Manche Pferde werden als schwierig bezeichnet. Sie gehen nicht in den Hänger, lassen sich nicht problemlos führen, reagieren stark auf bestimmte Situationen oder scheinen nicht das zu tun, was der Mensch von ihnen erwartet.
Doch was wäre, wenn das Pferd nicht das Problem ist?
Genau dieser Gedanke ist einer der Punkte, die mich an dem Buch „Probleme sind lösbar“ von Bernd Hackl und Kerstin Rester ansprechen.
Denn ein Verhalten entsteht nicht einfach aus dem Nichts. Pferde handeln nicht ohne Grund. Hinter einer Reaktion steckt immer eine Geschichte, eine Erfahrung, ein Bedürfnis oder eine Unsicherheit.
Ein Pferd, das nicht in den Hänger geht, ist nicht automatisch „stur“. Ein Pferd, das beim Führen Schwierigkeiten macht, ist nicht unbedingt respektlos. Oft zeigt es uns etwas – wir müssen nur lernen, zuzuhören.
Vom Problem zur Lösung
Was ich an dem Gedanken des Buches besonders wertvoll finde: Es lenkt den Blick weg vom Kampf gegen ein Verhalten und hin zur Suche nach einer Lösung.
Das ist ein großer Unterschied.
Wenn wir ein Pferd nur dazu bringen wollen, etwas auszuhalten oder zu funktionieren, lösen wir nicht unbedingt die Ursache. Wir verändern vielleicht nur das sichtbare Verhalten.
Eine nachhaltige Veränderung beginnt dort, wo wir verstehen.
Warum reagiert dieses Pferd so?
Was hat es gelernt?
Was braucht es, um sich sicher zu fühlen?
Und welchen Anteil haben wir selbst an der Situation?
Pferde zeigen uns mehr, als wir manchmal wahrhaben möchten
Pferde sind sehr fein in ihrer Wahrnehmung. Sie reagieren auf unsere Körpersprache, unsere Klarheit und unsere innere Haltung.
Das bedeutet nicht, dass jedes Verhalten des Pferdes „richtig“ ist oder dass der Mensch keine Grenzen setzen darf.
Aber es bedeutet, dass wir fair sein sollten.
Ein Pferd, das unsicher ist, braucht keine Strafe für seine Unsicherheit. Es braucht jemanden, der ihm Sicherheit gibt.
Ein Pferd, das nicht verstanden hat, was wir möchten, braucht keine Härte. Es braucht eine verständliche Kommunikation.
Eine Lösung sollte beiden helfen
Für mich ist ein wichtiger Punkt: Eine Lösung ist erst dann wirklich eine Lösung, wenn sie nicht nur für den Menschen funktioniert.
Das Pferd sollte dabei nicht verlieren.
Denn eine gute Beziehung entsteht nicht dadurch, dass einer gewinnt und der andere nachgibt.
Sie entsteht durch Vertrauen, Verlässlichkeit und gegenseitiges Verständnis.
Mein Fazit
„Probleme sind lösbar“ erinnert daran, dass wir unser Pferd nicht als Gegner sehen müssen.
Vielleicht liegt die größte Veränderung manchmal nicht darin, das Pferd zu verändern – sondern darin, unsere Sichtweise zu verändern.
Ein Buch, das dazu einlädt, genauer hinzusehen und sich zu fragen:
Nicht: „Wie bekomme ich dieses Verhalten weg?“
Sondern:
„Was möchte mein Pferd mir gerade zeigen – und wie können wir gemeinsam eine bessere Lösung finden?“
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Mein Blick auf dieses Buch
Ich stelle auf meinem Blog nur Bücher vor, von denen ich glaube, dass sie Pferden zugutekommen können. Nicht, weil sie schnelle Lösungen versprechen, sondern weil sie Menschen helfen, Pferde besser zu verstehen. Wenn aus diesem Verständnis mehr Vertrauen, mehr Rücksicht und ein fairerer Umgang entstehen, profitieren beide Seiten – zuerst das Pferd und daraus erwächst auch eine tiefere Beziehung zwischen Mensch und Pferd.