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Montag, 14. September 2026

Pferde verstehen – Bücher, Menschen und weiterführende Informationen


Chester frei neben mir – und doch liegen zwischen diesen beiden Bildern Welten.
Auf dem ersten Bild ist seine Unruhe deutlich zu erkennen. Auf dem zweiten ist er nach einer klaren, für ihn verständlichen Kommunikation sichtbar entspannt. Für mich zeigt sich darin sehr schön, was sich durch das Verständnis für das Pferd verändern kann.

Auf meinem Weg mit Pferden habe ich sehr viele Menschen, Bücher, Filme und unterschiedliche Ansätze kennengelernt.

Manches hat mich nur für eine gewisse Zeit begleitet. Manches hat meine Sicht auf Pferde nachhaltig verändert. Und manches habe ich zunächst auf eine bestimmte Weise verstanden und sehe es heute, mit meinen Erfahrungen, etwas anders.

Ich glaube deshalb nicht, dass man irgendwann eine Methode gefunden hat und damit alles weiß.

Für mich gehört zum Verständnis von Pferden auch, neugierig zu bleiben, zu beobachten, Fragen zu stellen und immer wieder zu überprüfen, ob das, was wir tun, tatsächlich zu dem Pferd vor uns passt.

Die folgenden Empfehlungen sind deshalb keine Sammlung von „richtigen“ und „falschen“ Methoden. Es sind Menschen und Quellen, die mich auf meinem Weg begleitet, mir wichtige Impulse gegeben oder meinen Blick auf Pferde erweitert haben.

Vielleicht ist auch für dich etwas dabei, das dich weiterführt.

Gertrud Pysall – Das Geheimnis der Pferdesprache

Eine der wichtigsten Grundlagen meiner eigenen Arbeit ist für mich die Beschäftigung mit der Pferdesprache.

Besonders geprägt hat mich dabei Gertrud Pysall mit ihrem Buch „Das Geheimnis der Pferdesprache“. 

Für mich liegt die große Bedeutung ihrer Arbeit darin, dass sie den Blick darauf lenkt, was das Pferd eigentlich mitteilt. Nicht nur: Was soll das Pferd tun? Sondern: Was sagt mir sein Verhalten? Was versucht es mir zu zeigen?

Vieles von dem, was ich heute unter Pferdekommunikation verstehe, hat hier einen wichtigen Ausgangspunkt.

Gerade deshalb möchte ich dieses Buch jedem empfehlen, der beginnen möchte, Pferde nicht nur zu beobachten, sondern ihre Kommunikation wirklich verstehen zu lernen.

K. F. Hempfling – ein wichtiger Teil meines Weges

K. F. Hempfling hat mir auf meinem Weg mit Pferden sehr viel gegeben.

Seine Beschäftigung mit der Körpersprache des Menschen, mit der Wirkung unserer Haltung und Bewegung und mit der Beziehung zwischen Mensch und Pferd hat meinen Blick auf Pferde wesentlich geprägt.

Vieles von dem, was ich damals gelernt habe, begleitet mich bis heute.

Für mich war dabei besonders wichtig zu verstehen, dass Kommunikation nicht erst dann beginnt, wenn wir bewusst ein bestimmtes Signal geben. Wir kommunizieren mit unserem ganzen Körper – durch unsere Haltung, unsere Bewegung, unsere innere Ausrichtung und durch die Art, wie wir uns dem Pferd gegenüber verhalten.

Diese Erkenntnis hat meinen eigenen Umgang mit Pferden nachhaltig beeinflusst.

K. F. Hempfling gehört deshalb eindeutig zu den Menschen, die meinen Weg geprägt haben.

H.-J. Neuhauser – Körpersprache wirklich lesen lernen

Auch H.-J. Neuhauser hat mir sehr viel gegeben.

Von ihm habe ich vor allem besonders viel über die eigene Körpersprache gelernt und wie das Pferd darauf reagiert. Dabei ging es für mich nicht nur darum, einzelne Zeichen zu erkennen, sondern darum, genauer hinzusehen.

Gerade diese genaue Beobachtung ist für meine heutige Arbeit sehr wichtig.

Denn ein Pferd und auch der Mensch kommuniziert nicht nur mit einem einzelnen Zeichen. Sein Körper erzählt ständig etwas – und oft liegt die eigentliche Information gerade in den kleinen Veränderungen.

Die Beschäftigung mit seiner Arbeit hat mir geholfen, die Körpersprache genauer wahrzunehmen und bewusster darauf zu achten, was zwischen Mensch und Pferd tatsächlich geschieht.

Timo Ameruoso – Pferdepsychologie und ein Stück Weg weiter mit Chester

Timo Ameruoso ist Pferdepsychologe. Mit seiner Arbeit und seiner Methode habe ich mich intensiv beschäftigt – besonders das autodynamische Reflexionsprinzip® und der damit verbundene Mehrwert für das Pferd hat für mich eine ganz besondere Bedeutung bekommen. 

Seine Methode hat mir letztendlich den Zugang zu Chester viel tiefer eröffnet.

Das Interessante daran ist: Es war für mich gar nicht etwas völlig Neues. Vieles von dem, was ich bei Chester mit der Arbeit von Gertrud Pysall bereits erreicht hatte, ging in eine ähnliche Richtung. Ich hatte damals gelernt, Chester besser zu verstehen und konnte dadurch einen Zugang zu ihm finden.

Irgendwann dachte ich jedoch, wenn etwas einmal geklärt und „gerichtet“ ist, müsste es auch dauerhaft so bleiben. Ich habe deshalb manches nicht weiter verfolgt und unterschätzt, wie viel bei Chester noch verborgen war.

Durch die Arbeit mit der Methode von Timo Ameruoso konnte ich dort wieder anknüpfen. Sie gibt mir einen systematischen Weg an die Hand, mit Chester an den Dingen weiterzuarbeiten, die noch in ihm stecken – und dabei genau das aufzugreifen, was bei ihm schon immer funktioniert hat.

Für mich ist das eine wichtige Verbindung:

Gertrud Pysall hat mir geholfen, besser zu verstehen, was das Pferd sagt und wie ich mit ihm in seiner Sprache kommunizieren kann.
Timo Ameruoso hat mir einen systematischen Weg gegeben, mit diesem Verständnis weiterzuarbeiten und dem Pferd zu helfen, sich selbst von tief verborgenen, belastenden Ereignissen zu lösen. 

Deshalb ist die Arbeit von Timo Ameruoso für mich eine ganz klare Empfehlung.

