Pferde sich entschuldigen – eine Lektion von Fjölvi, Chester und Nero




Momente, in denen man für einen Augenblick einen Einblick in eine Welt bekommt, die uns Menschen oft verborgen bleibt. Auch wenn ich diese Geschichten schon einmal erzählt habe, möchte ich das gerne noch einmal aufgreifen unter einem anderen Blickwinkel.

Manchmal wünsche ich mir, ich hätte in genau diesen Augenblicken eine Kamera in der Hand. Aber meistens ist es anders: Man steht einfach nur da, tief berührt von dem, was man gerade sieht.

So ging es mir mit Fjölvi und Chester.

Zwei junge Pferde, die Freunde fürs Leben wurden

Chester bekam damals einen Kumpel.

Er war erst vier oder fünf Jahre alt und musste nicht länger nur mit der alten Stute zusammenstehen. Er war voller Energie, verspielt und brauchte einen Freund, der mit ihm herumtoben konnte.

Fjölvi war erst seit knapp drei Monaten bei uns.

Von Anfang an waren die beiden unzertrennlich.

Sie standen zusammen, ruhten zusammen, lagen zusammen, fraßen zusammen, tranken zusammen, gingen gemeinsam zum Äppeln und natürlich spielten sie zusammen. Wenn einer ging, rief der andere ihm hinterher.

Es sah aus, als hätten sich zwei gefunden.

Und wenn sie auf dem Platz toben durften, dann waren sie besonders ausgelassen. Pferdespiel ist nicht immer sanft und vorsichtig, wie wir Menschen es vielleicht erwarten würden. Es ist wild, kraftvoll und manchmal ziemlich deftig.

Aber es ist auch Kommunikation.

Ein Unfall und ein außergewöhnliches Ritual

Eines Tages passierte es.

Fjölvi traf Chester nahe am Auge. Ob mit einem Biss oder einem Schlag, hatte ich nicht gesehen.

Chester quietschte auf und sprang buckelnd davon.

Nicht unbedingt vor Schmerz – sondern wohl eher aus Empörung darüber, dass Fjölvi sich so etwas erlaubt hatte.

Pferde sind Beutetiere. Die Natur hat ihnen nicht gegeben, vor Schmerz laut zu schreien und damit Raubtiere anzulocken. Wer das bezweifelt, sollte bedenken, dass selbst schwere Verletzungen wie ein gebrochenes Bein oder eine Kolik nicht automatisch zu einem Schmerzlaut führen.

Chester war also nicht „jammernd“ davongelaufen.

Er war beleidigt.

Und das kannte ich von ihm. Wenn Fjölvi einmal die Oberhand hatte, obwohl Chester als Chef der Herde eigentlich der Stärkere und Erfahrenere war, dann konnte Chester schon einmal quietschend und buckelnd davon stürmen.

Zufällig sah ich später, dass Chester tatsächlich eine kleine Verletzung hatte: eine winzige Hautabschürfung unterhalb des Auges. Nicht einmal Blut lief.

Ich hätte die Stelle behandeln können, aber es gab nichts, was behandelt werden musste.

Dann sah ich Fjölvi.

Er stand in der Mitte des Platzes.

Und plötzlich ging Chester langsam auf ihn zu.

Diesmal wich Fjölvi nicht zurück. Er begrüßte Chester sogar mit einem Hufscharren.

Chester blieb vor ihm stehen.

Und dann begann etwas, das ich vorher noch nie gesehen hatte.

Die Sprache der Pferde

Die beiden gähnten sich gegenseitig an.

Immer wieder.

Sie leckten sich über die Lippen, beschnupperten ihre Nasen.

Dann begann Fjölvi, Chester ganz vorsichtig mit seinen Nüstern zu berühren.

Chester erwiderte diese sanften Berührungen.

Und dann geschah etwas, das mich tief berührte:

Fjölvi begann, Chesters Wunde zu lecken.

Immer wieder leckte er über sein Gesicht.

Ich weiß nicht mehr, wie lange ich schon zugeschaut hatte. Ich stand einfach nur da und beobachtete diese beiden jungen Pferde.

Natürlich hatte ich in diesem Moment keine Kamera bereit.

Oder besser gesagt: Man denkt in solchen Augenblicken gar nicht daran.

Aber dann fiel mir ein, dass ich mein Handy dabei hatte.

Der intensivste Moment des Leckens war zwar schon vorbei, aber ihr gegenseitiges liebevolles Beknabbern dauerte noch an.

Und genau das sieht man auch im Youtubevideo, den Link dazu habe ich eingefügt:

Wer die beiden kennt, weiß, dass dieses Spiel normalerweise viel wilder aussieht.

Aber diesmal war etwas anders.

Es war, als würden sie sich gegenseitig versichern:

„Ich wollte dir nicht weh tun.“

„Ich weiß.“

„Wir sind trotzdem Freunde.“

Tiere haben eine Seele voller Zwischentöne

Wir Menschen müssen Tieren ein vielschichtiges Gefühlsleben zugestehen.

Nicht, indem wir ihnen menschliche Gedanken überstülpen.

Sondern indem wir anerkennen, dass sie Beziehungen leben, Gefühle zeigen und soziale Bindungen pflegen – auf ihre eigene Art.

Pferde können nicht mit Worten sagen, dass etwas ein Versehen war.

Aber sie haben andere Möglichkeiten.

Sie können Nähe suchen.

Sie können beruhigen.

Sie können wieder Verbindung herstellen.

Und manchmal können sie uns zeigen, wie wenig nachtragend und wie ehrlich Beziehungen sein können.

Einige Jahre später: Nero

Einige Jahre später kam Nero zu uns.

Er kam mit sechs Monaten direkt vom Schlachter in unsere kleine Herde.

Ein großes Schlitzohr.

Später wurde aus ihm ein 3,5-jähriger Noriker – ein beeindruckendes Pferd, groß, kräftig und schwer.

Aber gleichzeitig unglaublich klug, liebevoll und sensibel.

Auch Nero zeigte mir, wie fein die Kommunikation der Pferde ist.

Nach Tagen mit viel Regen waren die Böden aufgeweicht. Die Pferde standen aus verschiedenen Gründen jeweils zu zweit in großzügigen Unterständen mit Paddock und konnten den großen Trail und die Weiden gerade nicht gemeinsam nutzen.

Eines Tages passierte es:

Beim Abäppeln blieb die Gittertür zu Neros Auslauf nur angelehnt.

Nero bemerkte das sofort.

Er schob sie auf und marschierte direkt zum Eingang des Trails.

Dort wartete er.

Natürlich hatten Chester und Fjölvi nebenan längst bemerkt, was los war, und standen ebenfalls am Tor.

Ich konnte es nicht übers Herz bringen, sie alle wieder zurück zu schicken.

Nach den vielen Regentagen auf dem kleineren Paddock wollte ich ihnen die Freude gönnen.

Also öffnete ich das Tor.

Und dann explodierte die aufgestaute Energie.

Chester und Fjölvi galoppierten los. Den ganzen Trail entlang, auf die Weiden, wieder zurück, hin und her.

Sie hörten gar nicht mehr auf, sich zu freuen.

Und Nero?

Nero machte Bocksprünge, galoppierte hin und her und buckelte voller Lebensfreude.

Seine Ziehmama Tafi wurde natürlich ebenfalls angesteckt.

Zum Glück hielt der Boden und keines der Pferde rutschte aus.

Eine kleine Lektion von einem großen Pferd

Irgendwann wollte ich Ruhe hineinbringen.

Ich holte die Futterschüsseln – denn bei der kleinen Portion Mineralfutter werden schließlich alle wieder ganz vernünftig.

Als ich quer durch den Auslauf laufen wollte, kam Nero plötzlich um die Ecke galoppiert.

Ich sprang zur Seite.

Er drehte um und wollte wieder loslaufen.

Als er an mir vorbeikam, hob er sein Bein in meine Richtung.

Eine Drohung.

