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Montag, 14. September 2026

Pferde verstehen – Bücher, Menschen und weiterführende Informationen


Chester frei neben mir – und doch liegen zwischen diesen beiden Bildern Welten.
Auf dem ersten Bild ist seine Unruhe deutlich zu erkennen. Auf dem zweiten ist er nach einer klaren, für ihn verständlichen Kommunikation sichtbar entspannt. Für mich zeigt sich darin sehr schön, was sich durch das Verständnis für das Pferd verändern kann.

Auf meinem Weg mit Pferden habe ich sehr viele Menschen, Bücher, Filme und unterschiedliche Ansätze kennengelernt.

Manches hat mich nur für eine gewisse Zeit begleitet. Manches hat meine Sicht auf Pferde nachhaltig verändert. Und manches habe ich zunächst auf eine bestimmte Weise verstanden und sehe es heute, mit meinen Erfahrungen, etwas anders.

Ich glaube deshalb nicht, dass man irgendwann eine Methode gefunden hat und damit alles weiß.

Für mich gehört zum Verständnis von Pferden auch, neugierig zu bleiben, zu beobachten, Fragen zu stellen und immer wieder zu überprüfen, ob das, was wir tun, tatsächlich zu dem Pferd vor uns passt.

Die folgenden Empfehlungen sind deshalb keine Sammlung von „richtigen“ und „falschen“ Methoden. Es sind Menschen und Quellen, die mich auf meinem Weg begleitet, mir wichtige Impulse gegeben oder meinen Blick auf Pferde erweitert haben.

Vielleicht ist auch für dich etwas dabei, das dich weiterführt.

Gertrud Pysall – Das Geheimnis der Pferdesprache

Eine der wichtigsten Grundlagen meiner eigenen Arbeit ist für mich die Beschäftigung mit der Pferdesprache.

Besonders geprägt hat mich dabei Gertrud Pysall mit ihrem Buch „Das Geheimnis der Pferdesprache“. 

Für mich liegt die große Bedeutung ihrer Arbeit darin, dass sie den Blick darauf lenkt, was das Pferd eigentlich mitteilt. Nicht nur: Was soll das Pferd tun? Sondern: Was sagt mir sein Verhalten? Was versucht es mir zu zeigen?

Vieles von dem, was ich heute unter Pferdekommunikation verstehe, hat hier einen wichtigen Ausgangspunkt.

Gerade deshalb möchte ich dieses Buch jedem empfehlen, der beginnen möchte, Pferde nicht nur zu beobachten, sondern ihre Kommunikation wirklich verstehen zu lernen.

K. F. Hempfling – ein wichtiger Teil meines Weges

K. F. Hempfling hat mir auf meinem Weg mit Pferden sehr viel gegeben.

Seine Beschäftigung mit der Körpersprache des Menschen, mit der Wirkung unserer Haltung und Bewegung und mit der Beziehung zwischen Mensch und Pferd hat meinen Blick auf Pferde wesentlich geprägt.

Vieles von dem, was ich damals gelernt habe, begleitet mich bis heute.

Für mich war dabei besonders wichtig zu verstehen, dass Kommunikation nicht erst dann beginnt, wenn wir bewusst ein bestimmtes Signal geben. Wir kommunizieren mit unserem ganzen Körper – durch unsere Haltung, unsere Bewegung, unsere innere Ausrichtung und durch die Art, wie wir uns dem Pferd gegenüber verhalten.

Diese Erkenntnis hat meinen eigenen Umgang mit Pferden nachhaltig beeinflusst.

K. F. Hempfling gehört deshalb eindeutig zu den Menschen, die meinen Weg geprägt haben.

H.-J. Neuhauser – Körpersprache wirklich lesen lernen

Auch H.-J. Neuhauser hat mir sehr viel gegeben.

Von ihm habe ich vor allem besonders viel über die eigene Körpersprache gelernt und wie das Pferd darauf reagiert. Dabei ging es für mich nicht nur darum, einzelne Zeichen zu erkennen, sondern darum, genauer hinzusehen.

Gerade diese genaue Beobachtung ist für meine heutige Arbeit sehr wichtig.

Denn ein Pferd und auch der Mensch kommuniziert nicht nur mit einem einzelnen Zeichen. Sein Körper erzählt ständig etwas – und oft liegt die eigentliche Information gerade in den kleinen Veränderungen.

Die Beschäftigung mit seiner Arbeit hat mir geholfen, die Körpersprache genauer wahrzunehmen und bewusster darauf zu achten, was zwischen Mensch und Pferd tatsächlich geschieht.

Timo Ameruoso – Pferdepsychologie und ein Stück Weg weiter mit Chester

Timo Ameruoso ist Pferdepsychologe. Mit seiner Arbeit und seiner Methode habe ich mich intensiv beschäftigt – besonders das autodynamische Reflexionsprinzip® und der damit verbundene Mehrwert für das Pferd hat für mich eine ganz besondere Bedeutung bekommen. 

Seine Methode hat mir letztendlich den Zugang zu Chester viel tiefer eröffnet.

Das Interessante daran ist: Es war für mich gar nicht etwas völlig Neues. Vieles von dem, was ich bei Chester mit der Arbeit von Gertrud Pysall bereits erreicht hatte, ging in eine ähnliche Richtung. Ich hatte damals gelernt, Chester besser zu verstehen und konnte dadurch einen Zugang zu ihm finden.

Irgendwann dachte ich jedoch, wenn etwas einmal geklärt und „gerichtet“ ist, müsste es auch dauerhaft so bleiben. Ich habe deshalb manches nicht weiter verfolgt und unterschätzt, wie viel bei Chester noch verborgen war.

Durch die Arbeit mit der Methode von Timo Ameruoso konnte ich dort wieder anknüpfen. Sie gibt mir einen systematischen Weg an die Hand, mit Chester an den Dingen weiterzuarbeiten, die noch in ihm stecken – und dabei genau das aufzugreifen, was bei ihm schon immer funktioniert hat.

Für mich ist das eine wichtige Verbindung:

Gertrud Pysall hat mir geholfen, besser zu verstehen, was das Pferd sagt und wie ich mit ihm in seiner Sprache kommunizieren kann.
Timo Ameruoso hat mir einen systematischen Weg gegeben, mit diesem Verständnis weiterzuarbeiten und dem Pferd zu helfen, sich selbst von tief verborgenen, belastenden Ereignissen zu lösen. 

Deshalb ist die Arbeit von Timo Ameruoso für mich eine ganz klare Empfehlung.

Tristan Tucker – TRT Method

Die TRT Method von Tristan Tucker beschäftigt sich damit, warum Pferde in bestimmten Situationen reagieren und wie man ihnen helfen kann, damit besser umzugehen.

Ein wesentlicher Gedanke dabei ist, das Pferd nicht einfach dazu zu bringen, ein unerwünschtes Verhalten abzustellen, sondern ihm zu helfen, sich in den verschiedensten Situationen selbst zu regulieren und dadurch mit schwierigen Situationen zunehmend besser zurechtzukommen.

Dieser Gedanke gefällt mir sehr.

Denn auch hier geht es nicht nur darum, ein sichtbares Verhalten zu verändern. Es geht darum, das Pferd hinter diesem Verhalten zu sehen.

Sylvia Czarnecki – Lernen und positive Verstärkung

Mit der Arbeit von Sylvia Czarnecki habe ich vieles entdeckt, was mir gefällt.

Besonders die Beschäftigung mit dem Lernen der Pferde, mit positiver Verstärkung und damit, wie Pferde Zusammenhänge lernen, fand ich interessant.

Gleichzeitig habe ich mit ihren Ansätzen bei meinen eigenen Pferden unterschiedliche Erfahrungen gemacht.

Bei Tafi konnte ich beispielsweise mit einem Belohnungston arbeiten. Sie wusste, dass auf diesen Ton ein Stück Futter folgte, und ich konnte damit bestimmte Dinge aufbauen, ohne dass sie dabei für mich sichtbar gestresst wirkte.

Bei Chester war das ganz anders. Auf die Aussicht auf eine Belohnung reagierte er eher mit Stress. Damals konnte ich mir das nicht wirklich erklären.