Tristan Tucker – TRT Method

Die TRT Method von Tristan Tucker beschäftigt sich damit, warum Pferde in bestimmten Situationen reagieren und wie man ihnen helfen kann, damit besser umzugehen.

Ein wesentlicher Gedanke dabei ist, das Pferd nicht einfach dazu zu bringen, ein unerwünschtes Verhalten abzustellen, sondern ihm zu helfen, sich in den verschiedensten Situationen selbst zu regulieren und dadurch mit schwierigen Situationen zunehmend besser zurechtzukommen.

Dieser Gedanke gefällt mir sehr.

Denn auch hier geht es nicht nur darum, ein sichtbares Verhalten zu verändern. Es geht darum, das Pferd hinter diesem Verhalten zu sehen.

Sylvia Czarnecki – Lernen und positive Verstärkung

Mit der Arbeit von Sylvia Czarnecki habe ich vieles entdeckt, was mir gefällt.

Besonders die Beschäftigung mit dem Lernen der Pferde, mit positiver Verstärkung und damit, wie Pferde Zusammenhänge lernen, fand ich interessant.

Gleichzeitig habe ich mit ihren Ansätzen bei meinen eigenen Pferden unterschiedliche Erfahrungen gemacht.

Bei Tafi konnte ich beispielsweise mit einem Belohnungston arbeiten. Sie wusste, dass auf diesen Ton ein Stück Futter folgte, und ich konnte damit bestimmte Dinge aufbauen, ohne dass sie dabei für mich sichtbar gestresst wirkte.

Bei Chester war das ganz anders. Auf die Aussicht auf eine Belohnung reagierte er eher mit Stress. Damals konnte ich mir das nicht wirklich erklären.

Durch die Beschäftigung mit der Pferdepsychologie bei Timo Ameruoso habe ich später eine Erklärung dafür gefunden, die ich bei Chester sehr gut nachvollziehen kann: Wenn Futter vom Menschen zugeteilt wird, kann beim Pferd eine Art Gefühl von Futterverknappung entstehen. Es weiß nicht, wann und wo die nächste Ressource kommt, und kann dadurch in eine Erwartungshaltung und Anspannung geraten.

Das passt für mich auch zu dem, was wir über die natürliche Lebensweise von Pferden wissen. In einer natürlichen Herde wird Futter nicht von einem Menschen portioniert und nach einem bestimmten Verhalten zugeteilt. Pferde verbringen normalerweise einen großen Teil ihrer Zeit mit der Suche und Aufnahme von Nahrung.

Bei Tafi habe ich diese Zusammenhänge damals noch nicht gesehen. Ich kann deshalb heute nicht sagen, ob sie tatsächlich völlig entspannt war oder ob ich bestimmte Stresssignale einfach noch nicht erkannt habe. Die Stressmarker, auf die ich später durch Ameruoso aufmerksam wurde, kannte ich zu dieser Zeit noch gar nicht.

Deshalb würde ich das Clickertraining heute anders einsetzen als damals.

Einige Elemente aus der Arbeit von Sylvia Czarnecki finde ich weiterhin sehr interessant und hilfreich. Mit Futter als Belohnung würde ich persönlich heute allerdings nicht mehr arbeiten.

Ihre Arbeit hat mir trotzdem wichtige Impulse gegeben und meinen Blick auf Lernprozesse beim Pferd erweitert.

Trust Technique

Die Trust Technique beschäftigt sich mit Ruhe, Vertrauen und auch dem Umgang mit Stress beim Pferd.

DIE TRUST-METHODE: Der achtsame Ansatz, der Menschen genauso hilft wie dem Tier. Angst in Vertrauen verwandeln, Distanz in Kommunikation und Training in eine wunderbare Zusammenarbeit verwandeln.

Ich finde diesen Ansatz sehr wertvoll, weil er einen Gedanken in den Mittelpunkt stellt, der für mich ebenfalls eine große Bedeutung hat:

Ein Pferd muss nicht einfach funktionieren. Es darf lernen, sich sicher zu fühlen und mit Situationen besser umzugehen.

Ruhe ist dabei nicht einfach das Fehlen von Bewegung. Sie entsteht aus einem Gefühl von Sicherheit und Vertrauen.

Die Kurse sind in englischer Sprache angeboten, die meisten davon sind aber mit deutschen Untertiteln versehen.

Chi Horsing – ein Ansatz, der mich weiterhin interessiert

Auch Chi Horsing finde ich nach wie vor interessant.

Die Beschäftigung mit feiner Kommunikation, Körperwahrnehmung und der Wirkung unserer eigenen Bewegung auf das Pferd spricht einen Bereich an, der für mich bis heute wichtig ist.

Mich interessiert dabei besonders die Frage, wie wenig wir manchmal tatsächlich tun müssen, wenn wir lernen, unsere eigene Körpersprache bewusster einzusetzen und die Reaktionen des Pferdes genau wahrzunehmen.

Für mich ist Chi Horsing deshalb weniger etwas, das man einfach als Methode übernehmen muss. Es ist vielmehr ein Ansatz, der dazu anregen kann, die eigene Wahrnehmung zu verfeinern und sich mit der Kommunikation zwischen Mensch und Pferd auseinanderzusetzen.

Gerd Heuschmann – Biomechanik des Pferdes

Wer sich intensiver mit der körperlichen Seite des Pferdes beschäftigen möchte, findet bei Dr. med. vet. Gerd Heuschmann interessante Informationen rund um Biomechanik und die Auswirkungen unseres Umgangs mit dem Pferd.

Für mich gehört auch dieses Wissen zum Verständnis eines Pferdes.

Denn Verhalten lässt sich nicht immer von seinem Körper trennen.

Wenn ein Pferd sich anders bewegt, sich einer Bewegung entzieht oder bestimmte Dinge nicht tun möchte, lohnt es sich deshalb immer auch, die körperliche Seite mitzudenken.

DIfHO und Hufbearbeitung

Mit Hufbearbeitung, Naturhuf und Huforthopädie habe ich mich ebenfalls intensiv beschäftigt.

Dabei bin ich unter anderem auf das DIfHO und auf HGM Trimming gestoßen.

Gerade HGM Trimming möchte ich hier nicht einfach unerwähnt lassen, denn ich habe selbst gute Erfahrungen für Fjölvi damit gemacht. Bei Tafi war es eher die DIIfHO Orthopädie.

Die ursprünglichen Seiten, über die ich mich damals informiert habe, sind heute allerdings nicht mehr so leicht auffindbar. Deshalb möchte ich hier lieber keinen beliebigen oder kritischen Beitrag verlinken und ihn damit als offizielle Informationsquelle darstellen.

