Posts mit dem Label Ausbildung werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Ausbildung werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 14. September 2026

Pferde verstehen – Bücher, Menschen und weiterführende Informationen


Chester frei neben mir – und doch liegen zwischen diesen beiden Bildern Welten.
Auf dem ersten Bild ist seine Unruhe deutlich zu erkennen. Auf dem zweiten ist er nach einer klaren, für ihn verständlichen Kommunikation sichtbar entspannt. Für mich zeigt sich darin sehr schön, was sich durch das Verständnis für das Pferd verändern kann.

Auf meinem Weg mit Pferden habe ich sehr viele Menschen, Bücher, Filme und unterschiedliche Ansätze kennengelernt.

Manches hat mich nur für eine gewisse Zeit begleitet. Manches hat meine Sicht auf Pferde nachhaltig verändert. Und manches habe ich zunächst auf eine bestimmte Weise verstanden und sehe es heute, mit meinen Erfahrungen, etwas anders.

Ich glaube deshalb nicht, dass man irgendwann eine Methode gefunden hat und damit alles weiß.

Für mich gehört zum Verständnis von Pferden auch, neugierig zu bleiben, zu beobachten, Fragen zu stellen und immer wieder zu überprüfen, ob das, was wir tun, tatsächlich zu dem Pferd vor uns passt.

Die folgenden Empfehlungen sind deshalb keine Sammlung von „richtigen“ und „falschen“ Methoden. Es sind Menschen und Quellen, die mich auf meinem Weg begleitet, mir wichtige Impulse gegeben oder meinen Blick auf Pferde erweitert haben.

Vielleicht ist auch für dich etwas dabei, das dich weiterführt.

Gertrud Pysall – Das Geheimnis der Pferdesprache

Eine der wichtigsten Grundlagen meiner eigenen Arbeit ist für mich die Beschäftigung mit der Pferdesprache.

Besonders geprägt hat mich dabei Gertrud Pysall mit ihrem Buch „Das Geheimnis der Pferdesprache“. 

Für mich liegt die große Bedeutung ihrer Arbeit darin, dass sie den Blick darauf lenkt, was das Pferd eigentlich mitteilt. Nicht nur: Was soll das Pferd tun? Sondern: Was sagt mir sein Verhalten? Was versucht es mir zu zeigen?

Vieles von dem, was ich heute unter Pferdekommunikation verstehe, hat hier einen wichtigen Ausgangspunkt.

Gerade deshalb möchte ich dieses Buch jedem empfehlen, der beginnen möchte, Pferde nicht nur zu beobachten, sondern ihre Kommunikation wirklich verstehen zu lernen.

K. F. Hempfling – ein wichtiger Teil meines Weges

K. F. Hempfling hat mir auf meinem Weg mit Pferden sehr viel gegeben.

Seine Beschäftigung mit der Körpersprache des Menschen, mit der Wirkung unserer Haltung und Bewegung und mit der Beziehung zwischen Mensch und Pferd hat meinen Blick auf Pferde wesentlich geprägt.

Vieles von dem, was ich damals gelernt habe, begleitet mich bis heute.

Für mich war dabei besonders wichtig zu verstehen, dass Kommunikation nicht erst dann beginnt, wenn wir bewusst ein bestimmtes Signal geben. Wir kommunizieren mit unserem ganzen Körper – durch unsere Haltung, unsere Bewegung, unsere innere Ausrichtung und durch die Art, wie wir uns dem Pferd gegenüber verhalten.

Diese Erkenntnis hat meinen eigenen Umgang mit Pferden nachhaltig beeinflusst.

K. F. Hempfling gehört deshalb eindeutig zu den Menschen, die meinen Weg geprägt haben.

H.-J. Neuhauser – Körpersprache wirklich lesen lernen

Auch H.-J. Neuhauser hat mir sehr viel gegeben.

Von ihm habe ich vor allem besonders viel über die eigene Körpersprache gelernt und wie das Pferd darauf reagiert. Dabei ging es für mich nicht nur darum, einzelne Zeichen zu erkennen, sondern darum, genauer hinzusehen.

Gerade diese genaue Beobachtung ist für meine heutige Arbeit sehr wichtig.

Denn ein Pferd und auch der Mensch kommuniziert nicht nur mit einem einzelnen Zeichen. Sein Körper erzählt ständig etwas – und oft liegt die eigentliche Information gerade in den kleinen Veränderungen.

Die Beschäftigung mit seiner Arbeit hat mir geholfen, die Körpersprache genauer wahrzunehmen und bewusster darauf zu achten, was zwischen Mensch und Pferd tatsächlich geschieht.

Timo Ameruoso – Pferdepsychologie und ein Stück Weg weiter mit Chester

Timo Ameruoso ist Pferdepsychologe. Mit seiner Arbeit und seiner Methode habe ich mich intensiv beschäftigt – besonders das autodynamische Reflexionsprinzip® und der damit verbundene Mehrwert für das Pferd hat für mich eine ganz besondere Bedeutung bekommen. 

Seine Methode hat mir letztendlich den Zugang zu Chester viel tiefer eröffnet.

Das Interessante daran ist: Es war für mich gar nicht etwas völlig Neues. Vieles von dem, was ich bei Chester mit der Arbeit von Gertrud Pysall bereits erreicht hatte, ging in eine ähnliche Richtung. Ich hatte damals gelernt, Chester besser zu verstehen und konnte dadurch einen Zugang zu ihm finden.

Irgendwann dachte ich jedoch, wenn etwas einmal geklärt und „gerichtet“ ist, müsste es auch dauerhaft so bleiben. Ich habe deshalb manches nicht weiter verfolgt und unterschätzt, wie viel bei Chester noch verborgen war.

Durch die Arbeit mit der Methode von Timo Ameruoso konnte ich dort wieder anknüpfen. Sie gibt mir einen systematischen Weg an die Hand, mit Chester an den Dingen weiterzuarbeiten, die noch in ihm stecken – und dabei genau das aufzugreifen, was bei ihm schon immer funktioniert hat.

Für mich ist das eine wichtige Verbindung:

Gertrud Pysall hat mir geholfen, besser zu verstehen, was das Pferd sagt und wie ich mit ihm in seiner Sprache kommunizieren kann.
Timo Ameruoso hat mir einen systematischen Weg gegeben, mit diesem Verständnis weiterzuarbeiten und dem Pferd zu helfen, sich selbst von tief verborgenen, belastenden Ereignissen zu lösen. 

Deshalb ist die Arbeit von Timo Ameruoso für mich eine ganz klare Empfehlung.

Tristan Tucker – TRT Method

Die TRT Method von Tristan Tucker beschäftigt sich damit, warum Pferde in bestimmten Situationen reagieren und wie man ihnen helfen kann, damit besser umzugehen.

Ein wesentlicher Gedanke dabei ist, das Pferd nicht einfach dazu zu bringen, ein unerwünschtes Verhalten abzustellen, sondern ihm zu helfen, sich in den verschiedensten Situationen selbst zu regulieren und dadurch mit schwierigen Situationen zunehmend besser zurechtzukommen.

Dieser Gedanke gefällt mir sehr.

Denn auch hier geht es nicht nur darum, ein sichtbares Verhalten zu verändern. Es geht darum, das Pferd hinter diesem Verhalten zu sehen.

Sylvia Czarnecki – Lernen und positive Verstärkung

Mit der Arbeit von Sylvia Czarnecki habe ich vieles entdeckt, was mir gefällt.

Besonders die Beschäftigung mit dem Lernen der Pferde, mit positiver Verstärkung und damit, wie Pferde Zusammenhänge lernen, fand ich interessant.

Gleichzeitig habe ich mit ihren Ansätzen bei meinen eigenen Pferden unterschiedliche Erfahrungen gemacht.

Bei Tafi konnte ich beispielsweise mit einem Belohnungston arbeiten. Sie wusste, dass auf diesen Ton ein Stück Futter folgte, und ich konnte damit bestimmte Dinge aufbauen, ohne dass sie dabei für mich sichtbar gestresst wirkte.