Ich weiß, dass Nero und jedes andere Pferd sehr genau treffen könnten, wenn sie es wirklich wollten.

Aber in diesem Moment machte es mich wütend.

Ich war selbst angespannt. Ich wollte die Situation kontrollieren und Ruhe schaffen – und natürlich hilft eigene Aufregung dabei nicht gerade.

Nachdem alle wieder zufrieden fraßen und alle Tore geschlossen waren, blieb ich trotzdem innerlich angespannt.

Ich lehnte mich an den Zaun und dachte darüber nach.

War das wirklich ernst gemeint gewesen?

Oder hatte Nero mein Herumspringen vielleicht als Spielaufforderung verstanden?

Denn Pferde unterscheiden sehr genau zwischen Ernst und Spiel. Und er hätte mich treffen können, wenn er wirklich gewollt hätte.

Während ich noch darüber nachdachte, kam dieses große Pferd plötzlich zu mir.

Meine Wuchtbrumme.

Mein kleines Mammutbaby.

Er gähnte mich an.

Und dann leckte er mir die Hände.

Ich kenne dieses Verhalten aus der Pferdeherde.

Wenn ein Pferd ein anderes versehentlich getroffen hat, wenn eine Situation zu heftig geworden ist, dann gehen sie oft wieder aufeinander zu. Sie gähnen, lecken, suchen Kontakt. Genau wie Fjölvi und Chester ein paar Jahre zuvor.

Eine Botschaft ohne Worte:

„Es war nicht böse gemeint.“

„Wir sind wieder gut.“

Und in diesem Moment löste sich meine ganze Wut auf.

Nero erinnerte mich daran, dass auch wir Menschen manchmal einen Moment brauchen, um wieder zuzuhören.

Eine Herde ist mehr als eine Gruppe von Pferden

Je länger ich Pferde beobachte, desto mehr habe ich den Eindruck, dass wir ihre sozialen Beziehungen oft unterschätzen.

Eine Herde ist für mich weit mehr als eine Ansammlung einzelner Pferde.

Sie ist ein soziales Gefüge.

Jedes Pferd ist ein Individuum.

Jedes übernimmt seine Rolle.

Es gibt enge Freundschaften, gegenseitige Rücksichtnahme, kleine Konflikte, gemeinsames Spiel und immer wieder Momente, in denen Beziehungen gefestigt werden.

Das bedeutet nicht, dass in einer Herde ständig Harmonie herrscht.

Im Gegenteil.

Gerade weil Spannungen ganz normal sind, braucht es offenbar auch Möglichkeiten, sie wieder aufzulösen.

Vielleicht gehören genau solche kleinen Gesten dazu.


Was wir heute oft nicht mehr sehen

Vielleicht beschäftigt mich dieses Thema auch deshalb so sehr, weil viele unserer Hauspferde gar nicht mehr die Möglichkeit haben, über Jahre in stabilen sozialen Gruppen zu leben.

Beziehungen entstehen dort unter ganz anderen Bedingungen.

Gruppen werden verändert.

Pferde werden getrennt.

Manche verbringen einen großen Teil ihres Lebens allein in einer Box und haben nur begrenzten Kontakt zu Artgenossen.

Umso wertvoller erscheinen mir die Momente, in denen wir Pferde in einem gewachsenen Herdenverband beobachten können.

Dort zeigen sie uns oft Dinge, die wir kaum wahrnehmen würden, wenn wir nur auf einzelne Verhaltensweisen achten.


Vielleicht liegt genau darin die eigentliche Sprache der Pferde

Vielleicht besteht Pferdesprache nicht nur aus Ohrenstellung, Schweifhaltung oder Mimik.

Vielleicht zeigt sie sich auch in den kleinen Gesten, mit denen Beziehungen gepflegt werden.

Nicht weil wir genau wissen, was sie bedeuten.

Sondern weil wir erleben dürfen, was sie bewirken.

Nero und Fjölvi haben mich gelehrt, genauer hinzusehen.

Nicht nach schnellen Antworten zu suchen.

Sondern Zusammenhänge wahrzunehmen.

Denn manchmal erzählt nicht eine einzelne Geste die Geschichte.

Sondern die Beziehung, in der sie entsteht.

Meine kleine Familie

Nero hat inzwischen eine eigene Herde gefunden.

Für mich wurde er einfach zu groß und zu schwer um ihn richtig Pflegen zu können.

Chester, der kleine wilde Spielkamerad von damals, hat ihn gut erzogen. Heute ist Nero selbst ein souveräner Chef einer zwölfköpfigen Herde.

Die alte Stute ist leider inzwischen nicht mehr bei uns.

Chester und Fjölvi sind nun wieder allein.

Aber sie sind meine kleine Familie.

Die Pferde, mit denen ich mein Leben teile.

Und ich möchte diese Momente nie vergessen, in denen sie mir zeigen:

Manchmal müssen wir Menschen nicht lehren.

Manchmal sind wir diejenigen, die lernen dürfen.


Lisa Peters: pferd.24-hs.de

Sonntag, 28. Juni 2026

„Du bekommst ihn. Er liebt dich.“ – Ein Satz, der ein großes Missverständnis über Pferde zeigt



Fjölvi – heute 21 Jahre alt. Ein Tarpan, der mir gezeigt hat, dass Kooperation nicht aus Liebe entsteht, sondern aus Verständnis und Vertrauen.


Als ich Fjölvi zum ersten Mal sah, war er etwa elf Jahre alt.

Er sollte als Gesellschafter für meinen Chester zu uns kommen. Bis dahin lebte er in einer Reitschule und war dort als Schulpferd ausgebildet worden. Doch für den täglichen Betrieb mit ständig wechselnden Reitschülern war er nicht geeignet.

Als ich ihn kennenlernte, fiel mir sofort sein Zustand auf. Wegen seines Sommerekzems hatte er kaum noch Mähne, die Schweifrübe war kahl und sein Fell sprach Bände.

Ich bat ihn um ein paar einfache Dinge. Unter anderem trabte er auf mein Zeichen an. Nichts Besonderes – und doch etwas, das die Reitlehrerin überraschte.

Sie schaute mich an und sagte:

"Du bekommst ihn. Er liebt dich."

Ich musste lächeln.

"Wie sollte er mich nach zehn Minuten lieben?"

Sie erklärte, dass er sich anderen Menschen gegenüber oft ganz anders verhalte und nicht immer tue, worum man ihn bitte.

Damals wurde mir bewusst, wie unterschiedlich wir dieselbe Situation interpretierten.

Sie glaubte, Fjölvi hätte sich für mich entschieden, weil er mich mochte.

Ich sah etwas anderes.

Ich hatte den Eindruck, dass er einfach erleichtert war, endlich einem Menschen zu begegnen, dessen Körpersprache für ihn verständlich war.

Das ist ein großer Unterschied.

Viele ursprüngliche Pferderassen und Wildpferderückzüchtungen wie Tarpane, Koniks oder Dülmener bringen noch sehr viel Eigenständigkeit mit. Sie folgen nicht automatisch jedem Menschen. Sie prüfen, beobachten und entscheiden.

Manche bezeichnen sie deshalb als stur oder schwierig.

Ich sehe das anders.

Sie folgen nicht blind. Sie folgen dann, wenn sie einen Sinn erkennen und Vertrauen fassen.

Genau das machte Fjölvi zu einem wunderbaren Lehrmeister.

Er wurde später eines der beliebtesten Pferde meiner Reitschüler.

Er verweigerte nie.

Aber nicht, weil er ein Pferd war, das einfach alles mit sich machen ließ.

Er achtete auf mich. Er vertraute mir. Und dieses Vertrauen schenkte er auch den Kindern, wenn sie es sich in seinem Tempo erarbeitet hatten.

Unsicherheit dagegen konnte er nicht einfach übergehen.

Es gab Kinder und auch Erwachsene, die ihn von Herzen liebten. Trotzdem arbeitete er mit ihnen nicht selbstverständlich zusammen.

Nicht aus Bosheit.