Dai-Shodan

Auch die Arbeit von Dai-Shodan zum Thema Pferdetraining, Schrittbewegung, Muskulatur, Stoffwechsel und Haltung finde ich interessant.

Gerade die Verbindung zwischen Bewegung, körperlichen Voraussetzungen und Haltung ist ein Bereich, in dem es sich lohnt, genauer hinzusehen.

Für mich gehört auch das zu einem umfassenderen Verständnis des Pferdes: Nicht nur seine Kommunikation und sein Verhalten sind wichtig, sondern auch die körperlichen Voraussetzungen, unter denen dieses Verhalten entsteht.

EquiVetInfo

Für Informationen zu Erkrankungen und verschiedenen gesundheitlichen Themen rund ums Pferd habe ich mich auch mit EquiVetInfo beschäftigt.

Ich finde es wichtig, sich auch mit der gesundheitlichen Seite des Pferdes auseinanderzusetzen. Denn wenn wir das Verhalten eines Pferdes verstehen wollen, dürfen wir seinen körperlichen Zustand nicht ausklammern.

Solche Quellen ersetzen natürlich keine tierärztliche Untersuchung. Sie können aber dabei helfen, sich Wissen anzueignen, Zusammenhänge zu erkennen und bei bestimmten Fragen überhaupt erst die richtigen Fragen zu stellen.

Filme und besondere Beispiele

Neben Büchern und Trainern haben mich auch Filme und einzelne Videos begleitet.

Ein Beispiel ist der Dokumentarfilm auf youtube.de „Der Weg des Pferdes“. Er beschäftigt sich mit der Beziehung zwischen Mensch und Pferd und kann einen ganz anderen Blick darauf eröffnen, was zwischen Mensch und Pferd möglich sein kann.

Manchmal reicht es schon, etwas zu sehen und sich zu fragen:

Was sehe ich hier eigentlich?
Was macht dieses Pferd?
Wie wirkt der Mensch auf mich?
Und warum funktioniert diese Verbindung möglicherweise?

Genau solche Fragen können den eigenen Blick verändern.

Und dann gibt es noch meine eigenen Erfahrungen

Alles, was ich gelesen, gesehen und gelernt habe, ist natürlich nur ein Teil meines Weges.

Das andere sind die Pferde selbst.

Tafi, Chester, Fjölvi und Nero waren für mich auf ihre ganz eigene Weise Lehrmeister.

Sie haben mir immer wieder gezeigt, dass Wissen allein nicht genügt.

Man kann sehr viel über Pferde wissen und trotzdem einen Moment übersehen, in dem das eigene Pferd gerade etwas anderes erzählt.

Deshalb ist für mich das Beobachten so wichtig geworden.

Nicht nur:

„Wie bekomme ich dieses Verhalten weg?“

Sondern:

„Warum macht mein Pferd das gerade?“

Und noch wichtiger:

„Was verändert sich, wenn ich selbst etwas verändere?“

Vielleicht ist genau das der Punkt, an dem aus Wissen langsam Verstehen wird.

Wenn du weiter in dieses Thema eintauchen möchtest

Wenn du sehen möchtest, wie solche Gedanken nicht nur in Büchern und Methoden vorkommen, sondern mitten im Alltag mit Pferden, möchte ich dir noch eine Geschichte aus meinem eigenen Blog ans Herz legen.

In „Wenn Pferde sich entschuldigen – eine Lektion von Fjölvi, Chester und Nero“ erzähle ich von Situationen, in denen ich beobachten durfte, wie Pferde miteinander umgehen, Konflikte lösen und wieder Verbindung aufnehmen.

Gerade solche Erlebnisse haben meinen Blick auf Pferde immer wieder verändert.

Denn manchmal müssen wir Menschen nicht lehren.

Manchmal sind wir diejenigen, die lernen dürfen.


Transparenzhinweis: Der Link zum Buch von

Gertrud Pysall – Das Geheimnis der Pferdesprache

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Lisa Peters: pferd.24-hs.de

Freitag, 17. Juli 2026

Meine Pferde als Lehrer – Eine Geschichte von Tafi




Manche Pferde begleiten uns ein Stück unseres Weges.

Und manche Pferde verändern unseren Weg.

Meine Stute Ratafia, genannt Tafi, war so ein Pferd.

Wenn ich heute darüber nachdenke, hat sie den Grundstein für meine gesamte Sicht auf Pferde gelegt. Nicht, weil sie besonders spektakuläre Dinge getan hätte. Nicht, weil sie einfach alles gemacht hätte, was ich von ihr wollte.

Ganz im Gegenteil.

Tafi war ein Pferd mit einem eigenen Kopf. Sie war unabhängig und traf ihre eigenen Entscheidungen.

Aber genau das war es, was mich so viel über Pferde gelehrt hat.

Ich musste lernen zuzuhören.

Das Pferd vor mir sehen

Früher dachte ich natürlich auch darüber nach, was man einem Pferd beibringen kann. Man lernt Übungen, man probiert Dinge aus, man möchte gemeinsam Fortschritte machen.

Aber Tafi zeigte mir irgendwann etwas, das meine Sichtweise veränderte.

Ein Pferd ist nicht einfach ein Wesen, das darauf wartet, dass wir ihm etwas beibringen.

Ein Pferd bringt bereits so viel mit.

Es hat eine Persönlichkeit.
Es hat eigene Gedanken.
Es hat Gefühle.
Es hat Entscheidungen.

Die Frage ist nicht nur:
"Wie bringe ich meinem Pferd etwas bei?"

Die viel wichtigere Frage ist:
"Wer steht eigentlich vor mir?"

Eine Lektion im Schulterherein

Eine Situation mit Tafi ist mir bis heute besonders im Gedächtnis geblieben.

Ich hatte in einem Buch über Seitengänge gelesen, über das Schulterherein und die vorbereitenden Übungen. Ich probierte diese Übungen mit ihr aus, ganz ohne Druck.

Irgendwann beendeten wir unsere gemeinsame Zeit und ich brachte sie wieder auf die Weide.

Ich setzte mich zu ihr und aß mein Brot.

Es war einer dieser einfachen Momente, die eigentlich gar nichts Besonderes zu sein scheinen – und doch bleiben sie im Herzen.

Als es Zeit war zu gehen, rief ich Tafi zu mir.

Und sie kam angetrabt.

Im perfekten Schulterherein.

Ich hatte nicht mehr daran gedacht. Ich hatte nicht weiter geübt. Ich hatte nichts eingefordert.

Und doch war etwas geblieben.

Für mich war es ein Moment, in dem ich spürte:

Dieses Pferd hört nicht nur auf meine Signale. Dieses Pferd nimmt wahr. Dieses Pferd denkt mit.

