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Montag, 14. September 2026

Pferde verstehen – Bücher, Menschen und weiterführende Informationen


Chester frei neben mir – und doch liegen zwischen diesen beiden Bildern Welten.
Auf dem ersten Bild ist seine Unruhe deutlich zu erkennen. Auf dem zweiten ist er nach einer klaren, für ihn verständlichen Kommunikation sichtbar entspannt. Für mich zeigt sich darin sehr schön, was sich durch das Verständnis für das Pferd verändern kann.

Auf meinem Weg mit Pferden habe ich sehr viele Menschen, Bücher, Filme und unterschiedliche Ansätze kennengelernt.

Manches hat mich nur für eine gewisse Zeit begleitet. Manches hat meine Sicht auf Pferde nachhaltig verändert. Und manches habe ich zunächst auf eine bestimmte Weise verstanden und sehe es heute, mit meinen Erfahrungen, etwas anders.

Ich glaube deshalb nicht, dass man irgendwann eine Methode gefunden hat und damit alles weiß.

Für mich gehört zum Verständnis von Pferden auch, neugierig zu bleiben, zu beobachten, Fragen zu stellen und immer wieder zu überprüfen, ob das, was wir tun, tatsächlich zu dem Pferd vor uns passt.

Die folgenden Empfehlungen sind deshalb keine Sammlung von „richtigen“ und „falschen“ Methoden. Es sind Menschen und Quellen, die mich auf meinem Weg begleitet, mir wichtige Impulse gegeben oder meinen Blick auf Pferde erweitert haben.

Vielleicht ist auch für dich etwas dabei, das dich weiterführt.

Gertrud Pysall – Das Geheimnis der Pferdesprache

Eine der wichtigsten Grundlagen meiner eigenen Arbeit ist für mich die Beschäftigung mit der Pferdesprache.

Besonders geprägt hat mich dabei Gertrud Pysall mit ihrem Buch „Das Geheimnis der Pferdesprache“. 

Für mich liegt die große Bedeutung ihrer Arbeit darin, dass sie den Blick darauf lenkt, was das Pferd eigentlich mitteilt. Nicht nur: Was soll das Pferd tun? Sondern: Was sagt mir sein Verhalten? Was versucht es mir zu zeigen?

Vieles von dem, was ich heute unter Pferdekommunikation verstehe, hat hier einen wichtigen Ausgangspunkt.

Gerade deshalb möchte ich dieses Buch jedem empfehlen, der beginnen möchte, Pferde nicht nur zu beobachten, sondern ihre Kommunikation wirklich verstehen zu lernen.

K. F. Hempfling – ein wichtiger Teil meines Weges

K. F. Hempfling hat mir auf meinem Weg mit Pferden sehr viel gegeben.

Seine Beschäftigung mit der Körpersprache des Menschen, mit der Wirkung unserer Haltung und Bewegung und mit der Beziehung zwischen Mensch und Pferd hat meinen Blick auf Pferde wesentlich geprägt.

Vieles von dem, was ich damals gelernt habe, begleitet mich bis heute.

Für mich war dabei besonders wichtig zu verstehen, dass Kommunikation nicht erst dann beginnt, wenn wir bewusst ein bestimmtes Signal geben. Wir kommunizieren mit unserem ganzen Körper – durch unsere Haltung, unsere Bewegung, unsere innere Ausrichtung und durch die Art, wie wir uns dem Pferd gegenüber verhalten.

Diese Erkenntnis hat meinen eigenen Umgang mit Pferden nachhaltig beeinflusst.

K. F. Hempfling gehört deshalb eindeutig zu den Menschen, die meinen Weg geprägt haben.

H.-J. Neuhauser – Körpersprache wirklich lesen lernen

Auch H.-J. Neuhauser hat mir sehr viel gegeben.

Von ihm habe ich vor allem besonders viel über die eigene Körpersprache gelernt und wie das Pferd darauf reagiert. Dabei ging es für mich nicht nur darum, einzelne Zeichen zu erkennen, sondern darum, genauer hinzusehen.

Gerade diese genaue Beobachtung ist für meine heutige Arbeit sehr wichtig.

Denn ein Pferd und auch der Mensch kommuniziert nicht nur mit einem einzelnen Zeichen. Sein Körper erzählt ständig etwas – und oft liegt die eigentliche Information gerade in den kleinen Veränderungen.

Die Beschäftigung mit seiner Arbeit hat mir geholfen, die Körpersprache genauer wahrzunehmen und bewusster darauf zu achten, was zwischen Mensch und Pferd tatsächlich geschieht.

Timo Ameruoso – Pferdepsychologie und ein Stück Weg weiter mit Chester

Timo Ameruoso ist Pferdepsychologe. Mit seiner Arbeit und seiner Methode habe ich mich intensiv beschäftigt – besonders das autodynamische Reflexionsprinzip® und der damit verbundene Mehrwert für das Pferd hat für mich eine ganz besondere Bedeutung bekommen. 

Seine Methode hat mir letztendlich den Zugang zu Chester viel tiefer eröffnet.

Das Interessante daran ist: Es war für mich gar nicht etwas völlig Neues. Vieles von dem, was ich bei Chester mit der Arbeit von Gertrud Pysall bereits erreicht hatte, ging in eine ähnliche Richtung. Ich hatte damals gelernt, Chester besser zu verstehen und konnte dadurch einen Zugang zu ihm finden.

Irgendwann dachte ich jedoch, wenn etwas einmal geklärt und „gerichtet“ ist, müsste es auch dauerhaft so bleiben. Ich habe deshalb manches nicht weiter verfolgt und unterschätzt, wie viel bei Chester noch verborgen war.

Durch die Arbeit mit der Methode von Timo Ameruoso konnte ich dort wieder anknüpfen. Sie gibt mir einen systematischen Weg an die Hand, mit Chester an den Dingen weiterzuarbeiten, die noch in ihm stecken – und dabei genau das aufzugreifen, was bei ihm schon immer funktioniert hat.

Für mich ist das eine wichtige Verbindung:

Gertrud Pysall hat mir geholfen, besser zu verstehen, was das Pferd sagt und wie ich mit ihm in seiner Sprache kommunizieren kann.
Timo Ameruoso hat mir einen systematischen Weg gegeben, mit diesem Verständnis weiterzuarbeiten und dem Pferd zu helfen, sich selbst von tief verborgenen, belastenden Ereignissen zu lösen. 

Deshalb ist die Arbeit von Timo Ameruoso für mich eine ganz klare Empfehlung.

Tristan Tucker – TRT Method

Die TRT Method von Tristan Tucker beschäftigt sich damit, warum Pferde in bestimmten Situationen reagieren und wie man ihnen helfen kann, damit besser umzugehen.

Ein wesentlicher Gedanke dabei ist, das Pferd nicht einfach dazu zu bringen, ein unerwünschtes Verhalten abzustellen, sondern ihm zu helfen, sich in den verschiedensten Situationen selbst zu regulieren und dadurch mit schwierigen Situationen zunehmend besser zurechtzukommen.

Dieser Gedanke gefällt mir sehr.

Denn auch hier geht es nicht nur darum, ein sichtbares Verhalten zu verändern. Es geht darum, das Pferd hinter diesem Verhalten zu sehen.

Sylvia Czarnecki – Lernen und positive Verstärkung

Mit der Arbeit von Sylvia Czarnecki habe ich vieles entdeckt, was mir gefällt.

Besonders die Beschäftigung mit dem Lernen der Pferde, mit positiver Verstärkung und damit, wie Pferde Zusammenhänge lernen, fand ich interessant.

Gleichzeitig habe ich mit ihren Ansätzen bei meinen eigenen Pferden unterschiedliche Erfahrungen gemacht.