Sondern weil ihre Unsicherheit für ihn keinen klaren Weg vorgab.

Ein ursprüngliches Pferd kann einer unklaren Führung kaum folgen. Das wäre aus seiner Sicht nicht natürlich.

Heute ist Fjölvi einundzwanzig Jahre alt.

Seit rund zehn Jahren lebt er bei uns.

Er wird inzwischen nicht mehr geritten und genießt seine Zeit mit seinem Kumpel Chester. Seine Offenheit verschenkt er bis heute nicht an jeden sofort. Erst beobachtet er. Dann entscheidet er.

Und genau das liebe ich an ihm.

Übrigens verschwand sein Sommerekzem schon relativ kurze Zeit, nachdem er bei uns eingezogen war. Seine Mähne wuchs wieder nach und auch sein Schweif erholte sich. Ob es allein an der Haltung lag, kann ich natürlich nicht sicher sagen. Ich habe jedoch oft den Eindruck, dass Wohlbefinden und Stress auch einen Einfluss auf die Gesundheit eines Pferdes haben können.

Fjölvi hat mir in all den Jahren etwas Wichtiges beigebracht:

Wir verwechseln die Kooperation eines Pferdes viel zu oft mit Liebe.

Dabei wünschen sich viele Pferde vor allem eines:

Verstanden zu werden.

Und manchmal reicht genau das aus, damit sie uns etwas schenken, das viel tiefer geht als bloßer Gehorsam – ihr Vertrauen.

Oft verändert sich das Pferd, wenn sich die Kommunikation verändert. Wenn du dir auf diesem Weg Unterstützung wünschst, begleite ich dich gerne – 

vor Ort oder auch online, ich freue mich über deine Nachricht. 
Die Erfahrungen anderer Pferdehalter mit meiner Arbeit findest du in meinen Bewertungen.

Hier noch ein paar Bilder, über meinen kleinen großen Schatz Fjölvi:

 
 










Lisa Peters: pferd.24-hs.de

Samstag, 27. Juni 2026

Empower your Horse – Wenn Zusammenarbeit auf Verständnis wächst



Anna Kannegieter – KOSMOS Verlag

Es gibt Bücher, die vermitteln Wissen.

Und es gibt Bücher, die verändern den Blick auf das Pferd.

Für mich gehört „Empower your Horse“ von Anna Kannegieter zur zweiten Kategorie.

Schon der Titel macht neugierig. Das englische Wort empower lässt sich nicht mit einem einzigen deutschen Begriff übersetzen. Es bedeutet unter anderem stärken, befähigen oder jemanden in die Lage versetzen, eigene Entscheidungen zu treffen. Genau dieser Gedanke zieht sich durch das gesamte Buch.

Anna Kannegieter beschreibt einen Umgang mit Pferden, der auf Kommunikation statt Kontrolle basiert. Sie stellt das Mitspracherecht des Pferdes in den Mittelpunkt und zeigt, wie eine vertrauensvolle Zusammenarbeit entstehen kann, wenn Mensch und Pferd einander wirklich wahrnehmen.

Was mich an diesem Ansatz besonders anspricht, ist die Grundhaltung dahinter.

Viel zu häufig wird in der Pferdewelt gefragt:

"Wie bekomme ich mein Pferd dazu?"

Dabei wäre die wichtigere Frage oft:

"Warum reagiert mein Pferd so?"

Diese kleine Veränderung der Fragestellung kann den Umgang mit Pferden grundlegend verändern.

Denn Verhalten entsteht nicht zufällig.

Jedes Pferd handelt aus seiner eigenen Wahrnehmung heraus. Es bringt Erfahrungen mit, empfindet Sicherheit oder Unsicherheit, hat körperliche Voraussetzungen und eigene Bedürfnisse. Wer all das berücksichtigt, beginnt das Pferd nicht mehr als Gegner oder Werkzeug zu sehen, sondern als fühlendes Lebewesen.

Genau diese Sichtweise spiegelt sich auch in diesem Buch wider.

Besonders gefällt mir, dass nicht Leistung oder Perfektion im Vordergrund stehen. Vielmehr geht es darum, eine Beziehung aufzubauen, in der Vertrauen wachsen kann. Kommunikation wird dabei nicht als Technik verstanden, sondern als gegenseitiges Verstehen.

Das entspricht auch meiner eigenen Überzeugung.

Ich glaube nicht, dass nachhaltige Veränderungen durch immer neue Methoden entstehen.

Sie entstehen dann, wenn wir unsere Sicht auf das Pferd verändern.

Wenn wir lernen zuzuhören, bevor wir handeln.

Wenn wir Ursachen suchen, statt nur Symptome zu beseitigen.

Und wenn wir akzeptieren, dass jedes Pferd ein Individuum mit einer eigenen Geschichte ist.

Natürlich ersetzt auch dieses Buch nicht die Erfahrung mit dem eigenen Pferd. Kein Buch kann jede Situation beantworten oder eine persönliche Begleitung ersetzen.

Aber Bücher können etwas sehr Wertvolles bewirken:

Sie können neue Fragen entstehen lassen.

Und manchmal beginnt genau dort eine Entwicklung, die weit über das eigentliche Lesen hinausgeht.

Mein Fazit

Empower your Horse ist ein Buch für Menschen, die mehr suchen als Trainingsmethoden. Es richtet sich an alle, die ihr Pferd besser verstehen möchten und bereit sind, die Beziehung aus einer anderen Perspektive zu betrachten.

Nicht die Kontrolle steht im Mittelpunkt.

Sondern Vertrauen.

Nicht das Funktionieren.

Sondern gegenseitiges Verstehen.

Und genau darin liegt – aus meiner Sicht – der größte Wert dieses Buches.

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Mein Blick auf dieses Buch

Ich stelle auf meinem Blog nur Bücher vor, von denen ich glaube, dass sie Pferden zugutekommen können. Nicht, weil sie schnelle Lösungen versprechen, sondern weil sie Menschen helfen, Pferde besser zu verstehen. Wenn aus diesem Verständnis mehr Vertrauen, mehr Rücksicht und ein fairerer Umgang entstehen, profitieren beide Seiten – zuerst das Pferd und daraus erwächst auch eine tiefere Beziehung zwischen Mensch und Pferd.

Pferde brauchen keine perfekten Menschen, sondern Menschen, die bereit sind hinzuschauen und zu verstehen. Wenn du dir auf diesem Weg Unterstützung wünschst, begleite ich dich gerne – 
vor Ort oder auch online, ich freue mich über deine Nachricht. 
Die Erfahrungen anderer Pferdehalter mit meiner Arbeit findest du in meinen Bewertungen.

Lisa Peters: pferd.24-hs.de

Klarheit statt Kontrolle - Lektionen der Pferde

 

Viele Menschen wünschen sich ein Pferd, das ihnen vertraut.

Ein Pferd, das gerne mit ihnen zusammenarbeitet, das aufmerksam ist und sich sicher an ihnen orientiert.

Doch manchmal suchen wir Vertrauen an der falschen Stelle.

Wir möchten, dass das Pferd etwas tut, damit wir uns sicher fühlen. Wir möchten, dass es stehen bleibt, folgt, reagiert oder sich in bestimmten Situationen so verhält, wie wir es erwarten.

Aber Vertrauen entsteht nicht dadurch, dass ein Pferd keine andere Möglichkeit mehr sieht.

Vertrauen entsteht, wenn ein Pferd erlebt:

Dieser Mensch hört mich. Dieser Mensch versteht mich. Dieser Mensch ist verlässlich.

Viele Menschen verwechseln Klarheit mit Härte. Versuchen, es durch Kontrolle zu erreichen.

Sie glauben, ein Pferd zu führen bedeutet, seinen Willen durchzusetzen.

Doch echte Führung entsteht nicht dadurch, dass wir ein Pferd kontrollieren. Sie entsteht dadurch, dass wir Verantwortung übernehmen.