Bei Chester war das ganz anders. Auf die Aussicht auf eine Belohnung reagierte er eher mit Stress. Damals konnte ich mir das nicht wirklich erklären.

Durch die Beschäftigung mit der Pferdepsychologie bei Timo Ameruoso habe ich später eine Erklärung dafür gefunden, die ich bei Chester sehr gut nachvollziehen kann: Wenn Futter vom Menschen zugeteilt wird, kann beim Pferd eine Art Gefühl von Futterverknappung entstehen. Es weiß nicht, wann und wo die nächste Ressource kommt, und kann dadurch in eine Erwartungshaltung und Anspannung geraten.

Das passt für mich auch zu dem, was wir über die natürliche Lebensweise von Pferden wissen. In einer natürlichen Herde wird Futter nicht von einem Menschen portioniert und nach einem bestimmten Verhalten zugeteilt. Pferde verbringen normalerweise einen großen Teil ihrer Zeit mit der Suche und Aufnahme von Nahrung.

Bei Tafi habe ich diese Zusammenhänge damals noch nicht gesehen. Ich kann deshalb heute nicht sagen, ob sie tatsächlich völlig entspannt war oder ob ich bestimmte Stresssignale einfach noch nicht erkannt habe. Die Stressmarker, auf die ich später durch Ameruoso aufmerksam wurde, kannte ich zu dieser Zeit noch gar nicht.

Deshalb würde ich das Clickertraining heute anders einsetzen als damals.

Einige Elemente aus der Arbeit von Sylvia Czarnecki finde ich weiterhin sehr interessant und hilfreich. Mit Futter als Belohnung würde ich persönlich heute allerdings nicht mehr arbeiten.

Ihre Arbeit hat mir trotzdem wichtige Impulse gegeben und meinen Blick auf Lernprozesse beim Pferd erweitert.

Trust Technique

Die Trust Technique beschäftigt sich mit Ruhe, Vertrauen und auch dem Umgang mit Stress beim Pferd.

DIE TRUST-METHODE: Der achtsame Ansatz, der Menschen genauso hilft wie dem Tier. Angst in Vertrauen verwandeln, Distanz in Kommunikation und Training in eine wunderbare Zusammenarbeit verwandeln.

Ich finde diesen Ansatz sehr wertvoll, weil er einen Gedanken in den Mittelpunkt stellt, der für mich ebenfalls eine große Bedeutung hat:

Ein Pferd muss nicht einfach funktionieren. Es darf lernen, sich sicher zu fühlen und mit Situationen besser umzugehen.

Ruhe ist dabei nicht einfach das Fehlen von Bewegung. Sie entsteht aus einem Gefühl von Sicherheit und Vertrauen.

Die Kurse sind in englischer Sprache angeboten, die meisten davon sind aber mit deutschen Untertiteln versehen.

Chi Horsing – ein Ansatz, der mich weiterhin interessiert

Auch Chi Horsing finde ich nach wie vor interessant.

Die Beschäftigung mit feiner Kommunikation, Körperwahrnehmung und der Wirkung unserer eigenen Bewegung auf das Pferd spricht einen Bereich an, der für mich bis heute wichtig ist.

Mich interessiert dabei besonders die Frage, wie wenig wir manchmal tatsächlich tun müssen, wenn wir lernen, unsere eigene Körpersprache bewusster einzusetzen und die Reaktionen des Pferdes genau wahrzunehmen.

Für mich ist Chi Horsing deshalb weniger etwas, das man einfach als Methode übernehmen muss. Es ist vielmehr ein Ansatz, der dazu anregen kann, die eigene Wahrnehmung zu verfeinern und sich mit der Kommunikation zwischen Mensch und Pferd auseinanderzusetzen.

Gerd Heuschmann – Biomechanik des Pferdes

Wer sich intensiver mit der körperlichen Seite des Pferdes beschäftigen möchte, findet bei Dr. med. vet. Gerd Heuschmann interessante Informationen rund um Biomechanik und die Auswirkungen unseres Umgangs mit dem Pferd.

Für mich gehört auch dieses Wissen zum Verständnis eines Pferdes.

Denn Verhalten lässt sich nicht immer von seinem Körper trennen.

Wenn ein Pferd sich anders bewegt, sich einer Bewegung entzieht oder bestimmte Dinge nicht tun möchte, lohnt es sich deshalb immer auch, die körperliche Seite mitzudenken.

DIfHO und Hufbearbeitung

Mit Hufbearbeitung, Naturhuf und Huforthopädie habe ich mich ebenfalls intensiv beschäftigt.

Dabei bin ich unter anderem auf das DIfHO und auf HGM Trimming gestoßen.

Gerade HGM Trimming möchte ich hier nicht einfach unerwähnt lassen, denn ich habe selbst gute Erfahrungen für Fjölvi damit gemacht. Bei Tafi war es eher die DIIfHO Orthopädie.

Die ursprünglichen Seiten, über die ich mich damals informiert habe, sind heute allerdings nicht mehr so leicht auffindbar. Deshalb möchte ich hier lieber keinen beliebigen oder kritischen Beitrag verlinken und ihn damit als offizielle Informationsquelle darstellen.

Dai-Shodan

Auch die Arbeit von Dai-Shodan zum Thema Pferdetraining, Schrittbewegung, Muskulatur, Stoffwechsel und Haltung finde ich interessant.

Gerade die Verbindung zwischen Bewegung, körperlichen Voraussetzungen und Haltung ist ein Bereich, in dem es sich lohnt, genauer hinzusehen.

Für mich gehört auch das zu einem umfassenderen Verständnis des Pferdes: Nicht nur seine Kommunikation und sein Verhalten sind wichtig, sondern auch die körperlichen Voraussetzungen, unter denen dieses Verhalten entsteht.

EquiVetInfo

Für Informationen zu Erkrankungen und verschiedenen gesundheitlichen Themen rund ums Pferd habe ich mich auch mit EquiVetInfo beschäftigt.

Ich finde es wichtig, sich auch mit der gesundheitlichen Seite des Pferdes auseinanderzusetzen. Denn wenn wir das Verhalten eines Pferdes verstehen wollen, dürfen wir seinen körperlichen Zustand nicht ausklammern.

Solche Quellen ersetzen natürlich keine tierärztliche Untersuchung. Sie können aber dabei helfen, sich Wissen anzueignen, Zusammenhänge zu erkennen und bei bestimmten Fragen überhaupt erst die richtigen Fragen zu stellen.

Filme und besondere Beispiele

Neben Büchern und Trainern haben mich auch Filme und einzelne Videos begleitet.

Ein Beispiel ist der Dokumentarfilm auf youtube.de „Der Weg des Pferdes“. Er beschäftigt sich mit der Beziehung zwischen Mensch und Pferd und kann einen ganz anderen Blick darauf eröffnen, was zwischen Mensch und Pferd möglich sein kann.

Manchmal reicht es schon, etwas zu sehen und sich zu fragen:

Was sehe ich hier eigentlich?
Was macht dieses Pferd?
Wie wirkt der Mensch auf mich?
Und warum funktioniert diese Verbindung möglicherweise?

Genau solche Fragen können den eigenen Blick verändern.

Und dann gibt es noch meine eigenen Erfahrungen

Alles, was ich gelesen, gesehen und gelernt habe, ist natürlich nur ein Teil meines Weges.

Das andere sind die Pferde selbst.

Tafi, Chester, Fjölvi und Nero waren für mich auf ihre ganz eigene Weise Lehrmeister.

Sie haben mir immer wieder gezeigt, dass Wissen allein nicht genügt.

Man kann sehr viel über Pferde wissen und trotzdem einen Moment übersehen, in dem das eigene Pferd gerade etwas anderes erzählt.

Deshalb ist für mich das Beobachten so wichtig geworden.

