Wenn mir vor 11 Jahren jemand gesagt hätte, dass ich einmal einen eigenen Offenstall führen würde, hätte ich vermutlich gelächelt und den Kopf geschüttelt.
Eigentlich bin ich nicht aus Begeisterung für Stallmanagement zur Selbstversorgerin geworden. Der Weg begann aus einer Notwendigkeit heraus.
Nach vielen Stallwechseln musste ich immer wieder feststellen, dass meine Pferde zwar untergebracht waren, aber nicht wirklich gut lebten. Zu wenig Platz, zu wenig Futter, zu wenig Einstreu, zu viele Pferde auf engem Raum. Die Folgen waren oft sichtbar: Stress, Unruhe, Futterneid, gesundheitliche Probleme und eine Atmosphäre, die weder den Tieren noch den Menschen guttat.
Irgendwann stellte ich mir die Frage:
Wenn ich ständig Kompromisse eingehen muss – warum versuche ich nicht, eine Lösung zu schaffen, die wirklich zu meinen Pferden passt?
So begann vor elf Jahren das Abenteuer der eigenen Pferdehaltung.
Die ersten Jahre waren alles andere als komfortabel
Mein erster Stall verfügte weder über Strom noch über Wasser. Vieles war improvisiert. Wasser musste organisiert werden, Abläufe mussten erfunden werden und vieles funktionierte erst nach mehreren Anläufen.
Rückblickend war das jedoch eine wertvolle Zeit.
Denn ich lernte etwas, das mich bis heute begleitet:
Jede tägliche Arbeit sollte hinterfragt werden.
Nicht mit dem Ziel, weniger für die Pferde zu tun.
Sondern mit dem Ziel, mehr Zeit für die wichtigen Dinge zu haben.
Immer wenn mich eine Tätigkeit nervte, fragte ich mich:
- Muss das wirklich so sein?
- Kann man das einfacher lösen?
- Was würde den Pferden gleichzeitig nutzen?
Die besten Lösungen waren oft die einfachsten
In elf Jahren habe ich erstaunlich wenig Geld investiert.
Viele Menschen erwarten komplizierte Technik oder teure Stallanlagen.
Die Wahrheit sieht bei mir anders aus:
- ein gutes Heusystem
- ausreichend Platz
- sinnvolle Wege
- eine automatische Tränke
- ein funktionierendes Einstreusystem
- durchdachte Futterplätze
Mehr brauchte es oft nicht.
Manche Verbesserungen kosteten weniger als ein Tierarztbesuch und sparten über Jahre hinweg täglich Zeit.
Mehr Platz bedeutet manchmal weniger Arbeit
Eine Erkenntnis hat mich besonders überrascht.
Viele Menschen glauben, dass größere Flächen automatisch mehr Arbeit bedeuten.
Meine Erfahrung ist häufig genau umgekehrt.
Wenn Pferde ausreichend Platz haben:
- verteilen sie sich besser,
- entstehen weniger Konflikte,
- bleibt vieles länger sauber,
- müssen nicht ständig kleine Probleme gelöst werden.
Nicht die Größe einer Fläche entscheidet über den Arbeitsaufwand, sondern ihre Nutzung.
Mein wichtigstes Ziel heute
Nach elf Jahren ist mein Ziel nicht mehr, einen perfekten Stall zu schaffen.
Mein Ziel ist ein Haltungssystem, das auch an schlechten Tagen funktioniert.
Es gibt Tage, an denen man krank ist.
Tage, an denen die Familie wichtiger ist.
Tage, an denen einfach die Kraft fehlt.
Ein gutes System erkennt man meiner Meinung nach daran, dass die Pferde trotzdem bestens versorgt sind.
Nicht weil man jeden Tag Höchstleistungen erbringt.
Sondern weil man die Abläufe so gestaltet hat, dass sie dauerhaft tragfähig sind.
Was geblieben ist
Viele Ideen kamen und gingen.
Einige Dinge haben sich über elf Jahre bewährt.
Immer wieder komme ich auf dieselben Grundsätze zurück:
- ausreichend Futter
- ausreichend Platz
- soziale Kontakte
- trockene Liegeflächen
- einfache Abläufe
- möglichst wenig unnötige Arbeit
Vielleicht klingt das unspektakulär.
Aber genau diese einfachen Dinge haben das Leben meiner Pferde und mein eigenes Leben am stärksten verbessert.
In den nächsten Artikeln möchte ich einige dieser Erfahrungen genauer vorstellen.
Vielleicht helfen sie dem einen oder anderen Pferdehalter dabei, den eigenen Stallalltag etwas einfacher zu gestalten.
Denn manchmal sind es gerade die kleinen Veränderungen, die langfristig den größten Unterschied machen.
Lisa Peters: pferd.24-hs.de