Ein Erlebnis mit einer jungen Stute hat mir gezeigt, wie eng Klarheit und Vertrauen miteinander verbunden sind.

Die Stute war sehr eng mit ihrer Mutter verbunden und konnte von ihrer Besitzerin nicht gelöst werden. Sie hielt nicht fest, weil sie „ungehorsam“ war, sondern weil diese Verbindung ihr Sicherheit gab.

In einem kurzen Moment übernahm ich ruhig die Führung, lenkte ihre Aufmerksamkeit auf mich und gab ihr Orientierung. Sie entschied sich, mir zu folgen. Nicht, weil sie keine Wahl hatte, sondern weil sie mir vertraute.

Manchmal brauchen Pferde keinen größeren Druck – sondern einen Menschen, der ruhig und verlässlich die Verantwortung übernimmt.

In diesem Moment konnte sie erleben: Ich bin nicht alleine. Jemand passt auf.

Genau darin liegt der Unterschied zwischen Kontrolle und Führung.

Kontrolle nimmt einem Pferd die Wahl, weil wir seine Reaktion nicht aushalten.

Führung gibt Sicherheit, weil das Pferd spürt: Dieser Mensch weiß, was er tut.

Ein Pferd muss nicht gebrochen werden, um mit uns zusammenzuarbeiten.

Es muss verstanden werden.

Denn Vertrauen entsteht nicht dadurch, dass ein Pferd keine Möglichkeit mehr hat.

Vertrauen entsteht, wenn es merkt:

„Dieser Mensch sieht mich. Dieser Mensch bleibt ruhig. Dieser Mensch führt mich sicher durch die Situation.“


Ein Pferd kommuniziert immer.

Manchmal ist es eine offensichtliche Reaktion. Es weicht zurück, wird unruhig oder verweigert etwas.

Manchmal sind es sehr feine Signale.

Ein Blick.

Eine kleine Veränderung der Körperhaltung.

Ein Moment des Zögerns.

Wenn wir diese Zeichen übersehen, lernen Pferde irgendwann, dass ihre Kommunikation keinen Einfluss hat.

Doch wenn wir beginnen zuzuhören, entsteht etwas Wertvolles:

Eine Partnerschaft.


Klarheit bedeutet nicht Härte.

Klarheit bedeutet nicht, dass ein Pferd einfach funktionieren muss.

Ein guter Partner für ein Pferd zu sein heißt, Orientierung zu geben und gleichzeitig die Persönlichkeit des Pferdes zu respektieren.

Denn auch ein Pferd darf Fragen stellen.

Auch ein Pferd darf Gefühle haben.

Auch ein Pferd darf Zeit brauchen.

Die Aufgabe des Menschen ist nicht, das Pferd kleiner zu machen.

Sondern ihm zu zeigen:

„Du bist sicher bei mir. Ich sehe dich. Und wir finden gemeinsam einen Weg.“


Vielleicht ist genau das eine der größten Lektionen, die Pferde uns schenken:

Dass Führung nicht bedeutet, stärker zu sein.

Sondern vertrauenswürdig. Manchmal bedeutet es, zuerst an sich selbst zu arbeiten.

Wenn du dir auf diesem Weg Unterstützung wünschst, begleite ich dich gerne – 
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Die Erfahrungen anderer Pferdehalter mit meiner Arbeit findest du in meinen Bewertungen.

Lisa Peters: pferd.24-hs.de

Sonntag, 21. Juni 2026

Vertrauen zum Pferd aufbauen – warum Vertrauen nicht trainiert werden kann



Viele Pferdebesitzer wünschen sich ein Pferd, das ihnen vertraut.

Sie möchten, dass ihr Pferd freiwillig mitkommt, gelassen auf neue Situationen reagiert und auch in schwierigen Momenten beim Menschen bleibt.

Doch Vertrauen lässt sich nicht trainieren wie ein Seitengang oder ein Kompliment.

Vertrauen entsteht nicht durch Techniken.

Es entsteht durch Erfahrungen.

Warum manche Pferde Menschen nicht vertrauen

Wenn ein Pferd misstrauisch reagiert, steckt dahinter meist kein Ungehorsam.

Pferde sind Fluchttiere.

Ihr Überleben hing über Jahrtausende davon ab, Gefahren frühzeitig zu erkennen.

Aus Sicht des Pferdes ist Misstrauen deshalb zunächst einmal etwas völlig Normales.

Besonders Pferde mit schlechten Erfahrungen, häufigen Besitzerwechseln oder dauerhaftem Stress brauchen oft lange, bis sie wieder Vertrauen fassen können.

Doch auch bei Pferden ohne schlechte Vorgeschichte entsteht Vertrauen nicht automatisch.

Vertrauen kann man nicht einfordern

Ein häufiger Irrtum besteht darin, Vertrauen als eine Art Trainingsziel zu betrachten.

Nach dem Motto:

"Wenn ich die richtigen Übungen mache, vertraut mir mein Pferd."

So einfach ist es leider nicht.

Vertrauen entsteht nicht dadurch, dass wir es verlangen.

Es entsteht dadurch, dass das Pferd immer wieder erlebt:

Dieser Mensch ist berechenbar.

Dieser Mensch sorgt für Sicherheit.

Dieser Mensch hört zu.

Pferde beobachten unser Verhalten genauer als unsere Worte

Wir Menschen erklären gern.

Pferde beobachten.

Sie achten darauf:

  • Wie bewegen wir uns?
  • Wie reagieren wir unter Stress?
  • Sind unsere Signale klar?
  • Sind wir heute anders als gestern?

Ein Pferd kann nicht verstehen, was wir sagen.

Aber es erkennt sehr genau, ob unser Verhalten verlässlich ist.

Deshalb entsteht Vertrauen oft in den kleinen, unscheinbaren Situationen des Alltags.

Vertrauen wächst im Alltag

Viele denken beim Vertrauensaufbau an spezielle Übungen.

Meine Erfahrung ist eine andere.

Das meiste Vertrauen entsteht nicht auf dem Reitplatz.

Es entsteht beim Füttern.

Beim gemeinsamen Spaziergang.

Beim Warten, während das Pferd genüßlich frisst.

Beim Putzen, oder Misten, wenn ich mit der Schubkarre am Pferd vorbei fahre.

Bei den vielen kleinen Begegnungen, die keine besonderen Ziele verfolgen.

Gerade dort lernen Pferde, ob sie sich auf uns verlassen können.

Warum Geduld oft wichtiger ist als jede Methode

Menschen wünschen sich Fortschritte.

Pferde brauchen Zeit.

Manchmal dauert es Wochen.

Manchmal Monate.

Und manchmal macht ein Pferd scheinbar drei Schritte vorwärts und zwei zurück.

Das gehört dazu.

Vertrauen wächst selten geradlinig.

Aber jedes positive Erlebnis hinterlässt eine Spur.

Woran erkennt man, dass ein Pferd Vertrauen fasst?

Vertrauen zeigt sich nicht immer spektakulär.

Oft sind es kleine Veränderungen:

  • Das Pferd bleibt freiwillig in deiner Nähe.
  • Es entspannt sichtbar.
  • Es sucht Kontakt.
  • Es orientiert sich in ungewohnten Situationen an dir.
  • Es kommt auf der Weide auf dich zu.

Diese Dinge lassen sich nicht erzwingen.

Gerade deshalb sind sie so wertvoll.

Mein Fazit

Wer Vertrauen zum Pferd aufbauen möchte, sollte weniger nach der perfekten Methode suchen und mehr auf die Qualität der gemeinsamen Erfahrungen achten.

Vertrauen entsteht nicht durch Druck.

Nicht durch Dominanz.

Nicht durch Tricks.

Es wächst dort, wo ein Pferd immer wieder erlebt:

Bei diesem Menschen bin ich sicher.

Und genau deshalb ist Vertrauen eines der schönsten Geschenke, die ein Pferd uns machen kann.


Vertrauen wächst dort, wo sich beide Seiten verstanden fühlen.  

