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Samstag, 27. Juni 2026

Probleme sind lösbar – wenn wir bereit sind, genauer hinzusehen



Manche Pferde werden als schwierig bezeichnet. Sie gehen nicht in den Hänger, lassen sich nicht problemlos führen, reagieren stark auf bestimmte Situationen oder scheinen nicht das zu tun, was der Mensch von ihnen erwartet.

Doch was wäre, wenn das Pferd nicht das Problem ist?

Genau dieser Gedanke ist einer der Punkte, die mich an dem Buch „Probleme sind lösbar“ von Bernd Hackl und Kerstin Rester ansprechen.

Denn ein Verhalten entsteht nicht einfach aus dem Nichts. Pferde handeln nicht ohne Grund. Hinter einer Reaktion steckt immer eine Geschichte, eine Erfahrung, ein Bedürfnis oder eine Unsicherheit.

Ein Pferd, das nicht in den Hänger geht, ist nicht automatisch „stur“. Ein Pferd, das beim Führen Schwierigkeiten macht, ist nicht unbedingt respektlos. Oft zeigt es uns etwas – wir müssen nur lernen, zuzuhören.

Vom Problem zur Lösung

Was ich an dem Gedanken des Buches besonders wertvoll finde: Es lenkt den Blick weg vom Kampf gegen ein Verhalten und hin zur Suche nach einer Lösung.

Das ist ein großer Unterschied.

Wenn wir ein Pferd nur dazu bringen wollen, etwas auszuhalten oder zu funktionieren, lösen wir nicht unbedingt die Ursache. Wir verändern vielleicht nur das sichtbare Verhalten.

Eine nachhaltige Veränderung beginnt dort, wo wir verstehen.

Warum reagiert dieses Pferd so?
Was hat es gelernt?
Was braucht es, um sich sicher zu fühlen?
Und welchen Anteil haben wir selbst an der Situation?

Pferde zeigen uns mehr, als wir manchmal wahrhaben möchten

Pferde sind sehr fein in ihrer Wahrnehmung. Sie reagieren auf unsere Körpersprache, unsere Klarheit und unsere innere Haltung.

Das bedeutet nicht, dass jedes Verhalten des Pferdes „richtig“ ist oder dass der Mensch keine Grenzen setzen darf.

Aber es bedeutet, dass wir fair sein sollten.

Ein Pferd, das unsicher ist, braucht keine Strafe für seine Unsicherheit. Es braucht jemanden, der ihm Sicherheit gibt.

Ein Pferd, das nicht verstanden hat, was wir möchten, braucht keine Härte. Es braucht eine verständliche Kommunikation.

Eine Lösung sollte beiden helfen

Für mich ist ein wichtiger Punkt: Eine Lösung ist erst dann wirklich eine Lösung, wenn sie nicht nur für den Menschen funktioniert.

Das Pferd sollte dabei nicht verlieren.

Denn eine gute Beziehung entsteht nicht dadurch, dass einer gewinnt und der andere nachgibt.

Sie entsteht durch Vertrauen, Verlässlichkeit und gegenseitiges Verständnis.

Mein Fazit

„Probleme sind lösbar“ erinnert daran, dass wir unser Pferd nicht als Gegner sehen müssen.

Vielleicht liegt die größte Veränderung manchmal nicht darin, das Pferd zu verändern – sondern darin, unsere Sichtweise zu verändern.

Ein Buch, das dazu einlädt, genauer hinzusehen und sich zu fragen:

Nicht: „Wie bekomme ich dieses Verhalten weg?“

Sondern:

„Was möchte mein Pferd mir gerade zeigen – und wie können wir gemeinsam eine bessere Lösung finden?“

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Mein Blick auf dieses Buch

Ich stelle auf meinem Blog nur Bücher vor, von denen ich glaube, dass sie Pferden zugutekommen können. Nicht, weil sie schnelle Lösungen versprechen, sondern weil sie Menschen helfen, Pferde besser zu verstehen. Wenn aus diesem Verständnis mehr Vertrauen, mehr Rücksicht und ein fairerer Umgang entstehen, profitieren beide Seiten – zuerst das Pferd und daraus erwächst auch eine tiefere Beziehung zwischen Mensch und Pferd.

Pferde brauchen keine perfekten Menschen, sondern Menschen, die bereit sind hinzuschauen und zu verstehen. Wenn du dir auf diesem Weg Unterstützung wünschst, begleite ich dich gerne – 
vor Ort oder auch online, ich freue mich über deine Nachricht. 
Die Erfahrungen anderer Pferdehalter mit meiner Arbeit findest du in meinen Bewertungen.


Lisa Peters: pferd.24-hs.de

Empower your Horse – Wenn Zusammenarbeit auf Verständnis wächst



Anna Kannegieter – KOSMOS Verlag

Es gibt Bücher, die vermitteln Wissen.

Und es gibt Bücher, die verändern den Blick auf das Pferd.

Für mich gehört „Empower your Horse“ von Anna Kannegieter zur zweiten Kategorie.

Schon der Titel macht neugierig. Das englische Wort empower lässt sich nicht mit einem einzigen deutschen Begriff übersetzen. Es bedeutet unter anderem stärken, befähigen oder jemanden in die Lage versetzen, eigene Entscheidungen zu treffen. Genau dieser Gedanke zieht sich durch das gesamte Buch.

Anna Kannegieter beschreibt einen Umgang mit Pferden, der auf Kommunikation statt Kontrolle basiert. Sie stellt das Mitspracherecht des Pferdes in den Mittelpunkt und zeigt, wie eine vertrauensvolle Zusammenarbeit entstehen kann, wenn Mensch und Pferd einander wirklich wahrnehmen.

Was mich an diesem Ansatz besonders anspricht, ist die Grundhaltung dahinter.

Viel zu häufig wird in der Pferdewelt gefragt:

"Wie bekomme ich mein Pferd dazu?"

Dabei wäre die wichtigere Frage oft:

"Warum reagiert mein Pferd so?"

Diese kleine Veränderung der Fragestellung kann den Umgang mit Pferden grundlegend verändern.

Denn Verhalten entsteht nicht zufällig.

Jedes Pferd handelt aus seiner eigenen Wahrnehmung heraus. Es bringt Erfahrungen mit, empfindet Sicherheit oder Unsicherheit, hat körperliche Voraussetzungen und eigene Bedürfnisse. Wer all das berücksichtigt, beginnt das Pferd nicht mehr als Gegner oder Werkzeug zu sehen, sondern als fühlendes Lebewesen.

Genau diese Sichtweise spiegelt sich auch in diesem Buch wider.

Besonders gefällt mir, dass nicht Leistung oder Perfektion im Vordergrund stehen. Vielmehr geht es darum, eine Beziehung aufzubauen, in der Vertrauen wachsen kann. Kommunikation wird dabei nicht als Technik verstanden, sondern als gegenseitiges Verstehen.

Das entspricht auch meiner eigenen Überzeugung.

Ich glaube nicht, dass nachhaltige Veränderungen durch immer neue Methoden entstehen.

Sie entstehen dann, wenn wir unsere Sicht auf das Pferd verändern.

Wenn wir lernen zuzuhören, bevor wir handeln.

Wenn wir Ursachen suchen, statt nur Symptome zu beseitigen.

Und wenn wir akzeptieren, dass jedes Pferd ein Individuum mit einer eigenen Geschichte ist.

Natürlich ersetzt auch dieses Buch nicht die Erfahrung mit dem eigenen Pferd. Kein Buch kann jede Situation beantworten oder eine persönliche Begleitung ersetzen.

Aber Bücher können etwas sehr Wertvolles bewirken:

Sie können neue Fragen entstehen lassen.

Und manchmal beginnt genau dort eine Entwicklung, die weit über das eigentliche Lesen hinausgeht.

Mein Fazit

Empower your Horse ist ein Buch für Menschen, die mehr suchen als Trainingsmethoden. Es richtet sich an alle, die ihr Pferd besser verstehen möchten und bereit sind, die Beziehung aus einer anderen Perspektive zu betrachten.

Nicht die Kontrolle steht im Mittelpunkt.

Sondern Vertrauen.

Nicht das Funktionieren.

Sondern gegenseitiges Verstehen.

Und genau darin liegt – aus meiner Sicht – der größte Wert dieses Buches.

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Mein Blick auf dieses Buch

Ich stelle auf meinem Blog nur Bücher vor, von denen ich glaube, dass sie Pferden zugutekommen können. Nicht, weil sie schnelle Lösungen versprechen, sondern weil sie Menschen helfen, Pferde besser zu verstehen. Wenn aus diesem Verständnis mehr Vertrauen, mehr Rücksicht und ein fairerer Umgang entstehen, profitieren beide Seiten – zuerst das Pferd und daraus erwächst auch eine tiefere Beziehung zwischen Mensch und Pferd.