Nicht nur:

„Wie bekomme ich dieses Verhalten weg?“

Sondern:

„Warum macht mein Pferd das gerade?“

Und noch wichtiger:

„Was verändert sich, wenn ich selbst etwas verändere?“

Vielleicht ist genau das der Punkt, an dem aus Wissen langsam Verstehen wird.

Wenn du weiter in dieses Thema eintauchen möchtest

Wenn du sehen möchtest, wie solche Gedanken nicht nur in Büchern und Methoden vorkommen, sondern mitten im Alltag mit Pferden, möchte ich dir noch eine Geschichte aus meinem eigenen Blog ans Herz legen.

In „Wenn Pferde sich entschuldigen – eine Lektion von Fjölvi, Chester und Nero“ erzähle ich von Situationen, in denen ich beobachten durfte, wie Pferde miteinander umgehen, Konflikte lösen und wieder Verbindung aufnehmen.

Gerade solche Erlebnisse haben meinen Blick auf Pferde immer wieder verändert.

Denn manchmal müssen wir Menschen nicht lehren.

Manchmal sind wir diejenigen, die lernen dürfen.


Transparenzhinweis: Der Link zum Buch von

Gertrud Pysall – Das Geheimnis der Pferdesprache

auf dieser Seite ist ein Affiliate-Link. Wenn Sie über einen solchen Link ein Produkt bei Amazon kaufen, erhalte ich eine kleine Provision. Der Preis für Sie bleibt selbstverständlich unverändert.


Lisa Peters: pferd.24-hs.de

Samstag, 27. Juni 2026

Klarheit statt Kontrolle - Lektionen der Pferde

 

Viele Menschen wünschen sich ein Pferd, das ihnen vertraut.

Ein Pferd, das gerne mit ihnen zusammenarbeitet, das aufmerksam ist und sich sicher an ihnen orientiert.

Doch manchmal suchen wir Vertrauen an der falschen Stelle.

Wir möchten, dass das Pferd etwas tut, damit wir uns sicher fühlen. Wir möchten, dass es stehen bleibt, folgt, reagiert oder sich in bestimmten Situationen so verhält, wie wir es erwarten.

Aber Vertrauen entsteht nicht dadurch, dass ein Pferd keine andere Möglichkeit mehr sieht.

Vertrauen entsteht, wenn ein Pferd erlebt:

Dieser Mensch hört mich. Dieser Mensch versteht mich. Dieser Mensch ist verlässlich.

Viele Menschen verwechseln Klarheit mit Härte. Versuchen, es durch Kontrolle zu erreichen.

Sie glauben, ein Pferd zu führen bedeutet, seinen Willen durchzusetzen.

Doch echte Führung entsteht nicht dadurch, dass wir ein Pferd kontrollieren. Sie entsteht dadurch, dass wir Verantwortung übernehmen.

Ein Erlebnis mit einer jungen Stute hat mir gezeigt, wie eng Klarheit und Vertrauen miteinander verbunden sind.

Die Stute war sehr eng mit ihrer Mutter verbunden und konnte von ihrer Besitzerin nicht gelöst werden. Sie hielt nicht fest, weil sie „ungehorsam“ war, sondern weil diese Verbindung ihr Sicherheit gab.

In einem kurzen Moment übernahm ich ruhig die Führung, lenkte ihre Aufmerksamkeit auf mich und gab ihr Orientierung. Sie entschied sich, mir zu folgen. Nicht, weil sie keine Wahl hatte, sondern weil sie mir vertraute.

Manchmal brauchen Pferde keinen größeren Druck – sondern einen Menschen, der ruhig und verlässlich die Verantwortung übernimmt.

In diesem Moment konnte sie erleben: Ich bin nicht alleine. Jemand passt auf.

Genau darin liegt der Unterschied zwischen Kontrolle und Führung.

Kontrolle nimmt einem Pferd die Wahl, weil wir seine Reaktion nicht aushalten.

Führung gibt Sicherheit, weil das Pferd spürt: Dieser Mensch weiß, was er tut.

Ein Pferd muss nicht gebrochen werden, um mit uns zusammenzuarbeiten.

Es muss verstanden werden.

Denn Vertrauen entsteht nicht dadurch, dass ein Pferd keine Möglichkeit mehr hat.

Vertrauen entsteht, wenn es merkt:

„Dieser Mensch sieht mich. Dieser Mensch bleibt ruhig. Dieser Mensch führt mich sicher durch die Situation.“


Ein Pferd kommuniziert immer.

Manchmal ist es eine offensichtliche Reaktion. Es weicht zurück, wird unruhig oder verweigert etwas.

Manchmal sind es sehr feine Signale.

Ein Blick.

Eine kleine Veränderung der Körperhaltung.

Ein Moment des Zögerns.

Wenn wir diese Zeichen übersehen, lernen Pferde irgendwann, dass ihre Kommunikation keinen Einfluss hat.

Doch wenn wir beginnen zuzuhören, entsteht etwas Wertvolles:

Eine Partnerschaft.


Klarheit bedeutet nicht Härte.

Klarheit bedeutet nicht, dass ein Pferd einfach funktionieren muss.

Ein guter Partner für ein Pferd zu sein heißt, Orientierung zu geben und gleichzeitig die Persönlichkeit des Pferdes zu respektieren.

Denn auch ein Pferd darf Fragen stellen.

Auch ein Pferd darf Gefühle haben.

Auch ein Pferd darf Zeit brauchen.

Die Aufgabe des Menschen ist nicht, das Pferd kleiner zu machen.

Sondern ihm zu zeigen:

„Du bist sicher bei mir. Ich sehe dich. Und wir finden gemeinsam einen Weg.“


Vielleicht ist genau das eine der größten Lektionen, die Pferde uns schenken:

Dass Führung nicht bedeutet, stärker zu sein.

Sondern vertrauenswürdig. Manchmal bedeutet es, zuerst an sich selbst zu arbeiten.

Wenn du dir auf diesem Weg Unterstützung wünschst, begleite ich dich gerne – 
vor Ort oder auch online, ich freue mich über deine Nachricht. 
Die Erfahrungen anderer Pferdehalter mit meiner Arbeit findest du in meinen Bewertungen.

Lisa Peters: pferd.24-hs.de

Freitag, 19. Juni 2026

Die sensibelsten Pferde sind oft die besten Lehrer


Es gibt Pferde, die uns besonders herausfordern.

Pferde, die plötzlich nicht mehr mitmachen.
Pferde, die sich entziehen.
Pferde, die scheinbar ohne Grund reagieren.

Viele Menschen suchen dann nach der Ursache im Pferd:

„Mein Pferd ist schwierig.“
„Mein Pferd ist dominant.“
„Mein Pferd macht Probleme.“

Doch manchmal lohnt es sich, eine andere Frage zu stellen:

Was, wenn das Pferd nicht schwierig ist – sondern besonders sensibel?

Sensibilität ist keine Schwäche

Sensible Pferde nehmen unglaublich viel wahr.

Sie spüren kleine Veränderungen.
Sie reagieren auf Körpersprache.
Sie bemerken Unsicherheit und Spannung oft schneller, als wir Menschen denken.

Genau diese Fähigkeit kann jedoch zum Problem werden, wenn die Kommunikation zwischen Mensch und Pferd nicht klar ist.

Ein sensibles Pferd reagiert nicht unbedingt stärker, weil es „schlimmer“ ist.

Es reagiert stärker, weil es mehr wahrnimmt.

Wenn Verständigung fehlt, entsteht Widerstand

Viele Verhaltensprobleme beginnen nicht mit einem „ungehorsamen“ Pferd.

Sie beginnen mit Missverständnissen.

Ein Pferd versucht immer, mit uns zu kommunizieren.

Durch seine Haltung.
Durch seinen Ausdruck.
Durch seine Reaktionen.

Doch wenn seine Signale nicht verstanden werden, bleibt ihm irgendwann nur noch eine deutlichere Sprache.

Was für den Menschen wie ein Problem aussieht, ist oft die Antwort des Pferdes auf eine Situation, die es nicht versteht.