Wenn du einen neuen Blick auf dein Pferd gewinnen möchtest, unterstütze ich dich gerne.

Wenn du Interesse an einer persönlichen Begleitung hast, freue ich mich über deine Nachricht.

Lisa Peters: pferd.24-hs.de

Freitag, 19. Juni 2026

Was Pferde uns über Führung und uns selbst zeigen


Viele Menschen verbinden Führung mit Stärke.

Mit Entscheidungen treffen.
Mit Durchsetzungsvermögen.
Mit Verantwortung.

Doch wenn wir einem Pferd begegnen, lernen wir schnell, dass Führung etwas anderes bedeutet.

Ein Pferd interessiert sich nicht für unsere Position.

Es weiß nicht, ob wir Unternehmer sind, Führungskraft oder Anfänger.

Es reagiert nicht auf einen Titel.

Es reagiert auf den Menschen, der vor ihm steht.

Führung beginnt nicht beim anderen

Oft glauben wir, Führung bedeutet, andere dazu zu bringen, etwas zu tun.

Doch ein Pferd zeigt uns sehr schnell:

Folgen entsteht nicht durch Druck.

Ein Pferd folgt nicht, weil es gezwungen wird.

Es folgt, wenn es Vertrauen hat.

Wenn es Klarheit erlebt.

Wenn es spürt:

Dieser Mensch übernimmt Verantwortung.

Dieser Mensch ist verlässlich.

Dieser Mensch gibt mir Sicherheit.

Ein Pferd erkennt Widersprüche

Menschen können sich viele Dinge antrainieren.

Wir können ruhig sprechen, obwohl wir innerlich angespannt sind.

Wir können selbstsicher auftreten, obwohl wir zweifeln.

Im Alltag funktioniert das manchmal.

Ein Pferd jedoch nimmt viel mehr wahr.

Es reagiert auf unsere Körpersprache.

Auf unsere innere Haltung.

Auf die Übereinstimmung zwischen dem, was wir zeigen, und dem, was tatsächlich in uns passiert.

Pferde reagieren auf Authentizität.

Selbstführung ist die Grundlage jeder Führung

Bevor wir ein Pferd führen können, müssen wir lernen, uns selbst zu führen.

Das bedeutet nicht, niemals unsicher zu sein.

Es bedeutet, sich selbst wahrzunehmen.

Die eigenen Gefühle zu erkennen.

Die eigenen Grenzen zu kennen.

Klarheit in sich selbst zu finden.

Denn ein Mensch, der mit sich selbst im Konflikt steht, sendet oft widersprüchliche Signale.

Und ein Pferd reagiert genau darauf.

Das Pferd als Spiegel

Vielleicht ist das eine der größten Geschenke, die Pferde uns machen:

Sie zeigen uns nicht nur etwas über sie.

Sie zeigen uns etwas über uns.

Ein Pferd kann sichtbar machen:

Wo wir unklar sind.

Wo wir versuchen, etwas darzustellen.

Wo wir mehr Kontrolle suchen, als Vertrauen aufbauen.

Und manchmal zeigt es uns auch Fähigkeiten, die wir selbst noch nicht erkannt haben.

Ruhe.

Geduld.

Präsenz.

Klarheit.

Ein Erlebnis aus dem Coaching

In meiner Arbeit mit Menschen habe ich immer wieder erlebt, wie Pferde Türen öffnen können.

Eine Klientin kam zu mir und konnte sich in der Begegnung mit Pferden plötzlich ganz anders wahrnehmen.

Sie erkannte Zusammenhänge in ihrem Leben, die ihr vorher nicht bewusst waren.

Nach dieser Erfahrung sagte sie:

„Bei mir ordnet sich gerade alles neu.“

Vielleicht ist genau das die besondere Kraft von Pferden.

Sie geben uns keine fertigen Antworten.

Aber sie schaffen einen Raum, in dem wir uns selbst ehrlicher begegnen können.

Wahre Führung entsteht durch Vertrauen

Vielleicht ist die wichtigste Lektion:

Ein Pferd sucht keinen perfekten Menschen.

Es sucht keinen Menschen ohne Fehler.

Es sucht einen Menschen, der klar, ehrlich und verlässlich ist.

Denn echte Führung bedeutet nicht, jemanden klein zu machen.

Echte Führung bedeutet, jemandem Sicherheit zu geben.

Und vielleicht gilt das nicht nur für Pferde.

Vielleicht gilt es für jede Beziehung in unserem Leben.

„Ich versuche nicht, Pferde zum Folgen zu bringen. Ich versuche, jemand zu werden, dem sie folgen können.“


Lisa Peters: pferd.24-hs.de

Die sensibelsten Pferde sind oft die besten Lehrer


Es gibt Pferde, die uns besonders herausfordern.

Pferde, die plötzlich nicht mehr mitmachen.
Pferde, die sich entziehen.
Pferde, die scheinbar ohne Grund reagieren.

Viele Menschen suchen dann nach der Ursache im Pferd:

„Mein Pferd ist schwierig.“
„Mein Pferd ist dominant.“
„Mein Pferd macht Probleme.“

Doch manchmal lohnt es sich, eine andere Frage zu stellen:

Was, wenn das Pferd nicht schwierig ist – sondern besonders sensibel?

Sensibilität ist keine Schwäche

Sensible Pferde nehmen unglaublich viel wahr.

Sie spüren kleine Veränderungen.
Sie reagieren auf Körpersprache.
Sie bemerken Unsicherheit und Spannung oft schneller, als wir Menschen denken.

Genau diese Fähigkeit kann jedoch zum Problem werden, wenn die Kommunikation zwischen Mensch und Pferd nicht klar ist.

Ein sensibles Pferd reagiert nicht unbedingt stärker, weil es „schlimmer“ ist.

Es reagiert stärker, weil es mehr wahrnimmt.

Wenn Verständigung fehlt, entsteht Widerstand

Viele Verhaltensprobleme beginnen nicht mit einem „ungehorsamen“ Pferd.

Sie beginnen mit Missverständnissen.

Ein Pferd versucht immer, mit uns zu kommunizieren.

Durch seine Haltung.
Durch seinen Ausdruck.
Durch seine Reaktionen.

Doch wenn seine Signale nicht verstanden werden, bleibt ihm irgendwann nur noch eine deutlichere Sprache.

Was für den Menschen wie ein Problem aussieht, ist oft die Antwort des Pferdes auf eine Situation, die es nicht versteht.

Ein Erlebnis, das ich nie vergessen werde

Eine Kundin kam zu mir mit einer Stute Namens Peaches, die sie aus dem Ausland mitgebracht hatte.

Sie erzählte mir, dass bereits mehrere Trainer versucht hatten, mit dem Pferd zu arbeiten.

Doch die Situation wurde nicht besser.

Die Stute ließ sich nicht mehr satteln.
Niemand außer ihrer Besitzerin durfte sie anfassen.

Viele hätten vielleicht gesagt:

Dieses Pferd ist schwierig.

Ich sah ein hochsensibles Pferd.

Ein Pferd, das offenbar gelernt hatte, sich zu schützen.

Also begann ich nicht damit, das Verhalten zu bekämpfen.

Ich begann mit Kommunikation.

Ich wollte nicht, dass die Stute einfach etwas tut.

Ich wollte, dass sie versteht, was von ihr erwartet wird – und dass sie einen Menschen erlebt, dem sie vertrauen kann.

Nach wenigen Begegnungen veränderte sich etwas Grundlegendes.

Die Besitzerin konnte wieder ausreiten.

Andere Menschen durften die Stute anfassen.

Zwischen den beiden entstand eine neue Verbindung.

Nicht, weil die Stute gebrochen wurde.

Sondern weil sie nicht mehr kämpfen musste.

Die größten Veränderungen entstehen oft durch Verständnis

Von außen betrachtet wirken solche Veränderungen manchmal wie ein Wunder.

Doch eigentlich geschieht etwas ganz Natürliches:

Ein Lebewesen fühlt sich verstanden.