Pferde brauchen keine perfekten Menschen, sondern Menschen, die bereit sind hinzuschauen und zu verstehen. Wenn du dir auf diesem Weg Unterstützung wünschst, begleite ich dich gerne – 
vor Ort oder auch online, ich freue mich über deine Nachricht. 
Die Erfahrungen anderer Pferdehalter mit meiner Arbeit findest du in meinen Bewertungen.

Lisa Peters: pferd.24-hs.de

Freitag, 19. Juni 2026

Die sensibelsten Pferde sind oft die besten Lehrer


Es gibt Pferde, die uns besonders herausfordern.

Pferde, die plötzlich nicht mehr mitmachen.
Pferde, die sich entziehen.
Pferde, die scheinbar ohne Grund reagieren.

Viele Menschen suchen dann nach der Ursache im Pferd:

„Mein Pferd ist schwierig.“
„Mein Pferd ist dominant.“
„Mein Pferd macht Probleme.“

Doch manchmal lohnt es sich, eine andere Frage zu stellen:

Was, wenn das Pferd nicht schwierig ist – sondern besonders sensibel?

Sensibilität ist keine Schwäche

Sensible Pferde nehmen unglaublich viel wahr.

Sie spüren kleine Veränderungen.
Sie reagieren auf Körpersprache.
Sie bemerken Unsicherheit und Spannung oft schneller, als wir Menschen denken.

Genau diese Fähigkeit kann jedoch zum Problem werden, wenn die Kommunikation zwischen Mensch und Pferd nicht klar ist.

Ein sensibles Pferd reagiert nicht unbedingt stärker, weil es „schlimmer“ ist.

Es reagiert stärker, weil es mehr wahrnimmt.

Wenn Verständigung fehlt, entsteht Widerstand

Viele Verhaltensprobleme beginnen nicht mit einem „ungehorsamen“ Pferd.

Sie beginnen mit Missverständnissen.

Ein Pferd versucht immer, mit uns zu kommunizieren.

Durch seine Haltung.
Durch seinen Ausdruck.
Durch seine Reaktionen.

Doch wenn seine Signale nicht verstanden werden, bleibt ihm irgendwann nur noch eine deutlichere Sprache.

Was für den Menschen wie ein Problem aussieht, ist oft die Antwort des Pferdes auf eine Situation, die es nicht versteht.

Ein Erlebnis, das ich nie vergessen werde

Eine Kundin kam zu mir mit einer Stute Namens Peaches, die sie aus dem Ausland mitgebracht hatte.

Sie erzählte mir, dass bereits mehrere Trainer versucht hatten, mit dem Pferd zu arbeiten.

Doch die Situation wurde nicht besser.

Die Stute ließ sich nicht mehr satteln.
Niemand außer ihrer Besitzerin durfte sie anfassen.

Viele hätten vielleicht gesagt:

Dieses Pferd ist schwierig.

Ich sah ein hochsensibles Pferd.

Ein Pferd, das offenbar gelernt hatte, sich zu schützen.

Also begann ich nicht damit, das Verhalten zu bekämpfen.

Ich begann mit Kommunikation.

Ich wollte nicht, dass die Stute einfach etwas tut.

Ich wollte, dass sie versteht, was von ihr erwartet wird – und dass sie einen Menschen erlebt, dem sie vertrauen kann.

Nach wenigen Begegnungen veränderte sich etwas Grundlegendes.

Die Besitzerin konnte wieder ausreiten.

Andere Menschen durften die Stute anfassen.

Zwischen den beiden entstand eine neue Verbindung.

Nicht, weil die Stute gebrochen wurde.

Sondern weil sie nicht mehr kämpfen musste.

Die größten Veränderungen entstehen oft durch Verständnis

Von außen betrachtet wirken solche Veränderungen manchmal wie ein Wunder.

Doch eigentlich geschieht etwas ganz Natürliches:

Ein Lebewesen fühlt sich verstanden.

Und wenn Vertrauen entsteht, kann Entspannung entstehen.

Wenn Entspannung entsteht, wird Lernen möglich.

Sensible Pferde spiegeln uns

Vielleicht sind gerade die sensibelsten Pferde unsere größten Lehrer.

Sie zeigen uns, wo wir unklar sind.

Sie zeigen uns, wo wir nicht wirklich präsent sind.

Sie zeigen uns, wie wichtig echte Verbindung ist.

Denn ein Pferd braucht keinen perfekten Menschen.

Es braucht keinen Menschen, der niemals Fehler macht.

Es braucht einen Menschen, der bereit ist, ehrlich hinzusehen.

Bei sich selbst.

Und beim Pferd.

Denn manchmal ist das Pferd, das uns am meisten fordert, genau das Pferd, das uns am meisten lehren kann.


Missverständnisse sind oft die Ursache vieler Probleme.

Wenn du Interesse an einer persönlichen Begleitung hast, freue ich mich über deine Nachricht.


Lisa Peters: pferd.24-hs.de

Montag, 24. Februar 2025

So gewinnst du das Vertrauen deines Pferdes




Das Vertrauen deines Pferdes lässt sich nicht einfach über Nacht aufbauen. Es gibt keinen „Knopf“, den du drücken kannst, um sofortige Ergebnisse zu erzielen. Ich wäre die Erste, die dir diesen geheimen Trick verraten würde, denn dann ginge es vielen Pferden und ihren Menschen viel besser.

Das Vertrauen deines Pferdes kann man mit vielen kleinen Elementen festigen. Viele dieser Elemente hast du wahrscheinlich bereits – bewusst oder unbewusst – angewendet. Es ist nicht notwendig, alles richtig zu machen, bevor du das Vertrauen deines Pferdes erlangst. Noch wichtiger ist, dass es ganz einfach ist, das ein oder andere Element (also die Ideen, die du hier findest) in deinen Alltag mit dem Pferd zu integrieren.

Letztendlich ist alles eine Frage des Gefühls, was du bereit bist, deinem Pferd entgegen zu bringen! Wenn du dir regelmäßig ins Gedächtnis rufst, dass dein Pferd ein Lebewesen mit individuellen Bedürfnissen, Ängsten und einer besonderen Persönlichkeit ist, wird es dir einfacher fallen, die Bedingungen so zu schaffen, dass dein Pferd dir Vertrauen entgegenbringt. Wenn du die Zeit mit deinem Pferd schätzt und den Fokus auf euer gemeinsames Wachstum legst – anstatt nur auf das Erreichen von Zielen – und dir dabei Zeit lässt, werden die gemeinsamen Stunden umso schöner sein!

Um das Vertrauen deines Pferdes zu gewinnen, ist es wichtig, dass du versuchst, es wirklich kennenzulernen. Achte darauf, was es ausmacht, was ihm Freude bereitet. Finde heraus, was dein Pferd braucht, wo es sich wohlfühlt und wie du ihm helfen kannst. Gleichzeitig solltest du auch darauf achten, was es nicht mag, oder was es verunsichert.

So kannst du eine bereichernde Beziehung aufbauen, die auf Vertrauen und Respekt basiert. Denk daran, dass egoistisches Handeln und das Ignorieren der Bedürfnisse deines Pferdes das Vertrauen schnell gefährden können. Die gute Nachricht ist: Wenn du ein starkes Vertrauensverhältnis zu deinem Pferd aufbaust, wirst du auch seinen Respekt gewinnen – ganz nebenbei!

Auch in einer respektvollen und freundschaftlichen Beziehung zu deinem Pferd muss einer die Führung übernehmen, um das Wohl aller zu gewährleisten. Ein „Chef“ muss das Sagen haben, den Kurs festlegen und sicherstellen, dass alle in Sicherheit sind und gerne folgen. Er muss auch dafür sorgen, dass jeder am richtigen Platz seine Aufgaben erfüllen kann. Fairness, Motivation und ein angenehmes Umfeld sind dabei unerlässlich. Wenn ein Herden-Chef Druck und Ungerechtigkeit ausübt, wird die Herde Abstand halten und nicht gerne folgen. Das führt uns zu Herausforderungen im Umgang mit Pferden.

Es gibt einige Punkte, die darüber entscheiden, ob und wie stark Vertrauen aufgebaut wird. Bitte verstehe mich nicht falsch! Es bedeutet nicht, dass du all diese Dinge perfekt umsetzen musst, um das Vertrauen deines Pferdes zu gewinnen. Es sind lediglich Vorschläge für ein angenehmes Zusammen sein – ein Leitfaden, der dir helfen soll, ein neues Bewusstsein für die Bedürfnisse deines Pferdes zu entwickeln.

Hier sind einige Anregungen:

Um eine vertrauensvolle und respektvolle Beziehung zu deinem Pferd aufzubauen, ist es wichtig, auf seine Bedürfnisse und Gefühle einzugehen. An Tagen, an denen du schlecht gelaunt oder aggressiv bist, solltest du deinem Pferd Ruhe gönnen. Triff Entscheidungen, die im besten Interesse deines Pferdes sind, und vermeide es, es in brenzlige Situationen zu bringen. In unvorhersehbaren oder angsteinflößenden Momenten ist es entscheidend, gelassen zu bleiben und in schwierigen Situationen voranzugehen, auch wenn dein Pferd unruhig ist.