Durch die Beschäftigung mit der Pferdepsychologie bei Timo Ameruoso habe ich später eine Erklärung dafür gefunden, die ich bei Chester sehr gut nachvollziehen kann: Wenn Futter vom Menschen zugeteilt wird, kann beim Pferd eine Art Gefühl von Futterverknappung entstehen. Es weiß nicht, wann und wo die nächste Ressource kommt, und kann dadurch in eine Erwartungshaltung und Anspannung geraten.

Das passt für mich auch zu dem, was wir über die natürliche Lebensweise von Pferden wissen. In einer natürlichen Herde wird Futter nicht von einem Menschen portioniert und nach einem bestimmten Verhalten zugeteilt. Pferde verbringen normalerweise einen großen Teil ihrer Zeit mit der Suche und Aufnahme von Nahrung.

Bei Tafi habe ich diese Zusammenhänge damals noch nicht gesehen. Ich kann deshalb heute nicht sagen, ob sie tatsächlich völlig entspannt war oder ob ich bestimmte Stresssignale einfach noch nicht erkannt habe. Die Stressmarker, auf die ich später durch Ameruoso aufmerksam wurde, kannte ich zu dieser Zeit noch gar nicht.

Deshalb würde ich das Clickertraining heute anders einsetzen als damals.

Einige Elemente aus der Arbeit von Sylvia Czarnecki finde ich weiterhin sehr interessant und hilfreich. Mit Futter als Belohnung würde ich persönlich heute allerdings nicht mehr arbeiten.

Ihre Arbeit hat mir trotzdem wichtige Impulse gegeben und meinen Blick auf Lernprozesse beim Pferd erweitert.

Trust Technique

Die Trust Technique beschäftigt sich mit Ruhe, Vertrauen und auch dem Umgang mit Stress beim Pferd.

DIE TRUST-METHODE: Der achtsame Ansatz, der Menschen genauso hilft wie dem Tier. Angst in Vertrauen verwandeln, Distanz in Kommunikation und Training in eine wunderbare Zusammenarbeit verwandeln.

Ich finde diesen Ansatz sehr wertvoll, weil er einen Gedanken in den Mittelpunkt stellt, der für mich ebenfalls eine große Bedeutung hat:

Ein Pferd muss nicht einfach funktionieren. Es darf lernen, sich sicher zu fühlen und mit Situationen besser umzugehen.

Ruhe ist dabei nicht einfach das Fehlen von Bewegung. Sie entsteht aus einem Gefühl von Sicherheit und Vertrauen.

Die Kurse sind in englischer Sprache angeboten, die meisten davon sind aber mit deutschen Untertiteln versehen.

Chi Horsing – ein Ansatz, der mich weiterhin interessiert

Auch Chi Horsing finde ich nach wie vor interessant.

Die Beschäftigung mit feiner Kommunikation, Körperwahrnehmung und der Wirkung unserer eigenen Bewegung auf das Pferd spricht einen Bereich an, der für mich bis heute wichtig ist.

Mich interessiert dabei besonders die Frage, wie wenig wir manchmal tatsächlich tun müssen, wenn wir lernen, unsere eigene Körpersprache bewusster einzusetzen und die Reaktionen des Pferdes genau wahrzunehmen.

Für mich ist Chi Horsing deshalb weniger etwas, das man einfach als Methode übernehmen muss. Es ist vielmehr ein Ansatz, der dazu anregen kann, die eigene Wahrnehmung zu verfeinern und sich mit der Kommunikation zwischen Mensch und Pferd auseinanderzusetzen.

Gerd Heuschmann – Biomechanik des Pferdes

Wer sich intensiver mit der körperlichen Seite des Pferdes beschäftigen möchte, findet bei Dr. med. vet. Gerd Heuschmann interessante Informationen rund um Biomechanik und die Auswirkungen unseres Umgangs mit dem Pferd.

Für mich gehört auch dieses Wissen zum Verständnis eines Pferdes.

Denn Verhalten lässt sich nicht immer von seinem Körper trennen.

Wenn ein Pferd sich anders bewegt, sich einer Bewegung entzieht oder bestimmte Dinge nicht tun möchte, lohnt es sich deshalb immer auch, die körperliche Seite mitzudenken.

DIfHO und Hufbearbeitung

Mit Hufbearbeitung, Naturhuf und Huforthopädie habe ich mich ebenfalls intensiv beschäftigt.

Dabei bin ich unter anderem auf das DIfHO und auf HGM Trimming gestoßen.

Gerade HGM Trimming möchte ich hier nicht einfach unerwähnt lassen, denn ich habe selbst gute Erfahrungen für Fjölvi damit gemacht. Bei Tafi war es eher die DIIfHO Orthopädie.

Die ursprünglichen Seiten, über die ich mich damals informiert habe, sind heute allerdings nicht mehr so leicht auffindbar. Deshalb möchte ich hier lieber keinen beliebigen oder kritischen Beitrag verlinken und ihn damit als offizielle Informationsquelle darstellen.

Dai-Shodan

Auch die Arbeit von Dai-Shodan zum Thema Pferdetraining, Schrittbewegung, Muskulatur, Stoffwechsel und Haltung finde ich interessant.

Gerade die Verbindung zwischen Bewegung, körperlichen Voraussetzungen und Haltung ist ein Bereich, in dem es sich lohnt, genauer hinzusehen.

Für mich gehört auch das zu einem umfassenderen Verständnis des Pferdes: Nicht nur seine Kommunikation und sein Verhalten sind wichtig, sondern auch die körperlichen Voraussetzungen, unter denen dieses Verhalten entsteht.

EquiVetInfo

Für Informationen zu Erkrankungen und verschiedenen gesundheitlichen Themen rund ums Pferd habe ich mich auch mit EquiVetInfo beschäftigt.

Ich finde es wichtig, sich auch mit der gesundheitlichen Seite des Pferdes auseinanderzusetzen. Denn wenn wir das Verhalten eines Pferdes verstehen wollen, dürfen wir seinen körperlichen Zustand nicht ausklammern.

Solche Quellen ersetzen natürlich keine tierärztliche Untersuchung. Sie können aber dabei helfen, sich Wissen anzueignen, Zusammenhänge zu erkennen und bei bestimmten Fragen überhaupt erst die richtigen Fragen zu stellen.

Filme und besondere Beispiele

Neben Büchern und Trainern haben mich auch Filme und einzelne Videos begleitet.

Ein Beispiel ist der Dokumentarfilm auf youtube.de „Der Weg des Pferdes“. Er beschäftigt sich mit der Beziehung zwischen Mensch und Pferd und kann einen ganz anderen Blick darauf eröffnen, was zwischen Mensch und Pferd möglich sein kann.

Manchmal reicht es schon, etwas zu sehen und sich zu fragen:

Was sehe ich hier eigentlich?
Was macht dieses Pferd?
Wie wirkt der Mensch auf mich?
Und warum funktioniert diese Verbindung möglicherweise?

Genau solche Fragen können den eigenen Blick verändern.

Und dann gibt es noch meine eigenen Erfahrungen

Alles, was ich gelesen, gesehen und gelernt habe, ist natürlich nur ein Teil meines Weges.

Das andere sind die Pferde selbst.

Tafi, Chester, Fjölvi und Nero waren für mich auf ihre ganz eigene Weise Lehrmeister.

Sie haben mir immer wieder gezeigt, dass Wissen allein nicht genügt.

Man kann sehr viel über Pferde wissen und trotzdem einen Moment übersehen, in dem das eigene Pferd gerade etwas anderes erzählt.

Deshalb ist für mich das Beobachten so wichtig geworden.

Nicht nur:

„Wie bekomme ich dieses Verhalten weg?“

Sondern:

„Warum macht mein Pferd das gerade?“

Und noch wichtiger:

„Was verändert sich, wenn ich selbst etwas verändere?“

Vielleicht ist genau das der Punkt, an dem aus Wissen langsam Verstehen wird.