Und wenn Vertrauen entsteht, kann Entspannung entstehen.

Wenn Entspannung entsteht, wird Lernen möglich.

Sensible Pferde spiegeln uns

Vielleicht sind gerade die sensibelsten Pferde unsere größten Lehrer.

Sie zeigen uns, wo wir unklar sind.

Sie zeigen uns, wo wir nicht wirklich präsent sind.

Sie zeigen uns, wie wichtig echte Verbindung ist.

Denn ein Pferd braucht keinen perfekten Menschen.

Es braucht keinen Menschen, der niemals Fehler macht.

Es braucht einen Menschen, der bereit ist, ehrlich hinzusehen.

Bei sich selbst.

Und beim Pferd.

Denn manchmal ist das Pferd, das uns am meisten fordert, genau das Pferd, das uns am meisten lehren kann.


Missverständnisse sind oft die Ursache vieler Probleme.

Wenn du Interesse an einer persönlichen Begleitung hast, freue ich mich über deine Nachricht.


Lisa Peters: pferd.24-hs.de

Warum dein Pferd dir folgt – und warum Vertrauen bei dir selbst beginnt



Viele Pferdemenschen wünschen sich ein Pferd, das ihnen vertraut.

Ein Pferd, das freiwillig mitkommt.
Ein Pferd, das sich entspannt.
Ein Pferd, das nicht gegen seinen Menschen arbeitet.

Doch oft beginnt die Suche nach Vertrauen an der falschen Stelle.

Wir fragen:

„Wie bringe ich mein Pferd dazu, mir zu vertrauen?“

Vielleicht liegt die wichtigere Frage aber woanders:

„Bin ich jemand, dem mein Pferd vertrauen kann?“

Denn Vertrauen entsteht nicht durch einzelne Übungen.

Es entsteht durch viele kleine Momente, in denen ein Pferd erlebt:

Dieser Mensch ist verständlich.
Dieser Mensch ist fair.
Dieser Mensch gibt mir Sicherheit.

Pferde reagieren nicht auf unsere Rolle

Ein Pferd weiß nicht, ob wir Erfahrung haben.
Es kennt keine Titel.
Es interessiert sich nicht dafür, wie lange wir schon Pferde halten.

Es nimmt wahr, was tatsächlich da ist.

Unsere Körpersprache.
Unsere innere Haltung.
Unsere Klarheit.

Wir können versuchen, ruhig zu wirken.

Aber ein sensibles Pferd spürt oft, ob wir wirklich ruhig sind.

Wir können versuchen, Führung auszustrahlen.

Aber ein Pferd erkennt den Unterschied zwischen echter Sicherheit und einer gespielten Rolle.

Denn Pferde reagieren auf Authentizität.

Führung bedeutet nicht Kontrolle

Viele Menschen verbinden Führung mit Durchsetzen.

Doch ein Pferd folgt nicht deshalb, weil es besiegt wurde.

Es folgt, wenn es sich sicher fühlt.

Ein Pferd möchte nicht die Verantwortung für jede Situation übernehmen müssen.

Es sucht Orientierung.

Es sucht einen Menschen, der Entscheidungen treffen kann, ohne Druck auszuüben.

Echte Führung bedeutet:

Ich sehe dich.
Ich nehme dich wahr.
Ich übernehme Verantwortung.

Besonders sensible Pferde zeigen uns die Wahrheit

Gerade sensible Pferde werden oft als schwierig bezeichnet.

Dabei sind sie häufig nicht schwierig.

Sie reagieren nur schneller und deutlicher.

Sie zeigen, wenn etwas nicht stimmig ist.

Wenn die Kommunikation unklar ist.
Wenn Vertrauen fehlt.
Wenn der Mensch selbst unsicher ist.

Doch genau diese Pferde zeigen oft die größten Veränderungen, wenn die Verständigung endlich gelingt.

Nicht, weil sie plötzlich ein anderes Pferd werden.

Sondern weil sie nicht mehr kämpfen müssen.

Vertrauen verändert beide Seiten

Das Schönste an Vertrauen ist:

Es verändert nicht nur das Pferd.

Es verändert auch den Menschen.

Wer beginnt, ein Pferd wirklich zu beobachten, lernt Geduld.

Wer lernt, zuzuhören, entwickelt Verständnis.

Wer Verantwortung übernimmt, wächst über sich hinaus.

Vielleicht ist das die größte Erkenntnis, die Pferde uns schenken:

Wir müssen nicht versuchen, ein Pferd zu kontrollieren.

Wir dürfen lernen, jemand zu werden, dem ein Pferd freiwillig folgen möchte.

Denn am Ende geht es nicht darum, ein Pferd zu besitzen.

Es geht darum, eine Verbindung aufzubauen.


Lisa Peters: pferd.24-hs.de

Mein Leben mit Pferden – eine Reise zu Vertrauen, Führung und Verbindung



Ich möchte erzählen, was Pferde mich gelehrt haben.

Nicht über Techniken.
Nicht über das Erzwingen von Verhalten.
Sondern über Beziehung.

Im Laufe meines Lebens mit Pferden habe ich verstanden, dass viele Probleme nicht entstehen, weil ein Pferd schwierig ist. Sie entstehen, weil Mensch und Pferd einander nicht mehr verstehen.

Ein Pferd kommuniziert immer.

Es zeigt durch sein Verhalten, seine Körpersprache und seine Reaktionen, wie es eine Situation erlebt.

Die entscheidende Frage ist deshalb nicht:

„Wie bringe ich ein Pferd dazu, mir zu folgen?“

Sondern:

„Wie werde ich jemand, dem ein Pferd folgen kann?“

Denn echte Führung entsteht nicht durch Druck oder Kontrolle.

Sie entsteht durch Klarheit, Ruhe und Vertrauen.


Vertrauen beginnt mit Verständnis

Besonders sensible Pferde zeigen oft die größten Herausforderungen – aber auch die größten Veränderungen.

Nicht, weil sie schwieriger sind.

Sondern weil sie feiner wahrnehmen.

Sie reagieren auf Unsicherheit, Widersprüche und fehlende Klarheit.

Wenn Kommunikation verständlich wird, kann etwas geschehen, das für Außenstehende wie ein Wunder aussieht:

Ein Pferd entspannt.

Es öffnet sich.

Es beginnt wieder zu vertrauen.

Doch das eigentliche Wunder ist nicht die Veränderung des Pferdes.

Das eigentliche Wunder ist, was geschieht, wenn ein Lebewesen sich verstanden fühlt.


Führung bedeutet Sicherheit

Ein Pferd sucht keinen Menschen, der perfekt ist.

Es sucht einen Menschen, der glaubwürdig ist.

Ein Pferd folgt nicht einer Rolle, einem Titel oder einer äußeren Fassade.

Es reagiert auf Authentizität.

Deshalb beginnt Führung nicht beim anderen.

Sie beginnt bei uns selbst.

Wer sich selbst nicht wahrnimmt, kann auch andere schwer wahrnehmen.

Wer seine eigene Unsicherheit nicht kennt, kann schwer echte Sicherheit geben.


Pferde als Spiegel

Pferde zeigen uns nicht nur etwas über sie.

Sie zeigen uns etwas über uns.

Sie reagieren auf unsere innere Haltung.

Auf unsere Klarheit.

Auf unsere Ängste.

Auf unsere Stärke.

Auf unsere Widersprüche.

Und manchmal führt die Begegnung mit einem Pferd dazu, dass ein Mensch sich selbst wieder begegnet.

Nicht, weil das Pferd eine Lösung liefert.

Sondern weil es einen Raum schafft, in dem Ehrlichkeit möglich wird.


Die wichtigste Erkenntnis

Ich habe gelernt:

Ich kann ein Pferd nicht zwingen, mir zu vertrauen.

Aber ich kann lernen, so zu handeln, dass Vertrauen entstehen darf.

Ich kann ein Pferd nicht verändern.

Aber ich kann meine Art der Kommunikation verändern.

Ich kann kein Wesen kontrollieren.