Achte darauf, dass dein Pferd beim Fressen in der Herde genug Ruhe und Futter hat. Halte andere Pferde gegebenenfalls fern, um ihm Sicherheit zu geben. Wenn dein Pferd krank ist, reite es nicht, sondern lass es entspannt an der Hand grasen oder gehe mit ihm spazieren. Erkenne seine Ängste und binde es nicht im cross-tying an. Vermeide alles, was Druck oder Schmerzen verursacht, wie unangemessene Ausbinder, schmerzende Gebisse, schlechte oder fehlende Hufbearbeitung oder nicht passende Sättel.

Sei aufmerksam gegenüber Anzeichen von Überforderung oder Krankheit. Wenn dein Pferd, das normalerweise gerne kommt, eines Tages nicht zu dir kommt, hat das einen Grund – finde ihn heraus. Schere dein Pferd nicht, nur weil es für dich bequemer ist, und reite es nicht, wenn es nass ist. Reite es trocken, wenn es durch das Reiten geschwitzt hat. Verlange nur das, was es momentan versteht und leisten kann, und lobe es in seinem Sinne.

Zwinge dein Pferd nicht in angsteinflößende Situationen und lasse nicht zu, dass andere Menschen ihm schaden. Wenn es in die Klinik muss, bleibe bei ihm, bis es sediert ist, oder besuche es, damit es in Ruhe fressen kann, sollte es dort sein Futter nicht anrühren. Bereite es auf unangenehme Dinge wie Zahnarzt oder Tierarzt vor. Zwinge es nicht „mal schnell“ in den Anhänger, sondern übe dies vorher gut indem du es auf enge Bereiche und andere Untergründe vorbereitest. Achte darauf, dass deine Stute bei einem Decksprung nicht gefesselt wird und lasse sie ihr Fohlen in Ruhe zur Welt bringen.

Respektiere die Bedürfnisse deines Pferdes und zeige ihm, dass deine Berührungen angenehm sind. Achte darauf, dass es sich nicht aus Angst oder Unsicherheit abwendet. Schule dein Auge um zu erkennen, wenn es Schmerzen hat, und stelle sicher, dass es nicht unter Juckreiz leidet, ohne behandelt zu werden, bevor du eine Decke auflegst. Verlange keine Leistungen, die es nicht erbringen kann, und lasse es nicht über unwegsamen Boden laufen, wenn seine Hufe nicht darauf vorbereitet sind.

Biete deinem Pferd so viel Auslauf und Herdenkontakt wie möglich, aber stelle sicher, dass empfindliche, alte oder kranke Tiere nicht in eine stressige Offenstallhaltung gezwungen werden, sondern Rückzugsmöglichkeiten haben. Verbringe Zeit mit deinem Pferd, ohne etwas von ihm zu verlangen und spiele mit ihm. Freue dich über seine Fortschritte und entwickle Zuneigung, auch wenn es noch problematisch ist.

Scheuche dein Pferd nicht im Roundpen, um es zu dominieren, und sei bereit, einen Stallwechsel in Kauf zu nehmen, wenn dies für euch beide entspannender ist. Denke daran, die Gesundheit deines Pferdes zu erhalten, bevor Krankheiten auftreten.

Pferde haben ein feines Gespür dafür, ob wir ehrlich und fürsorglich mit ihnen umgehen und für ihr Wohl besorgt sind. Sie sind erstaunlich geduldig und bereit zu verzeihen, solange wir bereit sind, unsere Fehler zu erkennen und unser Verhalten zu ändern, auch wenn wir aus Unwissenheit nicht von Anfang an die perfekte Leitung unserer kleinen Herde übernehmen können. Lasse dich mit Freude und Zuversicht auf einen Weg ein, der zu einer erfüllten Beziehung mit deinem Pferd führt.

Pferde brauchen keine perfekten Menschen, sondern Menschen, die bereit sind hinzuschauen und zu verstehen. Wenn du dir auf diesem Weg Unterstützung wünschst, begleite ich dich gerne – 
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Die Erfahrungen anderer Pferdehalter mit meiner Arbeit findest du in meinen Bewertungen.


Lisa Peters: pferde.24-hs.de

Freitag, 24. Januar 2025

Respektlose Pferde - Wie werde ich als Mensch geachtet um mein Pferd sicher zu führen?

Chester als wilder 3jähriger

Heute mit 14 der souveräne Chef der Herde von allen respektiert.

Lässt sich nur mit Schnurhalfter reiten und ist durch nichts aus der Ruhe zu bringen.

Er folgt mir entspannt und frei, auf eingezäuntem Gelände, wenn ich ihn darum bitte. Auch, wenn er lieber bei der Herde im Schatten stehen würde, kommt er mit. Sämtliche Situationen draußen meistert er heute genauso entspannt, egal was da kommt oder zu hören ist. Das ist nur möglich, wenn dir dein Pferd vertraut und eine Beziehung mit dir aufgebaut hat, in der gegenseitiger Respekt die Grundlage allen Handelns ist.

Er hat nie ein Gebiss getragen und eine Gerte ist für uns nur ein verlängerter Arm. Bestenfalls gibt es Belohnungshappen, aber auch das nur auf Aufforderung meinerseits. Ich bestimme, wann was gemacht wird, oder beendet wird und auch wann etwas gefressen wird, was ich in der Hand halte. Dieses Recht zu bestimmen hat der Ranghöhere und die anderen respektieren das freiwillig. Diese Führungsrolle muss man sich erarbeiten, in dem man zum Wohle der Herde entscheidet und von den Herdenmitgliedern somit anerkannt wird.

Wie sieht es bei dir aus? Rempelt dich dein Pferd um? Oder stehst du einfach öfter im Weg, wenn es angerannt kommt? Ich würde einfach aus dem Weg gehen, wenn das Pferd angaloppiert kommt um nicht umgerannt zu werden und meine Chance bei Gelegenheit wieder wahrnehmen, wenn ich an den Grundlagen der Kommunikation gearbeitet habe.

Es geht hier für das Pferd nicht darum, die "Weltherrschaft" ;-) im Pferdeuniversum übernehmen. Wenn Missverständnisse überwiegen, müssen wir daran arbeiten, die Harmonie wieder herzustellen. Das muss auch nicht von heut auf morgen geschehen, wir können und sollten uns dabei Zeit lassen. Sicher dauert es länger, wenn man wöchentlich nur ein paar wenige Stunden Zeit dafür hat, aber man kann immer daran arbeiten.

Es geht nicht darum, die Konfrontation während einer Auseinandersetzung zu suchen, indem du dich auf das Pferd konzentrierst um es nun zu überzeugen, auf dich zu hören.
Auch Pferde machen nicht alles an einem Tag untereinander aus und wir haben größere Chancen angehört zu werden, wenn es nicht sofort um große Themen geht. Kleinigkeiten, immer wieder, das prägt sich dann auch für das Pferd besser und entspannter ein. Eine Pferdegemeinschaft muss erstmal wachsen. Auch wir gehören ja im weitesten Sinne zur Herde dazu. 

Die Geschichte vom allherrschenden Anführer ist längst überholt. Jedes Tier in der Herde hat seine Aufgaben und übernimmt je nach Begabung seine Pflichten. Die ranghöheren Tiere gehen ja jetzt auch nicht hin und demonstrieren ihre Macht um zu sagen, du musst jetzt mal tun, was ich sage, sondern das ist ein Miteinander, was für alle Tiere gut ist und Sinn macht. Der Leithengst geht auch nicht hin und zwingt seine Herde bis in alle Einzelheiten genau zu gehorchen, er schafft sich seinen Raum und fordert nur den Respekt ein, diesen einzuhalten. So wächst das Vertrauen in ihn und in Gefahrenmomenten kann er absoluten Gehorsam erwarten, der auf Freiwilligkeit basiert.

Als Mitglied einer Herde benimmt man sich respektvoll gegenüber den anderen Herdenmitgliedern. Wenn da einer aus der Reihe tanzen würde, würde er ausgeschlossen werden, denn er würde die Sicherheit der ganzen Herde gefährden. Wenn wir fähig sind, uns mit gegenseitigem Respekt und Freundlichkeit zum Wohl unserer Mensch-Pferd-Gemeinschaft auszudrücken, wird uns unser Pferd freiwillig folgen. Dafür müssen wir uns aber vom Gedanken der reinen Dressur verabschieden. 