Ein Erlebnis, das ich nie vergessen werde

Eine Kundin kam zu mir mit einer Stute Namens Peaches, die sie aus dem Ausland mitgebracht hatte.

Sie erzählte mir, dass bereits mehrere Trainer versucht hatten, mit dem Pferd zu arbeiten.

Doch die Situation wurde nicht besser.

Die Stute ließ sich nicht mehr satteln.
Niemand außer ihrer Besitzerin durfte sie anfassen.

Viele hätten vielleicht gesagt:

Dieses Pferd ist schwierig.

Ich sah ein hochsensibles Pferd.

Ein Pferd, das offenbar gelernt hatte, sich zu schützen.

Also begann ich nicht damit, das Verhalten zu bekämpfen.

Ich begann mit Kommunikation.

Ich wollte nicht, dass die Stute einfach etwas tut.

Ich wollte, dass sie versteht, was von ihr erwartet wird – und dass sie einen Menschen erlebt, dem sie vertrauen kann.

Nach wenigen Begegnungen veränderte sich etwas Grundlegendes.

Die Besitzerin konnte wieder ausreiten.

Andere Menschen durften die Stute anfassen.

Zwischen den beiden entstand eine neue Verbindung.

Nicht, weil die Stute gebrochen wurde.

Sondern weil sie nicht mehr kämpfen musste.

Die größten Veränderungen entstehen oft durch Verständnis

Von außen betrachtet wirken solche Veränderungen manchmal wie ein Wunder.

Doch eigentlich geschieht etwas ganz Natürliches:

Ein Lebewesen fühlt sich verstanden.

Und wenn Vertrauen entsteht, kann Entspannung entstehen.

Wenn Entspannung entsteht, wird Lernen möglich.

Sensible Pferde spiegeln uns

Vielleicht sind gerade die sensibelsten Pferde unsere größten Lehrer.

Sie zeigen uns, wo wir unklar sind.

Sie zeigen uns, wo wir nicht wirklich präsent sind.

Sie zeigen uns, wie wichtig echte Verbindung ist.

Denn ein Pferd braucht keinen perfekten Menschen.

Es braucht keinen Menschen, der niemals Fehler macht.

Es braucht einen Menschen, der bereit ist, ehrlich hinzusehen.

Bei sich selbst.

Und beim Pferd.

Denn manchmal ist das Pferd, das uns am meisten fordert, genau das Pferd, das uns am meisten lehren kann.


Missverständnisse sind oft die Ursache vieler Probleme.

Wenn du Interesse an einer persönlichen Begleitung hast, freue ich mich über deine Nachricht.


Lisa Peters: pferd.24-hs.de

Montag, 24. Februar 2025

So gewinnst du das Vertrauen deines Pferdes




Das Vertrauen deines Pferdes lässt sich nicht einfach über Nacht aufbauen. Es gibt keinen „Knopf“, den du drücken kannst, um sofortige Ergebnisse zu erzielen. Ich wäre die Erste, die dir diesen geheimen Trick verraten würde, denn dann ginge es vielen Pferden und ihren Menschen viel besser.

Das Vertrauen deines Pferdes kann man mit vielen kleinen Elementen festigen. Viele dieser Elemente hast du wahrscheinlich bereits – bewusst oder unbewusst – angewendet. Es ist nicht notwendig, alles richtig zu machen, bevor du das Vertrauen deines Pferdes erlangst. Noch wichtiger ist, dass es ganz einfach ist, das ein oder andere Element (also die Ideen, die du hier findest) in deinen Alltag mit dem Pferd zu integrieren.

Letztendlich ist alles eine Frage des Gefühls, was du bereit bist, deinem Pferd entgegen zu bringen! Wenn du dir regelmäßig ins Gedächtnis rufst, dass dein Pferd ein Lebewesen mit individuellen Bedürfnissen, Ängsten und einer besonderen Persönlichkeit ist, wird es dir einfacher fallen, die Bedingungen so zu schaffen, dass dein Pferd dir Vertrauen entgegenbringt. Wenn du die Zeit mit deinem Pferd schätzt und den Fokus auf euer gemeinsames Wachstum legst – anstatt nur auf das Erreichen von Zielen – und dir dabei Zeit lässt, werden die gemeinsamen Stunden umso schöner sein!

Um das Vertrauen deines Pferdes zu gewinnen, ist es wichtig, dass du versuchst, es wirklich kennenzulernen. Achte darauf, was es ausmacht, was ihm Freude bereitet. Finde heraus, was dein Pferd braucht, wo es sich wohlfühlt und wie du ihm helfen kannst. Gleichzeitig solltest du auch darauf achten, was es nicht mag, oder was es verunsichert.

So kannst du eine bereichernde Beziehung aufbauen, die auf Vertrauen und Respekt basiert. Denk daran, dass egoistisches Handeln und das Ignorieren der Bedürfnisse deines Pferdes das Vertrauen schnell gefährden können. Die gute Nachricht ist: Wenn du ein starkes Vertrauensverhältnis zu deinem Pferd aufbaust, wirst du auch seinen Respekt gewinnen – ganz nebenbei!

Auch in einer respektvollen und freundschaftlichen Beziehung zu deinem Pferd muss einer die Führung übernehmen, um das Wohl aller zu gewährleisten. Ein „Chef“ muss das Sagen haben, den Kurs festlegen und sicherstellen, dass alle in Sicherheit sind und gerne folgen. Er muss auch dafür sorgen, dass jeder am richtigen Platz seine Aufgaben erfüllen kann. Fairness, Motivation und ein angenehmes Umfeld sind dabei unerlässlich. Wenn ein Herden-Chef Druck und Ungerechtigkeit ausübt, wird die Herde Abstand halten und nicht gerne folgen. Das führt uns zu Herausforderungen im Umgang mit Pferden.

Es gibt einige Punkte, die darüber entscheiden, ob und wie stark Vertrauen aufgebaut wird. Bitte verstehe mich nicht falsch! Es bedeutet nicht, dass du all diese Dinge perfekt umsetzen musst, um das Vertrauen deines Pferdes zu gewinnen. Es sind lediglich Vorschläge für ein angenehmes Zusammen sein – ein Leitfaden, der dir helfen soll, ein neues Bewusstsein für die Bedürfnisse deines Pferdes zu entwickeln.

Hier sind einige Anregungen:

Um eine vertrauensvolle und respektvolle Beziehung zu deinem Pferd aufzubauen, ist es wichtig, auf seine Bedürfnisse und Gefühle einzugehen. An Tagen, an denen du schlecht gelaunt oder aggressiv bist, solltest du deinem Pferd Ruhe gönnen. Triff Entscheidungen, die im besten Interesse deines Pferdes sind, und vermeide es, es in brenzlige Situationen zu bringen. In unvorhersehbaren oder angsteinflößenden Momenten ist es entscheidend, gelassen zu bleiben und in schwierigen Situationen voranzugehen, auch wenn dein Pferd unruhig ist.

Achte darauf, dass dein Pferd beim Fressen in der Herde genug Ruhe und Futter hat. Halte andere Pferde gegebenenfalls fern, um ihm Sicherheit zu geben. Wenn dein Pferd krank ist, reite es nicht, sondern lass es entspannt an der Hand grasen oder gehe mit ihm spazieren. Erkenne seine Ängste und binde es nicht im cross-tying an. Vermeide alles, was Druck oder Schmerzen verursacht, wie unangemessene Ausbinder, schmerzende Gebisse, schlechte oder fehlende Hufbearbeitung oder nicht passende Sättel.

Sei aufmerksam gegenüber Anzeichen von Überforderung oder Krankheit. Wenn dein Pferd, das normalerweise gerne kommt, eines Tages nicht zu dir kommt, hat das einen Grund – finde ihn heraus. Schere dein Pferd nicht, nur weil es für dich bequemer ist, und reite es nicht, wenn es nass ist. Reite es trocken, wenn es durch das Reiten geschwitzt hat. Verlange nur das, was es momentan versteht und leisten kann, und lobe es in seinem Sinne.