Wenn du weiter in dieses Thema eintauchen möchtest

Wenn du sehen möchtest, wie solche Gedanken nicht nur in Büchern und Methoden vorkommen, sondern mitten im Alltag mit Pferden, möchte ich dir noch eine Geschichte aus meinem eigenen Blog ans Herz legen.

In „Wenn Pferde sich entschuldigen – eine Lektion von Fjölvi, Chester und Nero“ erzähle ich von Situationen, in denen ich beobachten durfte, wie Pferde miteinander umgehen, Konflikte lösen und wieder Verbindung aufnehmen.

Gerade solche Erlebnisse haben meinen Blick auf Pferde immer wieder verändert.

Denn manchmal müssen wir Menschen nicht lehren.

Manchmal sind wir diejenigen, die lernen dürfen.


Transparenzhinweis: Der Link zum Buch von

Gertrud Pysall – Das Geheimnis der Pferdesprache

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Lisa Peters: pferd.24-hs.de

Donnerstag, 9. Juli 2026

Wenn Pferde sich entschuldigen – eine Lektion von Fjölvi, Chester und Nero




Momente, in denen man für einen Augenblick einen Einblick in eine Welt bekommt, die uns Menschen oft verborgen bleibt. Auch wenn ich diese Geschichten schon einmal erzählt habe, möchte ich das gerne noch einmal aufgreifen unter einem anderen Blickwinkel.

Manchmal wünsche ich mir, ich hätte in genau diesen Augenblicken eine Kamera in der Hand. Aber meistens ist es anders: Man steht einfach nur da, tief berührt von dem, was man gerade sieht.

So ging es mir mit Fjölvi und Chester.

Zwei junge Pferde, die Freunde fürs Leben wurden

Chester bekam damals einen Kumpel.

Er war erst vier oder fünf Jahre alt und musste nicht länger nur mit der alten Stute zusammenstehen. Er war voller Energie, verspielt und brauchte einen Freund, der mit ihm herumtoben konnte.

Fjölvi war erst seit knapp drei Monaten bei uns.

Von Anfang an waren die beiden unzertrennlich.

Sie standen zusammen, ruhten zusammen, lagen zusammen, fraßen zusammen, tranken zusammen, gingen gemeinsam zum Äppeln und natürlich spielten sie zusammen. Wenn einer ging, rief der andere ihm hinterher.

Es sah aus, als hätten sich zwei gefunden.

Und wenn sie auf dem Platz toben durften, dann waren sie besonders ausgelassen. Pferdespiel ist nicht immer sanft und vorsichtig, wie wir Menschen es vielleicht erwarten würden. Es ist wild, kraftvoll und manchmal ziemlich deftig.

Aber es ist auch Kommunikation.

Ein Unfall und ein außergewöhnliches Ritual

Eines Tages passierte es.

Fjölvi traf Chester nahe am Auge. Ob mit einem Biss oder einem Schlag, hatte ich nicht gesehen.

Chester quietschte auf und sprang buckelnd davon.

Nicht unbedingt vor Schmerz – sondern wohl eher aus Empörung darüber, dass Fjölvi sich so etwas erlaubt hatte.

Pferde sind Beutetiere. Die Natur hat ihnen nicht gegeben, vor Schmerz laut zu schreien und damit Raubtiere anzulocken. Wer das bezweifelt, sollte bedenken, dass selbst schwere Verletzungen wie ein gebrochenes Bein oder eine Kolik nicht automatisch zu einem Schmerzlaut führen.

Chester war also nicht „jammernd“ davongelaufen.

Er war beleidigt.

Und das kannte ich von ihm. Wenn Fjölvi einmal die Oberhand hatte, obwohl Chester als Chef der Herde eigentlich der Stärkere und Erfahrenere war, dann konnte Chester schon einmal quietschend und buckelnd davon stürmen.

Zufällig sah ich später, dass Chester tatsächlich eine kleine Verletzung hatte: eine winzige Hautabschürfung unterhalb des Auges. Nicht einmal Blut lief.

Ich hätte die Stelle behandeln können, aber es gab nichts, was behandelt werden musste.

Dann sah ich Fjölvi.

Er stand in der Mitte des Platzes.

Und plötzlich ging Chester langsam auf ihn zu.

Diesmal wich Fjölvi nicht zurück. Er begrüßte Chester sogar mit einem Hufscharren.

Chester blieb vor ihm stehen.

Und dann begann etwas, das ich vorher noch nie gesehen hatte.

Die Sprache der Pferde

Die beiden gähnten sich gegenseitig an.

Immer wieder.

Sie leckten sich über die Lippen, beschnupperten ihre Nasen.

Dann begann Fjölvi, Chester ganz vorsichtig mit seinen Nüstern zu berühren.

Chester erwiderte diese sanften Berührungen.

Und dann geschah etwas, das mich tief berührte:

Fjölvi begann, Chesters Wunde zu lecken.

Immer wieder leckte er über sein Gesicht.

Ich weiß nicht mehr, wie lange ich schon zugeschaut hatte. Ich stand einfach nur da und beobachtete diese beiden jungen Pferde.

Natürlich hatte ich in diesem Moment keine Kamera bereit.

Oder besser gesagt: Man denkt in solchen Augenblicken gar nicht daran.

Aber dann fiel mir ein, dass ich mein Handy dabei hatte.

Der intensivste Moment des Leckens war zwar schon vorbei, aber ihr gegenseitiges liebevolles Beknabbern dauerte noch an.

Und genau das sieht man auch im Youtubevideo, den Link dazu habe ich eingefügt:

Wer die beiden kennt, weiß, dass dieses Spiel normalerweise viel wilder aussieht.

Aber diesmal war etwas anders.

Es war, als würden sie sich gegenseitig versichern:

„Ich wollte dir nicht weh tun.“

„Ich weiß.“

„Wir sind trotzdem Freunde.“

Tiere haben eine Seele voller Zwischentöne

Wir Menschen müssen Tieren ein vielschichtiges Gefühlsleben zugestehen.

Nicht, indem wir ihnen menschliche Gedanken überstülpen.

Sondern indem wir anerkennen, dass sie Beziehungen leben, Gefühle zeigen und soziale Bindungen pflegen – auf ihre eigene Art.

Pferde können nicht mit Worten sagen, dass etwas ein Versehen war.

Aber sie haben andere Möglichkeiten.

Sie können Nähe suchen.

Sie können beruhigen.

Sie können wieder Verbindung herstellen.

Und manchmal können sie uns zeigen, wie wenig nachtragend und wie ehrlich Beziehungen sein können.

Einige Jahre später: Nero

Einige Jahre später kam Nero zu uns.

Er kam mit sechs Monaten direkt vom Schlachter in unsere kleine Herde.

Ein großes Schlitzohr.

Später wurde aus ihm ein 3,5-jähriger Noriker – ein beeindruckendes Pferd, groß, kräftig und schwer.

Aber gleichzeitig unglaublich klug, liebevoll und sensibel.

Auch Nero zeigte mir, wie fein die Kommunikation der Pferde ist.

Nach Tagen mit viel Regen waren die Böden aufgeweicht. Die Pferde standen aus verschiedenen Gründen jeweils zu zweit in großzügigen Unterständen mit Paddock und konnten den großen Trail und die Weiden gerade nicht gemeinsam nutzen.

Eines Tages passierte es:

Beim Abäppeln blieb die Gittertür zu Neros Auslauf nur angelehnt.

Nero bemerkte das sofort.

Er schob sie auf und marschierte direkt zum Eingang des Trails.

Dort wartete er.

Natürlich hatten Chester und Fjölvi nebenan längst bemerkt, was los war, und standen ebenfalls am Tor.

Ich konnte es nicht übers Herz bringen, sie alle wieder zurück zu schicken.

Nach den vielen Regentagen auf dem kleineren Paddock wollte ich ihnen die Freude gönnen.

Also öffnete ich das Tor.

Und dann explodierte die aufgestaute Energie.

Chester und Fjölvi galoppierten los. Den ganzen Trail entlang, auf die Weiden, wieder zurück, hin und her.

Sie hörten gar nicht mehr auf, sich zu freuen.

Und Nero?