Da ein Pferd aber von seiner Art her immer entgegenkommend ist, zeigt der "Chef" eben an, wenn der dann mal vorbei will, oder zufällig der andere im Weg steht, wo er gerade hin will.
Er beginnt das gegenseitige Fellkraulen und beendet es auch wieder. Er fängt auch das gegenseitige Spiel an oder hört wieder auf und geht als erster vom Unterstand auf die Weide, die anderen folgen ihm oder kommen mit ihm zusammen auch wieder zurück in den Schatten. Das reicht eigentlich dann auch schon aus um seine Position dauerhaft zu etablieren. Genauso können wir auch an unserer Beziehung arbeiten.
Die ganz großen Rangkämpfe gibt es innerhalb einer gewachsenen konstanten Herde so nicht mehr. Meist ist das ein Element in immer wechselnden Herden und den immer wieder neuen Situationen, denen unsere Pferde ausgesetzt sind.

Du kannst ganz nebenbei bei der Stallarbeit an Dingen wie gegenseitigem Respekt arbeiten. Zufällig musst du dann mit der Karre mal da hin, wo er steht, oder er muss sich weg drehen, weil du den Fleck beanspruchst, auf dem das Pferd steht, oder er muss rückwärts weichen, weil du eben auch wieder genau diesen Platz betreten musst um etwas weg zu harken. Oder du beginnst das Pflegen und dein Pferd darf dir dann zeigen, wo es gekrault werden möchte. So etablierst du langsam aber sicher deine Position an der Führungsspitze, damit es dann, wenn es drauf ankommt keinerlei Debatten mehr darüber geben muss, ob man jetzt flüchten sollte, oder weiter laufen kann, denn du zeigst mit vielen Kleinigkeiten deinem Pferd, dass es sich auf dich verlassen kann, denn die Führungsposition beinhaltet auch die Verantwortung über die wichtigeren Dinge zu entscheiden.

Ein paar Tipps zum Aufbau des Vertrauens findest du auch hier im Blog zum Thema: Vertrauensaufbau, oder zu Lesen in dem Buch von Gertrud Pysall , das Geheimnis der Pferdesprache.
Gern empfehle ich auch die TRT Method , hier zeigt Tristan, wie man eine sichere Führung erarbeitet.

Lisa Peters: pferd.24-hs.de

Dienstag, 10. Januar 2023

Pferd gekauft und schon gibt es Probleme?


Ein Traum ist für uns wahr geworden und wir haben uns ein eigenes Pferd gekauft. Natürlich wollen wir nur das Beste für das Pferd. Wir freuen uns ja, dass es da ist und wollen ihm nur Gutes tun, haben auch einen guten Stall für es ausgesucht. Natürlich erwarten wir auch dafür, dass es brav ist und gut mitarbeitet. Wir können es ja auch kaum erwarten, dass es los geht, wir haben schon viel zu lange darauf gewartet. Aber nun funktioniert es nicht so, wie es soll?
Als wir es uns angesehen haben, sah das Bild ganz anders aus. Es war lieb und hat auch wunderbar funktioniert beim Probereiten. Was ist da jetzt plötzlich los?

Um nun eine Lösung zu finden, sollten wir das Problem mal aus der Sicht des Pferdes betrachten. Es wurde aus seinem bisherigen Leben gerissen, egal wie schön oder schlecht das gewesen sein mag. Es war sein Leben. Seine vertrauten Stallgesellen, eventuell ein lieber Pferdekumpel, ein besonderer Freund oder eine besondere Freundin. Das hat ihm bisher Sicherheit gegeben um zu überleben. Die Grundbedürfnisse des Pferdes sind Futter, Wasser, Sozialkontakte und eine sichere Umgebung. Eventuell auch ein Mensch, den es gewohnt war und dessen Routinen ihm Sicherheit gaben.

Unser neues Pferd ist nun von all dem weg gerissen worden. Das hat es sich nicht freiwillig ausgesucht, es ist also erstmal nicht gerne von dort weg. Es spielt dabei erstmal keine Rolle, wie gut oder schlecht es vorher behandelt worden ist. Es weiß auch nicht, was auf es zukommen wird. Also ist es erstmal total verunsichert. 
Mußte es bisher einfach nur funktionieren, kann es sich keine Vorstellung davon machen, dass es ab jetzt anders sein könnte. Wurde es gut behandelt, versteht es erst recht nicht, warum es plötzlich die gewohnte sichere Umgebung verlassen musste, die für sein Überleben ja elementar  wichtig ist.

Es ist fremd in einer fremden Umgebung und muss nun sehen, wie es zurecht kommt. Vielleicht hat es Glück und bekommt eine schonende Eingewöhnung, vielleicht sogar in einer kleinen Herde und nicht in einer Box. Auch da muss es erstmal seinen Platz in der ganzen Rangordnung finden. Vielleicht hat es auch noch mehr Glück und kann die neue Herde erstmal aus einer sicheren Distanz kennen lernen und muss sich nicht sofort damit auseinander setzen.

Es ist aufgewühlt, vor der ungewissen Zukunft, hat erstmal Angst im fremden Stall und muss sich nun erstmal gegen die anderen Pferde durchsetzen oder sich mit ihnen arrangieren. Diese wollen ja erstmal nichts mit einem fremden Eindringling in der bestehenden Herde zu tun haben Es muss sich vielleicht auch um sein Futter sorgen. Dann sind auch fremde Menschen da, die es noch nicht kennt und die es verstehen lernen muss. Vielleicht hat es auch dabei Glück und wir können unserem neuen Pferd anhand einer klaren Körpersprache gut vermitteln was wir von ihm wünschen. Dann kann es sich unserer klaren Führung gut anschließen und sich entspannen. 

Aber vielleicht läuft es nicht so entspannt in der neuen Umgebung? Mit den anderen Pferden? Den anderen Stallbedingungen und neuen Menschen? Im fehlt ja zuallererst mal Sicherheit. Wenn es die nicht findet, wird es erst mal alles aus dem Ruder laufen. Vielleicht hat das Pferd auch gesundheitliche Probleme, die man auf den ersten Blick nicht sehen kann und der Vorbesitzer verschwiegen hat? 

Was kann ich jetzt als Mensch tun? 
Wenn alle gesundheitlichen Probleme abgestellt sind, gutes Futter, darf es auch ohne Stress fressen? Hat es ausreichend Mineralien, das kann im Blutbild festgestellt werden, chiropraktische Untersuchung, da schaut man mal auf die offensichtlichen Dinge. Ist das Pferd zu dünn, musste es hungern, hat es Magenprobleme, ist es zu dick und hat Gelenkprobleme, sind die Zähne in Ordnung, Hufe in Ordnung? Kann es gut sehen? Hat es Gebäudefehler, die letzendlich zusammen mit unserer Konstellation zu Problemen führen? Passt sein Sattelzeug wirklich? In welchen Situationen treten Probleme auf, schon von daher lassen sich etliche Rückschlüsse ziehen. Man muss bei extremen Problemen auch in Betracht ziehen, dass ein Pferd für die Besichtigung ruhig gestellt wurde.

Ich sollte auf jeden Fall dem Pferd gut vermitteln können, dass ich eine klare Führung bieten kann und es sich bei mir sicher fühlen kann. In den wenigsten Fällen ist dies leider so, weil wir ja immer noch Menschen sind, die zum größten Teil eben noch ein anderes Leben haben, weit weg von Pferden. Der Anteil an "Pferdezeit" ist meist ein sehr kleiner, verglichen mit der restlichen Zeit unseres Lebens. Deswegen haben wir auch meist nicht die Übung darin, die Führung einer Herde zu übernehmen, mit allen Pflichten und Privilegien, die das so mit sich bringt. Wir haben uns ja deswegen auch ein ausgebildetes Pferd gekauft, von dem wir annehmen wollten, dass es problemlos zu uns passt.

Unser Pferd sieht uns aber nun auch als Teil seiner neuen Herde. Abgesehen von seinen Stallkumpels, die ja auch dazu gehören. Es muss nun seinen neuen Platz in der Hirarchie finden. Bei den Pferden und den Menschen. Wir sollten ihm dafür genügend Zeit geben und nicht gleich von Anfang an von ihm verlangen, wie gewohnt zu funktionieren. Das kann beim einen kürzere Zeit dauern, beim anderen länger. Ich rede hier von Wochen bis Monate falls es ungünstig läuft. Es kann auch sein, ein Pferd gewöhnt sich nie an eine neue Konstellation.

Falls wir also nicht die absoluten Pferdekenner sind, ist es hilfreich, wenn wir einen kompetenten Trainer dazu holen, der uns unterstützen kann darin, eine gute und vertrauensvolle Beziehung zu unserem Pferd aufzubauen. Es gibt keine pausschalen Lösungen oder Ratschläge, die man anwenden könnte. Dazu sind Pferde und Menschen und die Ursachen der Probleme doch zu unterschiedlich. Ein Trost sollte uns sein: meist lassen sich Probleme relativ schnell lösen, wenn wir die Bedürfnisse unserer Pferde erkennen und sie zufrieden stellen.