Zwinge dein Pferd nicht in angsteinflößende Situationen und lasse nicht zu, dass andere Menschen ihm schaden. Wenn es in die Klinik muss, bleibe bei ihm, bis es sediert ist, oder besuche es, damit es in Ruhe fressen kann, sollte es dort sein Futter nicht anrühren. Bereite es auf unangenehme Dinge wie Zahnarzt oder Tierarzt vor. Zwinge es nicht „mal schnell“ in den Anhänger, sondern übe dies vorher gut indem du es auf enge Bereiche und andere Untergründe vorbereitest. Achte darauf, dass deine Stute bei einem Decksprung nicht gefesselt wird und lasse sie ihr Fohlen in Ruhe zur Welt bringen.

Respektiere die Bedürfnisse deines Pferdes und zeige ihm, dass deine Berührungen angenehm sind. Achte darauf, dass es sich nicht aus Angst oder Unsicherheit abwendet. Schule dein Auge um zu erkennen, wenn es Schmerzen hat, und stelle sicher, dass es nicht unter Juckreiz leidet, ohne behandelt zu werden, bevor du eine Decke auflegst. Verlange keine Leistungen, die es nicht erbringen kann, und lasse es nicht über unwegsamen Boden laufen, wenn seine Hufe nicht darauf vorbereitet sind.

Biete deinem Pferd so viel Auslauf und Herdenkontakt wie möglich, aber stelle sicher, dass empfindliche, alte oder kranke Tiere nicht in eine stressige Offenstallhaltung gezwungen werden, sondern Rückzugsmöglichkeiten haben. Verbringe Zeit mit deinem Pferd, ohne etwas von ihm zu verlangen und spiele mit ihm. Freue dich über seine Fortschritte und entwickle Zuneigung, auch wenn es noch problematisch ist.

Scheuche dein Pferd nicht im Roundpen, um es zu dominieren, und sei bereit, einen Stallwechsel in Kauf zu nehmen, wenn dies für euch beide entspannender ist. Denke daran, die Gesundheit deines Pferdes zu erhalten, bevor Krankheiten auftreten.

Pferde haben ein feines Gespür dafür, ob wir ehrlich und fürsorglich mit ihnen umgehen und für ihr Wohl besorgt sind. Sie sind erstaunlich geduldig und bereit zu verzeihen, solange wir bereit sind, unsere Fehler zu erkennen und unser Verhalten zu ändern, auch wenn wir aus Unwissenheit nicht von Anfang an die perfekte Leitung unserer kleinen Herde übernehmen können. Lasse dich mit Freude und Zuversicht auf einen Weg ein, der zu einer erfüllten Beziehung mit deinem Pferd führt.

Pferde brauchen keine perfekten Menschen, sondern Menschen, die bereit sind hinzuschauen und zu verstehen. Wenn du dir auf diesem Weg Unterstützung wünschst, begleite ich dich gerne – 
vor Ort oder auch online, ich freue mich über deine Nachricht. 
Die Erfahrungen anderer Pferdehalter mit meiner Arbeit findest du in meinen Bewertungen.


Lisa Peters: pferde.24-hs.de

Freitag, 24. Januar 2025

Respektlose Pferde - Wie werde ich als Mensch geachtet um mein Pferd sicher zu führen?

Chester als wilder 3jähriger

Heute mit 14 der souveräne Chef der Herde von allen respektiert.

Lässt sich nur mit Schnurhalfter reiten und ist durch nichts aus der Ruhe zu bringen.

Er folgt mir entspannt und frei, auf eingezäuntem Gelände, wenn ich ihn darum bitte. Auch, wenn er lieber bei der Herde im Schatten stehen würde, kommt er mit. Sämtliche Situationen draußen meistert er heute genauso entspannt, egal was da kommt oder zu hören ist. Das ist nur möglich, wenn dir dein Pferd vertraut und eine Beziehung mit dir aufgebaut hat, in der gegenseitiger Respekt die Grundlage allen Handelns ist.

Er hat nie ein Gebiss getragen und eine Gerte ist für uns nur ein verlängerter Arm. Bestenfalls gibt es Belohnungshappen, aber auch das nur auf Aufforderung meinerseits. Ich bestimme, wann was gemacht wird, oder beendet wird und auch wann etwas gefressen wird, was ich in der Hand halte. Dieses Recht zu bestimmen hat der Ranghöhere und die anderen respektieren das freiwillig. Diese Führungsrolle muss man sich erarbeiten, in dem man zum Wohle der Herde entscheidet und von den Herdenmitgliedern somit anerkannt wird.

Wie sieht es bei dir aus? Rempelt dich dein Pferd um? Oder stehst du einfach öfter im Weg, wenn es angerannt kommt? Ich würde einfach aus dem Weg gehen, wenn das Pferd angaloppiert kommt um nicht umgerannt zu werden und meine Chance bei Gelegenheit wieder wahrnehmen, wenn ich an den Grundlagen der Kommunikation gearbeitet habe.

Es geht hier für das Pferd nicht darum, die "Weltherrschaft" ;-) im Pferdeuniversum übernehmen. Wenn Missverständnisse überwiegen, müssen wir daran arbeiten, die Harmonie wieder herzustellen. Das muss auch nicht von heut auf morgen geschehen, wir können und sollten uns dabei Zeit lassen. Sicher dauert es länger, wenn man wöchentlich nur ein paar wenige Stunden Zeit dafür hat, aber man kann immer daran arbeiten.

Es geht nicht darum, die Konfrontation während einer Auseinandersetzung zu suchen, indem du dich auf das Pferd konzentrierst um es nun zu überzeugen, auf dich zu hören.
Auch Pferde machen nicht alles an einem Tag untereinander aus und wir haben größere Chancen angehört zu werden, wenn es nicht sofort um große Themen geht. Kleinigkeiten, immer wieder, das prägt sich dann auch für das Pferd besser und entspannter ein. Eine Pferdegemeinschaft muss erstmal wachsen. Auch wir gehören ja im weitesten Sinne zur Herde dazu. 

Die Geschichte vom allherrschenden Anführer ist längst überholt. Jedes Tier in der Herde hat seine Aufgaben und übernimmt je nach Begabung seine Pflichten. Die ranghöheren Tiere gehen ja jetzt auch nicht hin und demonstrieren ihre Macht um zu sagen, du musst jetzt mal tun, was ich sage, sondern das ist ein Miteinander, was für alle Tiere gut ist und Sinn macht. Der Leithengst geht auch nicht hin und zwingt seine Herde bis in alle Einzelheiten genau zu gehorchen, er schafft sich seinen Raum und fordert nur den Respekt ein, diesen einzuhalten. So wächst das Vertrauen in ihn und in Gefahrenmomenten kann er absoluten Gehorsam erwarten, der auf Freiwilligkeit basiert.

Als Mitglied einer Herde benimmt man sich respektvoll gegenüber den anderen Herdenmitgliedern. Wenn da einer aus der Reihe tanzen würde, würde er ausgeschlossen werden, denn er würde die Sicherheit der ganzen Herde gefährden. Wenn wir fähig sind, uns mit gegenseitigem Respekt und Freundlichkeit zum Wohl unserer Mensch-Pferd-Gemeinschaft auszudrücken, wird uns unser Pferd freiwillig folgen. Dafür müssen wir uns aber vom Gedanken der reinen Dressur verabschieden. 

Da ein Pferd aber von seiner Art her immer entgegenkommend ist, zeigt der "Chef" eben an, wenn der dann mal vorbei will, oder zufällig der andere im Weg steht, wo er gerade hin will.
Er beginnt das gegenseitige Fellkraulen und beendet es auch wieder. Er fängt auch das gegenseitige Spiel an oder hört wieder auf und geht als erster vom Unterstand auf die Weide, die anderen folgen ihm oder kommen mit ihm zusammen auch wieder zurück in den Schatten. Das reicht eigentlich dann auch schon aus um seine Position dauerhaft zu etablieren. Genauso können wir auch an unserer Beziehung arbeiten.
Die ganz großen Rangkämpfe gibt es innerhalb einer gewachsenen konstanten Herde so nicht mehr. Meist ist das ein Element in immer wechselnden Herden und den immer wieder neuen Situationen, denen unsere Pferde ausgesetzt sind.