Bei Tafi konnte ich beispielsweise mit einem Belohnungston arbeiten. Sie wusste, dass auf diesen Ton ein Stück Futter folgte, und ich konnte damit bestimmte Dinge aufbauen, ohne dass sie dabei für mich sichtbar gestresst wirkte.

Bei Chester war das ganz anders. Auf die Aussicht auf eine Belohnung reagierte er eher mit Stress. Damals konnte ich mir das nicht wirklich erklären.

Durch die Beschäftigung mit der Pferdepsychologie bei Timo Ameruoso habe ich später eine Erklärung dafür gefunden, die ich bei Chester sehr gut nachvollziehen kann: Wenn Futter vom Menschen zugeteilt wird, kann beim Pferd eine Art Gefühl von Futterverknappung entstehen. Es weiß nicht, wann und wo die nächste Ressource kommt, und kann dadurch in eine Erwartungshaltung und Anspannung geraten.

Das passt für mich auch zu dem, was wir über die natürliche Lebensweise von Pferden wissen. In einer natürlichen Herde wird Futter nicht von einem Menschen portioniert und nach einem bestimmten Verhalten zugeteilt. Pferde verbringen normalerweise einen großen Teil ihrer Zeit mit der Suche und Aufnahme von Nahrung.

Bei Tafi habe ich diese Zusammenhänge damals noch nicht gesehen. Ich kann deshalb heute nicht sagen, ob sie tatsächlich völlig entspannt war oder ob ich bestimmte Stresssignale einfach noch nicht erkannt habe. Die Stressmarker, auf die ich später durch Ameruoso aufmerksam wurde, kannte ich zu dieser Zeit noch gar nicht.

Deshalb würde ich das Clickertraining heute anders einsetzen als damals.

Einige Elemente aus der Arbeit von Sylvia Czarnecki finde ich weiterhin sehr interessant und hilfreich. Mit Futter als Belohnung würde ich persönlich heute allerdings nicht mehr arbeiten.

Ihre Arbeit hat mir trotzdem wichtige Impulse gegeben und meinen Blick auf Lernprozesse beim Pferd erweitert.

Trust Technique

Die Trust Technique beschäftigt sich mit Ruhe, Vertrauen und auch dem Umgang mit Stress beim Pferd.

DIE TRUST-METHODE: Der achtsame Ansatz, der Menschen genauso hilft wie dem Tier. Angst in Vertrauen verwandeln, Distanz in Kommunikation und Training in eine wunderbare Zusammenarbeit verwandeln.

Ich finde diesen Ansatz sehr wertvoll, weil er einen Gedanken in den Mittelpunkt stellt, der für mich ebenfalls eine große Bedeutung hat:

Ein Pferd muss nicht einfach funktionieren. Es darf lernen, sich sicher zu fühlen und mit Situationen besser umzugehen.

Ruhe ist dabei nicht einfach das Fehlen von Bewegung. Sie entsteht aus einem Gefühl von Sicherheit und Vertrauen.

Die Kurse sind in englischer Sprache angeboten, die meisten davon sind aber mit deutschen Untertiteln versehen.

Chi Horsing – ein Ansatz, der mich weiterhin interessiert

Auch Chi Horsing finde ich nach wie vor interessant.

Die Beschäftigung mit feiner Kommunikation, Körperwahrnehmung und der Wirkung unserer eigenen Bewegung auf das Pferd spricht einen Bereich an, der für mich bis heute wichtig ist.

Mich interessiert dabei besonders die Frage, wie wenig wir manchmal tatsächlich tun müssen, wenn wir lernen, unsere eigene Körpersprache bewusster einzusetzen und die Reaktionen des Pferdes genau wahrzunehmen.

Für mich ist Chi Horsing deshalb weniger etwas, das man einfach als Methode übernehmen muss. Es ist vielmehr ein Ansatz, der dazu anregen kann, die eigene Wahrnehmung zu verfeinern und sich mit der Kommunikation zwischen Mensch und Pferd auseinanderzusetzen.

Gerd Heuschmann – Biomechanik des Pferdes

Wer sich intensiver mit der körperlichen Seite des Pferdes beschäftigen möchte, findet bei Dr. med. vet. Gerd Heuschmann interessante Informationen rund um Biomechanik und die Auswirkungen unseres Umgangs mit dem Pferd.

Für mich gehört auch dieses Wissen zum Verständnis eines Pferdes.

Denn Verhalten lässt sich nicht immer von seinem Körper trennen.

Wenn ein Pferd sich anders bewegt, sich einer Bewegung entzieht oder bestimmte Dinge nicht tun möchte, lohnt es sich deshalb immer auch, die körperliche Seite mitzudenken.

DIfHO und Hufbearbeitung

Mit Hufbearbeitung, Naturhuf und Huforthopädie habe ich mich ebenfalls intensiv beschäftigt.

Dabei bin ich unter anderem auf das DIfHO und auf HGM Trimming gestoßen.

Gerade HGM Trimming möchte ich hier nicht einfach unerwähnt lassen, denn ich habe selbst gute Erfahrungen für Fjölvi damit gemacht. Bei Tafi war es eher die DIIfHO Orthopädie.

Die ursprünglichen Seiten, über die ich mich damals informiert habe, sind heute allerdings nicht mehr so leicht auffindbar. Deshalb möchte ich hier lieber keinen beliebigen oder kritischen Beitrag verlinken und ihn damit als offizielle Informationsquelle darstellen.

Dai-Shodan

Auch die Arbeit von Dai-Shodan zum Thema Pferdetraining, Schrittbewegung, Muskulatur, Stoffwechsel und Haltung finde ich interessant.

Gerade die Verbindung zwischen Bewegung, körperlichen Voraussetzungen und Haltung ist ein Bereich, in dem es sich lohnt, genauer hinzusehen.

Für mich gehört auch das zu einem umfassenderen Verständnis des Pferdes: Nicht nur seine Kommunikation und sein Verhalten sind wichtig, sondern auch die körperlichen Voraussetzungen, unter denen dieses Verhalten entsteht.

EquiVetInfo

Für Informationen zu Erkrankungen und verschiedenen gesundheitlichen Themen rund ums Pferd habe ich mich auch mit EquiVetInfo beschäftigt.

Ich finde es wichtig, sich auch mit der gesundheitlichen Seite des Pferdes auseinanderzusetzen. Denn wenn wir das Verhalten eines Pferdes verstehen wollen, dürfen wir seinen körperlichen Zustand nicht ausklammern.

Solche Quellen ersetzen natürlich keine tierärztliche Untersuchung. Sie können aber dabei helfen, sich Wissen anzueignen, Zusammenhänge zu erkennen und bei bestimmten Fragen überhaupt erst die richtigen Fragen zu stellen.

Filme und besondere Beispiele

Neben Büchern und Trainern haben mich auch Filme und einzelne Videos begleitet.

Ein Beispiel ist der Dokumentarfilm auf youtube.de „Der Weg des Pferdes“. Er beschäftigt sich mit der Beziehung zwischen Mensch und Pferd und kann einen ganz anderen Blick darauf eröffnen, was zwischen Mensch und Pferd möglich sein kann.

Manchmal reicht es schon, etwas zu sehen und sich zu fragen:

Was sehe ich hier eigentlich?
Was macht dieses Pferd?
Wie wirkt der Mensch auf mich?
Und warum funktioniert diese Verbindung möglicherweise?

Genau solche Fragen können den eigenen Blick verändern.

Und dann gibt es noch meine eigenen Erfahrungen

Alles, was ich gelesen, gesehen und gelernt habe, ist natürlich nur ein Teil meines Weges.

Das andere sind die Pferde selbst.

Tafi, Chester, Fjölvi und Nero waren für mich auf ihre ganz eigene Weise Lehrmeister.