Ein Verlaßpferd kann man sich normalerweise nicht kaufen, das muss man sich erarbeiten. Die Anlagen dazu kann ein Pferd haben. Zum Vorschein bringen müssen wir es selber mit Zuverlässigkeit, Vertrauen und fairer Behandlung. Dann bekommen wir all das zurück. Dafür sollte sich die Mühe ja auch lohnen.

Ich möchte gern ein Beispiel erzählen. Eines Tages kam ein neues Pferd an unseren Stall, in seinem ehemaligen Zuhause hatte man keine Verwendung mehr für es. Es kam zu einer relativ unerfahrenen, aber sehr liebevollen Pferdefrau. Ich durfte die beiden unterstützen im Prozess der Eingewöhnung und des gemeinsamen Lernens.
Der Wallach bekam einen eigenen Bereich im Pferdeauslauf, damit er und die anderen Pferde sich gesichert erstmal beschnuppern und kennen lernen durften. Nach und nach durfte er immer ein Pferd mehr kennen lernen, bis er dann mit der ganzen Herde vergesellschaftet war und seinen Platz in der Herde gefunden hatte.

Er war auf herkömmliche Art ausgebildet, das heißt ihm wurden Signale vermittelt, die er verstehen und ausführen sollte, was er auch brav machte. Normalerweise wird herkömmlich aber auch mit Druck gearbeitet, das heißt, wenn ein Pferd nicht ausführt, was verlangt wird, wird Druck aufgebaut oder auch gestraft. Er reagierte sehr ängstlich auf den Anblick einer Peitsche und versuchte sogar weg zu rennen.

Da ich mit Pferden ohne Strafe arbeite und auch seine neue Menschin das so machen wollte, zeigten wir ihm, dass er nicht mehr gestraft werden würde und die Peitsche nicht dazu da ist geschlagen zu werden. Er hat dann so manches mal nicht mehr gewußt, dass er trotzdem nicht alles machen darf, sondern dass es Regeln bei uns gibt. Das heißt, wir bitten ihn etwas zu machen, zeigen auch mit Hilfe einer Art Gerte oder einem verlängerten Arm, was wir möchten, wollen damit aber keine Angst machen, sondern nur verständlich machen, was wir vorschlagen.

Er durfte nun auch am langen und lockeren Strick mit uns gehen, ohne fest gehalten zu werden.  
Falls er sich entschlossen hatte mitzumachen, bekam er eine Belohnung. Das war nun etwas Neues und er musste lernen, dass man Belohnungen auch nicht einfordern darf, sondern anständig sein und man bekommt die Belohnung auch erst nach einem Belohnungston/Signal. 

So fand er nach und nach viel Gefallen am Mitmachen und Mensch und Pferd konnten eine wunderbare, vertrauensvolle Beziehung aufbauen. Dieser Prozess hat bei ihm ca. 2 Wochen gedauert. Dann wurde er ein verlässlicher Partner für seine Reiterin, die in dieser Zeit auch lernte, sich mit Körpersprache bei ihm verständlich zu machen. Er wurde ein sehr entspanntes und sicheres Pferd für Groß und Klein.

Ein paar Geschichten zu Vertrauensaufbau und dem richtigen Umgang mit dem Pferd, sowie ein gutes Buch zum Geheimnis der Pferdesprache sind auch hier zu finden: 
https://a-m-elisabeth-peters.blogspot.com/search/label/Vertrauensaufbau 


Lisa Peters: pferd.24-hs.de


Sonntag, 25. September 2022

Über Vertrauen gewinnen, Kommunikation und Führungsqualitäten dem Pferd gegenüber.


Folgende Situation:  
Die Stute und ihre Tochter, beide kleben seit Geburt aneinander, eine möchte nicht ohne die andere bleiben. Sie stehen mit einem Wallach zusammen in einem kleinen Wiesenauslauf.

Ich betrete den Bereich, einen kurzen Moment später kann ich sie ohne zu zappeln ruhig aufhalftern, sie folgt meinen Bewegungen freiwillig am lockeren Seil, von ihrer rufenden Mutter und der Herde weg, geht sie mit mir entspannt spazieren, weil sie mir vertraut.

 Was ist geschehen? Voran gegangen ist ein winziger Augenblick, in dem ich ihr gezeigt habe, dass sie mir wichtig ist und ich ab jetzt ihren Weg bestimmen möchte. Doch wie habe ich das geschafft?

Wahrscheinlich wie jeder Hengst eine Stute für sich gewinnt, in dem er sie absondert und weg treibt und ihre Richtung bestimmt. Es brauchte für mich nur einen winzigen Augenblick, ich habe ihr den Weg zur Mutter mit meiner Bewegung abgeschnitten und sie gestoppt. Sie hat mich sofort verstanden, weil ich in diesem Moment nicht menschlich gehandelt habe, sondern das gemacht habe, was auch ein anderes Pferd gemacht hätte um mit ihr zu kommunizieren und ihr zu zeigen, was es von ihr möchte.

Andere Situation:
Der junge Hengst will sich nicht führen lassen, zieht weg, ist schwer zu händeln.

Ich gehe zum ihm in die Halle, dort läuft er frei, ich bestimme nun seine Laufrichtung und Geschwindigkeit, stoppe ihn und lasse ihn in die andere Richtung laufen, stoppe ihn wieder, gehe auf ihn zu, nehme ihn an das Halfter und er folgt mir brav mit entspannt gesenktem Kopf am lockeren Seil im Abstand hinaus aus der Halle. Er lässt sich lieb zum Stall führen, bleibt stehen, wenn ich stehen bleibe, geht weiter wenn ich mich weiter bewege.

Sind das Zufälle? Nein. Beide Pferde waren psychisch und physisch ganz gesund, lebten in einer artgerechten Haltung, hatten noch nichts Schlimmes in ihrem kurzen Leben erlebt und haben einfach auf die Kommuniktion mit Körpersprache reagiert, weil sie die sofort verstanden haben.

Noch eine Situation:
Der junge Wallach Chester, 2-3 jährig frisch von der Fohlenaufzucht auf der Alm gekommen, gerade erst genesen von einem Kieferbruch, spürt seine Kräfte zurück kommen. Er ist sehr dominant, fühlt sich immer besser und möchte nun seine Möglichkeiten austesten, die er so lange nicht ausleben konnte.

 In seiner Bewegungsfreiheit jetzt begrenzt, in einem Offenstall mit anderen Wallachen zusammen ist er froh, dass sein Mensch ihn immer wieder heraus holt um mit ihm zu spielen.  Naturgemäß möchte er seine Kräfte messen, will die Richtung bestimmen, in dem er seinen Menschen mit zieht, steigt den Menschen an und rennt los wann er möchte.

In den geschützten Bereich der Reithalle geführt und los gelassen, kann er sich kurz austoben und seine Freiheit genießen. Er möchte den Bereich für sich markieren und sich dann gern wälzen, aber ich lasse ihn nicht, treibe ihn weg und statt dessen wälze ich mich an dem Platz, den er ausgesucht hatte. (Dazu scharre ich kurz mit dem Fuß, hocke ich mich hin und bewege mich hin und her, stehe auf, scharre wieder mit dem Fuß und pruste ziemlich zufrieden ab.) Erst dann darf er sich wälzen. Seinen Schweif trägt er nun nicht mehr ganz so hoch, sein Kopf sieht nun entspannter aus und er steht ruhig da wir können etwas pflegen und streicheln. Ich genieße den Moment der Harmonie.

Unser nächster Tag läuft ähnlich ab. Er betritt mit mir die Halle, ich wälze mich zuerst und er wälzt nicht, sondern hat einen neuen Plan ausgeheckt. Er äppelt um seinen Bereich zu markieren. Ich bin vorbereitet, ich gehe zu seinem Haufen, markiere mit einem Papiertaschentuch, dass ich dicht am Körper getragen habe und lege es über den Haufen. Er sieht mir zu dabei. Dann geht er hin schnuppert und schwupps ist das Papiertuch in seinem Maul verschwunden. 
Ich lege Nachschub drauf und lasse ihn nicht mehr hin. Da äppelt er wieder, ich hab auch noch Tücher, die ich drauf lege und das wiederholt sich gesamt 5 mal. Sein Pulver scheint verschossen, bzw er kann nicht mehr und sein Kopf senkt sich zufrieden, er kaut und schlendert herum. Ich habe ihm ein weiteres Mal gezeigt, dass ich genauso gut markieren kann wie er, aber letztendlich mehr Möglichkeiten einstecken habe.  