Das Geschenk einer Levade



Ein anderes Erlebnis hat sich noch tiefer in meine Erinnerung eingebrannt.

Ich spielte mit Tafi in der Halle. Wir machten nichts Bestimmtes. Wir bewegten uns einfach miteinander, hüpften herum und hatten Freude.

Plötzlich lief sie diagonal in eine Ecke und galoppierte auf mich zu.

Ich war überrascht.

Tafi war respektvoll, aber ich wusste nicht, was sie vorhatte. Also wartete ich ab.

Kurz vor mir stoppte sie.

Und dann zeigte sie zweimal hintereinander eine Levade.

Eine Figur, die ich immer bewundert hatte.

Eine Figur, die ich aber nie mit ihr trainiert hatte.

In diesem Moment hatte ich das Gefühl, dass sie mir etwas schenkte.

Nicht eine Übung.

Sondern eine Botschaft.

Sie zeigte mir:

"Ich bin nicht nur hier, um deine Wünsche auszuführen. Ich habe auch etwas zu geben."

Von da an dachte ich anders über Pferde.

Ich dachte nicht mehr:
"Ich muss meinem Pferd etwas beibringen."

Ich dachte:
"Ich darf lernen, mit diesem Wesen in Beziehung zu treten."

Meine Stute Ratafia hat mir gezeigt, dass ein freier Wille nichts ist, was man brechen muss. Er ist etwas, dem man mit Respekt begegnen darf.



Lisa Peters: pferd.24-hs.de

Donnerstag, 9. Juli 2026

Wenn Pferde sich entschuldigen – eine Lektion von Fjölvi, Chester und Nero




Momente, in denen man für einen Augenblick einen Einblick in eine Welt bekommt, die uns Menschen oft verborgen bleibt. Auch wenn ich diese Geschichten schon einmal erzählt habe, möchte ich das gerne noch einmal aufgreifen unter einem anderen Blickwinkel.

Manchmal wünsche ich mir, ich hätte in genau diesen Augenblicken eine Kamera in der Hand. Aber meistens ist es anders: Man steht einfach nur da, tief berührt von dem, was man gerade sieht.

So ging es mir mit Fjölvi und Chester.

Zwei junge Pferde, die Freunde fürs Leben wurden

Chester bekam damals einen Kumpel.

Er war erst vier oder fünf Jahre alt und musste nicht länger nur mit der alten Stute zusammenstehen. Er war voller Energie, verspielt und brauchte einen Freund, der mit ihm herumtoben konnte.

Fjölvi war erst seit knapp drei Monaten bei uns.

Von Anfang an waren die beiden unzertrennlich.

Sie standen zusammen, ruhten zusammen, lagen zusammen, fraßen zusammen, tranken zusammen, gingen gemeinsam zum Äppeln und natürlich spielten sie zusammen. Wenn einer ging, rief der andere ihm hinterher.

Es sah aus, als hätten sich zwei gefunden.

Und wenn sie auf dem Platz toben durften, dann waren sie besonders ausgelassen. Pferdespiel ist nicht immer sanft und vorsichtig, wie wir Menschen es vielleicht erwarten würden. Es ist wild, kraftvoll und manchmal ziemlich deftig.

Aber es ist auch Kommunikation.

Ein Unfall und ein außergewöhnliches Ritual

Eines Tages passierte es.

Fjölvi traf Chester nahe am Auge. Ob mit einem Biss oder einem Schlag, hatte ich nicht gesehen.

Chester quietschte auf und sprang buckelnd davon.

Nicht unbedingt vor Schmerz – sondern wohl eher aus Empörung darüber, dass Fjölvi sich so etwas erlaubt hatte.

Pferde sind Beutetiere. Die Natur hat ihnen nicht gegeben, vor Schmerz laut zu schreien und damit Raubtiere anzulocken. Wer das bezweifelt, sollte bedenken, dass selbst schwere Verletzungen wie ein gebrochenes Bein oder eine Kolik nicht automatisch zu einem Schmerzlaut führen.

Chester war also nicht „jammernd“ davongelaufen.

Er war beleidigt.

Und das kannte ich von ihm. Wenn Fjölvi einmal die Oberhand hatte, obwohl Chester als Chef der Herde eigentlich der Stärkere und Erfahrenere war, dann konnte Chester schon einmal quietschend und buckelnd davon stürmen.

Zufällig sah ich später, dass Chester tatsächlich eine kleine Verletzung hatte: eine winzige Hautabschürfung unterhalb des Auges. Nicht einmal Blut lief.

Ich hätte die Stelle behandeln können, aber es gab nichts, was behandelt werden musste.

Dann sah ich Fjölvi.

Er stand in der Mitte des Platzes.

Und plötzlich ging Chester langsam auf ihn zu.

Diesmal wich Fjölvi nicht zurück. Er begrüßte Chester sogar mit einem Hufscharren.

Chester blieb vor ihm stehen.

Und dann begann etwas, das ich vorher noch nie gesehen hatte.

Die Sprache der Pferde

Die beiden gähnten sich gegenseitig an.

Immer wieder.

Sie leckten sich über die Lippen, beschnupperten ihre Nasen.

Dann begann Fjölvi, Chester ganz vorsichtig mit seinen Nüstern zu berühren.

Chester erwiderte diese sanften Berührungen.

Und dann geschah etwas, das mich tief berührte:

Fjölvi begann, Chesters Wunde zu lecken.

Immer wieder leckte er über sein Gesicht.

Ich weiß nicht mehr, wie lange ich schon zugeschaut hatte. Ich stand einfach nur da und beobachtete diese beiden jungen Pferde.

Natürlich hatte ich in diesem Moment keine Kamera bereit.

Oder besser gesagt: Man denkt in solchen Augenblicken gar nicht daran.

Aber dann fiel mir ein, dass ich mein Handy dabei hatte.

Der intensivste Moment des Leckens war zwar schon vorbei, aber ihr gegenseitiges liebevolles Beknabbern dauerte noch an.

Und genau das sieht man auch im Youtubevideo, den Link dazu habe ich eingefügt:

Wer die beiden kennt, weiß, dass dieses Spiel normalerweise viel wilder aussieht.

Aber diesmal war etwas anders.

Es war, als würden sie sich gegenseitig versichern:

„Ich wollte dir nicht weh tun.“

„Ich weiß.“

„Wir sind trotzdem Freunde.“

Tiere haben eine Seele voller Zwischentöne

Wir Menschen müssen Tieren ein vielschichtiges Gefühlsleben zugestehen.

Nicht, indem wir ihnen menschliche Gedanken überstülpen.