Nero machte Bocksprünge, galoppierte hin und her und buckelte voller Lebensfreude.

Seine Ziehmama Tafi wurde natürlich ebenfalls angesteckt.

Zum Glück hielt der Boden und keines der Pferde rutschte aus.

Eine kleine Lektion von einem großen Pferd

Irgendwann wollte ich Ruhe hineinbringen.

Ich holte die Futterschüsseln – denn bei der kleinen Portion Mineralfutter werden schließlich alle wieder ganz vernünftig.

Als ich quer durch den Auslauf laufen wollte, kam Nero plötzlich um die Ecke galoppiert.

Ich sprang zur Seite.

Er drehte um und wollte wieder loslaufen.

Als er an mir vorbeikam, hob er sein Bein in meine Richtung.

Eine Drohung.

Ich weiß, dass Nero und jedes andere Pferd sehr genau treffen könnten, wenn sie es wirklich wollten.

Aber in diesem Moment machte es mich wütend.

Ich war selbst angespannt. Ich wollte die Situation kontrollieren und Ruhe schaffen – und natürlich hilft eigene Aufregung dabei nicht gerade.

Nachdem alle wieder zufrieden fraßen und alle Tore geschlossen waren, blieb ich trotzdem innerlich angespannt.

Ich lehnte mich an den Zaun und dachte darüber nach.

War das wirklich ernst gemeint gewesen?

Oder hatte Nero mein Herumspringen vielleicht als Spielaufforderung verstanden?

Denn Pferde unterscheiden sehr genau zwischen Ernst und Spiel. Und er hätte mich treffen können, wenn er wirklich gewollt hätte.

Während ich noch darüber nachdachte, kam dieses große Pferd plötzlich zu mir.

Meine Wuchtbrumme.

Mein kleines Mammutbaby.

Er gähnte mich an.

Und dann leckte er mir die Hände.

Ich kenne dieses Verhalten aus der Pferdeherde.

Wenn ein Pferd ein anderes versehentlich getroffen hat, wenn eine Situation zu heftig geworden ist, dann gehen sie oft wieder aufeinander zu. Sie gähnen, lecken, suchen Kontakt. Genau wie Fjölvi und Chester ein paar Jahre zuvor.

Eine Botschaft ohne Worte:

„Es war nicht böse gemeint.“

„Wir sind wieder gut.“

Und in diesem Moment löste sich meine ganze Wut auf.

Nero erinnerte mich daran, dass auch wir Menschen manchmal einen Moment brauchen, um wieder zuzuhören.

Eine Herde ist mehr als eine Gruppe von Pferden

Je länger ich Pferde beobachte, desto mehr habe ich den Eindruck, dass wir ihre sozialen Beziehungen oft unterschätzen.

Eine Herde ist für mich weit mehr als eine Ansammlung einzelner Pferde.

Sie ist ein soziales Gefüge.

Jedes Pferd ist ein Individuum.

Jedes übernimmt seine Rolle.

Es gibt enge Freundschaften, gegenseitige Rücksichtnahme, kleine Konflikte, gemeinsames Spiel und immer wieder Momente, in denen Beziehungen gefestigt werden.

Das bedeutet nicht, dass in einer Herde ständig Harmonie herrscht.

Im Gegenteil.

Gerade weil Spannungen ganz normal sind, braucht es offenbar auch Möglichkeiten, sie wieder aufzulösen.

Vielleicht gehören genau solche kleinen Gesten dazu.


Was wir heute oft nicht mehr sehen

Vielleicht beschäftigt mich dieses Thema auch deshalb so sehr, weil viele unserer Hauspferde gar nicht mehr die Möglichkeit haben, über Jahre in stabilen sozialen Gruppen zu leben.

Beziehungen entstehen dort unter ganz anderen Bedingungen.

Gruppen werden verändert.

Pferde werden getrennt.

Manche verbringen einen großen Teil ihres Lebens allein in einer Box und haben nur begrenzten Kontakt zu Artgenossen.

Umso wertvoller erscheinen mir die Momente, in denen wir Pferde in einem gewachsenen Herdenverband beobachten können.

Dort zeigen sie uns oft Dinge, die wir kaum wahrnehmen würden, wenn wir nur auf einzelne Verhaltensweisen achten.


Vielleicht liegt genau darin die eigentliche Sprache der Pferde

Vielleicht besteht Pferdesprache nicht nur aus Ohrenstellung, Schweifhaltung oder Mimik.

Vielleicht zeigt sie sich auch in den kleinen Gesten, mit denen Beziehungen gepflegt werden.

Nicht weil wir genau wissen, was sie bedeuten.

Sondern weil wir erleben dürfen, was sie bewirken.

Nero und Fjölvi haben mich gelehrt, genauer hinzusehen.

Nicht nach schnellen Antworten zu suchen.

Sondern Zusammenhänge wahrzunehmen.

Denn manchmal erzählt nicht eine einzelne Geste die Geschichte.

Sondern die Beziehung, in der sie entsteht.

Meine kleine Familie

Nero hat inzwischen eine eigene Herde gefunden.

Für mich wurde er einfach zu groß und zu schwer um ihn richtig Pflegen zu können.

Chester, der kleine wilde Spielkamerad von damals, hat ihn gut erzogen. Heute ist Nero selbst ein souveräner Chef einer zwölfköpfigen Herde.

Die alte Stute ist leider inzwischen nicht mehr bei uns.

Chester und Fjölvi sind nun wieder allein.

Aber sie sind meine kleine Familie.

Die Pferde, mit denen ich mein Leben teile.

Und ich möchte diese Momente nie vergessen, in denen sie mir zeigen:

Manchmal müssen wir Menschen nicht lehren.

Manchmal sind wir diejenigen, die lernen dürfen.


Lisa Peters: pferd.24-hs.de

Sonntag, 8. Januar 2023

Chester und Fjölvi an Silvester 2023



Die beiden stehen im inneren Bereich ihres Auslaufes, damit sie sich nicht unnötig erschrecken. Sie sind zwar sehr ruhig und schauen sich das Feuerwerk nur an, aber hier kann ich sie auf jeden Fall gut beobachten. Das meiste ist hier im Moment schon rum. Am Anfang der Böllerei haben sie beide eine schöne Schüssel mit Leckereien bekommen und durften ein Silvestermahl einnehmen.

Sie hatten sich ganz langsam an die Knallerei gewöhnt, in der Zeit vor ein paar Jahren, als wir noch ein Stromaggregat hatten. Dies hatte ab und zu im Monat Fehlzündungen. Das hat ausgereicht, sie sozusagen schußfest zu machen, damit sie zu Silvester keine Panik mehr bekommen.

Lisa Peters: pferd.24-hs.de

Chester und Fjölvi auf dem Matschpaddock


Chester und Fjölvi bewegen sich gern auf dem Matschpaddock. Sie haben einen großen Unterstand, einen befestigten Paddock und können von dort aus morgens auf den Matschpaddock laufen. Nachts bleiben sie im inneren Bereich mit den festen Paddockbegrenzungen. Sie genießen die Zeit auf der erweiterten Fläche sehr, wälzen sich gern im Matsch und spielen dort, oder geben auch mal richtig Gas, wenn sie rennen möchten. Am äußeren Ende des Matschauslaufes wird dann gern ihr Bereich von ihnen markiert, damit Fremde gleich merken würden, dass sie ein bewohntes Gebiet betreten und würden eventuell auch erstmal verjagt werden. Ganz am Ende des Auslaufes füttere ich tagsüber auch etwas Heu, denn die ständig gefüllten Heuraufen befinden sich nur im innneren Bereich. Hier draußen machen sie meistens ein paar Fresspausen, während sie spielen oder Ausschau halten, ob sie etwas Interessantes sehen könnten. Andere Pferde, die vorbei laufen z. B. Die beiden sind richtig gute Freunde. Deswegen ist es Chester auch egal, ob sich Fjölvi zuerst genüßlich wälzt. Er passt solange auf ihn auf. Dann will er sich aber auch wälzen, er muss nicht über Fjölvis Wälzplatz wälzen, die Rangfolge der beiden ist ganz klar für beide. Am Abend bekommen die beiden ihr leckeres Zusatzfutter, Mineralien und Äpfel oder Möhren als Vitamingabe. Dazu kommen sie gern wieder in ihren Stall, denn auch hier haben sie noch freie Sicht über ihr Gelände und können in der Nacht wieder in Ruhe am Heu fressen. Am nächsten Morgen dürfen sie ja wieder ihren Bereich erkunden, am Rand frisches Gras suchen oder mal das ein oder andere Leckerchen finden. Nur wenn es sehr nass ist und die Rutschgefahr zu groß, müssen sie für diese Zeit mal im geschützen Bereich bleiben. Im Sommer steht dafür wieder das ganze Gelände offen, auch die schönen saftigen Weiden und der Trail rundherum. Damit die aber nicht zertrampelt werden, müssen die beiden warten, bis die Erde wieder fest geworden ist. Dann wird ihr Bereich Stück für Stück erweitert, damit sich ihr Stoffwechsel wieder gut auf das veränderte Futterangebot einstellen kann.