Ein anderes mal will er mich einkreisen, ich schicke ihn gerade aus. Dann bestimme ich seine Gangart, oder stoppe und wende ihn. Oder lasse ihn anhalten. Wieder zeigt sich, dass auch er versteht, was ich von ihm möchte. Ich möchte nur, dass er mir folgt, weil ich unser Territorium besser markieren kann, seine Richtung bestimmen kann und ihn auch stoppen kann, das heißt auf pferdisch: ich übernehme die Herdenführung. Alle weiteren Probleme haben sich damit in Luft aufgelöst. Kein Ansteigen mehr, denn man steigt seinen Chef nicht an, kein losreißen mehr, denn man folgt brav dem Chef, kein anrempeln mehr, weil das dem Chef gegenüber respektlos wäre.

Trotzdem darf er jetzt respektvoll darum bitten, zum Gras gehen zu dürfen um zu fressen indem er einfach dorthin schaut, er darf darum bitten, eine bestimmte Richtung beim Spaziergang einschlagen zu dürfen und er darf darum bitten näher kommen zu dürfen um gekrault zu werden, alles nur mit einer Andeutung von seinen Blicken. Respektvoll und ohne Druck. Er muss trotzdem respektieren, dass ich letztendlich diejenige bin, die jede Handlung erlaubt oder verbietet, beginnt oder beendet. Nur so kann er sich auf meine Führung verlassen und mir vertrauen, dass ich auch für seine Sicherheit sorge.

Bei ihm hat es eine Weile gebraucht um jetzt ein zuverlässiges, respektvolles Pferd zu werden, das von jedem Kind geführt werden kann, solange ich daneben laufe. Denn er hört auf meine Stimme, egal wie weit ich weg bin. Von überall, auch vom Spielen mit Kumpels lässt er sich nun abrufen. Auch wenn es mit ihm ein längerer Weg war, es hat sich gelohnt. Er war mein erster schwieriger Fall, aber mit ihm durfte auch ich ganz viel lernen.

Ich benutze in ausgewählten Sequenzen außer der Körpersprache und dem Stimm-Lob manchmal Futterbelohnung, aber nur nach einem Belohnungston oder Clickersignal. Druck oder Verstärkung von Druck wird manchmal auch als Impuls von mir verwendet, zum Beispiel um von einem aufdringlichen Pferd Abstand zu mir zu fordern. Das geschiet so, dass ich den Druck nicht Richtung Pferd schicke, sondern bei mir selber einen Raum schaffe, in dem ich vielleicht vor mir mit der Peitsche fuchtele, schwer zu beschreiben. Wenn das Pferd dann näher kommt, würde es in die wedelnde Peitsche laufen, aber nicht, weil ich sie dem Pferd drauf schlage, sondern weil das Pferd zu nahe kommt und rein läuft, ich kann es nicht anders beschreiben. 

Oder ich werfe ein Seil, um den Raum zu markieren, den ich beanspruche, falls es das Pferd zufällig trifft, weil es hinein läuft ist es auch nur ein Berühren, kein Schlag, kein Schmerz. Das Pferd versteht das auch nicht als Zurechtweisung dann, sondern als das Einfordern meines Raumes. 
Eine Peitsche wird von mir nur als verlängerter Arm, Zeiger oder Signalgeber benutzt. Daher können meine Pferde entspannt bei mir sein und reagieren nicht gestresst oder ängstlich. Das genügt vollkommen, denn Pferde haben die Tendenz freiwillig mit zu machen und dem Ranghöheren zu folgen, wenn sie vertrauen oder sogar belohnt werden. Das Einfordern von Futterlob kommt bei mir nicht vor, weil nur ich bestimme, wann es Futter gibt und niemals ohne Belohnungston Futter aus der Hand gebe, sofern sich das Pferd ruhig abwartend verhält. Bei einem Pferd wie Chester konnte ich anfangs nicht mit Futterlob arbeiten, weil er da zu hektisch wurde. Das kam bei ihm dann erst 2 Jahre später.

Ich wünsche mir, dass viele Menschen ihre Pferde besser verstehen, besser mit ihnen kommunizieren können und Probleme garnicht erst entstehen, oder sich wieder auflösen. Es ist so einfach, wenn man weiß wie. Dazu möchte ich ein paar Informationen bereit stellen, damit man sich selber weiter bilden kann und eine ganz neue Art der Beziehung zu seinem Pferd aufbauen kann.

Pferde sind sehr sensible Tiere. Sie erfassen unsere feinsten Bewegungen und manchmal auch die Empfindungen, die wir garnicht ausdrücken wollen. Manchmal werden Sie so behandelt, als ob sie nichts empfinden. Die Pferde können zwar wiehern, so wie Hunde bellen, aber ein Schmerzlaut wie das Jaulen des Hundes, ist ihnen von Natur aus nicht gegeben. 

Sie sind Fluchttiere und würden bei Verletzung gefährliches Raubwild anlocken. Und so leiden oft unsere "Besten Freunde" stumm und ertragen alles, was der "Mensch" im abverlangt, dem sie sich gehorsam unterordnen. Nur manchmal und auch nur, wenn es unerträglich für sie geworden ist, wehren sie sich, dann werden sie abgestempelt als Verbrecher.

Doch es gibt andere Wege, eine Kommunikation mit unseren geliebten Freizeitkameraden aufzubauen. Im Sattel, bei der sogenannten Bodenarbeit und auch der feinen, energetischen Kommunikation. Hier ein besonders wertvolles Buch 

über Das Geheimnis der Pferdesprache von Gertrud Pysall.

Hier ist ein toller Film darüber zu sehen, welches Verhältnis der Mensch zum Pferd aufbauen kann, wenn er Gefühle sprechen lässt:
youtube.de Der Weg des Pferdes - Dokumentarfilm - Deutsch Untertitel

Pferde besser verstehen, sehen Sie hier einige Beispiele als Filme:
Sie werden weiter geleitet zu youtube oder verschiedenen Websiten.
Ich möchte darum bitten, die vorgestellten Menschen und ihre Methoden, Artikel oder Filme selber kritisch zu betrachten. Auch Methoden, die sanft aussehen und eine tolle Verbindung von Mensch und Pferd zeigen, können in manchen Teilen noch hart und zwingend in der Ausbildung sein. Mein Anliegen bei der Vorstellung verschiedener Webseiten, Filme oder Texte hier ist, dass Menschen anfangen können, sich selber über den Umgang mit Pferden Gedanken zu machen. 

Einige besondere Trainer, die mich sehr inspiriert haben:

Fred Rai - S. Schnelle - K. F. Hempfling - Gerd Römbke - H.-J. Neuhauser - Tristan Tucker  - Sylvia Czarnecki

Seelische Verbindungen aufbauen: (englischsprachige Seite) Trust Technique

Auch Timo Ameruoso zählt zu den Trainern, die sich um eine gute Kommunikation von Mensch und Pferd bemühen und den ich sehr schätze.

chi-horsing.com Die feine Kommunikation mit dem Pferd.

Ein paar Videos über die hohe Schule des Reitens,
Grand Prix - Dressur mit Halsring: Hier zeigt sich, wer wirklich was kann
und hier nochmal Atemberaubend schön
Auch beim Springen geht es anders, obwohl ich nicht unbedingt vom Springsport begeistert bin: Alycia Burton

Passend zum Thema, Biomechanik des Pferdes: von Dr. med. vet. Gerd Heuschmann

Meine liebste Playlist bei youtube: über Pferdekommunikation

Interessante Artikel über die Möglichkeit verschiedene Kompetenzen im Umgang mit Pferden zu erlernen, darunter auch für Jugendliche oder Führungskräfte, finden Sie hier: 6 PDF Dateien Pädagogische Erfahrungen

Eine ganz besondere Akademie für Horsemanship gibt es hier: heinzwelz.de mit Videos

Hufbearbeitung, Naturhuf, Huforthopädie: HGM Trimming - difho.de 

Impfen mal kritisch betrachtet: impffreiheit.de

Schrittbewegung als Pferdetraining, Stoffwechsel, Muskulatur, Haltung usw.: dai-shodan.de

Ernährungszustand des Pferdes und viele Infos über Krankheiten, von Dr. C. A. Bingold: equivetinfo.de













Lisa Peters: pferd.24-hs.de


Freitag, 18. März 2022

Pferd schnappt nur, oder beißt richtig zu



In Ermangelung eines Bildes von einem schnappenden Pferd, lasse ich hier unseren Chester mal die Zähne zeigen ;-)

Chester ist ein gutes Beispiel für ein Pferd, das gerne seit frühester Jungend die typischen Schnappspiele der männlichen Pferde veranstaltet. Mit Kumpels oder mit Menschen. Inzwischen ist er erwachsen und auch jetzt versucht er noch zeitweise an Reißverschlüssen, baumelnden Bändern oder Ärmeln rum zu zupfen und wenn man nicht schnell genug ist, reißt er einfach mal locker hängende Dinge ab. 
Das heißt, man muss ständig auf der Hut sein und ihn in seine Schranken verweisen, bzw von ihm einen gewissen Abstand abverlangen. Dieser Abstand den wir einfordern zeigt ihm, dass wir berechtigt sind als Ranghöhere, ihm zu sagen, was er machen darf und was nicht. Das respektiert er dann und fügt sich, dann hört auch sein knabbern in dem Moment auf.