Sondern indem wir anerkennen, dass sie Beziehungen leben, Gefühle zeigen und soziale Bindungen pflegen – auf ihre eigene Art.

Pferde können nicht mit Worten sagen, dass etwas ein Versehen war.

Aber sie haben andere Möglichkeiten.

Sie können Nähe suchen.

Sie können beruhigen.

Sie können wieder Verbindung herstellen.

Und manchmal können sie uns zeigen, wie wenig nachtragend und wie ehrlich Beziehungen sein können.

Einige Jahre später: Nero

Einige Jahre später kam Nero zu uns.

Er kam mit sechs Monaten direkt vom Schlachter in unsere kleine Herde.

Ein großes Schlitzohr.

Später wurde aus ihm ein 3,5-jähriger Noriker – ein beeindruckendes Pferd, groß, kräftig und schwer.

Aber gleichzeitig unglaublich klug, liebevoll und sensibel.

Auch Nero zeigte mir, wie fein die Kommunikation der Pferde ist.

Nach Tagen mit viel Regen waren die Böden aufgeweicht. Die Pferde standen aus verschiedenen Gründen jeweils zu zweit in großzügigen Unterständen mit Paddock und konnten den großen Trail und die Weiden gerade nicht gemeinsam nutzen.

Eines Tages passierte es:

Beim Abäppeln blieb die Gittertür zu Neros Auslauf nur angelehnt.

Nero bemerkte das sofort.

Er schob sie auf und marschierte direkt zum Eingang des Trails.

Dort wartete er.

Natürlich hatten Chester und Fjölvi nebenan längst bemerkt, was los war, und standen ebenfalls am Tor.

Ich konnte es nicht übers Herz bringen, sie alle wieder zurück zu schicken.

Nach den vielen Regentagen auf dem kleineren Paddock wollte ich ihnen die Freude gönnen.

Also öffnete ich das Tor.

Und dann explodierte die aufgestaute Energie.

Chester und Fjölvi galoppierten los. Den ganzen Trail entlang, auf die Weiden, wieder zurück, hin und her.

Sie hörten gar nicht mehr auf, sich zu freuen.

Und Nero?

Nero machte Bocksprünge, galoppierte hin und her und buckelte voller Lebensfreude.

Seine Ziehmama Tafi wurde natürlich ebenfalls angesteckt.

Zum Glück hielt der Boden und keines der Pferde rutschte aus.

Eine kleine Lektion von einem großen Pferd

Irgendwann wollte ich Ruhe hineinbringen.

Ich holte die Futterschüsseln – denn bei der kleinen Portion Mineralfutter werden schließlich alle wieder ganz vernünftig.

Als ich quer durch den Auslauf laufen wollte, kam Nero plötzlich um die Ecke galoppiert.

Ich sprang zur Seite.

Er drehte um und wollte wieder loslaufen.

Als er an mir vorbeikam, hob er sein Bein in meine Richtung.

Eine Drohung.

Ich weiß, dass Nero und jedes andere Pferd sehr genau treffen könnten, wenn sie es wirklich wollten.

Aber in diesem Moment machte es mich wütend.

Ich war selbst angespannt. Ich wollte die Situation kontrollieren und Ruhe schaffen – und natürlich hilft eigene Aufregung dabei nicht gerade.

Nachdem alle wieder zufrieden fraßen und alle Tore geschlossen waren, blieb ich trotzdem innerlich angespannt.

Ich lehnte mich an den Zaun und dachte darüber nach.

War das wirklich ernst gemeint gewesen?

Oder hatte Nero mein Herumspringen vielleicht als Spielaufforderung verstanden?

Denn Pferde unterscheiden sehr genau zwischen Ernst und Spiel. Und er hätte mich treffen können, wenn er wirklich gewollt hätte.

Während ich noch darüber nachdachte, kam dieses große Pferd plötzlich zu mir.

Meine Wuchtbrumme.

Mein kleines Mammutbaby.

Er gähnte mich an.

Und dann leckte er mir die Hände.

Ich kenne dieses Verhalten aus der Pferdeherde.

Wenn ein Pferd ein anderes versehentlich getroffen hat, wenn eine Situation zu heftig geworden ist, dann gehen sie oft wieder aufeinander zu. Sie gähnen, lecken, suchen Kontakt. Genau wie Fjölvi und Chester ein paar Jahre zuvor.

Eine Botschaft ohne Worte:

„Es war nicht böse gemeint.“

„Wir sind wieder gut.“

Und in diesem Moment löste sich meine ganze Wut auf.

Nero erinnerte mich daran, dass auch wir Menschen manchmal einen Moment brauchen, um wieder zuzuhören.

Eine Herde ist mehr als eine Gruppe von Pferden

Je länger ich Pferde beobachte, desto mehr habe ich den Eindruck, dass wir ihre sozialen Beziehungen oft unterschätzen.

Eine Herde ist für mich weit mehr als eine Ansammlung einzelner Pferde.

Sie ist ein soziales Gefüge.

Jedes Pferd ist ein Individuum.

Jedes übernimmt seine Rolle.

Es gibt enge Freundschaften, gegenseitige Rücksichtnahme, kleine Konflikte, gemeinsames Spiel und immer wieder Momente, in denen Beziehungen gefestigt werden.

Das bedeutet nicht, dass in einer Herde ständig Harmonie herrscht.

Im Gegenteil.

Gerade weil Spannungen ganz normal sind, braucht es offenbar auch Möglichkeiten, sie wieder aufzulösen.

Vielleicht gehören genau solche kleinen Gesten dazu.


Was wir heute oft nicht mehr sehen

Vielleicht beschäftigt mich dieses Thema auch deshalb so sehr, weil viele unserer Hauspferde gar nicht mehr die Möglichkeit haben, über Jahre in stabilen sozialen Gruppen zu leben.

Beziehungen entstehen dort unter ganz anderen Bedingungen.

Gruppen werden verändert.

Pferde werden getrennt.

Manche verbringen einen großen Teil ihres Lebens allein in einer Box und haben nur begrenzten Kontakt zu Artgenossen.

Umso wertvoller erscheinen mir die Momente, in denen wir Pferde in einem gewachsenen Herdenverband beobachten können.

Dort zeigen sie uns oft Dinge, die wir kaum wahrnehmen würden, wenn wir nur auf einzelne Verhaltensweisen achten.


Vielleicht liegt genau darin die eigentliche Sprache der Pferde

Vielleicht besteht Pferdesprache nicht nur aus Ohrenstellung, Schweifhaltung oder Mimik.

Vielleicht zeigt sie sich auch in den kleinen Gesten, mit denen Beziehungen gepflegt werden.