Sie haben mir immer wieder gezeigt, dass Wissen allein nicht genügt.

Man kann sehr viel über Pferde wissen und trotzdem einen Moment übersehen, in dem das eigene Pferd gerade etwas anderes erzählt.

Deshalb ist für mich das Beobachten so wichtig geworden.

Nicht nur:

„Wie bekomme ich dieses Verhalten weg?“

Sondern:

„Warum macht mein Pferd das gerade?“

Und noch wichtiger:

„Was verändert sich, wenn ich selbst etwas verändere?“

Vielleicht ist genau das der Punkt, an dem aus Wissen langsam Verstehen wird.

Wenn du weiter in dieses Thema eintauchen möchtest

Wenn du sehen möchtest, wie solche Gedanken nicht nur in Büchern und Methoden vorkommen, sondern mitten im Alltag mit Pferden, möchte ich dir noch eine Geschichte aus meinem eigenen Blog ans Herz legen.

In „Wenn Pferde sich entschuldigen – eine Lektion von Fjölvi, Chester und Nero“ erzähle ich von Situationen, in denen ich beobachten durfte, wie Pferde miteinander umgehen, Konflikte lösen und wieder Verbindung aufnehmen.

Gerade solche Erlebnisse haben meinen Blick auf Pferde immer wieder verändert.

Denn manchmal müssen wir Menschen nicht lehren.

Manchmal sind wir diejenigen, die lernen dürfen.


Transparenzhinweis: Der Link zum Buch von

Gertrud Pysall – Das Geheimnis der Pferdesprache

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Lisa Peters: pferd.24-hs.de

Donnerstag, 9. Juli 2026

Wenn Pferde sich entschuldigen – eine Lektion von Fjölvi, Chester und Nero




Momente, in denen man für einen Augenblick einen Einblick in eine Welt bekommt, die uns Menschen oft verborgen bleibt. Auch wenn ich diese Geschichten schon einmal erzählt habe, möchte ich das gerne noch einmal aufgreifen unter einem anderen Blickwinkel.

Manchmal wünsche ich mir, ich hätte in genau diesen Augenblicken eine Kamera in der Hand. Aber meistens ist es anders: Man steht einfach nur da, tief berührt von dem, was man gerade sieht.

So ging es mir mit Fjölvi und Chester.

Zwei junge Pferde, die Freunde fürs Leben wurden

Chester bekam damals einen Kumpel.

Er war erst vier oder fünf Jahre alt und musste nicht länger nur mit der alten Stute zusammenstehen. Er war voller Energie, verspielt und brauchte einen Freund, der mit ihm herumtoben konnte.

Fjölvi war erst seit knapp drei Monaten bei uns.

Von Anfang an waren die beiden unzertrennlich.

Sie standen zusammen, ruhten zusammen, lagen zusammen, fraßen zusammen, tranken zusammen, gingen gemeinsam zum Äppeln und natürlich spielten sie zusammen. Wenn einer ging, rief der andere ihm hinterher.

Es sah aus, als hätten sich zwei gefunden.

Und wenn sie auf dem Platz toben durften, dann waren sie besonders ausgelassen. Pferdespiel ist nicht immer sanft und vorsichtig, wie wir Menschen es vielleicht erwarten würden. Es ist wild, kraftvoll und manchmal ziemlich deftig.

Aber es ist auch Kommunikation.

Ein Unfall und ein außergewöhnliches Ritual

Eines Tages passierte es.

Fjölvi traf Chester nahe am Auge. Ob mit einem Biss oder einem Schlag, hatte ich nicht gesehen.

Chester quietschte auf und sprang buckelnd davon.

Nicht unbedingt vor Schmerz – sondern wohl eher aus Empörung darüber, dass Fjölvi sich so etwas erlaubt hatte.

Pferde sind Beutetiere. Die Natur hat ihnen nicht gegeben, vor Schmerz laut zu schreien und damit Raubtiere anzulocken. Wer das bezweifelt, sollte bedenken, dass selbst schwere Verletzungen wie ein gebrochenes Bein oder eine Kolik nicht automatisch zu einem Schmerzlaut führen.

Chester war also nicht „jammernd“ davongelaufen.

Er war beleidigt.

Und das kannte ich von ihm. Wenn Fjölvi einmal die Oberhand hatte, obwohl Chester als Chef der Herde eigentlich der Stärkere und Erfahrenere war, dann konnte Chester schon einmal quietschend und buckelnd davon stürmen.

Zufällig sah ich später, dass Chester tatsächlich eine kleine Verletzung hatte: eine winzige Hautabschürfung unterhalb des Auges. Nicht einmal Blut lief.

Ich hätte die Stelle behandeln können, aber es gab nichts, was behandelt werden musste.

Dann sah ich Fjölvi.

Er stand in der Mitte des Platzes.

Und plötzlich ging Chester langsam auf ihn zu.

Diesmal wich Fjölvi nicht zurück. Er begrüßte Chester sogar mit einem Hufscharren.

Chester blieb vor ihm stehen.

Und dann begann etwas, das ich vorher noch nie gesehen hatte.

Die Sprache der Pferde

Die beiden gähnten sich gegenseitig an.

Immer wieder.

Sie leckten sich über die Lippen, beschnupperten ihre Nasen.

Dann begann Fjölvi, Chester ganz vorsichtig mit seinen Nüstern zu berühren.

Chester erwiderte diese sanften Berührungen.

Und dann geschah etwas, das mich tief berührte:

Fjölvi begann, Chesters Wunde zu lecken.

Immer wieder leckte er über sein Gesicht.

Ich weiß nicht mehr, wie lange ich schon zugeschaut hatte. Ich stand einfach nur da und beobachtete diese beiden jungen Pferde.

Natürlich hatte ich in diesem Moment keine Kamera bereit.

Oder besser gesagt: Man denkt in solchen Augenblicken gar nicht daran.

Aber dann fiel mir ein, dass ich mein Handy dabei hatte.

Der intensivste Moment des Leckens war zwar schon vorbei, aber ihr gegenseitiges liebevolles Beknabbern dauerte noch an.

Und genau das sieht man auch im Youtubevideo, den Link dazu habe ich eingefügt:

Wer die beiden kennt, weiß, dass dieses Spiel normalerweise viel wilder aussieht.

Aber diesmal war etwas anders.

Es war, als würden sie sich gegenseitig versichern:

„Ich wollte dir nicht weh tun.“

„Ich weiß.“

„Wir sind trotzdem Freunde.“

Tiere haben eine Seele voller Zwischentöne

Wir Menschen müssen Tieren ein vielschichtiges Gefühlsleben zugestehen.

Nicht, indem wir ihnen menschliche Gedanken überstülpen.

Sondern indem wir anerkennen, dass sie Beziehungen leben, Gefühle zeigen und soziale Bindungen pflegen – auf ihre eigene Art.

Pferde können nicht mit Worten sagen, dass etwas ein Versehen war.

Aber sie haben andere Möglichkeiten.

Sie können Nähe suchen.

Sie können beruhigen.

Sie können wieder Verbindung herstellen.

Und manchmal können sie uns zeigen, wie wenig nachtragend und wie ehrlich Beziehungen sein können.

Einige Jahre später: Nero

Einige Jahre später kam Nero zu uns.

Er kam mit sechs Monaten direkt vom Schlachter in unsere kleine Herde.

Ein großes Schlitzohr.

Später wurde aus ihm ein 3,5-jähriger Noriker – ein beeindruckendes Pferd, groß, kräftig und schwer.

Aber gleichzeitig unglaublich klug, liebevoll und sensibel.

Auch Nero zeigte mir, wie fein die Kommunikation der Pferde ist.