Aber ich kann jemand werden, dem ein anderes Lebewesen freiwillig folgt.


Und vielleicht ist die größte Lektion:

Pferde lehren uns nicht nur, wie wir mit ihnen umgehen.
Sie lehren uns, wie wir in Beziehung treten.

Ein Pferd ist kein Werkzeug für Veränderung. Es ist ein Gegenüber, das uns zeigt, wo Veränderung in uns selbst beginnen kann.

Pferde brauchen keine perfekten Menschen, sondern Menschen, die bereit sind hinzuschauen und zu verstehen. Wenn du dir auf diesem Weg Unterstützung wünschst, begleite ich dich gerne – 

vor Ort oder auch online, ich freue mich über deine Nachricht. 

Die Erfahrungen anderer Pferdehalter mit meiner Arbeit findest du in meinen Bewertungen.


 https://pferd.24-hs.de/


Lisa Peters

Montag, 24. Februar 2025

So gewinnst du das Vertrauen deines Pferdes




Das Vertrauen deines Pferdes lässt sich nicht einfach über Nacht aufbauen. Es gibt keinen „Knopf“, den du drücken kannst, um sofortige Ergebnisse zu erzielen. Ich wäre die Erste, die dir diesen geheimen Trick verraten würde, denn dann ginge es vielen Pferden und ihren Menschen viel besser.

Das Vertrauen deines Pferdes kann man mit vielen kleinen Elementen festigen. Viele dieser Elemente hast du wahrscheinlich bereits – bewusst oder unbewusst – angewendet. Es ist nicht notwendig, alles richtig zu machen, bevor du das Vertrauen deines Pferdes erlangst. Noch wichtiger ist, dass es ganz einfach ist, das ein oder andere Element (also die Ideen, die du hier findest) in deinen Alltag mit dem Pferd zu integrieren.

Letztendlich ist alles eine Frage des Gefühls, was du bereit bist, deinem Pferd entgegen zu bringen! Wenn du dir regelmäßig ins Gedächtnis rufst, dass dein Pferd ein Lebewesen mit individuellen Bedürfnissen, Ängsten und einer besonderen Persönlichkeit ist, wird es dir einfacher fallen, die Bedingungen so zu schaffen, dass dein Pferd dir Vertrauen entgegenbringt. Wenn du die Zeit mit deinem Pferd schätzt und den Fokus auf euer gemeinsames Wachstum legst – anstatt nur auf das Erreichen von Zielen – und dir dabei Zeit lässt, werden die gemeinsamen Stunden umso schöner sein!

Um das Vertrauen deines Pferdes zu gewinnen, ist es wichtig, dass du versuchst, es wirklich kennenzulernen. Achte darauf, was es ausmacht, was ihm Freude bereitet. Finde heraus, was dein Pferd braucht, wo es sich wohlfühlt und wie du ihm helfen kannst. Gleichzeitig solltest du auch darauf achten, was es nicht mag, oder was es verunsichert.

So kannst du eine bereichernde Beziehung aufbauen, die auf Vertrauen und Respekt basiert. Denk daran, dass egoistisches Handeln und das Ignorieren der Bedürfnisse deines Pferdes das Vertrauen schnell gefährden können. Die gute Nachricht ist: Wenn du ein starkes Vertrauensverhältnis zu deinem Pferd aufbaust, wirst du auch seinen Respekt gewinnen – ganz nebenbei!

Auch in einer respektvollen und freundschaftlichen Beziehung zu deinem Pferd muss einer die Führung übernehmen, um das Wohl aller zu gewährleisten. Ein „Chef“ muss das Sagen haben, den Kurs festlegen und sicherstellen, dass alle in Sicherheit sind und gerne folgen. Er muss auch dafür sorgen, dass jeder am richtigen Platz seine Aufgaben erfüllen kann. Fairness, Motivation und ein angenehmes Umfeld sind dabei unerlässlich. Wenn ein Herden-Chef Druck und Ungerechtigkeit ausübt, wird die Herde Abstand halten und nicht gerne folgen. Das führt uns zu Herausforderungen im Umgang mit Pferden.

Es gibt einige Punkte, die darüber entscheiden, ob und wie stark Vertrauen aufgebaut wird. Bitte verstehe mich nicht falsch! Es bedeutet nicht, dass du all diese Dinge perfekt umsetzen musst, um das Vertrauen deines Pferdes zu gewinnen. Es sind lediglich Vorschläge für ein angenehmes Zusammen sein – ein Leitfaden, der dir helfen soll, ein neues Bewusstsein für die Bedürfnisse deines Pferdes zu entwickeln.

Hier sind einige Anregungen:

Um eine vertrauensvolle und respektvolle Beziehung zu deinem Pferd aufzubauen, ist es wichtig, auf seine Bedürfnisse und Gefühle einzugehen. An Tagen, an denen du schlecht gelaunt oder aggressiv bist, solltest du deinem Pferd Ruhe gönnen. Triff Entscheidungen, die im besten Interesse deines Pferdes sind, und vermeide es, es in brenzlige Situationen zu bringen. In unvorhersehbaren oder angsteinflößenden Momenten ist es entscheidend, gelassen zu bleiben und in schwierigen Situationen voranzugehen, auch wenn dein Pferd unruhig ist.

Achte darauf, dass dein Pferd beim Fressen in der Herde genug Ruhe und Futter hat. Halte andere Pferde gegebenenfalls fern, um ihm Sicherheit zu geben. Wenn dein Pferd krank ist, reite es nicht, sondern lass es entspannt an der Hand grasen oder gehe mit ihm spazieren. Erkenne seine Ängste und binde es nicht im cross-tying an. Vermeide alles, was Druck oder Schmerzen verursacht, wie unangemessene Ausbinder, schmerzende Gebisse, schlechte oder fehlende Hufbearbeitung oder nicht passende Sättel.

Sei aufmerksam gegenüber Anzeichen von Überforderung oder Krankheit. Wenn dein Pferd, das normalerweise gerne kommt, eines Tages nicht zu dir kommt, hat das einen Grund – finde ihn heraus. Schere dein Pferd nicht, nur weil es für dich bequemer ist, und reite es nicht, wenn es nass ist. Reite es trocken, wenn es durch das Reiten geschwitzt hat. Verlange nur das, was es momentan versteht und leisten kann, und lobe es in seinem Sinne.

Zwinge dein Pferd nicht in angsteinflößende Situationen und lasse nicht zu, dass andere Menschen ihm schaden. Wenn es in die Klinik muss, bleibe bei ihm, bis es sediert ist, oder besuche es, damit es in Ruhe fressen kann, sollte es dort sein Futter nicht anrühren. Bereite es auf unangenehme Dinge wie Zahnarzt oder Tierarzt vor. Zwinge es nicht „mal schnell“ in den Anhänger, sondern übe dies vorher gut indem du es auf enge Bereiche und andere Untergründe vorbereitest. Achte darauf, dass deine Stute bei einem Decksprung nicht gefesselt wird und lasse sie ihr Fohlen in Ruhe zur Welt bringen.

Respektiere die Bedürfnisse deines Pferdes und zeige ihm, dass deine Berührungen angenehm sind. Achte darauf, dass es sich nicht aus Angst oder Unsicherheit abwendet. Schule dein Auge um zu erkennen, wenn es Schmerzen hat, und stelle sicher, dass es nicht unter Juckreiz leidet, ohne behandelt zu werden, bevor du eine Decke auflegst. Verlange keine Leistungen, die es nicht erbringen kann, und lasse es nicht über unwegsamen Boden laufen, wenn seine Hufe nicht darauf vorbereitet sind.

Biete deinem Pferd so viel Auslauf und Herdenkontakt wie möglich, aber stelle sicher, dass empfindliche, alte oder kranke Tiere nicht in eine stressige Offenstallhaltung gezwungen werden, sondern Rückzugsmöglichkeiten haben. Verbringe Zeit mit deinem Pferd, ohne etwas von ihm zu verlangen und spiele mit ihm. Freue dich über seine Fortschritte und entwickle Zuneigung, auch wenn es noch problematisch ist.