Du kannst ganz nebenbei bei der Stallarbeit an Dingen wie gegenseitigem Respekt arbeiten. Zufällig musst du dann mit der Karre mal da hin, wo er steht, oder er muss sich weg drehen, weil du den Fleck beanspruchst, auf dem das Pferd steht, oder er muss rückwärts weichen, weil du eben auch wieder genau diesen Platz betreten musst um etwas weg zu harken. Oder du beginnst das Pflegen und dein Pferd darf dir dann zeigen, wo es gekrault werden möchte. So etablierst du langsam aber sicher deine Position an der Führungsspitze, damit es dann, wenn es drauf ankommt keinerlei Debatten mehr darüber geben muss, ob man jetzt flüchten sollte, oder weiter laufen kann, denn du zeigst mit vielen Kleinigkeiten deinem Pferd, dass es sich auf dich verlassen kann, denn die Führungsposition beinhaltet auch die Verantwortung über die wichtigeren Dinge zu entscheiden.

Ein paar Tipps zum Aufbau des Vertrauens findest du auch hier im Blog zum Thema: Vertrauensaufbau, oder zu Lesen in dem Buch von Gertrud Pysall , das Geheimnis der Pferdesprache.
Gern empfehle ich auch die TRT Method , hier zeigt Tristan, wie man eine sichere Führung erarbeitet.

Lisa Peters: pferd.24-hs.de

Montag, 11. September 2023

Das Ding mit der Freiwilligkeit bei Pferden - Was ist die letzte Konsequenz?



Ich habe da einen schönen Artikel gefunden, über den Umgang mit der Freiwilligkeit bei der Zusammenarbeit mit Pferden von Tanja von Salzen-Märkert


Ich möchte gern den Kommentar, den sie am 29. August 2023 auf Facebook geteilt hat hier zittieren, ich kann leider keinen Link dazu setzen. Der Artikel ist toll geschrieben und regt zum Nachdenken an. 

Zitat:

" Seien wir ehrlich!
Das Ding mit der Freiwilligkeit ist für die meisten ein zweischneidiges Schwert...
- früher oder später fordert das Denken der TOTALEN FREIWILLIGKEIT ihren Tribut! Darauf sollte man/frau vorbereitet sein...
Ich komme gerade von einer sympathischen und was Pferde, ihre Versorgung und Haltung betrifft, fachkundigen jungen Frau, die ihr erstes eigenes Pferd ausbildet.
Sie hat es bereits als Fohlen gekauft und zu sich auf den heimischen Paddock geholt.
Dort lebte es in den vergangenen Jahren mit 4 Stunden Weidegang täglich in einer kleinen Gruppe mit 4 sehr gut zueinander passenden Pferden. Die Herde ist sehr harmonisch, es gibt nur ganz selten Auseinandersetzungen. Es herrscht Frieden und es fühlt sich an wie ein Ort, um aufzutanken...BEI DEN PFERDEN...
Es gibt diese 4 Stunden Weidegang pro Tag, daneben Heu/Stroh-Mix ad libitum, täglich ein paar Mineralbricks und das Rundum-Sorglos-Paket aller erdenklicher Fürsorge.
Selbstverständlich hat die junge Frau versucht, alles harmonisch und fair in die Wege zu leiten in puncto Zusammenarbeit. Schliesslich "soll das Reiten später Freude und nicht Zwang sein", so ihre sehr löbliche Denke.
Sie schulte im täglichen Umgang
- Kooperation,
- "eigenständiges" Denken (in dem Rahmen, in dem es
überhaupt etwas zu denken gibt),
- prompte Reaktionen auf Druck und körperliche Ansprache
- sie kann ihr Pferd selbstverständlich überall berühren, ab- und einsprühen, manövrieren,
- sie kann frei aufsitzen während es frisst und oben alle möglichen Bewegungen machen, ohne dass es sich erschreckt oder ängstigt.
- es allein auf einen Transporter verladen, hinein - und nach einer Pause sicher wieder heraus.
All das wurde immer und stets im Alltag gewissenhaft eingebaut, so, wie es sich ergab - und auch nur, wenn es einen Anlass dazu gab und sich die Situation förmlich anbot. Sie wollte ihren geliebten Chat niemals überfordern - das war ihr Versprechen ihm gegenüber. Alles sollte möglichst harmonisch und freiwillig ablaufen. Sie wollte, dass sie Freunde seien... Wahrhaftige Freunde, die die Freude des Lebens miteinander teilen würden...
Nun, in diesem Jahr ist Chat 5jährig und ein ausgewachsener Bursche.
Und es stellt sich heraus: gross ist er geworden!
Körperlich UND in seinem Selbstbewusstsein.
Er ist stark, klar, eindeutig, führt die Herde wie kein zweiter nur mit Mimik und seinem Ohrenspiel... Alle Pferde scheinen ihn zu mögen UND haben gleichzeitig Respekt vor ihm... Er ist muskulös und eine wahrhaftige Erscheinung. An Hormonen scheint es ihm trotz Kastration nicht zu mangeln - ein Hingucker!
Er hat in der Vergangenheit wie einst versprochen erlebt, dass er IMMER mitentscheiden durfte:
- ob er heute einen Sattel ausprobieren möchte, oder nicht.
- Ober JETZT die Hufe geben möchte - oder erst später.
- Ob er diesen Hufschmied möchte - oder einen anderen.
- Ob er sich JETZT an den Aufstieg stellt, so dass seine Halterin aufsteigen kann, oder nicht...
- und wann sie wieder dorthin transportiert wird, um abzusteigen (für gewöhnlich nach 2,5 Runden in der kleinen Halle am Paddock).
Und mit wachsender Erfahrung hat Chat sich jetzt ausgedacht, dass er - wenn er schon die Wahl hat - keine Lust mehr auf das alles hat. Freiwillig nutzt er seinen ihm eröffneten Raum und frei und willig gemäß seiner Tagesverfassung zu entscheiden...
Das hat er nicht nur über die Tierkommunikation mitgeteilt, sondern auch körpersprachlich mit reger Dynamik und deutlichem Ausdruck.
Die neue Frei-Willig-Keit wird jetzt von Chat höchstpersönlich eingefordert:
- Er mag keine Trense mehr anziehen (erst gab es darüber einige Diskussionen, weil mit 4 1/2 nochmal Zähne kamen - jetzt hat er entschieden: Es bleibt dabei - KEINE TRENSE ).
- Dann hat er entschieden, die Herde, in der er seiner Meinung nach so dringend gebraut wird, nicht mehr zu verlassen,
- dann gab er die Hinterhufe nicht mehr ohne grösseren Aufstand,
- nun gibt er gar keine Hufe mehr, ohne zu Schnappen,
- die Halle und das Stellen an den Aufstieg wird teils verweigert - auf freiwilliges an den Aufstieg stellen kann man lange warten - tt er nicht mehr,...
- und in den Anhänger geht er auch nicht mehr, da er sich gar nicht mehr vom Paddock bewegen lässt.
"WIESO das alles, obwohl es NIE eine negative Situation, einen Unfall oder etwas anderes Beeindruckendes gab???", ist die Frage, mit der mich die Halterin anrief.
Die Antwort ist eigentlich ganz einfach: man brachte ihm bei, auf seine Natur zu hören - und das tut er jetzt.
Das ist doch gut - oder nicht?
Darum ist man doch nie konsequent gewesen - um IHN nicht zu beschneiden - oder?!
Was anderes hätte er daraus lernen sollen oder gar können, wenn nicht "die eigene Wahl und Kraft zur Mitentscheidung zu haben"?!
***
Viele meiner Kundinnen stehen an diesem Punkt und befinden sich in einer Sackgasse.
Nimmt man die Scheuklappen von den Augen, zeigt sich, dass diese Sackgasse aus versehen selbst gemacht ist... an wichtigen Schlüsselmomenten nicht weit genug gedacht...
Besonders schlimm ist es für Pferde, die für JEDE eingene Entscheidung auch noch Leckeres verabreicht bekamen... Das hiess nämlich, die eigene Entscheidung hat einen XXL-Wert!
Und das merken sie sich selbstverständlich.
Ist doch gut - oder? Oder wofür sonst kam die Leckerei ???
***
Ich stand selbst dreimal mit eigenen Pferden an dieser Schwelle.
> Den einen hatte ich aus solch einer Freiheitserziehung übernommen, bevor er seiner Besitzerin wohlmöglich noch zu töten versuchte. Nachdem sein freier Wille und demzufolge sein Freiheitsdrang auch bei uns auf dem Hof mit viel Platz nicht in der Form möglich war, wie das, wohin er hineingezogen/erzogen wurde, landete in einer grossen Depression. Die einzige Heilung damals schien: ihn frei zu lassen.
... Er musste eines Tages erlöst werden. Gefangenschaft und Weisungen im Alltag hielt er nicht mehr aus.
> eine weitere Stute konnte das mit dem Reiten für sich nicht mit-(er)-tragen und ist das Bodenarbeitspferd bei einer Freundin gewordener, der es nie in den Sinn kam, sich auf ein solches Pferd zu setzen
> meiner jetzigen Stute steht es frei, geritten zu werden oder nicht. Und sie hat Glück: denn ICH bin jetzt die, die sich die Freiheit nimmt, das nicht mehr zu wollen!
Sie liebt ihre Freiheit sehr und geniesst ihr Leben.
Zu meinem Bedauern reitet sie aber gerne aus. > Wir haben also nach einer leichteren Frau als mich gesucht, um ihr diesen Genuss zu ermöglichen.
Und manchmal, wenn sie zart und betörend, fast etwas aufdringlich genug ist, schafft sie es, MICH zu überzeugen, auf ihren Rücken aufzusteigen. Sie transportiert mich dann, als wäre ich ihr Schatz und passt wunderbar auf, dass ich mir den Rücken nicht erneut wehtue...
Und dann ist es da, das Gefühl vollendeter Zusammenkunft.
Was ich damit sagen will: es gibt diese Pferde, die sich gerne reiten lassen. Oder die, die einen mitnehmen, weil man der Schlüssel für das Öffnen der Pforte in Menschengestalt ist, was wiederum einen Ausflug in die Natur und die Weite bedeutet...
Jedoch entscheiden die meisten Pferde, die ich kenne, sich für
- das Leben mit den Artgenossen,
- das Bleiben in der Herde,
- das Übernehmen einer Position innerhalb der Gruppe, die sie nicht sich selbst überlassen wollen
- die vollkommene Entscheidungsfreiheit
- jederzeitiges Umentscheiden (Was wirklich sehr gefährlich werden kann)
...vor allem, wenn bis dahin ALLES FREI UND WILLIG WAR!
Wer also ein Reitpferd haben möchte, für den ist es unumgänglich, seinem Pferd in Sachen Frustrationstoleranz zu schulen und es somit MENSCHEN-KONTEXT-ALLTAGSTAUGLICH zu erhalten.
Ansonsten hat man nämlich nicht zu einem Partner herausgebildet, sondern für einen dopamin- und erfolgsverwöhnten Junkie, dessen Wohlgefühl abhängig ist von der eigenen Wahl; dem Erfolg. Die Sucht (=Suche nach Erfolg und Depression liegen nah beieinander).
Nimmt man ihm dann die Wahl, kann er nur wütend oder traurig werden.
Einige werden Furien, andere depressiv und krank ->>> es sei denn, ihr habt die Wahl sie freizulassen!
Und ob das dann das ist, was sie sich ersehnten, stelle ich mal arg in Frage - denn : SIE KÖNNEN KEINE VORSTELLUNG DAVON HABEN, WIE SCHWIERIG ES HIER IST, 365 TAGE WILDPFERD ZU SEIN... Darauf sind die meisten von ihnen weder vorbereitet noch reif genug. Auch hatten sie keine Vorbilder...
Fazit: Ich kenne aktuell mehr Pferde, die sich nach Freiheit und Auswilderung sehnen, denn je....
...und unter Umständen hat das mehr mit uns und unserem Gefühl zu tun, gefangen zu sein (in sich selbst, innerhalb der Gesellschaft...), als mit ihrem...
Wenn das die Wahl unserer Pferde ist (und nicht unsere provozierte projektionsorientierte Erziehung von dem, was wir uns selbst für UNS wünschen), dann sollten wir darüber nachdenken, wie das umsetzbar ist: diese
NEUE PFERDEWELT!
P.S. Es gibt übrigens genügend Wildpferdeprojekte, bei denen man Patin eines betreuten, aber halb-wilden Pferdes sein kann. Ich halte das für einen schönen Anfang!!!
Bei allem, was ihr tut oder entscheidet, denkt bitte daran: es geht AUCH UM EUCH! Und es geht um einen praktikablen Weg ...
Ich kenne nur wenige, die glücklich sind, ein Wildpferd zu supporten.
Was für mich grösster Wunsch und Ziel ist, ist noch lange nicht für jede/n ein Vergnügen!!!
Ein Ausschnitt meiner täglichen Arbeit und zum Nachdenken - nicht zum Diskutieren gedacht....
Be. Das Projekt. Bist Du selbst!