Dieses Schnappen geschieht aber auch mit einer freundlichen Mine, das heißt die Ohren sind nicht angelegt in einer Linie mit der Halslinie, er wirft auch nicht den Kopf unwirsch in die Luft um dann zu zuschnappen, sondern in entspannter Haltung, den Kopf meist tief gehalten in Höhe des begehrten Objektes wird versucht an einem rum zu knabbern. Die Ohren werden in etwa der Stellung getragen, wie auf dem Bild oben zu sehen und der Kopf kommt meist von schräg seitlich an.

Chester ist somit nicht gefährlich und nach einer Ansage seitens des Menschen hört sein Schnappen auf, denn die Fronten sind geklärt. Das ist nämlich das einzig Wichtige bei den Schnappspielen der männlichen Pferde, heraus zu finden, wer nun das Sagen hat. Derjenige der weicht, ist der Rangniedrigere. Somit weiß man, wer im Fall der Fälle das Sagen hat und die Herde beschützen kann. Das ist sehr wichtig in der Herdenstruktur, es geht ja ums Überleben.

So. Kommen wir zum nächsten Fall, ein Pferd was beißt. Ich erzähle mal von meiner eigenen schmerzhaften Erfahrung und von meiner Sichtweise der Gegebenheit sowie der Möglichkeit der Lösung. 
Von einem Tag zum anderen habe ich ein Pferd im Stall aufgenommen, welches ziemliches Wehrverhalten zeigte, es musste den Stall in dem es vorher stand kurzfristig verlassen, weil es unverträglich und futterneidisch war. Es sollte nur vorübergehend bei uns stehen bis ein geeigneter Stall gefunden wäre, also wurde das Pferd separat gestellt, direkt im Anschuss an den Auslauf meiner eigenen Pferde. Mehr wußte ich auch nicht. Das Pferd zeigte folgendes Verhalten: den Kopf unwirsch hoch werfen, Ohren fast ständig angelegt in der Nähe des Menschen und eine giftige Mimik. Die Besitzerin befragt hieß es, Beißen oder Schlagen würde das Pferd nicht, sie würde einfach dieses Verhalten immer so zeigen, weil sie nicht gut sozialisiert wäre.

Bei einer Fütterung kurz danach, ich wollte ein Heunetz aufhängen, stand das Pferd neben mir mit seinem üblichen Verhalten und als ich über das Netz nach dem Karabiner griff um das Netz zu befestigen, ging alles blitzschnell: den Kopf hoch reißen wie um Anlauf zu nehmen und in meinen Arm runter schnappen um dann auch heftig rein zu beißen. Zum Glück hatte ich eine dicke Jacke an und dicken Pulli drunter. Es ließ sofort wieder los, weil ich ja nicht ruhig stehen blieb, ich warf ihm mit der anderen freien Hand den Heusack mitten ins Gesicht und das Pferd wich aus ins andere Eck des Unterstandes und blieb dort stehen mit unsicherem Blick.

Ich habe einfach der Aussage der Besitzerin vertraut und nicht meinem eigenen Gefühl. Dieses hätte mir etwas anderes sagen müssen. Da die Besitzerin pferdeerfahren schien, weil sie auch eine Ausbildung in dem Bereich hatte, achtete ich weniger auf meine eigene Erfahrung, was im Zusammenhang mit Pferden unglücklich enden kann. So wie in diesem Fall. Mehrere Wochen lang zog sich der blaue Fleck mit den Beißmarken über den ganzen Arm bis hinunter zum Ellbogen.

Nun war das Pferd ja einige Wochen bei mir und ich konnte sein Verhalten in Verbindung mit seiner Besitzerin analysieren. Aus meiner Sicht heraus, ging sie sehr inkonsequent mit dem Pferd um. Das heißt für das Pferd war nicht klar, wer nun mehr zu sagen hat, Mensch oder Pferd. Würde dem Pferd nun kosequent gezeigt werden, dass der Mensch ranghöher ist, würde sich das Verhalten des Pferdes verbessern können, sofern keine gesundheitlichen Probleme vorliegen würden. 

Im Laufe der Tage habe ich im Anschluß während der Futtergabe von dem Pferd verlangt, zurück zu treten und zu warten, bis ich ihm erlaube zum Futter zu kommen. Das heißt: ich habe es zurück geschickt, es musste den Kopf senken und die Ohren nach vorn stellen. Erst dann kam die Freigabe des Futters. Dies hat es auch schnell gelernt. Im Nachhinein habe ich erfahren, dass die Besitzerin das Pferd meist auch weg schickt, sie hatte nur vergessen es mir zu sagen. 

Allerdings habe ich des öfteren im Umgang der beiden bemerkt, dass das Pferd nicht immer konsequent behandelt wird. Es darf mal rumhampeln beim Putzen, es darf beim Spaziergang meist selber entscheiden, wo es laufen möchte, oder auch mal jemand anschubsen mit dem Kopf und wird dafür gestreichelt. Das sind jetzt im Grunde Kleinigkeiten. Sie zeigen dem Pferd aber Folgendes: Ich darf entscheiden, was wir machen, ich beginne auch Aktionen die ich gerne machen möchte, ich darf das entscheiden, wann und wie ich mag, also bin ich ranghöher, da es dafür auch keine Korrektur der Besitzerin erfährt.

Das verunsichert ein Pferd zum einen, zum anderen lässt es das Pferd glauben, es wäre grundsätzlich ranghöher. Das Wichtigste allerdings ist: Es versucht natürlich bei jeder Gelegenheit seinen Unmut zum Ausdruck zu bringen, dass der Mensch immer wieder mal versucht zu bestimmen, obwohl der ja aus Sicht des Pferdes rangniederiger ist. Daraus resultiert sein ständiges Kopfschlagen, Ohren anlegen und drohen, sowie auch das Zubeißen, weil dieser Mensch der nun das Futter da bringt zurecht gewiesen werden soll, weil er nicht schnell genug von dem begehrten Futter zurück tritt.

Was wäre die Lösung aus meiner Sicht? Eigentlich ganz einfach. Alles was gemacht wird beginnt und beendet der Mensch. Der Mensch bestimmt Abstand und Platz an seiner Seite. Trifft das Pferd eigenmächtige Entscheidungen, die den Menschen betreffen, wird es konsequent zurück gewiesen und an seinen Platz zurück gestellt. Der Mensch bestimmt auch das Tempo und die Richtung in die sich das Pferd bewegt, oder bestimmt, wann und wo das Pferd stehen bleiben soll. Dies bis in allerletzte Konsequenz. Was würde dann passieren? Das Pferd würde erkennen können, dass der Mensch die Führung übernimmt, könnte sich entspannen und wäre aus seiner Sicht heraus nicht mehr für die Sicherheit der Herde zuständig, weil es das auch garnicht leisten kann und damit auch überfordert ist. Das Pferd könnte endlich entspannen und zur Ruhe kommen.

Dazu muss der Mensch bereit sein, an sich zu arbeiten um dazu zu lernen und die Sachlage ganz objektiv zu betrachten. Meist kann man das aus der Entfernung und bei Pferden mit denen man nicht gefühlsmäßig verbunden ist viel leichter als beim eigenen Tier. Man möchte es sich ja nicht verscherzen und möchte auch so zurück geliebt werden, wie man selber das Tier liebt und bloß nicht das Pferd zurück weisen. Das erfordert eine gewisse Reife der eigenen Persönlichkeit um innerlich Abstand zu gewinnen und ganz objektiv zu sehen, dass dies die Beziehung eigentlich nur vertiefen würde.

Ich wünsche jedenfalls der jungen Besitzerin mit ihrem geliebten Pferd auch nach dem kurzen Aufenthalt bei uns alles Gute auf ihrem Weg und hoffe, dass sich ihre Beziehung zu dem Pferd zum Positiven verändert, damit in Zukunft keine weiteren Vorfälle mehr passieren. 


Beispielvideo von Kommunikationsschwierigkeiten und deren Lösung

Ein ganz tolles Beispiel von einem Pferde - Mensch Duo, in deren Kommunikation extreme Schwierigkeiten aufgetreten sind, mit Beißen, Steigen usw, die dem Dominanzverhalten des Pferdes zugrunde lagen und deren Klärung der Kommunikation ein ganz neues Vertrauensverhältnis entstehen ließen, zeige ich hier in diesem Video. Es ist in englischer Sprache, aber auch wenn man den Wortlaut nicht versteht, sieht man, wie kleine Veränderungen im Umgang so viel bewirken können. Steve Young vermittelte hier zwischen den beiden.