Nicht weil wir genau wissen, was sie bedeuten.

Sondern weil wir erleben dürfen, was sie bewirken.

Nero und Fjölvi haben mich gelehrt, genauer hinzusehen.

Nicht nach schnellen Antworten zu suchen.

Sondern Zusammenhänge wahrzunehmen.

Denn manchmal erzählt nicht eine einzelne Geste die Geschichte.

Sondern die Beziehung, in der sie entsteht.

Meine kleine Familie

Nero hat inzwischen eine eigene Herde gefunden.

Für mich wurde er einfach zu groß und zu schwer um ihn richtig Pflegen zu können.

Chester, der kleine wilde Spielkamerad von damals, hat ihn gut erzogen. Heute ist Nero selbst ein souveräner Chef einer zwölfköpfigen Herde.

Die alte Stute ist leider inzwischen nicht mehr bei uns.

Chester und Fjölvi sind nun wieder allein.

Aber sie sind meine kleine Familie.

Die Pferde, mit denen ich mein Leben teile.

Und ich möchte diese Momente nie vergessen, in denen sie mir zeigen:

Manchmal müssen wir Menschen nicht lehren.

Manchmal sind wir diejenigen, die lernen dürfen.


Lisa Peters: pferd.24-hs.de

Montag, 29. Juni 2026

Das Geheimnis der Pferdesprache – Gertrud Pysall


Es gibt Bücher, die liest man, legt sie wieder ins Regal und erinnert sich später kaum noch daran.

Und es gibt Bücher, die den eigenen Blick auf Pferde dauerhaft verändern.

„Das Geheimnis der Pferdesprache“ von Gertrud Pysall gehört für mich eindeutig zur zweiten Kategorie.

Als Chester zu mir kam, wusste ich noch nicht, wie Pferde wirklich miteinander kommunizieren. Ich wollte ihn verstehen, doch mir fehlte die gemeinsame Sprache.

Dieses Buch hat mir einen neuen Weg eröffnet. Zum ersten Mal begann ich zu erkennen, wie fein Pferde miteinander kommunizieren und welche Bedeutung selbst kleinste Gesten, Bewegungen und Reaktionen für sie haben.

Mit diesem Verständnis veränderte sich nicht nur meine Kommunikation mit Chester. Es veränderte meine gesamte Sicht auf Pferde.

Bis heute baut meine Arbeit zu einem großen Teil auf den Erkenntnissen auf, die ich durch dieses Buch gewonnen habe.

Gertrud Pysall vermittelt nicht einfach Techniken. Sie lädt dazu ein, Pferde mit anderen Augen zu betrachten. Statt an einzelnen Problemen oder Symptomen zu arbeiten, lenkt sie den Blick auf die Ursache: die Verständigung zwischen Mensch und Pferd.

Denn Pferde kommunizieren ununterbrochen. Sie sprechen auf der Weide, im Stall, beim Führen und in jeder gemeinsamen Situation. Je besser wir lernen, ihre Sprache zu verstehen und selbst verständlich mit ihnen zu kommunizieren, desto leichter können Vertrauen, Sicherheit und echte Zusammenarbeit entstehen.

Ein besonderer Teil des Buches ist das von Gertrud Pysall entwickelte MOTIVA-Training.

Damit macht sie die Pferdesprache für Menschen verständlicher und gibt Pferdehaltern, aber auch Tierärzten und Therapeuten eine wertvolle Möglichkeit an die Hand, die Kommunikation mit Pferden im Alltag bewusster wahrzunehmen.

Auch wer glaubt, schon viel über Pferde zu wissen, wird vermutlich neue Gedanken und Erkenntnisse finden. Denn oft sind es gerade die kleinen, scheinbar unbedeutenden Signale, die für ein Pferd eine große Bedeutung haben.

Man beginnt Dinge zu sehen, die vorher unsichtbar waren.

Und vielleicht erlebt man dann genau diesen besonderen Moment: den erstaunten Blick des eigenen Pferdes, wenn es plötzlich merkt – dieser Mensch versteht mich.

Für mich ist dieses Buch deshalb weit mehr als ein Pferdebuch. Es ist ein Arbeitsbuch und ein Begleiter für alle, die ihr Pferd wirklich verstehen möchten.

Ich wünsche mir, dass viele Pferdemenschen diese Erkenntnisse gewinnen können. Nicht nur, weil dadurch der Umgang einfacher wird, sondern vor allem, weil unsere Pferde davon profitieren. Missverständnisse werden weniger, Vertrauen kann wachsen und aus einem Nebeneinander entsteht eine echte Partnerschaft.

Deshalb gehört „Das Geheimnis der Pferdesprache“ für mich zu den wenigen Büchern, die ich jedem Pferdehalter von Herzen empfehlen kann.

Wenn du die Sprache deines Pferdes in der Realität besser verstehen möchtest, bin ich gerne für dich da und begleite ich dich gerne – 

vor Ort oder auch online, ich freue mich über deine Nachricht. 
Die Erfahrungen anderer Pferdehalter mit meiner Arbeit findest du in meinen Bewertungen.

Lisa Peters: pferd.24-hs.de


Sonntag, 28. Juni 2026

„Du bekommst ihn. Er liebt dich.“ – Ein Satz, der ein großes Missverständnis über Pferde zeigt



Fjölvi – heute 21 Jahre alt. Ein Tarpan, der mir gezeigt hat, dass Kooperation nicht aus Liebe entsteht, sondern aus Verständnis und Vertrauen.


Als ich Fjölvi zum ersten Mal sah, war er etwa elf Jahre alt.

Er sollte als Gesellschafter für meinen Chester zu uns kommen. Bis dahin lebte er in einer Reitschule und war dort als Schulpferd ausgebildet worden. Doch für den täglichen Betrieb mit ständig wechselnden Reitschülern war er nicht geeignet.

Als ich ihn kennenlernte, fiel mir sofort sein Zustand auf. Wegen seines Sommerekzems hatte er kaum noch Mähne, die Schweifrübe war kahl und sein Fell sprach Bände.

Ich bat ihn um ein paar einfache Dinge. Unter anderem trabte er auf mein Zeichen an. Nichts Besonderes – und doch etwas, das die Reitlehrerin überraschte.

Sie schaute mich an und sagte:

"Du bekommst ihn. Er liebt dich."

Ich musste lächeln.

"Wie sollte er mich nach zehn Minuten lieben?"

Sie erklärte, dass er sich anderen Menschen gegenüber oft ganz anders verhalte und nicht immer tue, worum man ihn bitte.