Tanja von Salzen-Märkert 

Zitat Ende"

 
Lisa Peters: pferd.24-hs.de

Dienstag, 10. Januar 2023

Pferd gekauft und schon gibt es Probleme?


Ein Traum ist für uns wahr geworden und wir haben uns ein eigenes Pferd gekauft. Natürlich wollen wir nur das Beste für das Pferd. Wir freuen uns ja, dass es da ist und wollen ihm nur Gutes tun, haben auch einen guten Stall für es ausgesucht. Natürlich erwarten wir auch dafür, dass es brav ist und gut mitarbeitet. Wir können es ja auch kaum erwarten, dass es los geht, wir haben schon viel zu lange darauf gewartet. Aber nun funktioniert es nicht so, wie es soll?
Als wir es uns angesehen haben, sah das Bild ganz anders aus. Es war lieb und hat auch wunderbar funktioniert beim Probereiten. Was ist da jetzt plötzlich los?

Um nun eine Lösung zu finden, sollten wir das Problem mal aus der Sicht des Pferdes betrachten. Es wurde aus seinem bisherigen Leben gerissen, egal wie schön oder schlecht das gewesen sein mag. Es war sein Leben. Seine vertrauten Stallgesellen, eventuell ein lieber Pferdekumpel, ein besonderer Freund oder eine besondere Freundin. Das hat ihm bisher Sicherheit gegeben um zu überleben. Die Grundbedürfnisse des Pferdes sind Futter, Wasser, Sozialkontakte und eine sichere Umgebung. Eventuell auch ein Mensch, den es gewohnt war und dessen Routinen ihm Sicherheit gaben.

Unser neues Pferd ist nun von all dem weg gerissen worden. Das hat es sich nicht freiwillig ausgesucht, es ist also erstmal nicht gerne von dort weg. Es spielt dabei erstmal keine Rolle, wie gut oder schlecht es vorher behandelt worden ist. Es weiß auch nicht, was auf es zukommen wird. Also ist es erstmal total verunsichert. 
Mußte es bisher einfach nur funktionieren, kann es sich keine Vorstellung davon machen, dass es ab jetzt anders sein könnte. Wurde es gut behandelt, versteht es erst recht nicht, warum es plötzlich die gewohnte sichere Umgebung verlassen musste, die für sein Überleben ja elementar  wichtig ist.