Lisa Peters: pferd.24-hs.de

Donnerstag, 27. Oktober 2022

Meine Pferdefamilie




 


Die Pferde Chester und Fjölvi gehören zu meiner Familie. Sie sind nicht nur einfach Pferde, die bei uns leben, sie leben mit uns direkt am Haus. Jeden Tag kann ich guten Morgen sagen, versorge sie, schaue wie es ihnen tagsüber geht und sagen ihnen abends gute Nacht.

Wir kommunizieren meist lautlos, aber dennoch begrüßt mich Chester der Herdenchef jedes mal, wenn ich komme mit einem liebevollen Grummeln, was mir das Gefühl gibt, dass ich willkommen bin in der Herde und auch ich spreche natürlich mit ihnen. Sie leben so nah bei mir, damit ich sie so versorgen kann, wie es den verschiedenen Bedürfnissen meiner Tier-Familie auch entspricht.

Vor ein paar Wochen hatte ich auch Corona bekommen. Ich kann mich garnicht daran erinnern, dass es mir vorher mal so schlecht ging. Es ging zwar stetig bergauf nach einem einzigen schlimmen Tag, aber das Gefühl nicht richtig gesund zu sein hat mich sehr frustriert. Zum Glück hatte ich liebe Menschen um mich herum, die mich und auch meine Tiere versorgt haben.

Natürlich wollte ich dann auch wieder wenigstens etwas für die Tiere da sein und hab mich so nach und nach wieder zu ihnen geschleppt um zumindest ein paar Dinge zu machen. Ein wenig Heu füttern zum Beispiel, wieder einen Teil des Tagesablaufes mitzugestalten, mit meiner "Herde" etwas zu machen.

Ich brachte also zwei Äpfel und eine volle Tasche voll Heu in den Stall, worauf sich meine beiden wie immer sehr gefreut haben. Es war so schön, wie sie gleich angefangen haben zu Fressen und sich die besten Halme vom Heu schmecken ließen. Ich stand ein Stück abseits und hab sie mit Freude dabei beobachtet. Mir wurde in diesem Moment allerdings bewußt, wie übel und schwach ich mich eigentlich noch fühlte.

Ich sprach es laut aus, indem ich den beiden sagte, dass ich mich einfach noch nicht gut fühle. Chester drehte sich zu mir um, schaute mich an, hörte wieder auf zu Fressen und kam auf mich zu. Ganz sanft hat er an meiner Hand geknabbert, wie um zu sagen: du bist nicht allein, ich kümmere mich auch um dich. Er gab mir einen leichten Schubs Richtung Eingang und wollte, dass ich ihm nach draußen folge. 

Er blieb mit mir am Eingang stehen, schaute auf die große Weide und ich hatte das Gefühl, er wollte mir zeigen, dass es so schön da draußen ist und er gern mit mir da raus gehen wollte, damit es mir wieder besser geht. Ich hab ihm dann gesagt, dass wir jetzt noch nicht raus gehen können, dass ich mich nicht so gut fühle und dann standen wir einfach eine Weile draußen auf dem Paddock und schauten gemeinsam in die Weite.

Er hat mir in diesem Moment so viel Trost gegeben und auch jetzt noch, wenn ich daran denke, fühle ich so viel Liebe von ihm. So macht man das in einer Herde, wenn es einem Mitglied nicht gut geht, kümmert man sich um es. Ich habe mich bei ihm bedankt, dass er sich um mich gesorgt hat und habe mich dann wieder von ihm verabschiedet, damit er weiter Fressen gehen kann. Auch ich habe mich wieder ausgeruht.

Jetzt gehe ich jeden Tag mit einem ganz glücklichen Gefühl zu meiner Herde und freue mich noch mehr darüber, sie so nah bei mir zu haben. Wir hatten immer schon ein besonderes Verhältnis zueinander, aber jetzt scheint es mir noch enger und vertrauter zu sein.

Lisa Peters: pferd.24-hs.de





Sonntag, 25. September 2022

Über Vertrauen gewinnen, Kommunikation und Führungsqualitäten dem Pferd gegenüber.


Folgende Situation:  
Die Stute und ihre Tochter, beide kleben seit Geburt aneinander, eine möchte nicht ohne die andere bleiben. Sie stehen mit einem Wallach zusammen in einem kleinen Wiesenauslauf.

Ich betrete den Bereich, einen kurzen Moment später kann ich sie ohne zu zappeln ruhig aufhalftern, sie folgt meinen Bewegungen freiwillig am lockeren Seil, von ihrer rufenden Mutter und der Herde weg, geht sie mit mir entspannt spazieren, weil sie mir vertraut.

 Was ist geschehen? Voran gegangen ist ein winziger Augenblick, in dem ich ihr gezeigt habe, dass sie mir wichtig ist und ich ab jetzt ihren Weg bestimmen möchte. Doch wie habe ich das geschafft?

Wahrscheinlich wie jeder Hengst eine Stute für sich gewinnt, in dem er sie absondert und weg treibt und ihre Richtung bestimmt. Es brauchte für mich nur einen winzigen Augenblick, ich habe ihr den Weg zur Mutter mit meiner Bewegung abgeschnitten und sie gestoppt. Sie hat mich sofort verstanden, weil ich in diesem Moment nicht menschlich gehandelt habe, sondern das gemacht habe, was auch ein anderes Pferd gemacht hätte um mit ihr zu kommunizieren und ihr zu zeigen, was es von ihr möchte.

Andere Situation:
Der junge Hengst will sich nicht führen lassen, zieht weg, ist schwer zu händeln.

Ich gehe zum ihm in die Halle, dort läuft er frei, ich bestimme nun seine Laufrichtung und Geschwindigkeit, stoppe ihn und lasse ihn in die andere Richtung laufen, stoppe ihn wieder, gehe auf ihn zu, nehme ihn an das Halfter und er folgt mir brav mit entspannt gesenktem Kopf am lockeren Seil im Abstand hinaus aus der Halle. Er lässt sich lieb zum Stall führen, bleibt stehen, wenn ich stehen bleibe, geht weiter wenn ich mich weiter bewege.

Sind das Zufälle? Nein. Beide Pferde waren psychisch und physisch ganz gesund, lebten in einer artgerechten Haltung, hatten noch nichts Schlimmes in ihrem kurzen Leben erlebt und haben einfach auf die Kommuniktion mit Körpersprache reagiert, weil sie die sofort verstanden haben.

Noch eine Situation:
Der junge Wallach Chester, 2-3 jährig frisch von der Fohlenaufzucht auf der Alm gekommen, gerade erst genesen von einem Kieferbruch, spürt seine Kräfte zurück kommen. Er ist sehr dominant, fühlt sich immer besser und möchte nun seine Möglichkeiten austesten, die er so lange nicht ausleben konnte.

 In seiner Bewegungsfreiheit jetzt begrenzt, in einem Offenstall mit anderen Wallachen zusammen ist er froh, dass sein Mensch ihn immer wieder heraus holt um mit ihm zu spielen.  Naturgemäß möchte er seine Kräfte messen, will die Richtung bestimmen, in dem er seinen Menschen mit zieht, steigt den Menschen an und rennt los wann er möchte.