Nach Tagen mit viel Regen waren die Böden aufgeweicht. Die Pferde standen aus verschiedenen Gründen jeweils zu zweit in großzügigen Unterständen mit Paddock und konnten den großen Trail und die Weiden gerade nicht gemeinsam nutzen.

Eines Tages passierte es:

Beim Abäppeln blieb die Gittertür zu Neros Auslauf nur angelehnt.

Nero bemerkte das sofort.

Er schob sie auf und marschierte direkt zum Eingang des Trails.

Dort wartete er.

Natürlich hatten Chester und Fjölvi nebenan längst bemerkt, was los war, und standen ebenfalls am Tor.

Ich konnte es nicht übers Herz bringen, sie alle wieder zurück zu schicken.

Nach den vielen Regentagen auf dem kleineren Paddock wollte ich ihnen die Freude gönnen.

Also öffnete ich das Tor.

Und dann explodierte die aufgestaute Energie.

Chester und Fjölvi galoppierten los. Den ganzen Trail entlang, auf die Weiden, wieder zurück, hin und her.

Sie hörten gar nicht mehr auf, sich zu freuen.

Und Nero?

Nero machte Bocksprünge, galoppierte hin und her und buckelte voller Lebensfreude.

Seine Ziehmama Tafi wurde natürlich ebenfalls angesteckt.

Zum Glück hielt der Boden und keines der Pferde rutschte aus.

Eine kleine Lektion von einem großen Pferd

Irgendwann wollte ich Ruhe hineinbringen.

Ich holte die Futterschüsseln – denn bei der kleinen Portion Mineralfutter werden schließlich alle wieder ganz vernünftig.

Als ich quer durch den Auslauf laufen wollte, kam Nero plötzlich um die Ecke galoppiert.

Ich sprang zur Seite.

Er drehte um und wollte wieder loslaufen.

Als er an mir vorbeikam, hob er sein Bein in meine Richtung.

Eine Drohung.

Ich weiß, dass Nero und jedes andere Pferd sehr genau treffen könnten, wenn sie es wirklich wollten.

Aber in diesem Moment machte es mich wütend.

Ich war selbst angespannt. Ich wollte die Situation kontrollieren und Ruhe schaffen – und natürlich hilft eigene Aufregung dabei nicht gerade.

Nachdem alle wieder zufrieden fraßen und alle Tore geschlossen waren, blieb ich trotzdem innerlich angespannt.

Ich lehnte mich an den Zaun und dachte darüber nach.

War das wirklich ernst gemeint gewesen?

Oder hatte Nero mein Herumspringen vielleicht als Spielaufforderung verstanden?

Denn Pferde unterscheiden sehr genau zwischen Ernst und Spiel. Und er hätte mich treffen können, wenn er wirklich gewollt hätte.

Während ich noch darüber nachdachte, kam dieses große Pferd plötzlich zu mir.

Meine Wuchtbrumme.

Mein kleines Mammutbaby.

Er gähnte mich an.

Und dann leckte er mir die Hände.

Ich kenne dieses Verhalten aus der Pferdeherde.

Wenn ein Pferd ein anderes versehentlich getroffen hat, wenn eine Situation zu heftig geworden ist, dann gehen sie oft wieder aufeinander zu. Sie gähnen, lecken, suchen Kontakt. Genau wie Fjölvi und Chester ein paar Jahre zuvor.

Eine Botschaft ohne Worte:

„Es war nicht böse gemeint.“

„Wir sind wieder gut.“

Und in diesem Moment löste sich meine ganze Wut auf.

Nero erinnerte mich daran, dass auch wir Menschen manchmal einen Moment brauchen, um wieder zuzuhören.

Eine Herde ist mehr als eine Gruppe von Pferden

Je länger ich Pferde beobachte, desto mehr habe ich den Eindruck, dass wir ihre sozialen Beziehungen oft unterschätzen.

Eine Herde ist für mich weit mehr als eine Ansammlung einzelner Pferde.

Sie ist ein soziales Gefüge.

Jedes Pferd ist ein Individuum.

Jedes übernimmt seine Rolle.

Es gibt enge Freundschaften, gegenseitige Rücksichtnahme, kleine Konflikte, gemeinsames Spiel und immer wieder Momente, in denen Beziehungen gefestigt werden.

Das bedeutet nicht, dass in einer Herde ständig Harmonie herrscht.

Im Gegenteil.

Gerade weil Spannungen ganz normal sind, braucht es offenbar auch Möglichkeiten, sie wieder aufzulösen.

Vielleicht gehören genau solche kleinen Gesten dazu.


Was wir heute oft nicht mehr sehen

Vielleicht beschäftigt mich dieses Thema auch deshalb so sehr, weil viele unserer Hauspferde gar nicht mehr die Möglichkeit haben, über Jahre in stabilen sozialen Gruppen zu leben.

Beziehungen entstehen dort unter ganz anderen Bedingungen.

Gruppen werden verändert.

Pferde werden getrennt.

Manche verbringen einen großen Teil ihres Lebens allein in einer Box und haben nur begrenzten Kontakt zu Artgenossen.

Umso wertvoller erscheinen mir die Momente, in denen wir Pferde in einem gewachsenen Herdenverband beobachten können.

Dort zeigen sie uns oft Dinge, die wir kaum wahrnehmen würden, wenn wir nur auf einzelne Verhaltensweisen achten.


Vielleicht liegt genau darin die eigentliche Sprache der Pferde

Vielleicht besteht Pferdesprache nicht nur aus Ohrenstellung, Schweifhaltung oder Mimik.

Vielleicht zeigt sie sich auch in den kleinen Gesten, mit denen Beziehungen gepflegt werden.

Nicht weil wir genau wissen, was sie bedeuten.

Sondern weil wir erleben dürfen, was sie bewirken.

Nero und Fjölvi haben mich gelehrt, genauer hinzusehen.

Nicht nach schnellen Antworten zu suchen.

Sondern Zusammenhänge wahrzunehmen.

Denn manchmal erzählt nicht eine einzelne Geste die Geschichte.

Sondern die Beziehung, in der sie entsteht.

Meine kleine Familie

Nero hat inzwischen eine eigene Herde gefunden.

Für mich wurde er einfach zu groß und zu schwer um ihn richtig Pflegen zu können.

Chester, der kleine wilde Spielkamerad von damals, hat ihn gut erzogen. Heute ist Nero selbst ein souveräner Chef einer zwölfköpfigen Herde.

Die alte Stute ist leider inzwischen nicht mehr bei uns.

Chester und Fjölvi sind nun wieder allein.

Aber sie sind meine kleine Familie.

Die Pferde, mit denen ich mein Leben teile.

Und ich möchte diese Momente nie vergessen, in denen sie mir zeigen:

Manchmal müssen wir Menschen nicht lehren.

Manchmal sind wir diejenigen, die lernen dürfen.


Lisa Peters: pferd.24-hs.de

Samstag, 27. Juni 2026

Empower your Horse – Wenn Zusammenarbeit auf Verständnis wächst



Anna Kannegieter – KOSMOS Verlag

Es gibt Bücher, die vermitteln Wissen.

Und es gibt Bücher, die verändern den Blick auf das Pferd.

Für mich gehört „Empower your Horse“ von Anna Kannegieter zur zweiten Kategorie.

Schon der Titel macht neugierig. Das englische Wort empower lässt sich nicht mit einem einzigen deutschen Begriff übersetzen. Es bedeutet unter anderem stärken, befähigen oder jemanden in die Lage versetzen, eigene Entscheidungen zu treffen. Genau dieser Gedanke zieht sich durch das gesamte Buch.

Anna Kannegieter beschreibt einen Umgang mit Pferden, der auf Kommunikation statt Kontrolle basiert. Sie stellt das Mitspracherecht des Pferdes in den Mittelpunkt und zeigt, wie eine vertrauensvolle Zusammenarbeit entstehen kann, wenn Mensch und Pferd einander wirklich wahrnehmen.