Damals wurde mir bewusst, wie unterschiedlich wir dieselbe Situation interpretierten.

Sie glaubte, Fjölvi hätte sich für mich entschieden, weil er mich mochte.

Ich sah etwas anderes.

Ich hatte den Eindruck, dass er einfach erleichtert war, endlich einem Menschen zu begegnen, dessen Körpersprache für ihn verständlich war.

Das ist ein großer Unterschied.

Viele ursprüngliche Pferderassen und Wildpferderückzüchtungen wie Tarpane, Koniks oder Dülmener bringen noch sehr viel Eigenständigkeit mit. Sie folgen nicht automatisch jedem Menschen. Sie prüfen, beobachten und entscheiden.

Manche bezeichnen sie deshalb als stur oder schwierig.

Ich sehe das anders.

Sie folgen nicht blind. Sie folgen dann, wenn sie einen Sinn erkennen und Vertrauen fassen.

Genau das machte Fjölvi zu einem wunderbaren Lehrmeister.

Er wurde später eines der beliebtesten Pferde meiner Reitschüler.

Er verweigerte nie.

Aber nicht, weil er ein Pferd war, das einfach alles mit sich machen ließ.

Er achtete auf mich. Er vertraute mir. Und dieses Vertrauen schenkte er auch den Kindern, wenn sie es sich in seinem Tempo erarbeitet hatten.

Unsicherheit dagegen konnte er nicht einfach übergehen.

Es gab Kinder und auch Erwachsene, die ihn von Herzen liebten. Trotzdem arbeitete er mit ihnen nicht selbstverständlich zusammen.

Nicht aus Bosheit.

Sondern weil ihre Unsicherheit für ihn keinen klaren Weg vorgab.

Ein ursprüngliches Pferd kann einer unklaren Führung kaum folgen. Das wäre aus seiner Sicht nicht natürlich.

Heute ist Fjölvi einundzwanzig Jahre alt.

Seit rund zehn Jahren lebt er bei uns.

Er wird inzwischen nicht mehr geritten und genießt seine Zeit mit seinem Kumpel Chester. Seine Offenheit verschenkt er bis heute nicht an jeden sofort. Erst beobachtet er. Dann entscheidet er.

Und genau das liebe ich an ihm.

Übrigens verschwand sein Sommerekzem schon relativ kurze Zeit, nachdem er bei uns eingezogen war. Seine Mähne wuchs wieder nach und auch sein Schweif erholte sich. Ob es allein an der Haltung lag, kann ich natürlich nicht sicher sagen. Ich habe jedoch oft den Eindruck, dass Wohlbefinden und Stress auch einen Einfluss auf die Gesundheit eines Pferdes haben können.

Fjölvi hat mir in all den Jahren etwas Wichtiges beigebracht:

Wir verwechseln die Kooperation eines Pferdes viel zu oft mit Liebe.

Dabei wünschen sich viele Pferde vor allem eines:

Verstanden zu werden.

Und manchmal reicht genau das aus, damit sie uns etwas schenken, das viel tiefer geht als bloßer Gehorsam – ihr Vertrauen.

Oft verändert sich das Pferd, wenn sich die Kommunikation verändert. Wenn du dir auf diesem Weg Unterstützung wünschst, begleite ich dich gerne – 

vor Ort oder auch online, ich freue mich über deine Nachricht. 
Die Erfahrungen anderer Pferdehalter mit meiner Arbeit findest du in meinen Bewertungen.

Hier noch ein paar Bilder, über meinen kleinen großen Schatz Fjölvi:

 
 










Lisa Peters: pferd.24-hs.de

Samstag, 27. Juni 2026

Klarheit statt Kontrolle - Lektionen der Pferde

 

Viele Menschen wünschen sich ein Pferd, das ihnen vertraut.

Ein Pferd, das gerne mit ihnen zusammenarbeitet, das aufmerksam ist und sich sicher an ihnen orientiert.

Doch manchmal suchen wir Vertrauen an der falschen Stelle.

Wir möchten, dass das Pferd etwas tut, damit wir uns sicher fühlen. Wir möchten, dass es stehen bleibt, folgt, reagiert oder sich in bestimmten Situationen so verhält, wie wir es erwarten.

Aber Vertrauen entsteht nicht dadurch, dass ein Pferd keine andere Möglichkeit mehr sieht.

Vertrauen entsteht, wenn ein Pferd erlebt:

Dieser Mensch hört mich. Dieser Mensch versteht mich. Dieser Mensch ist verlässlich.

Viele Menschen verwechseln Klarheit mit Härte. Versuchen, es durch Kontrolle zu erreichen.

Sie glauben, ein Pferd zu führen bedeutet, seinen Willen durchzusetzen.

Doch echte Führung entsteht nicht dadurch, dass wir ein Pferd kontrollieren. Sie entsteht dadurch, dass wir Verantwortung übernehmen.

Ein Erlebnis mit einer jungen Stute hat mir gezeigt, wie eng Klarheit und Vertrauen miteinander verbunden sind.

Die Stute war sehr eng mit ihrer Mutter verbunden und konnte von ihrer Besitzerin nicht gelöst werden. Sie hielt nicht fest, weil sie „ungehorsam“ war, sondern weil diese Verbindung ihr Sicherheit gab.

In einem kurzen Moment übernahm ich ruhig die Führung, lenkte ihre Aufmerksamkeit auf mich und gab ihr Orientierung. Sie entschied sich, mir zu folgen. Nicht, weil sie keine Wahl hatte, sondern weil sie mir vertraute.

Manchmal brauchen Pferde keinen größeren Druck – sondern einen Menschen, der ruhig und verlässlich die Verantwortung übernimmt.

In diesem Moment konnte sie erleben: Ich bin nicht alleine. Jemand passt auf.

Genau darin liegt der Unterschied zwischen Kontrolle und Führung.

Kontrolle nimmt einem Pferd die Wahl, weil wir seine Reaktion nicht aushalten.

Führung gibt Sicherheit, weil das Pferd spürt: Dieser Mensch weiß, was er tut.

Ein Pferd muss nicht gebrochen werden, um mit uns zusammenzuarbeiten.

Es muss verstanden werden.

Denn Vertrauen entsteht nicht dadurch, dass ein Pferd keine Möglichkeit mehr hat.

Vertrauen entsteht, wenn es merkt:

„Dieser Mensch sieht mich. Dieser Mensch bleibt ruhig. Dieser Mensch führt mich sicher durch die Situation.“


Ein Pferd kommuniziert immer.

Manchmal ist es eine offensichtliche Reaktion. Es weicht zurück, wird unruhig oder verweigert etwas.