In den geschützten Bereich der Reithalle geführt und los gelassen, kann er sich kurz austoben und seine Freiheit genießen. Er möchte den Bereich für sich markieren und sich dann gern wälzen, aber ich lasse ihn nicht, treibe ihn weg und statt dessen wälze ich mich an dem Platz, den er ausgesucht hatte. (Dazu scharre ich kurz mit dem Fuß, hocke ich mich hin und bewege mich hin und her, stehe auf, scharre wieder mit dem Fuß und pruste ziemlich zufrieden ab.) Erst dann darf er sich wälzen. Seinen Schweif trägt er nun nicht mehr ganz so hoch, sein Kopf sieht nun entspannter aus und er steht ruhig da wir können etwas pflegen und streicheln. Ich genieße den Moment der Harmonie.

Unser nächster Tag läuft ähnlich ab. Er betritt mit mir die Halle, ich wälze mich zuerst und er wälzt nicht, sondern hat einen neuen Plan ausgeheckt. Er äppelt um seinen Bereich zu markieren. Ich bin vorbereitet, ich gehe zu seinem Haufen, markiere mit einem Papiertaschentuch, dass ich dicht am Körper getragen habe und lege es über den Haufen. Er sieht mir zu dabei. Dann geht er hin schnuppert und schwupps ist das Papiertuch in seinem Maul verschwunden. 
Ich lege Nachschub drauf und lasse ihn nicht mehr hin. Da äppelt er wieder, ich hab auch noch Tücher, die ich drauf lege und das wiederholt sich gesamt 5 mal. Sein Pulver scheint verschossen, bzw er kann nicht mehr und sein Kopf senkt sich zufrieden, er kaut und schlendert herum. Ich habe ihm ein weiteres Mal gezeigt, dass ich genauso gut markieren kann wie er, aber letztendlich mehr Möglichkeiten einstecken habe.  

Ein anderes mal will er mich einkreisen, ich schicke ihn gerade aus. Dann bestimme ich seine Gangart, oder stoppe und wende ihn. Oder lasse ihn anhalten. Wieder zeigt sich, dass auch er versteht, was ich von ihm möchte. Ich möchte nur, dass er mir folgt, weil ich unser Territorium besser markieren kann, seine Richtung bestimmen kann und ihn auch stoppen kann, das heißt auf pferdisch: ich übernehme die Herdenführung. Alle weiteren Probleme haben sich damit in Luft aufgelöst. Kein Ansteigen mehr, denn man steigt seinen Chef nicht an, kein losreißen mehr, denn man folgt brav dem Chef, kein anrempeln mehr, weil das dem Chef gegenüber respektlos wäre.

Trotzdem darf er jetzt respektvoll darum bitten, zum Gras gehen zu dürfen um zu fressen indem er einfach dorthin schaut, er darf darum bitten, eine bestimmte Richtung beim Spaziergang einschlagen zu dürfen und er darf darum bitten näher kommen zu dürfen um gekrault zu werden, alles nur mit einer Andeutung von seinen Blicken. Respektvoll und ohne Druck. Er muss trotzdem respektieren, dass ich letztendlich diejenige bin, die jede Handlung erlaubt oder verbietet, beginnt oder beendet. Nur so kann er sich auf meine Führung verlassen und mir vertrauen, dass ich auch für seine Sicherheit sorge.

Bei ihm hat es eine Weile gebraucht um jetzt ein zuverlässiges, respektvolles Pferd zu werden, das von jedem Kind geführt werden kann, solange ich daneben laufe. Denn er hört auf meine Stimme, egal wie weit ich weg bin. Von überall, auch vom Spielen mit Kumpels lässt er sich nun abrufen. Auch wenn es mit ihm ein längerer Weg war, es hat sich gelohnt. Er war mein erster schwieriger Fall, aber mit ihm durfte auch ich ganz viel lernen.

Ich benutze in ausgewählten Sequenzen außer der Körpersprache und dem Stimm-Lob manchmal Futterbelohnung, aber nur nach einem Belohnungston oder Clickersignal. Druck oder Verstärkung von Druck wird manchmal auch als Impuls von mir verwendet, zum Beispiel um von einem aufdringlichen Pferd Abstand zu mir zu fordern. Das geschiet so, dass ich den Druck nicht Richtung Pferd schicke, sondern bei mir selber einen Raum schaffe, in dem ich vielleicht vor mir mit der Peitsche fuchtele, schwer zu beschreiben. Wenn das Pferd dann näher kommt, würde es in die wedelnde Peitsche laufen, aber nicht, weil ich sie dem Pferd drauf schlage, sondern weil das Pferd zu nahe kommt und rein läuft, ich kann es nicht anders beschreiben. 

Oder ich werfe ein Seil, um den Raum zu markieren, den ich beanspruche, falls es das Pferd zufällig trifft, weil es hinein läuft ist es auch nur ein Berühren, kein Schlag, kein Schmerz. Das Pferd versteht das auch nicht als Zurechtweisung dann, sondern als das Einfordern meines Raumes. 
Eine Peitsche wird von mir nur als verlängerter Arm, Zeiger oder Signalgeber benutzt. Daher können meine Pferde entspannt bei mir sein und reagieren nicht gestresst oder ängstlich. Das genügt vollkommen, denn Pferde haben die Tendenz freiwillig mit zu machen und dem Ranghöheren zu folgen, wenn sie vertrauen oder sogar belohnt werden. Das Einfordern von Futterlob kommt bei mir nicht vor, weil nur ich bestimme, wann es Futter gibt und niemals ohne Belohnungston Futter aus der Hand gebe, sofern sich das Pferd ruhig abwartend verhält. Bei einem Pferd wie Chester konnte ich anfangs nicht mit Futterlob arbeiten, weil er da zu hektisch wurde. Das kam bei ihm dann erst 2 Jahre später.

Ich wünsche mir, dass viele Menschen ihre Pferde besser verstehen, besser mit ihnen kommunizieren können und Probleme garnicht erst entstehen, oder sich wieder auflösen. Es ist so einfach, wenn man weiß wie. Dazu möchte ich ein paar Informationen bereit stellen, damit man sich selber weiter bilden kann und eine ganz neue Art der Beziehung zu seinem Pferd aufbauen kann.

Pferde sind sehr sensible Tiere. Sie erfassen unsere feinsten Bewegungen und manchmal auch die Empfindungen, die wir garnicht ausdrücken wollen. Manchmal werden Sie so behandelt, als ob sie nichts empfinden. Die Pferde können zwar wiehern, so wie Hunde bellen, aber ein Schmerzlaut wie das Jaulen des Hundes, ist ihnen von Natur aus nicht gegeben. 

Sie sind Fluchttiere und würden bei Verletzung gefährliches Raubwild anlocken. Und so leiden oft unsere "Besten Freunde" stumm und ertragen alles, was der "Mensch" im abverlangt, dem sie sich gehorsam unterordnen. Nur manchmal und auch nur, wenn es unerträglich für sie geworden ist, wehren sie sich, dann werden sie abgestempelt als Verbrecher.

Doch es gibt andere Wege, eine Kommunikation mit unseren geliebten Freizeitkameraden aufzubauen. Im Sattel, bei der sogenannten Bodenarbeit und auch der feinen, energetischen Kommunikation. Hier ein besonders wertvolles Buch 

über Das Geheimnis der Pferdesprache von Gertrud Pysall.

Hier ist ein toller Film darüber zu sehen, welches Verhältnis der Mensch zum Pferd aufbauen kann, wenn er Gefühle sprechen lässt:
youtube.de Der Weg des Pferdes - Dokumentarfilm - Deutsch Untertitel

Pferde besser verstehen, sehen Sie hier einige Beispiele als Filme:
Sie werden weiter geleitet zu youtube oder verschiedenen Websiten.
Ich möchte darum bitten, die vorgestellten Menschen und ihre Methoden, Artikel oder Filme selber kritisch zu betrachten. Auch Methoden, die sanft aussehen und eine tolle Verbindung von Mensch und Pferd zeigen, können in manchen Teilen noch hart und zwingend in der Ausbildung sein. Mein Anliegen bei der Vorstellung verschiedener Webseiten, Filme oder Texte hier ist, dass Menschen anfangen können, sich selber über den Umgang mit Pferden Gedanken zu machen. 