Was mich an diesem Ansatz besonders anspricht, ist die Grundhaltung dahinter.

Viel zu häufig wird in der Pferdewelt gefragt:

"Wie bekomme ich mein Pferd dazu?"

Dabei wäre die wichtigere Frage oft:

"Warum reagiert mein Pferd so?"

Diese kleine Veränderung der Fragestellung kann den Umgang mit Pferden grundlegend verändern.

Denn Verhalten entsteht nicht zufällig.

Jedes Pferd handelt aus seiner eigenen Wahrnehmung heraus. Es bringt Erfahrungen mit, empfindet Sicherheit oder Unsicherheit, hat körperliche Voraussetzungen und eigene Bedürfnisse. Wer all das berücksichtigt, beginnt das Pferd nicht mehr als Gegner oder Werkzeug zu sehen, sondern als fühlendes Lebewesen.

Genau diese Sichtweise spiegelt sich auch in diesem Buch wider.

Besonders gefällt mir, dass nicht Leistung oder Perfektion im Vordergrund stehen. Vielmehr geht es darum, eine Beziehung aufzubauen, in der Vertrauen wachsen kann. Kommunikation wird dabei nicht als Technik verstanden, sondern als gegenseitiges Verstehen.

Das entspricht auch meiner eigenen Überzeugung.

Ich glaube nicht, dass nachhaltige Veränderungen durch immer neue Methoden entstehen.

Sie entstehen dann, wenn wir unsere Sicht auf das Pferd verändern.

Wenn wir lernen zuzuhören, bevor wir handeln.

Wenn wir Ursachen suchen, statt nur Symptome zu beseitigen.

Und wenn wir akzeptieren, dass jedes Pferd ein Individuum mit einer eigenen Geschichte ist.

Natürlich ersetzt auch dieses Buch nicht die Erfahrung mit dem eigenen Pferd. Kein Buch kann jede Situation beantworten oder eine persönliche Begleitung ersetzen.

Aber Bücher können etwas sehr Wertvolles bewirken:

Sie können neue Fragen entstehen lassen.

Und manchmal beginnt genau dort eine Entwicklung, die weit über das eigentliche Lesen hinausgeht.

Mein Fazit

Empower your Horse ist ein Buch für Menschen, die mehr suchen als Trainingsmethoden. Es richtet sich an alle, die ihr Pferd besser verstehen möchten und bereit sind, die Beziehung aus einer anderen Perspektive zu betrachten.

Nicht die Kontrolle steht im Mittelpunkt.

Sondern Vertrauen.

Nicht das Funktionieren.

Sondern gegenseitiges Verstehen.

Und genau darin liegt – aus meiner Sicht – der größte Wert dieses Buches.

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Mein Blick auf dieses Buch

Ich stelle auf meinem Blog nur Bücher vor, von denen ich glaube, dass sie Pferden zugutekommen können. Nicht, weil sie schnelle Lösungen versprechen, sondern weil sie Menschen helfen, Pferde besser zu verstehen. Wenn aus diesem Verständnis mehr Vertrauen, mehr Rücksicht und ein fairerer Umgang entstehen, profitieren beide Seiten – zuerst das Pferd und daraus erwächst auch eine tiefere Beziehung zwischen Mensch und Pferd.

Pferde brauchen keine perfekten Menschen, sondern Menschen, die bereit sind hinzuschauen und zu verstehen. Wenn du dir auf diesem Weg Unterstützung wünschst, begleite ich dich gerne – 
vor Ort oder auch online, ich freue mich über deine Nachricht. 
Die Erfahrungen anderer Pferdehalter mit meiner Arbeit findest du in meinen Bewertungen.

Lisa Peters: pferd.24-hs.de

Montag, 22. Juni 2026

Pferde leiden nicht laut – Eine Lektion der Pferde


Bevor ich begann, mich intensiver mit Pferdeverhalten zu beschäftigen, habe ich etwas anderes gelernt: Pferde leiden nicht immer laut.

Meine Pferde waren nicht aggressiv. Sie waren nicht gefährlich. Sie galten auch nicht als Problempferde.

Und trotzdem hatte ich immer häufiger das Gefühl, dass etwas nicht stimmte.

Nach mehreren Stallwechseln sah ich dieselben Probleme immer wieder. Pferde, die nicht ausreichend zur Ruhe kamen. Meine Stute zum Beispiel legte sich oft sofort hin und schlief, sobald ich sie aus einer Gruppe holte, in der sie nie wirklich zur Ruhe kam.

Pferde, die ständig auf der Suche nach Futter waren und sich kaum auf etwas anderes konzentrieren konnten, weil nie genug davon vorhanden war.

Pferde, die sich verletzten, weil im Auslauf ein ständiger Kampf um Ressourcen herrschte.

Pferde, deren Bedürfnisse im Alltag zu wenig Beachtung fanden, weil Liegeflächen nicht eingestreut waren oder Rückzugsmöglichkeiten fehlten.

Damals versuchte ich nicht, die Pferde zu verändern. Ich begann zu fragen, was sie eigentlich brauchten.

Rückblickend war das vielleicht die wichtigste Lektion, die meine Pferde mir beigebracht haben.

Viele Menschen beginnen erst dann nach Ursachen zu suchen, wenn ein Pferd auffällig wird. Wenn es sich nicht verladen lässt, beim Reiten Probleme macht oder im Umgang schwierig erscheint.

Doch Pferde müssen nicht erst auffällig werden, um zu zeigen, dass etwas nicht stimmt.

Manchmal zeigen sie es durch Müdigkeit.

Manchmal durch ständigen Hunger.

Manchmal durch innere Unruhe.

Und manchmal zeigen sie es gar nicht deutlich genug, damit wir es sofort erkennen.

Je mehr ich beobachtete, desto klarer wurde mir, dass viele Schwierigkeiten ihre Ursache nicht im Pferd hatten.

Nicht das Pferd war das Problem.

Die Umstände waren es.

Ein Pferd, das nie ausreichend schlafen kann, wird nicht deshalb müde, weil es ein schwieriges Pferd ist.

Ein Pferd, das ständig nach Futter sucht, tut das nicht, um seinen Menschen zu ärgern.

Ein Pferd, das unter Stress steht, reagiert nicht aus Bosheit.

Es versucht lediglich, mit seiner Situation zurechtzukommen.

Diese Erkenntnis hat meinen Blick auf Pferde grundlegend verändert.

Ich begann, weniger auf das Verhalten zu schauen und mehr auf die Ursachen.

Was erlebt dieses Pferd jeden Tag?

Hat es genügend Ruhe?

Genügend Futter?

Genügend Sicherheit?

Kann es seinen natürlichen Bedürfnissen nachkommen?

Heute glaube ich, dass viele Probleme gar nicht erst entstehen würden, wenn wir diese Fragen häufiger stellen würden.

Pferde lehren uns etwas, das in unserer schnelllebigen Welt leicht verloren geht:

Bevor wir etwas verändern wollen, sollten wir versuchen, es zu verstehen.

Denn Verhalten hat Ursachen.

Und wenn wir beginnen, nach diesen Ursachen zu suchen, profitieren am Ende vor allem die Pferde davon.

Pferde brauchen keine perfekten Menschen, sondern Menschen, die bereit sind hinzuschauen und zu verstehen. Wenn du dir auf diesem Weg Unterstützung wünschst, begleite ich dich gerne – 
vor Ort oder auch online, schicke mir eine Nachricht. 
Die Erfahrungen anderer Pferdehalter mit meiner Arbeit findest du in meinen Bewertungen.