Montag, 21. Februar 2022

Clickern mit Pferden - kostenlose Videokurse von Sylvia Czarnecki

Wer einsteigen möchte, in das Training mit positiver Verstärkung ist bei Sylvia Czarnecki gut aufgehoben. 
Gern zittiere ich mal von ihrer Website https://www.motionclick.de/

Zitat: " Lerntheorie ist etwas ganz praktisch orientiertes: die Lerntheorie beschreibt, wie sich ein Lebewesen in seiner Umwelt zurechtfindet, sie folgt Naturgesetzen. Training mit positiver Verstärkung orientiert sich also vor allen Dingen an der Natur des Pferdes und ist darauf bedacht, das Training möglichst stressfrei und ohne Zwang oder unangenehmen Druck umzusetzen. Das Training dient dabei der mentalen und physischen Gesunderhaltung des Pferdes und somit der Verbesserung seiner Lebensqualität. 

Du lernst auf dieser Seite nicht irgendein kompliziertes Konzept oder nur das „Nachkochen von Rezepten“, sondern vor allen Dingen die Zutaten zu verstehen, die gutes und pferdegerechtes Training ausmachen. So bist Du auch in neuen oder schwierigen Situationen handlungsfähig und kannst selbst entscheiden, was für Dich und Dein Pferd das beste ist. Mit dem Wissen bist Du in der Lage, Training fachlich zu beurteilen und auch die Emotionen Deines Pferdes richtig einzuschätzen. So gelangst Du mit Hilfe der positiven Verstärkung zu einer besseren Kommunikation und erreichst ein ehrliches, freudvolles Miteinander.

Dabei ist nicht nur wichtig, dass Dein Pferd zufrieden ist, sondern auch, dass Du selbst Dich mit dem Training wohl fühlst. Denn positives Pferdetraining bedeutet nicht nur, das Pferd in seiner Persönlichkeit zu achten und seine Verhaltensweisen und Ansprüche zu respektieren, es heißt auch, an sich selbst zu arbeiten, selbstreflektiert und -kritisch zu sein und dem Pferd Zeit zu lassen, uns zu verstehen. Es ist nicht vorwiegend Technik, die man erlernt und anwendet, es ist eine Frage der Einstellung und eine Möglichkeit, sich persönlich mit dem Pferd weiterzuentwickeln und selbständig zu werden, ohne dass einer der Partner hierbei auf der Strecke bleibt.

Training mit positiver Verstärkung / Clickertraining ist ein ernstzunehmendes und ganzheitliches Ausbildungskonzept, welches auf alle Bereiche des Umganges und das Training angewandt werden kann. " Zitat Ende.


Sylvia Czarnecki bietet auf ihrer Website kostenlose Videokurse zum Thema Clickern an. Das lohnt sich auf jeden Fall mal rein zu schauen. Ihren Blog möchte ich hier auch gern weiter empfehlen. Und jetzt viel Spaß beim Clickern. Den Einstieg ins Clickern findest du über einen Survival Guide von ihr.

Lisa Peters: pferd.24-hs.de

Sonntag, 13. Februar 2022

Chester, der Herdenchef und mein Aufstieg in der Führungsebene



Als Chester zu uns kam, war er ein bemitleidenswertes, kleines Häufchen Elend. Er hatte einen Kieferbruch, solllte erlöst werden wegen der hohen OP Kosten, sein Leben stand dabei auf der Kippe, aber wir holten ihn kurzerhand zu uns, ließen ihn operieren und hofften einfach nur, dass er es gut übersteht.

Nach einem halben Jahr Genesung war klar, er wird gesund und immer munterer. Er zeigte dann auch, wer er wirklich war. Vom dem kleinen, jämmerlichen Häufchen Elend entpuppte er sich als der geborene Alpha, stark und ungestüm.

Er hatte als 3 jähriger so einige Sachen drauf, die ich noch nie so in dem Ausmaß erlebt hatte. Ein typisches Jungpferd: anrempeln, ansteigen, davon preschen, einfach allegemein hibbelig und sehr unberechenbar in seinen Aktionen. Andauerndes Gezappel auch beim Hufe machen und Pflegen und dauernd angeknabbert werden, einfach alles ziemlich nervig. Ganz ehrlich habe ich mich damals gefragt, ob ich das jemals mit ihm schaffe? Ich war ziemlich am Ende meiner Überlegungen. Aber ich hab mir dann selber gedacht: wenn ich es nicht schaffe, wer dann? Und wenn das jemand anders schafft, dann schaffe ich das auch.

10 Jahre weiter: Wir haben es geschafft! Und das mit Bravour.
Er ist heute mein bestes Pferd im Stall. Sehr souverän führt er die kleine Herde an, seine Entscheidungen werden nicht mal im Ansatz hinterfragt. Er ist der unangefochtene Chef der Gruppe. Wenn dann mal ein Neuer hinzu kommt, wird der sehr sicher, ruhig, souverän und überlegen dazu bewegt, seinen Anweisungen zu folgen. Trotz allem teilt er alle Resourcen brüderlich, auch wenn mal ein Rüpel dabei ist.

Ob das allein sein toller Charakter ist, oder auch ein Teil meiner Erziehung, (was ich natürlich gern für mich einstreichen würde) bleibt dahin gestellt.

Sehr gern erzähle ich aber auch mal, wie wir nun dahin gekommen sind.
Durch "Zufall" kam mir ein Buch in die Hände, von Gertrud Pysall: Das Geheimnis der Pferdesprache kennen lernen.

Das verhalf mir ehrlich gesagt zum Durchbruch.
Ich konnte Chester nun zeigen, wer wirklich etwas zu sagen hatte und zwar auch so, dass er es sofort verstanden hat, trotzdem gewaltfrei. Es war ein etwas längerer Prozess, denn er war ja absolut unerzogen und roh, erstmal auf der Alm groß geworden und hatte noch nie so richtig eine menschliche Führung genossen. Er wunderte sich nur, dass ich plötzlich ranghöher war, so viel schneller war als er, dass ich ihn in jedem Moment stoppen konnte, seine Laufrichtung wechseln konnte, seine Gangart bestimmen konnte und auch noch markieren konnte, dass alle Bereiche MEIN Territorium waren über das ich allein verfügen konnte wie ich wollte, oder ihn nach meinem Wunsch mit einbeziehen konnte und alle Resourcen von nun an allein verwaltete.  Und vor allem anderen: dass mich seine Eskapaden von nun an unbeeindruckt ließen, weil ich für mich den Stein der Weisen gefunden hatte.

Das ging nicht alles an einem Tag, aber mit jeder Minute des veränderten Umgangs mit ihm, wurde ihm mehr und mehr klar, dass egal was er machte, ich die Oberhand behielt. Ich konnte ihm zeigen, dass ich ihn liebte, ruhig bleiben konnte und trotzdem immer das letzte Ass im Ärmel hatte. Schritt für Schritt hat er gelernt, was es heißt ein gutes Pferd zu sein. Alles haben wir mit Ruhe und Zeit erreicht. 

Ich habe sehr darauf geachtet, ihn nicht zu überfordern, auch als wir begonnen haben ihn zu Reiten. Wir übten alles ohne Reiter und er kannte ja dann schon alles vom Boden her. Dass ich dann auf einer erhöhten Position saß, machte für ihn dann keinen Unterschied mehr. Wir haben auch schon aufgrund seines Kiefers nie ein Gebiss eingelegt. Nur mit Knotenhalfter und langem Strick gearbeitet. Ich habe ihm natürlich zuerst auch alle Hilfen vom Boden erklärt.

Als er 3 oder 4 Jahre alt war, hab ich einfach mal den Sattel drauf gelegt und damit Bodenarbeit gemacht. Oder ihm einen Sack Futter aufgelegt. Er hat einfach die Routine bekommen mit dem täglichen Arbeiten, dass es alles normal ist, was wir machen. Da kam nie eine Gegenwehr, er hat sich einfach auf mich verlassen.

Er ist nun zu dem geworden, was ich ihm vorgelebt habe. Morgens werde ich grummelnd begrüßt und immer willkommen geheißen. Ein rundum tolles Pferd. Ruhig, immer souverän und händelbar. Für alles offen und selbst vom Spielen auf der Weide abrufbar, wenn ich ihn holen möchte. Selbst nach 2 Jahren Reitpause lässt er sich reiten, als wäre nichts dazwischen gewesen. Beim Toben auf der Weide kann ich immer sicher sein, dass er auf mich aufpasst. Er schlägt sogar Haken, damit er einen nicht überrennt. 

Ich wünsche allen anderen nun viel Mut und Zuversicht, auch wenn alles noch nicht so auf Anhieb klappt. Dazu kann ich das Buch von Pysall nur empfehlen, es vermittelt eine tolle Kommunikation mit Körpersprache.
Hier noch ein paar andere Geschichten zum Thema Vertrauensaufbau und Führung
Viel Spaß mit eueren Pferden!


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