Einige besondere Trainer, die mich sehr inspiriert haben:

Fred Rai - S. Schnelle - K. F. Hempfling - Gerd Römbke - H.-J. Neuhauser - Tristan Tucker  - Sylvia Czarnecki

Seelische Verbindungen aufbauen: (englischsprachige Seite) Trust Technique

Auch Timo Ameruoso zählt zu den Trainern, die sich um eine gute Kommunikation von Mensch und Pferd bemühen und den ich sehr schätze.

chi-horsing.com Die feine Kommunikation mit dem Pferd.

Ein paar Videos über die hohe Schule des Reitens,
Grand Prix - Dressur mit Halsring: Hier zeigt sich, wer wirklich was kann
und hier nochmal Atemberaubend schön
Auch beim Springen geht es anders, obwohl ich nicht unbedingt vom Springsport begeistert bin: Alycia Burton

Passend zum Thema, Biomechanik des Pferdes: von Dr. med. vet. Gerd Heuschmann

Meine liebste Playlist bei youtube: über Pferdekommunikation

Interessante Artikel über die Möglichkeit verschiedene Kompetenzen im Umgang mit Pferden zu erlernen, darunter auch für Jugendliche oder Führungskräfte, finden Sie hier: 6 PDF Dateien Pädagogische Erfahrungen

Eine ganz besondere Akademie für Horsemanship gibt es hier: heinzwelz.de mit Videos

Hufbearbeitung, Naturhuf, Huforthopädie: HGM Trimming - difho.de 

Impfen mal kritisch betrachtet: impffreiheit.de

Schrittbewegung als Pferdetraining, Stoffwechsel, Muskulatur, Haltung usw.: dai-shodan.de

Ernährungszustand des Pferdes und viele Infos über Krankheiten, von Dr. C. A. Bingold: equivetinfo.de













Lisa Peters: pferd.24-hs.de


Sonntag, 13. Februar 2022

Chester, der Herdenchef und mein Aufstieg in der Führungsebene



Als Chester zu uns kam, war er ein bemitleidenswertes, kleines Häufchen Elend. Er hatte einen Kieferbruch, solllte erlöst werden wegen der hohen OP Kosten, sein Leben stand dabei auf der Kippe, aber wir holten ihn kurzerhand zu uns, ließen ihn operieren und hofften einfach nur, dass er es gut übersteht.

Nach einem halben Jahr Genesung war klar, er wird gesund und immer munterer. Er zeigte dann auch, wer er wirklich war. Vom dem kleinen, jämmerlichen Häufchen Elend entpuppte er sich als der geborene Alpha, stark und ungestüm.

Er hatte als 3 jähriger so einige Sachen drauf, die ich noch nie so in dem Ausmaß erlebt hatte. Ein typisches Jungpferd: anrempeln, ansteigen, davon preschen, einfach allegemein hibbelig und sehr unberechenbar in seinen Aktionen. Andauerndes Gezappel auch beim Hufe machen und Pflegen und dauernd angeknabbert werden, einfach alles ziemlich nervig. Ganz ehrlich habe ich mich damals gefragt, ob ich das jemals mit ihm schaffe? Ich war ziemlich am Ende meiner Überlegungen. Aber ich hab mir dann selber gedacht: wenn ich es nicht schaffe, wer dann? Und wenn das jemand anders schafft, dann schaffe ich das auch.

10 Jahre weiter: Wir haben es geschafft! Und das mit Bravour.
Er ist heute mein bestes Pferd im Stall. Sehr souverän führt er die kleine Herde an, seine Entscheidungen werden nicht mal im Ansatz hinterfragt. Er ist der unangefochtene Chef der Gruppe. Wenn dann mal ein Neuer hinzu kommt, wird der sehr sicher, ruhig, souverän und überlegen dazu bewegt, seinen Anweisungen zu folgen. Trotz allem teilt er alle Resourcen brüderlich, auch wenn mal ein Rüpel dabei ist.

Ob das allein sein toller Charakter ist, oder auch ein Teil meiner Erziehung, (was ich natürlich gern für mich einstreichen würde) bleibt dahin gestellt.

Sehr gern erzähle ich aber auch mal, wie wir nun dahin gekommen sind.
Durch "Zufall" kam mir ein Buch in die Hände, von Gertrud Pysall: Das Geheimnis der Pferdesprache kennen lernen.

Das verhalf mir ehrlich gesagt zum Durchbruch.
Ich konnte Chester nun zeigen, wer wirklich etwas zu sagen hatte und zwar auch so, dass er es sofort verstanden hat, trotzdem gewaltfrei. Es war ein etwas längerer Prozess, denn er war ja absolut unerzogen und roh, erstmal auf der Alm groß geworden und hatte noch nie so richtig eine menschliche Führung genossen. Er wunderte sich nur, dass ich plötzlich ranghöher war, so viel schneller war als er, dass ich ihn in jedem Moment stoppen konnte, seine Laufrichtung wechseln konnte, seine Gangart bestimmen konnte und auch noch markieren konnte, dass alle Bereiche MEIN Territorium waren über das ich allein verfügen konnte wie ich wollte, oder ihn nach meinem Wunsch mit einbeziehen konnte und alle Resourcen von nun an allein verwaltete.  Und vor allem anderen: dass mich seine Eskapaden von nun an unbeeindruckt ließen, weil ich für mich den Stein der Weisen gefunden hatte.

Das ging nicht alles an einem Tag, aber mit jeder Minute des veränderten Umgangs mit ihm, wurde ihm mehr und mehr klar, dass egal was er machte, ich die Oberhand behielt. Ich konnte ihm zeigen, dass ich ihn liebte, ruhig bleiben konnte und trotzdem immer das letzte Ass im Ärmel hatte. Schritt für Schritt hat er gelernt, was es heißt ein gutes Pferd zu sein. Alles haben wir mit Ruhe und Zeit erreicht. 

Ich habe sehr darauf geachtet, ihn nicht zu überfordern, auch als wir begonnen haben ihn zu Reiten. Wir übten alles ohne Reiter und er kannte ja dann schon alles vom Boden her. Dass ich dann auf einer erhöhten Position saß, machte für ihn dann keinen Unterschied mehr. Wir haben auch schon aufgrund seines Kiefers nie ein Gebiss eingelegt. Nur mit Knotenhalfter und langem Strick gearbeitet. Ich habe ihm natürlich zuerst auch alle Hilfen vom Boden erklärt.

Als er 3 oder 4 Jahre alt war, hab ich einfach mal den Sattel drauf gelegt und damit Bodenarbeit gemacht. Oder ihm einen Sack Futter aufgelegt. Er hat einfach die Routine bekommen mit dem täglichen Arbeiten, dass es alles normal ist, was wir machen. Da kam nie eine Gegenwehr, er hat sich einfach auf mich verlassen.

Er ist nun zu dem geworden, was ich ihm vorgelebt habe. Morgens werde ich grummelnd begrüßt und immer willkommen geheißen. Ein rundum tolles Pferd. Ruhig, immer souverän und händelbar. Für alles offen und selbst vom Spielen auf der Weide abrufbar, wenn ich ihn holen möchte. Selbst nach 2 Jahren Reitpause lässt er sich reiten, als wäre nichts dazwischen gewesen. Beim Toben auf der Weide kann ich immer sicher sein, dass er auf mich aufpasst. Er schlägt sogar Haken, damit er einen nicht überrennt. 

Ich wünsche allen anderen nun viel Mut und Zuversicht, auch wenn alles noch nicht so auf Anhieb klappt. Dazu kann ich das Buch von Pysall nur empfehlen, es vermittelt eine tolle Kommunikation mit Körpersprache.
Hier noch ein paar andere Geschichten zum Thema Vertrauensaufbau und Führung
Viel Spaß mit eueren Pferden!