Manchmal sind es sehr feine Signale.

Ein Blick.

Eine kleine Veränderung der Körperhaltung.

Ein Moment des Zögerns.

Wenn wir diese Zeichen übersehen, lernen Pferde irgendwann, dass ihre Kommunikation keinen Einfluss hat.

Doch wenn wir beginnen zuzuhören, entsteht etwas Wertvolles:

Eine Partnerschaft.


Klarheit bedeutet nicht Härte.

Klarheit bedeutet nicht, dass ein Pferd einfach funktionieren muss.

Ein guter Partner für ein Pferd zu sein heißt, Orientierung zu geben und gleichzeitig die Persönlichkeit des Pferdes zu respektieren.

Denn auch ein Pferd darf Fragen stellen.

Auch ein Pferd darf Gefühle haben.

Auch ein Pferd darf Zeit brauchen.

Die Aufgabe des Menschen ist nicht, das Pferd kleiner zu machen.

Sondern ihm zu zeigen:

„Du bist sicher bei mir. Ich sehe dich. Und wir finden gemeinsam einen Weg.“


Vielleicht ist genau das eine der größten Lektionen, die Pferde uns schenken:

Dass Führung nicht bedeutet, stärker zu sein.

Sondern vertrauenswürdig. Manchmal bedeutet es, zuerst an sich selbst zu arbeiten.

Wenn du dir auf diesem Weg Unterstützung wünschst, begleite ich dich gerne – 
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Die Erfahrungen anderer Pferdehalter mit meiner Arbeit findest du in meinen Bewertungen.

Lisa Peters: pferd.24-hs.de

Sonntag, 21. Juni 2026

Verstehen statt Verändern - Eine Lektion der Pferde


Über viele Jahre habe ich versucht, Pferde zu verstehen.

Warum verhält sich ein Pferd auf eine bestimmte Weise?

Warum vertraut es?

Warum zieht es sich zurück?

Warum entsteht Verbindung mit dem einen Menschen scheinbar mühelos und mit dem anderen nicht?

Je mehr ich hinschaute, desto mehr wurde mir bewusst:

Die wichtigste Lektion der Pferde hat nicht nur mit Pferden zu tun.

Sie hat mit uns Menschen zu tun.

Denn weder Pferde noch Menschen müssen ständig verändert werden.

Oft möchten sie zuerst verstanden werden.


Lange Zeit dachte ich, dass Helfen bedeutet, Antworten zu geben.

Wenn ein Mensch ein Problem hatte, wollte ich unterstützen. Ich wollte Mut machen, Perspektiven zeigen und vielleicht auch einen Weg aufzeigen, der leichter sein könnte.

Ich dachte:

Wenn ich die richtige Lösung finde, kann ich etwas verändern.

Heute sehe ich das anders.

Denn echte Veränderung entsteht selten durch eine Antwort von außen.

Sie entsteht durch eine Erkenntnis im Inneren.


Jeder Mensch trägt seine eigene Geschichte

Wir alle werden geprägt.

Durch Erfahrungen.

Durch Begegnungen.

Durch Dinge, die uns passiert sind.

Durch das, was wir gelernt haben.

Manches davon begleitet uns ein Leben lang und unterstützt uns.

Aber manchmal entstehen auch Muster, die irgendwann einmal hilfreich waren, uns später jedoch begrenzen.

Wir reagieren immer wieder auf bestimmte Situationen ähnlich.

Wir treffen ähnliche Entscheidungen.

Wir geraten immer wieder an ähnliche Herausforderungen.

Und manchmal fragen wir uns:

Warum mache ich das eigentlich immer wieder?


Der Unterschied zwischen Wissen und Erkenntnis

Wir können viele Bücher lesen.

Wir können viele Ratschläge hören.

Wir können genau wissen, was wir verändern möchten.

Und trotzdem bleibt manchmal alles gleich.

Warum?

Weil Wissen alleine nicht immer ausreicht.

Eine echte Veränderung entsteht in dem Moment, in dem wir etwas wirklich verstehen.

Wenn wir nicht nur wissen, sondern erkennen:

"Das ist mein Muster."

"Das ist der Grund, warum ich so reagiere."

"Das gehört zu meiner Geschichte."

Und genau dort beginnt Freiheit.


Pferde haben mich viel darüber gelehrt

Meine Pferde waren für mich große Lehrer.

Sie haben mir gezeigt:

Verhalten entsteht nicht ohne Grund.

Ein Pferd ist nicht einfach schwierig.

Es verweigert nicht grundlos.

Es vertraut nicht weniger, weil es "stur" ist.

Hinter jedem Verhalten gibt es eine Ursache.

Vielleicht Unsicherheit.

Vielleicht schlechte Erfahrungen.

Vielleicht fehlendes Vertrauen.

Vielleicht eine Situation, die für das Pferd anders aussieht als für uns.

Ein Pferd braucht keine Verurteilung.

Es braucht Verständnis.


Menschen brauchen keine Reparatur

Diese Erkenntnis hat meine Sicht auf Menschen verändert.

Auch Menschen sind nicht falsch, nur weil sie bestimmte Muster haben.

Wir alle haben unsere Geschichte.

Wir alle haben gelernt, mit bestimmten Situationen umzugehen.

Manches davon dürfen wir irgendwann neu betrachten.

Nicht, weil etwas mit uns nicht stimmt.

Sondern weil wir uns weiterentwickeln.


Coaching bedeutet für mich nicht, jemanden zu verändern

Ich möchte niemandem sagen, wer er sein soll.

Ich möchte keinen Menschen in eine bestimmte Richtung drücken.

Meine Aufgabe sehe ich darin, Fragen zu stellen.

Zuzuhören.

Wahrzunehmen.

Einen Raum zu schaffen, in dem Erkenntnisse entstehen dürfen.

Denn die wichtigsten Antworten finden wir oft nicht außerhalb von uns.

Wir finden sie in uns selbst.


Entfaltung statt Veränderung

Vielleicht müssen wir nicht jemand anderes werden.

Vielleicht müssen wir nicht ständig an uns arbeiten, um "besser" zu werden.

Vielleicht dürfen wir zuerst verstehen, wer wir bereits sind.

Wie eine Blume nicht repariert werden muss, damit sie blüht.

Sie braucht nur die richtigen Bedingungen.

Raum.

Zeit.

Licht.

Vertrauen.


Manchmal brauchen wir keine neuen Antworten.
Manchmal brauchen wir nur den Mut, die richtigen Fragen zu stellen.

Wenn du Interesse an einer persönlichen Begleitung hast, freue ich mich über deine Nachricht.

Lisa Peters: pferd.24-hs.de