Es ist fremd in einer fremden Umgebung und muss nun sehen, wie es zurecht kommt. Vielleicht hat es Glück und bekommt eine schonende Eingewöhnung, vielleicht sogar in einer kleinen Herde und nicht in einer Box. Auch da muss es erstmal seinen Platz in der ganzen Rangordnung finden. Vielleicht hat es auch noch mehr Glück und kann die neue Herde erstmal aus einer sicheren Distanz kennen lernen und muss sich nicht sofort damit auseinander setzen.

Es ist aufgewühlt, vor der ungewissen Zukunft, hat erstmal Angst im fremden Stall und muss sich nun erstmal gegen die anderen Pferde durchsetzen oder sich mit ihnen arrangieren. Diese wollen ja erstmal nichts mit einem fremden Eindringling in der bestehenden Herde zu tun haben Es muss sich vielleicht auch um sein Futter sorgen. Dann sind auch fremde Menschen da, die es noch nicht kennt und die es verstehen lernen muss. Vielleicht hat es auch dabei Glück und wir können unserem neuen Pferd anhand einer klaren Körpersprache gut vermitteln was wir von ihm wünschen. Dann kann es sich unserer klaren Führung gut anschließen und sich entspannen. 

Aber vielleicht läuft es nicht so entspannt in der neuen Umgebung? Mit den anderen Pferden? Den anderen Stallbedingungen und neuen Menschen? Im fehlt ja zuallererst mal Sicherheit. Wenn es die nicht findet, wird es erst mal alles aus dem Ruder laufen. Vielleicht hat das Pferd auch gesundheitliche Probleme, die man auf den ersten Blick nicht sehen kann und der Vorbesitzer verschwiegen hat? 

Was kann ich jetzt als Mensch tun? 
Wenn alle gesundheitlichen Probleme abgestellt sind, gutes Futter, darf es auch ohne Stress fressen? Hat es ausreichend Mineralien, das kann im Blutbild festgestellt werden, chiropraktische Untersuchung, da schaut man mal auf die offensichtlichen Dinge. Ist das Pferd zu dünn, musste es hungern, hat es Magenprobleme, ist es zu dick und hat Gelenkprobleme, sind die Zähne in Ordnung, Hufe in Ordnung? Kann es gut sehen? Hat es Gebäudefehler, die letzendlich zusammen mit unserer Konstellation zu Problemen führen? Passt sein Sattelzeug wirklich? In welchen Situationen treten Probleme auf, schon von daher lassen sich etliche Rückschlüsse ziehen. Man muss bei extremen Problemen auch in Betracht ziehen, dass ein Pferd für die Besichtigung ruhig gestellt wurde.

Ich sollte auf jeden Fall dem Pferd gut vermitteln können, dass ich eine klare Führung bieten kann und es sich bei mir sicher fühlen kann. In den wenigsten Fällen ist dies leider so, weil wir ja immer noch Menschen sind, die zum größten Teil eben noch ein anderes Leben haben, weit weg von Pferden. Der Anteil an "Pferdezeit" ist meist ein sehr kleiner, verglichen mit der restlichen Zeit unseres Lebens. Deswegen haben wir auch meist nicht die Übung darin, die Führung einer Herde zu übernehmen, mit allen Pflichten und Privilegien, die das so mit sich bringt. Wir haben uns ja deswegen auch ein ausgebildetes Pferd gekauft, von dem wir annehmen wollten, dass es problemlos zu uns passt.

Unser Pferd sieht uns aber nun auch als Teil seiner neuen Herde. Abgesehen von seinen Stallkumpels, die ja auch dazu gehören. Es muss nun seinen neuen Platz in der Hirarchie finden. Bei den Pferden und den Menschen. Wir sollten ihm dafür genügend Zeit geben und nicht gleich von Anfang an von ihm verlangen, wie gewohnt zu funktionieren. Das kann beim einen kürzere Zeit dauern, beim anderen länger. Ich rede hier von Wochen bis Monate falls es ungünstig läuft. Es kann auch sein, ein Pferd gewöhnt sich nie an eine neue Konstellation.

Falls wir also nicht die absoluten Pferdekenner sind, ist es hilfreich, wenn wir einen kompetenten Trainer dazu holen, der uns unterstützen kann darin, eine gute und vertrauensvolle Beziehung zu unserem Pferd aufzubauen. Es gibt keine pausschalen Lösungen oder Ratschläge, die man anwenden könnte. Dazu sind Pferde und Menschen und die Ursachen der Probleme doch zu unterschiedlich. Ein Trost sollte uns sein: meist lassen sich Probleme relativ schnell lösen, wenn wir die Bedürfnisse unserer Pferde erkennen und sie zufrieden stellen.

Ein Verlaßpferd kann man sich normalerweise nicht kaufen, das muss man sich erarbeiten. Die Anlagen dazu kann ein Pferd haben. Zum Vorschein bringen müssen wir es selber mit Zuverlässigkeit, Vertrauen und fairer Behandlung. Dann bekommen wir all das zurück. Dafür sollte sich die Mühe ja auch lohnen.

Ich möchte gern ein Beispiel erzählen. Eines Tages kam ein neues Pferd an unseren Stall, in seinem ehemaligen Zuhause hatte man keine Verwendung mehr für es. Es kam zu einer relativ unerfahrenen, aber sehr liebevollen Pferdefrau. Ich durfte die beiden unterstützen im Prozess der Eingewöhnung und des gemeinsamen Lernens.
Der Wallach bekam einen eigenen Bereich im Pferdeauslauf, damit er und die anderen Pferde sich gesichert erstmal beschnuppern und kennen lernen durften. Nach und nach durfte er immer ein Pferd mehr kennen lernen, bis er dann mit der ganzen Herde vergesellschaftet war und seinen Platz in der Herde gefunden hatte.

Er war auf herkömmliche Art ausgebildet, das heißt ihm wurden Signale vermittelt, die er verstehen und ausführen sollte, was er auch brav machte. Normalerweise wird herkömmlich aber auch mit Druck gearbeitet, das heißt, wenn ein Pferd nicht ausführt, was verlangt wird, wird Druck aufgebaut oder auch gestraft. Er reagierte sehr ängstlich auf den Anblick einer Peitsche und versuchte sogar weg zu rennen.

Da ich mit Pferden ohne Strafe arbeite und auch seine neue Menschin das so machen wollte, zeigten wir ihm, dass er nicht mehr gestraft werden würde und die Peitsche nicht dazu da ist geschlagen zu werden. Er hat dann so manches mal nicht mehr gewußt, dass er trotzdem nicht alles machen darf, sondern dass es Regeln bei uns gibt. Das heißt, wir bitten ihn etwas zu machen, zeigen auch mit Hilfe einer Art Gerte oder einem verlängerten Arm, was wir möchten, wollen damit aber keine Angst machen, sondern nur verständlich machen, was wir vorschlagen.

Er durfte nun auch am langen und lockeren Strick mit uns gehen, ohne fest gehalten zu werden.  
Falls er sich entschlossen hatte mitzumachen, bekam er eine Belohnung. Das war nun etwas Neues und er musste lernen, dass man Belohnungen auch nicht einfordern darf, sondern anständig sein und man bekommt die Belohnung auch erst nach einem Belohnungston/Signal. 

So fand er nach und nach viel Gefallen am Mitmachen und Mensch und Pferd konnten eine wunderbare, vertrauensvolle Beziehung aufbauen. Dieser Prozess hat bei ihm ca. 2 Wochen gedauert. Dann wurde er ein verlässlicher Partner für seine Reiterin, die in dieser Zeit auch lernte, sich mit Körpersprache bei ihm verständlich zu machen. Er wurde ein sehr entspanntes und sicheres Pferd für Groß und Klein.

Ein paar Geschichten zu Vertrauensaufbau und dem richtigen Umgang mit dem Pferd, sowie ein gutes Buch zum Geheimnis der Pferdesprache sind auch hier zu finden: 
https://a-m-elisabeth-peters.blogspot.com/search/label/Vertrauensaufbau 


Lisa Peters: pferd.24-hs.de