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Sonntag, 17. September 2017

Hufbearbeitung - Barhufpflege - Wissenswertes

Der Huf sollte beim Pferd, meiner Meinung nach, größte Beachtung finden.
Manche werden vernachlässigt, manche kaum beachtet, andere irgendwie bearbeitet, oder auch mit Eisen als Schutz versehen.
Es gibt viele Varianten.

Eine gute Infoquelle sind Seiten, die ausführlich darüber berichten, wie der Huf aufgebaut ist und welche Funktion er hat, sowie welche Bearbeitung sinnvoll ist, ist diese hier:
go-barhuf.de

Viel Spaß beim Lesen.

Die Hufe meines Wallachs Chester:




Er läuft super, ohne Hufschuhe, in jedem Gelände.

Und hier ein Bild eines Querschnitts eines Hufes mit einem Nagel im Hufeisen, der am Huf befestigt ist.
Sehr gut zu sehen, wie der Nagel in der Hufwand steckt.


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Samstag, 11. Juni 2016

Chester - Bodenarbeit frei - Teil 1



Chester ist immer sehr motiviert mit zu machen. Auch, wenn es nur ein paar Minuten sind.
Es geht nur darum, täglich ein wenig mit ihm zu kommunizieren.

Manchmal entsteht einfach etwas Neues, er lässt sich immer etwas einfallen, um das Zusammensein abwechslungsreich zu gestalten ;-)


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Samstag, 18. Juli 2015

Unsere Weide 2015


Das Video hier anschauen, oder dem Link folgen auf youtube.de

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Samstag, 24. Januar 2015

Pferdefreundschaft erneuert und bestätigt.


Der Link zu dem Video hier.

Chesters kleine Verletzung unter dem Auge.


Heute ist etwas unglaublich Süßes passiert...
das habe ich so noch nicht erlebt in meinem ganzen Leben mit Pferden.

Die Geschichte:

Chester im Regenmantel und Fjölvi nur im Pelz sind hier zu sehen, wie sie beieinander stehen.

Was vorher passierte:
Wie immer tobten sie durch die Bahn und spielten ausgelassen.

Immer, wenn sie auf dem Platz toben dürfen, sind sie besonders ausgelassen. Und auf Art der Pferde auch ziemlich wild und deftig.
Heute passierte es, dass Fjölvi Chester nahe dem Auge getroffen hat, ob mit Biss oder Schlag kann ich nicht sagen. Chester hat gequietscht und ist buckelnd davon gesprungen, wohl weniger vor Schmerz, als vor Wut, dass Fjölvi sich so etwas erlaubt hat. Vor Schmerzen schreien, das machen Pferde ja nicht. Sie wollen vermeiden Raubtiere anzulocken, deshalb hat ihnen die Natur keinen Schmerzlaut mit gegeben.
Wer das anzweifeln mag, sollte sich überlegen, dass selbst ein gebrochenes Bein oder eine Kolik (die sogar tödlich enden kann) für ein Pferd kein Anlass ist, eine Lautäußerung zu geben.

Es passiert öfter, dass Chester sich über Fjölvi ärgert, wenn der mal die Oberhand hat, und dann sprintet er quietschend und buckelnd davon.

So also auch heute. Zufällig sah ich im Vorbeigehen, dass Chester tatsächlich eine kleine Wunde hatte. Unterhalb des Auges. Ich habe es nicht behandelt, weil es nur eine winzige Hautabschürfung war, es lief nicht einmal Blut.

Einen Moment später sah ich Fjölvi in der Mitte stehen und Chester langsam auf ihn zugehen. Fjölvi wich diesmal nicht zurück. Er begrüßte Chester mit einem Hufscharren. Chester blieb vor ihm stehen. Und dann begann ein Ritual, wie ich es noch nie gesehen habe.

Sie gähnten sich gegenseitig an, viele Male. Leckten sich über die Lippen, beschnupperten ihre Nasen.
Dann begann Fjölvi Chester sanft mit den Nüstern zu berühren. Chester erwiederte seine sanften Berührungen. Danach fing Fjölvi an Chesters Wunde zu lecken.
Ich weiß nicht mehr, wie lange vorher ich schon zugeschaut hatte. Aber immer wieder leckte Fjölvi Chesters Gesicht.

Danach knabberten sie liebevoll einander an. Es war diesmal nicht das übliche Beiß-Spiel.
Die beiden beteuerten sich immer wieder, dass dies ein Versehen war und der andere das verstanden hatte.
Wir müssen auch Tieren ein vielschichtiges Gefühlsleben zusprechen. Nur wird das meist sehr verkannt.

Ich stand tief berührt da und dachte, in so einem Moment hat man keine Kamera dabei...
oder bekommt sie nicht so schnell geladen... oder denkt nicht dran es zu filmen, 
aber ich hatte mein Handy dabei, daran hab ich mich dann erinnert ;-)
Und der Moment des Leckens war zwar vorbei, aber das gegenseitige Beknabbern dauerte noch an.

Ich bin immer noch tief berührt davon, so einen Moment miterlebt haben zu dürfen und möchte ihn nicht vorenthalten. Jedenfalls ist der Rest der Geschichte hier im Video zu sehen. Wer die beiden kennt weiß, dass dieses Spiel sonst etwas wilder gespielt wird.

Fjölvi und Chester kennen sich erst seit 2 1/2 Monaten. Sie machten von Anfang an alles zusammen.
Sie stehen zusammen, ruhen zusammen, liegen zusammen, fressen zusammen, saufen zusammen, pinkeln zusammen und äppeln zusammen. Und spielen natürlich zusammen. Und wenn einer geht, ruft der andere ihm hinterher. Es sind wohl Freunde fürs Leben geworden.

Teilen Sie diese wunderbare Geschichte von Fjölvi und Chester.
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Freitag, 5. Dezember 2014

Wir heißen Fjölvi herzlich Willkommen bei uns


Fjölvi, ein 10 jähriger Tarpan ist vor 5 Tagen bei uns eingezogen. Dieser süße, kleine Wallach hat alle unsere Herzen im Sturm erobert. Chester, der 4 jährige Paint-Wallach und Fjölvi lernten sich da erst kennen.

Anfangs voneinander abgetrennt konnten sie sich jeweils einen Teil des Unterstands und Paddocks teilen.
Wasserbottich und Heunetze hatten sie zur gemeinsamen Nutzung oder auch an verschiedenen Plätzen zur Auswahl. Sie fraßen aber von Anfang an immer gemeinsam an einer Futterstelle.

Nach 5 Tagen entschied Chester er möchte zu Fjölvi schlüpfen, weil der anscheinend den besseren Platz hatte ;-)
Außerdem ist das ja langweilig immer getrennt zu sein.

Ich entschied mich dazu, weil alles sehr ruhig war, schleunigst die Abtrennung zu entfernen, damit nicht einer durch die Bänder galoppiert.
Da ich einige Stunden am Stall war, konnte ich sie gut beobachten. Die einzelnen Videosequenzen sind zu unterschiedlichen Zeiten aufgenommen worden.

Anfangs fraßen sie noch getrennt am Futterplatz, oben drüber das Stromband sieht man nicht. Später nachdem Chester im Abteil von Fjölvi steht, machen sie nur noch alles gemeinsam.
Laufen, toben, stehen, sogar äppeln und pinkeln. Danach stellten sie sich dicht aneinander in den Unterstand und dösten auch gemeinsam um auf´s Abendessen zu warten.

Für mich sah es so aus, als ob sie froh waren endlich gemeinsam alles machen zu können. Fjölvi konnte während des Tobens und Schnupperns den Paddock gut abscannen und fühlte sich dann auch sicher genug um sich zu wälzen.
Chester war so ausgelassen, dass er ein paar mal ohne Fjölvi buckeln musste. Fjölvi ließ es etwas ruhiger angehen.

Ich glaube er ist gut angekommen bei uns. Deshalb, sei herzlich willkommen bei uns, Fjölvi !

Hier ein kleines Video zu einer Herde Koniks, zu der auch die Tarpans gehören, im Wildreservat.

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