Scheuche dein Pferd nicht im Roundpen, um es zu dominieren, und sei bereit, einen Stallwechsel in Kauf zu nehmen, wenn dies für euch beide entspannender ist. Denke daran, die Gesundheit deines Pferdes zu erhalten, bevor Krankheiten auftreten.

Pferde haben ein feines Gespür dafür, ob wir ehrlich und fürsorglich mit ihnen umgehen und für ihr Wohl besorgt sind. Sie sind erstaunlich geduldig und bereit zu verzeihen, solange wir bereit sind, unsere Fehler zu erkennen und unser Verhalten zu ändern, auch wenn wir aus Unwissenheit nicht von Anfang an die perfekte Leitung unserer kleinen Herde übernehmen können. Lasse dich mit Freude und Zuversicht auf einen Weg ein, der zu einer erfüllten Beziehung mit deinem Pferd führt.

Pferde brauchen keine perfekten Menschen, sondern Menschen, die bereit sind hinzuschauen und zu verstehen. Wenn du dir auf diesem Weg Unterstützung wünschst, begleite ich dich gerne – 
vor Ort oder auch online, ich freue mich über deine Nachricht. 
Die Erfahrungen anderer Pferdehalter mit meiner Arbeit findest du in meinen Bewertungen.


Lisa Peters: pferde.24-hs.de

Freitag, 24. Januar 2025

Respektlose Pferde - Wie werde ich als Mensch geachtet um mein Pferd sicher zu führen?

Chester als wilder 3jähriger

Heute mit 14 der souveräne Chef der Herde von allen respektiert.

Lässt sich nur mit Schnurhalfter reiten und ist durch nichts aus der Ruhe zu bringen.

Er folgt mir entspannt und frei, auf eingezäuntem Gelände, wenn ich ihn darum bitte. Auch, wenn er lieber bei der Herde im Schatten stehen würde, kommt er mit. Sämtliche Situationen draußen meistert er heute genauso entspannt, egal was da kommt oder zu hören ist. Das ist nur möglich, wenn dir dein Pferd vertraut und eine Beziehung mit dir aufgebaut hat, in der gegenseitiger Respekt die Grundlage allen Handelns ist.

Er hat nie ein Gebiss getragen und eine Gerte ist für uns nur ein verlängerter Arm. Bestenfalls gibt es Belohnungshappen, aber auch das nur auf Aufforderung meinerseits. Ich bestimme, wann was gemacht wird, oder beendet wird und auch wann etwas gefressen wird, was ich in der Hand halte. Dieses Recht zu bestimmen hat der Ranghöhere und die anderen respektieren das freiwillig. Diese Führungsrolle muss man sich erarbeiten, in dem man zum Wohle der Herde entscheidet und von den Herdenmitgliedern somit anerkannt wird.

Wie sieht es bei dir aus? Rempelt dich dein Pferd um? Oder stehst du einfach öfter im Weg, wenn es angerannt kommt? Ich würde einfach aus dem Weg gehen, wenn das Pferd angaloppiert kommt um nicht umgerannt zu werden und meine Chance bei Gelegenheit wieder wahrnehmen, wenn ich an den Grundlagen der Kommunikation gearbeitet habe.

Es geht hier für das Pferd nicht darum, die "Weltherrschaft" ;-) im Pferdeuniversum übernehmen. Wenn Missverständnisse überwiegen, müssen wir daran arbeiten, die Harmonie wieder herzustellen. Das muss auch nicht von heut auf morgen geschehen, wir können und sollten uns dabei Zeit lassen. Sicher dauert es länger, wenn man wöchentlich nur ein paar wenige Stunden Zeit dafür hat, aber man kann immer daran arbeiten.

Es geht nicht darum, die Konfrontation während einer Auseinandersetzung zu suchen, indem du dich auf das Pferd konzentrierst um es nun zu überzeugen, auf dich zu hören.
Auch Pferde machen nicht alles an einem Tag untereinander aus und wir haben größere Chancen angehört zu werden, wenn es nicht sofort um große Themen geht. Kleinigkeiten, immer wieder, das prägt sich dann auch für das Pferd besser und entspannter ein. Eine Pferdegemeinschaft muss erstmal wachsen. Auch wir gehören ja im weitesten Sinne zur Herde dazu. 

Die Geschichte vom allherrschenden Anführer ist längst überholt. Jedes Tier in der Herde hat seine Aufgaben und übernimmt je nach Begabung seine Pflichten. Die ranghöheren Tiere gehen ja jetzt auch nicht hin und demonstrieren ihre Macht um zu sagen, du musst jetzt mal tun, was ich sage, sondern das ist ein Miteinander, was für alle Tiere gut ist und Sinn macht. Der Leithengst geht auch nicht hin und zwingt seine Herde bis in alle Einzelheiten genau zu gehorchen, er schafft sich seinen Raum und fordert nur den Respekt ein, diesen einzuhalten. So wächst das Vertrauen in ihn und in Gefahrenmomenten kann er absoluten Gehorsam erwarten, der auf Freiwilligkeit basiert.

Als Mitglied einer Herde benimmt man sich respektvoll gegenüber den anderen Herdenmitgliedern. Wenn da einer aus der Reihe tanzen würde, würde er ausgeschlossen werden, denn er würde die Sicherheit der ganzen Herde gefährden. Wenn wir fähig sind, uns mit gegenseitigem Respekt und Freundlichkeit zum Wohl unserer Mensch-Pferd-Gemeinschaft auszudrücken, wird uns unser Pferd freiwillig folgen. Dafür müssen wir uns aber vom Gedanken der reinen Dressur verabschieden. 

Da ein Pferd aber von seiner Art her immer entgegenkommend ist, zeigt der "Chef" eben an, wenn der dann mal vorbei will, oder zufällig der andere im Weg steht, wo er gerade hin will.
Er beginnt das gegenseitige Fellkraulen und beendet es auch wieder. Er fängt auch das gegenseitige Spiel an oder hört wieder auf und geht als erster vom Unterstand auf die Weide, die anderen folgen ihm oder kommen mit ihm zusammen auch wieder zurück in den Schatten. Das reicht eigentlich dann auch schon aus um seine Position dauerhaft zu etablieren. Genauso können wir auch an unserer Beziehung arbeiten.
Die ganz großen Rangkämpfe gibt es innerhalb einer gewachsenen konstanten Herde so nicht mehr. Meist ist das ein Element in immer wechselnden Herden und den immer wieder neuen Situationen, denen unsere Pferde ausgesetzt sind.

Du kannst ganz nebenbei bei der Stallarbeit an Dingen wie gegenseitigem Respekt arbeiten. Zufällig musst du dann mit der Karre mal da hin, wo er steht, oder er muss sich weg drehen, weil du den Fleck beanspruchst, auf dem das Pferd steht, oder er muss rückwärts weichen, weil du eben auch wieder genau diesen Platz betreten musst um etwas weg zu harken. Oder du beginnst das Pflegen und dein Pferd darf dir dann zeigen, wo es gekrault werden möchte. So etablierst du langsam aber sicher deine Position an der Führungsspitze, damit es dann, wenn es drauf ankommt keinerlei Debatten mehr darüber geben muss, ob man jetzt flüchten sollte, oder weiter laufen kann, denn du zeigst mit vielen Kleinigkeiten deinem Pferd, dass es sich auf dich verlassen kann, denn die Führungsposition beinhaltet auch die Verantwortung über die wichtigeren Dinge zu entscheiden.

Ein paar Tipps zum Aufbau des Vertrauens findest du auch hier im Blog zum Thema: Vertrauensaufbau, oder zu Lesen in dem Buch von Gertrud Pysall , das Geheimnis der Pferdesprache.
Gern empfehle ich auch die TRT Method , hier zeigt Tristan, wie man eine sichere Führung erarbeitet.

Lisa Peters: pferd.24-hs.de