Lisa Peters: pferd.24-hs.de

Montag, 24. Februar 2025

So gewinnst du das Vertrauen deines Pferdes




Das Vertrauen deines Pferdes lässt sich nicht einfach über Nacht aufbauen. Es gibt keinen „Knopf“, den du drücken kannst, um sofortige Ergebnisse zu erzielen. Ich wäre die Erste, die dir diesen geheimen Trick verraten würde, denn dann ginge es vielen Pferden und ihren Menschen viel besser.

Das Vertrauen deines Pferdes kann man mit vielen kleinen Elementen festigen. Viele dieser Elemente hast du wahrscheinlich bereits – bewusst oder unbewusst – angewendet. Es ist nicht notwendig, alles richtig zu machen, bevor du das Vertrauen deines Pferdes erlangst. Noch wichtiger ist, dass es ganz einfach ist, das ein oder andere Element (also die Ideen, die du hier findest) in deinen Alltag mit dem Pferd zu integrieren.

Letztendlich ist alles eine Frage des Gefühls, was du bereit bist, deinem Pferd entgegen zu bringen! Wenn du dir regelmäßig ins Gedächtnis rufst, dass dein Pferd ein Lebewesen mit individuellen Bedürfnissen, Ängsten und einer besonderen Persönlichkeit ist, wird es dir einfacher fallen, die Bedingungen so zu schaffen, dass dein Pferd dir Vertrauen entgegenbringt. Wenn du die Zeit mit deinem Pferd schätzt und den Fokus auf euer gemeinsames Wachstum legst – anstatt nur auf das Erreichen von Zielen – und dir dabei Zeit lässt, werden die gemeinsamen Stunden umso schöner sein!

Um das Vertrauen deines Pferdes zu gewinnen, ist es wichtig, dass du versuchst, es wirklich kennenzulernen. Achte darauf, was es ausmacht, was ihm Freude bereitet. Finde heraus, was dein Pferd braucht, wo es sich wohlfühlt und wie du ihm helfen kannst. Gleichzeitig solltest du auch darauf achten, was es nicht mag, oder was es verunsichert.

So kannst du eine bereichernde Beziehung aufbauen, die auf Vertrauen und Respekt basiert. Denk daran, dass egoistisches Handeln und das Ignorieren der Bedürfnisse deines Pferdes das Vertrauen schnell gefährden können. Die gute Nachricht ist: Wenn du ein starkes Vertrauensverhältnis zu deinem Pferd aufbaust, wirst du auch seinen Respekt gewinnen – ganz nebenbei!

Auch in einer respektvollen und freundschaftlichen Beziehung zu deinem Pferd muss einer die Führung übernehmen, um das Wohl aller zu gewährleisten. Ein „Chef“ muss das Sagen haben, den Kurs festlegen und sicherstellen, dass alle in Sicherheit sind und gerne folgen. Er muss auch dafür sorgen, dass jeder am richtigen Platz seine Aufgaben erfüllen kann. Fairness, Motivation und ein angenehmes Umfeld sind dabei unerlässlich. Wenn ein Herden-Chef Druck und Ungerechtigkeit ausübt, wird die Herde Abstand halten und nicht gerne folgen. Das führt uns zu Herausforderungen im Umgang mit Pferden.

Es gibt einige Punkte, die darüber entscheiden, ob und wie stark Vertrauen aufgebaut wird. Bitte verstehe mich nicht falsch! Es bedeutet nicht, dass du all diese Dinge perfekt umsetzen musst, um das Vertrauen deines Pferdes zu gewinnen. Es sind lediglich Vorschläge für ein angenehmes Zusammen sein – ein Leitfaden, der dir helfen soll, ein neues Bewusstsein für die Bedürfnisse deines Pferdes zu entwickeln.

Hier sind einige Anregungen:

Um eine vertrauensvolle und respektvolle Beziehung zu deinem Pferd aufzubauen, ist es wichtig, auf seine Bedürfnisse und Gefühle einzugehen. An Tagen, an denen du schlecht gelaunt oder aggressiv bist, solltest du deinem Pferd Ruhe gönnen. Triff Entscheidungen, die im besten Interesse deines Pferdes sind, und vermeide es, es in brenzlige Situationen zu bringen. In unvorhersehbaren oder angsteinflößenden Momenten ist es entscheidend, gelassen zu bleiben und in schwierigen Situationen voranzugehen, auch wenn dein Pferd unruhig ist.

Achte darauf, dass dein Pferd beim Fressen in der Herde genug Ruhe und Futter hat. Halte andere Pferde gegebenenfalls fern, um ihm Sicherheit zu geben. Wenn dein Pferd krank ist, reite es nicht, sondern lass es entspannt an der Hand grasen oder gehe mit ihm spazieren. Erkenne seine Ängste und binde es nicht im cross-tying an. Vermeide alles, was Druck oder Schmerzen verursacht, wie unangemessene Ausbinder, schmerzende Gebisse, schlechte oder fehlende Hufbearbeitung oder nicht passende Sättel.

Sei aufmerksam gegenüber Anzeichen von Überforderung oder Krankheit. Wenn dein Pferd, das normalerweise gerne kommt, eines Tages nicht zu dir kommt, hat das einen Grund – finde ihn heraus. Schere dein Pferd nicht, nur weil es für dich bequemer ist, und reite es nicht, wenn es nass ist. Reite es trocken, wenn es durch das Reiten geschwitzt hat. Verlange nur das, was es momentan versteht und leisten kann, und lobe es in seinem Sinne.

Zwinge dein Pferd nicht in angsteinflößende Situationen und lasse nicht zu, dass andere Menschen ihm schaden. Wenn es in die Klinik muss, bleibe bei ihm, bis es sediert ist, oder besuche es, damit es in Ruhe fressen kann, sollte es dort sein Futter nicht anrühren. Bereite es auf unangenehme Dinge wie Zahnarzt oder Tierarzt vor. Zwinge es nicht „mal schnell“ in den Anhänger, sondern übe dies vorher gut indem du es auf enge Bereiche und andere Untergründe vorbereitest. Achte darauf, dass deine Stute bei einem Decksprung nicht gefesselt wird und lasse sie ihr Fohlen in Ruhe zur Welt bringen.

Respektiere die Bedürfnisse deines Pferdes und zeige ihm, dass deine Berührungen angenehm sind. Achte darauf, dass es sich nicht aus Angst oder Unsicherheit abwendet. Schule dein Auge um zu erkennen, wenn es Schmerzen hat, und stelle sicher, dass es nicht unter Juckreiz leidet, ohne behandelt zu werden, bevor du eine Decke auflegst. Verlange keine Leistungen, die es nicht erbringen kann, und lasse es nicht über unwegsamen Boden laufen, wenn seine Hufe nicht darauf vorbereitet sind.

Biete deinem Pferd so viel Auslauf und Herdenkontakt wie möglich, aber stelle sicher, dass empfindliche, alte oder kranke Tiere nicht in eine stressige Offenstallhaltung gezwungen werden, sondern Rückzugsmöglichkeiten haben. Verbringe Zeit mit deinem Pferd, ohne etwas von ihm zu verlangen und spiele mit ihm. Freue dich über seine Fortschritte und entwickle Zuneigung, auch wenn es noch problematisch ist.

Scheuche dein Pferd nicht im Roundpen, um es zu dominieren, und sei bereit, einen Stallwechsel in Kauf zu nehmen, wenn dies für euch beide entspannender ist. Denke daran, die Gesundheit deines Pferdes zu erhalten, bevor Krankheiten auftreten.

