Anna Kannegieter – KOSMOS Verlag
Es gibt Bücher, die vermitteln Wissen.
Und es gibt Bücher, die verändern den Blick auf das Pferd.
Für mich gehört „Empower your Horse“ von Anna Kannegieter zur zweiten Kategorie.
Schon der Titel macht neugierig. Das englische Wort empower lässt sich nicht mit einem einzigen deutschen Begriff übersetzen. Es bedeutet unter anderem stärken, befähigen oder jemanden in die Lage versetzen, eigene Entscheidungen zu treffen. Genau dieser Gedanke zieht sich durch das gesamte Buch.
Anna Kannegieter beschreibt einen Umgang mit Pferden, der auf Kommunikation statt Kontrolle basiert. Sie stellt das Mitspracherecht des Pferdes in den Mittelpunkt und zeigt, wie eine vertrauensvolle Zusammenarbeit entstehen kann, wenn Mensch und Pferd einander wirklich wahrnehmen.
Was mich an diesem Ansatz besonders anspricht, ist die Grundhaltung dahinter.
Viel zu häufig wird in der Pferdewelt gefragt:
"Wie bekomme ich mein Pferd dazu?"
Dabei wäre die wichtigere Frage oft:
"Warum reagiert mein Pferd so?"
Diese kleine Veränderung der Fragestellung kann den Umgang mit Pferden grundlegend verändern.
Denn Verhalten entsteht nicht zufällig.
Jedes Pferd handelt aus seiner eigenen Wahrnehmung heraus. Es bringt Erfahrungen mit, empfindet Sicherheit oder Unsicherheit, hat körperliche Voraussetzungen und eigene Bedürfnisse. Wer all das berücksichtigt, beginnt das Pferd nicht mehr als Gegner oder Werkzeug zu sehen, sondern als fühlendes Lebewesen.
Genau diese Sichtweise spiegelt sich auch in diesem Buch wider.
Besonders gefällt mir, dass nicht Leistung oder Perfektion im Vordergrund stehen. Vielmehr geht es darum, eine Beziehung aufzubauen, in der Vertrauen wachsen kann. Kommunikation wird dabei nicht als Technik verstanden, sondern als gegenseitiges Verstehen.
Das entspricht auch meiner eigenen Überzeugung.
Ich glaube nicht, dass nachhaltige Veränderungen durch immer neue Methoden entstehen.
Sie entstehen dann, wenn wir unsere Sicht auf das Pferd verändern.
Wenn wir lernen zuzuhören, bevor wir handeln.
Wenn wir Ursachen suchen, statt nur Symptome zu beseitigen.
Und wenn wir akzeptieren, dass jedes Pferd ein Individuum mit einer eigenen Geschichte ist.
Natürlich ersetzt auch dieses Buch nicht die Erfahrung mit dem eigenen Pferd. Kein Buch kann jede Situation beantworten oder eine persönliche Begleitung ersetzen.
Aber Bücher können etwas sehr Wertvolles bewirken:
Sie können neue Fragen entstehen lassen.
Und manchmal beginnt genau dort eine Entwicklung, die weit über das eigentliche Lesen hinausgeht.
Mein Fazit
Empower your Horse ist ein Buch für Menschen, die mehr suchen als Trainingsmethoden. Es richtet sich an alle, die ihr Pferd besser verstehen möchten und bereit sind, die Beziehung aus einer anderen Perspektive zu betrachten.
Nicht die Kontrolle steht im Mittelpunkt.
Sondern Vertrauen.
Nicht das Funktionieren.
Sondern gegenseitiges Verstehen.
Und genau darin liegt – aus meiner Sicht – der größte Wert dieses Buches.
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Mein Blick auf dieses Buch
Ich stelle auf meinem Blog nur Bücher vor, von denen ich glaube, dass sie Pferden zugutekommen können. Nicht, weil sie schnelle Lösungen versprechen, sondern weil sie Menschen helfen, Pferde besser zu verstehen. Wenn aus diesem Verständnis mehr Vertrauen, mehr Rücksicht und ein fairerer Umgang entstehen, profitieren beide Seiten – zuerst das Pferd und daraus erwächst auch eine tiefere Beziehung zwischen Mensch und Pferd.
Lisa Peters: pferd.24-hs.de