Pferde haben ein feines Gespür dafür, ob wir ehrlich und fürsorglich mit ihnen umgehen und für ihr Wohl besorgt sind. Sie sind erstaunlich geduldig und bereit zu verzeihen, solange wir bereit sind, unsere Fehler zu erkennen und unser Verhalten zu ändern, auch wenn wir aus Unwissenheit nicht von Anfang an die perfekte Leitung unserer kleinen Herde übernehmen können. Lasse dich mit Freude und Zuversicht auf einen Weg ein, der zu einer erfüllten Beziehung mit deinem Pferd führt.

Pferde brauchen keine perfekten Menschen, sondern Menschen, die bereit sind hinzuschauen und zu verstehen. Wenn du dir auf diesem Weg Unterstützung wünschst, begleite ich dich gerne – 
vor Ort oder auch online, ich freue mich über deine Nachricht. 
Die Erfahrungen anderer Pferdehalter mit meiner Arbeit findest du in meinen Bewertungen.


Lisa Peters: pferde.24-hs.de

Montag, 11. September 2023

Das Ding mit der Freiwilligkeit bei Pferden - Was ist die letzte Konsequenz?



Ich habe da einen schönen Artikel gefunden, über den Umgang mit der Freiwilligkeit bei der Zusammenarbeit mit Pferden von Tanja von Salzen-Märkert


Ich möchte gern den Kommentar, den sie am 29. August 2023 auf Facebook geteilt hat hier zittieren, ich kann leider keinen Link dazu setzen. Der Artikel ist toll geschrieben und regt zum Nachdenken an. 

Zitat:

" Seien wir ehrlich!
Das Ding mit der Freiwilligkeit ist für die meisten ein zweischneidiges Schwert...
- früher oder später fordert das Denken der TOTALEN FREIWILLIGKEIT ihren Tribut! Darauf sollte man/frau vorbereitet sein...
Ich komme gerade von einer sympathischen und was Pferde, ihre Versorgung und Haltung betrifft, fachkundigen jungen Frau, die ihr erstes eigenes Pferd ausbildet.
Sie hat es bereits als Fohlen gekauft und zu sich auf den heimischen Paddock geholt.
Dort lebte es in den vergangenen Jahren mit 4 Stunden Weidegang täglich in einer kleinen Gruppe mit 4 sehr gut zueinander passenden Pferden. Die Herde ist sehr harmonisch, es gibt nur ganz selten Auseinandersetzungen. Es herrscht Frieden und es fühlt sich an wie ein Ort, um aufzutanken...BEI DEN PFERDEN...
Es gibt diese 4 Stunden Weidegang pro Tag, daneben Heu/Stroh-Mix ad libitum, täglich ein paar Mineralbricks und das Rundum-Sorglos-Paket aller erdenklicher Fürsorge.
Selbstverständlich hat die junge Frau versucht, alles harmonisch und fair in die Wege zu leiten in puncto Zusammenarbeit. Schliesslich "soll das Reiten später Freude und nicht Zwang sein", so ihre sehr löbliche Denke.
Sie schulte im täglichen Umgang
- Kooperation,
- "eigenständiges" Denken (in dem Rahmen, in dem es
überhaupt etwas zu denken gibt),
- prompte Reaktionen auf Druck und körperliche Ansprache
- sie kann ihr Pferd selbstverständlich überall berühren, ab- und einsprühen, manövrieren,
- sie kann frei aufsitzen während es frisst und oben alle möglichen Bewegungen machen, ohne dass es sich erschreckt oder ängstigt.
- es allein auf einen Transporter verladen, hinein - und nach einer Pause sicher wieder heraus.
All das wurde immer und stets im Alltag gewissenhaft eingebaut, so, wie es sich ergab - und auch nur, wenn es einen Anlass dazu gab und sich die Situation förmlich anbot. Sie wollte ihren geliebten Chat niemals überfordern - das war ihr Versprechen ihm gegenüber. Alles sollte möglichst harmonisch und freiwillig ablaufen. Sie wollte, dass sie Freunde seien... Wahrhaftige Freunde, die die Freude des Lebens miteinander teilen würden...
Nun, in diesem Jahr ist Chat 5jährig und ein ausgewachsener Bursche.
Und es stellt sich heraus: gross ist er geworden!
Körperlich UND in seinem Selbstbewusstsein.
Er ist stark, klar, eindeutig, führt die Herde wie kein zweiter nur mit Mimik und seinem Ohrenspiel... Alle Pferde scheinen ihn zu mögen UND haben gleichzeitig Respekt vor ihm... Er ist muskulös und eine wahrhaftige Erscheinung. An Hormonen scheint es ihm trotz Kastration nicht zu mangeln - ein Hingucker!
Er hat in der Vergangenheit wie einst versprochen erlebt, dass er IMMER mitentscheiden durfte:
- ob er heute einen Sattel ausprobieren möchte, oder nicht.
- Ober JETZT die Hufe geben möchte - oder erst später.
- Ob er diesen Hufschmied möchte - oder einen anderen.
- Ob er sich JETZT an den Aufstieg stellt, so dass seine Halterin aufsteigen kann, oder nicht...
- und wann sie wieder dorthin transportiert wird, um abzusteigen (für gewöhnlich nach 2,5 Runden in der kleinen Halle am Paddock).
Und mit wachsender Erfahrung hat Chat sich jetzt ausgedacht, dass er - wenn er schon die Wahl hat - keine Lust mehr auf das alles hat. Freiwillig nutzt er seinen ihm eröffneten Raum und frei und willig gemäß seiner Tagesverfassung zu entscheiden...
Das hat er nicht nur über die Tierkommunikation mitgeteilt, sondern auch körpersprachlich mit reger Dynamik und deutlichem Ausdruck.
Die neue Frei-Willig-Keit wird jetzt von Chat höchstpersönlich eingefordert:
- Er mag keine Trense mehr anziehen (erst gab es darüber einige Diskussionen, weil mit 4 1/2 nochmal Zähne kamen - jetzt hat er entschieden: Es bleibt dabei - KEINE TRENSE ).
- Dann hat er entschieden, die Herde, in der er seiner Meinung nach so dringend gebraut wird, nicht mehr zu verlassen,
- dann gab er die Hinterhufe nicht mehr ohne grösseren Aufstand,
- nun gibt er gar keine Hufe mehr, ohne zu Schnappen,
- die Halle und das Stellen an den Aufstieg wird teils verweigert - auf freiwilliges an den Aufstieg stellen kann man lange warten - tt er nicht mehr,...
- und in den Anhänger geht er auch nicht mehr, da er sich gar nicht mehr vom Paddock bewegen lässt.
"WIESO das alles, obwohl es NIE eine negative Situation, einen Unfall oder etwas anderes Beeindruckendes gab???", ist die Frage, mit der mich die Halterin anrief.
Die Antwort ist eigentlich ganz einfach: man brachte ihm bei, auf seine Natur zu hören - und das tut er jetzt.
Das ist doch gut - oder nicht?
Darum ist man doch nie konsequent gewesen - um IHN nicht zu beschneiden - oder?!
Was anderes hätte er daraus lernen sollen oder gar können, wenn nicht "die eigene Wahl und Kraft zur Mitentscheidung zu haben"?!
***
Viele meiner Kundinnen stehen an diesem Punkt und befinden sich in einer Sackgasse.
Nimmt man die Scheuklappen von den Augen, zeigt sich, dass diese Sackgasse aus versehen selbst gemacht ist... an wichtigen Schlüsselmomenten nicht weit genug gedacht...
Besonders schlimm ist es für Pferde, die für JEDE eingene Entscheidung auch noch Leckeres verabreicht bekamen... Das hiess nämlich, die eigene Entscheidung hat einen XXL-Wert!
Und das merken sie sich selbstverständlich.
Ist doch gut - oder? Oder wofür sonst kam die Leckerei ???
***
Ich stand selbst dreimal mit eigenen Pferden an dieser Schwelle.
> Den einen hatte ich aus solch einer Freiheitserziehung übernommen, bevor er seiner Besitzerin wohlmöglich noch zu töten versuchte. Nachdem sein freier Wille und demzufolge sein Freiheitsdrang auch bei uns auf dem Hof mit viel Platz nicht in der Form möglich war, wie das, wohin er hineingezogen/erzogen wurde, landete in einer grossen Depression. Die einzige Heilung damals schien: ihn frei zu lassen.
... Er musste eines Tages erlöst werden. Gefangenschaft und Weisungen im Alltag hielt er nicht mehr aus.
> eine weitere Stute konnte das mit dem Reiten für sich nicht mit-(er)-tragen und ist das Bodenarbeitspferd bei einer Freundin gewordener, der es nie in den Sinn kam, sich auf ein solches Pferd zu setzen
> meiner jetzigen Stute steht es frei, geritten zu werden oder nicht. Und sie hat Glück: denn ICH bin jetzt die, die sich die Freiheit nimmt, das nicht mehr zu wollen!
Sie liebt ihre Freiheit sehr und geniesst ihr Leben.
Zu meinem Bedauern reitet sie aber gerne aus. > Wir haben also nach einer leichteren Frau als mich gesucht, um ihr diesen Genuss zu ermöglichen.
Und manchmal, wenn sie zart und betörend, fast etwas aufdringlich genug ist, schafft sie es, MICH zu überzeugen, auf ihren Rücken aufzusteigen. Sie transportiert mich dann, als wäre ich ihr Schatz und passt wunderbar auf, dass ich mir den Rücken nicht erneut wehtue...
Und dann ist es da, das Gefühl vollendeter Zusammenkunft.
Was ich damit sagen will: es gibt diese Pferde, die sich gerne reiten lassen. Oder die, die einen mitnehmen, weil man der Schlüssel für das Öffnen der Pforte in Menschengestalt ist, was wiederum einen Ausflug in die Natur und die Weite bedeutet...
Jedoch entscheiden die meisten Pferde, die ich kenne, sich für
- das Leben mit den Artgenossen,
- das Bleiben in der Herde,
- das Übernehmen einer Position innerhalb der Gruppe, die sie nicht sich selbst überlassen wollen
- die vollkommene Entscheidungsfreiheit
- jederzeitiges Umentscheiden (Was wirklich sehr gefährlich werden kann)
...vor allem, wenn bis dahin ALLES FREI UND WILLIG WAR!
Wer also ein Reitpferd haben möchte, für den ist es unumgänglich, seinem Pferd in Sachen Frustrationstoleranz zu schulen und es somit MENSCHEN-KONTEXT-ALLTAGSTAUGLICH zu erhalten.
Ansonsten hat man nämlich nicht zu einem Partner herausgebildet, sondern für einen dopamin- und erfolgsverwöhnten Junkie, dessen Wohlgefühl abhängig ist von der eigenen Wahl; dem Erfolg. Die Sucht (=Suche nach Erfolg und Depression liegen nah beieinander).
Nimmt man ihm dann die Wahl, kann er nur wütend oder traurig werden.
Einige werden Furien, andere depressiv und krank ->>> es sei denn, ihr habt die Wahl sie freizulassen!
Und ob das dann das ist, was sie sich ersehnten, stelle ich mal arg in Frage - denn : SIE KÖNNEN KEINE VORSTELLUNG DAVON HABEN, WIE SCHWIERIG ES HIER IST, 365 TAGE WILDPFERD ZU SEIN... Darauf sind die meisten von ihnen weder vorbereitet noch reif genug. Auch hatten sie keine Vorbilder...
Fazit: Ich kenne aktuell mehr Pferde, die sich nach Freiheit und Auswilderung sehnen, denn je....
...und unter Umständen hat das mehr mit uns und unserem Gefühl zu tun, gefangen zu sein (in sich selbst, innerhalb der Gesellschaft...), als mit ihrem...
Wenn das die Wahl unserer Pferde ist (und nicht unsere provozierte projektionsorientierte Erziehung von dem, was wir uns selbst für UNS wünschen), dann sollten wir darüber nachdenken, wie das umsetzbar ist: diese
NEUE PFERDEWELT!
P.S. Es gibt übrigens genügend Wildpferdeprojekte, bei denen man Patin eines betreuten, aber halb-wilden Pferdes sein kann. Ich halte das für einen schönen Anfang!!!
Bei allem, was ihr tut oder entscheidet, denkt bitte daran: es geht AUCH UM EUCH! Und es geht um einen praktikablen Weg ...
Ich kenne nur wenige, die glücklich sind, ein Wildpferd zu supporten.
Was für mich grösster Wunsch und Ziel ist, ist noch lange nicht für jede/n ein Vergnügen!!!
Ein Ausschnitt meiner täglichen Arbeit und zum Nachdenken - nicht zum Diskutieren gedacht....
Be. Das Projekt. Bist Du selbst!

Tanja von Salzen-Märkert 

Zitat Ende"

 
Lisa Peters: pferd.24-hs.de

Dienstag, 10. Januar 2023

Eingewöhnung eines neuen Pferdes


Oben ist ein besonders aussagefähiger Videoausschnitt von einer Eingewöhnung zu sehen, es betrifft hier Dobby`s Eingewöhnung.
Hier unten noch ein paar weitere Playlists von verschiedenen Pferden bei der Eingewöhung, sie zeigen auch jeweils nur Ausschnitte des ganzen Prozesses:

Nero (Hengst-Jährling) bei der Eingewöhnung in die Jungsgruppe Nero war schon eine Weile angrenzend bei der Gruppe, aber nur mit der Stute zusammen gestanden, weil die großen Jungs das Fohlen nicht gleich bei sich geduldet hatten. Mit rund 2 Jahren ist er dann größtenteils mit den Jungs zusammen gestanden, hat aber immer wieder mal zu seiner Ziehmama gewechselt. Er wurde mit 18 Monaten kastriert, als er anfing Interesse an der Stute zu zeigen.

So machen wir es konkret, obwohl wir natürlich alle Eigenheiten der jeweiligen Pferde in Betracht ziehen:

Ein neues Pferd ist zu uns an den Stall gekommen.
Dafür wird erstmal ein Bereich abgeteilt, damit sich die Tiere beschnuppern können und sicher abgetrennt sind.

Wenn die ersten Anzeichen da sind, dass sie nicht mehr aufgeregt sind und sich beruhigt haben, dürfen sie sich einzeln unter Aufsicht auf einer größeren freien Fläche kennen lernen. Nachdem alle zusammen bekannt sind, nach und nach dann auch mal alle zusammen auf dem Platz waren, darf der Neuling erstmal allein den Auslauf und Stall besichtigen. 

Dann machen wir es wieder so: jeden Tag mal ein anderes Pferd dazu zum gemeinsamen erkunden. Dann schauen wir, wie sie sich benehmen und lassen sie erst stundenweise unter Aufsicht alle zusammen und später dann tagsüber und nur noch nachts abgetrennt. Sollte nach ein paar Tagen alles ruhig bleiben, dürfen sie auch die Nacht zusammen verbringen. 

Es dauerte bisher von 5 Tagen bis zu 6 Monaten, bis ein Pferd ordentlich integriert war. Das sind zwar Ausnahmen, aber alles ist möglich. Das Pferd, das am Längsten brauchte, war sehr futterneidisch, er konnte sich nicht abfinden damit, der Rangniedrigste zu sein, war futterneidisch und hat immer wieder die anderen Pferde an der Heuraufe gebissen. Selbst den Chef hat er böse gebissen. Der war trotzdem aber immer wieder bereit ihn mit fressen zu lassen. 

Der Unruhestifter hat uns zum Glück irgendwann wieder verlassen.

Lisa Peters: pferd.24-hs.de